Ausgabe 
17.4.1907
 
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die

Von genannt,

Da nur inniger Glaube den Menschen den Simmet erschließt, so wurde die himmelwärts Schauende zum Sinnbild frommen Glaubens:

i ,,Liebliche Blumen, primula veris,

Holde, dich nenn' ich Blume des Glaubens. Gläubig dem ersten Winke des Himmels Eilst du entgegen, öffnest die Brust ihm", sagt Lenau von ihr.

In der deutschen Bolkssage spielt die Schlüsselblume eine ähnliche Rolle wie die Springwurzel. Man soll mit ihrer Hilfe verborgene Schätze heben. Doch muß bei der Auffindung eine weiße Fran, die sogenannte Schlüffeljnngfrau erscheinen. Diese führt zu einem Schlosse, dessen Tür durch die Berührung mit der Blume aufspringt daher der Name Schlüsselblume; innen find Fässer von Gold, gewöhnlich aber voll Fruchte, Flachs- knotm und bergt., die sich dann in Gold verwandeln; man muß aber die Blume wieder mituehmen, sonst wird man von einem schlvarzen Hunde verfolgt. Diese Schlüsseljungfran deutel man auf Freha, da in der Krone dieser Göttin sichtbar ein Schlüssel stecken sollte. In der späteren christlichen Zeit hat man die tznld der Schlüsseljungfran auf die Mutter Gottes übertragen.

Zu den Frühlingsboten aus der Blumenwelt gehört auch das Gänseblümchen oder Maßliebchen, dessen weiße, Blütensterne den grünen Anger von den ersten Frühlingstagen bis zum Spät­herbst hinein schmücken.

Bald bunt, bald rot und bald schneeweiß. Ist es des Lenzes srüh'ster Preis, Des Herbstes letzte Frciide."

der Dichterauch: .

Du liebes Glöcklein, weih luie Schnee, . ; I I Wie freu' ich mich, wenn ich dich seh'. Du blühst im milden Sonnenschein i

Und läutest den lieben Frühling ein."

Warum >das Schneeglöckchen ein Gefährte vvist Schnee ift, erzählt u!ns eine anmutige Sage:Als der liebe Gott die Erde erschaffen und alles in bunter Farbenpracht erglänzte, da be­klagte sich der Schnee beim Schöpfer, daß für ihn keine Farbe ge­blieben sei und er nun ebensowenig beachtet würde wie der Wind. Geh doch zu den Blumen!" sagte der liebe Gott,sie werden dir von ihren Farben -geben." Aber keine Blume wollte von ihrer Farbenpracht etwas ablassen. Nur das kleine Schneeglöckchen hatte Mitleid.Wenn du dich mit meiner Farbe begnügen willst, will ich dir davon geben", sagte es zu dem Schnee. Und der Schnee war es zufrieden. Zum Dank dafür hütet nun der Schnee das kleine Blümchen in dem kalten Winter und hüllt es warm

Gar verschieden sind die Namen, die dieses zarte Blümchen Kt; es heißt auch noch Perlblnme, Tausendfchöu, Tausighübsch, nablümlein und Marienblümchen. An die letzte Bezeichnung knüpft sich eine sinnige Sage:Maria wollte einst ihrem gött­lichen Kinde zum Geburtstage einen Kran§ schenk mnte aber nirgends Blumen finden. Aus weißer Seide je.. ne selbst einige künstliche an, von denen eine sich durch besondere Schönheit auszeichnete. Tie Mutter Gattes hatte sich dabei mit der Nadel gestochen, und der Rand des Blümchens war davon blutrgrot. Dem Jefusknaben war dieses Blümchen darun: doppelt lieb; er pflanzte es und verlieh ihm Leben. Und so schniückt es heute Feld

Bei den nordischen Völkern Ivar das Blümchen der Ostara, der Göttin 'd'.er Auferstehung der Natur geweiht. Es war die Osterblume", mit der man den festlichen Osterpvkal umwand.

