Ausgabe 
16.11.1907
 
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Kduard Kriedrrch von AranseLy.

Zum Andenken an den 100jährige» Geburtstag l6. November 1907.

Tas Städtchen Gedern kann sich rühmen die Geburts­stätte eines unserer größten deutschen Heerführer zu sein. Im dortigen Kirchenbuch findet sich folgender Eintrag:

Am 16. Jkovember 1807 geboren Eduard Friedrich iron Transit), des königlich preußischen Hauptmanns bei dem Dragoner­regiment v. Wobeser Herrn Ernst von Frausky und Frauen Char­lotten, einer geborenen von Preuschen 5. eheliches Kind. Ge­tauft 24. eiusd. Pathen waren: 1. Friedrich von Preuschen, Re- gierungsrat dahier und 2. dessen Demoiselle Schwester Luise von Preuschen, des seligen Geheimraths Preuschen älteste eheliche Tochter.

Tie Schreibweise Fransky erklärt sich daraus, daß der Name den Ton auf der ersten Silbe hat, nicht wie ge­wöhnlich ausgesprochen auf der zweiten. Tas Geburts- haus kann nicht genau sestgestellt werden, nach glaub­würdiger Tradition ist es nicht, wie in dem Führer durch Oberhessen angegeben wird, der Prinzefsinuenban des Schlosses, sondern ein Haus auf dem Schloßberg (Besitzer jetzt Pröscher).

Wie kam fehl Vater nach Gedern? Am 28. Oktober 1806 war der preußische Offizier v. Fransecky in der Schlacht bei Prenzlau gefangen genommen worden und hatte sich als Kriegsgefangener in die Nähe seiner Schwiegereltern begeben. Bald nach Auswechselung der