Die eigentliche Heimat dieser Frühlingsülmne soll China sein, von wo sie ein Jesuitenpater 1728 nach Frankreich brachte. Hier steht sie in hohem Ansehen, auf seine Kultur wurde die größte Sorgfalt verwandt, und namentlich die Gärten von Trianost lieferten Blumen in allen Farben und Arten. Unter dem Namen Marguerite" sind sie beni Gartner und Blumenliebhaber wohl bekannt. In Frankreich galt das Maßliebchen als Sinnbild der Ritterlichkeit und edelsten Weiblichkeit, und bei allen Vermahlungs­feierlichkeiten spielte es eine große Rolle.

Bet uns wird das Maßliebchen als Lrebesorakel verehrt, und darum heißt es in einem alten Liedchen:

Ich bin das kleine Tauseudschön, Und trage noch der Rainen viel; Maßliebe gibt ihr Blätterkrönchen Der Liebespein zum Fragespiel. .Wie könnt' ich euch in's Herze fassen, Die ihr mich heimlich habt befragt Ich mußt': er taitn nicht von dir lassen, Und hab' es treulich auch gesagt.

Wenn es draußen überall lebhafter grünt und blülst, erscheint lieblichste .nuferer Frühlingsblumen, das Veilchen.

Das EiS zergeht, der Schnee zerrinnt. Wann grünt es über ein Weilchen;

- Und leise singt der laute Wind:

Wacht auf, wacht auf, ihr Veilchen!

Von jeher gilt daS Veilchen als das eigentliche Symbol des Frühlings, als das sicherste Unterpsaud, das, nun die Herrschaft des Winters gebrochen ist. Mit Freuden wird daher sein Erscheinen

Arühttngsöolen aus der Manzenwett.

Skizze von Ludwig Epstein. >

Nachdruck verbotest.

Der Eisbann bricht im Frühlingswehn, Nun Wunen die Blümelein anferstehn; Sie schmachteten lange in Banden fest, Mein der Lenz hat sie erlöst.

Das Vöglein war im fernen Land, Dev Irian he Winter hat's verbannt. Jetzt eilt's herbei und singt so hell Zum Herrn, der aller Freude Quell."

Nun ist endlich die Kraft des Winters, der Wochen- und Monatelang sein Szepter geschwungen, die Erde in ein weißes Leinentuch gehüllt, und Bäche, Flüsse und Seen in seine Baude geschlagen hat, gebrochen, und die Natur schickt sich an, den sonnigen Lenz zu empfangen; aber ehe dieser holde Knabe noch seinen Einzug hält, sendet er feine Herolde, die uns sein Nahen

Den blut'gen Lorbeer geb ich hin mit Freuden Für's erste Veilchen, das der Frühling bringt, Das dust'ge Pfand der neu verjüngten Erde', sagt Schiller in feinem.Wallenstein". , n

Früher wurden in Süddcutschlaud und Oesterreich beim Er­scheinen des ersten Veilchens die sogenannten Beilcheuseste gefeiert, ebenso wie itfie Ankunft der Schwalben, der Störche oder der Kuckucks den Anlaß zu Festlichkeiten gab. In Wien wurde baS Veilchensest bereits im 13. Jahrhundert freudig begangen. Sobald man das erste Veilchen gefunden hatte, zog alt und ,ung, der Herzog mit seinem Hof an der Spitze, unter jauchzen mit ..utfu hin­aus, nm diesen Herold des Lenzes ,zu bearühem Das schönste und sitt­samste Mädchen ward auserwählt, das Veilchen zu pflücken, welches, nachdeni man fröhliche Lieder.gesungen und die üblicyen Tänze aufaeführt, im Triumph in die Stadt getragen wurde.

Der alte Brauch des Umtanzens des ersten Veilchens führte in den Tagen Ottos des Fröhlichen iir der Umgegend von Wiest zu einem Streite zwischen Nithart Fuchs und den Bauern. Ersterer, der Hofnarr Herzog Ltws, hatte nämlich .ist eineirt

ijcrlüubicn.

Einer der ersten Frühlingsboten ist das Schneeglöckchen, dessen weiße Blütenglöckchcii oft schon schüchtern durch die iveiße Schnee­decke hervorlugen. Dieses zarte Blümchen läutet gewissermaßen den Frühling ein. Von ihm singt der Dichter:

Der Lenz will kommen, der Winter ist aus, Schneeglöckchen läutet: . Heraus! Heraus!

Heraus, ihr Schläfer, aus Flur und Heid', Es ist nicht länger Schlafenszeit.

Und was iwch schlummert im Winterhaus, Zum Leben und Weben heraus, heraus!" .

Mit großer Freude wird das anmutige Blümchen von und jung begrüßt; denn nun sind Wiuterleid und Wintertrauer bald vorbei, und. schon Mäht der schöne Frühling. Darum singt

ein, damit es nicht erfriert." _

Das Schneeglöckchen ist das Sinnbild der Demut uno Dank­barkeit, des Trostes und der Hoffnung. Wenn sein heller Ton durch die Walder klingt, dann wachen nach und nach die Kinder Floras aus, öffnen ihre Blütenkelche den toarmen Sonnenstrahlen und verheißen uns neuen Frühling. Bald sprießen unter der dünnen Laubdecke des Waldes, dessen Kronen jener eigentümliche Märzen- glanz erfüllt, der durch das Schwellen der ihre Hülle spannenden Knospen entstehet, auch diewie verwunderte Kinderaugen starr zum Himmel blickenden Leberblünichen" hervor, gelbe Ranunkeln glänzen vom Bache herüber, und der Wiesengrmid schmtickt sich mit Anemonen und Primeln.

der Primel, laute!) HimmclSschlüssel oder Schlüsselblume singt Fr. Rückert:

Himmclsschlüssel ist genannt ein goldenes, Feingebildetes Blümchen auf der Wiese, Weil den Himmel auf Erden sieht die Unschuld Aufgeschlossen im Frühling unter Blumen."

Dev Name Primel, d. h. Erstling (des Frühlings), stammt von der lateinischen Bezeichnung Primula her. Ihren deutschen . -Kanten hat hiiese Frühlingsblume wohl dem Umstande zu ver­danken, oaß ihre Blüte einem Schlüssel der alten Zeit ähnelt. Zieht man die gelbe Blumenkrone heraus, so bleibt die Kelch­röhre wie ein zierliches Schloß mit dem Schlüsselloch nach alt­deutscher Art zurück. Die Blumenkrone selber gleicht einem im Innern hohlen Schlüssel, in welchen der Stift des Schlosses geschoben weichen Mußte. Eine andere Erklärung des Namens unserer Blume gibt die folgende Legende:Als einst vor der hohen Himmelstür der Pförtner Petrus Vernahm, daß man sich Nach-schlüssel gemacht, um Hinterpförtchen an dem Himmelsdome damit zu erschließen, entfiel vor Schreck das. ganze Schlüsselbund der heiligen Hand und sank von Stern zu Stern bis tief herab aus wnsere Erde. Schnell sandte er demselben einen Engel nach, daß er es aushebe und ihm zurückbringe. Doch ehe dieser den Befehl auszuführen veruwchte, hatten die goldenen Schlüssel be- reits den Erdboden erreicht und sich in denselben eingedrückt, und aus ihnen empor war eine goldene Blume erwachsen, welche der Erde bereits den Frühlingshimmel erschlossen. Zwar nahm der Engel die Schlüssel wieder mit sich fort, doch ein zarter Ab­druck blieb uns zurück, und in jedem Jahre sprießen die Schlüssel­blumen von neuem empör und erschließen uns dest Blumen- Himmel des Frühlings." 1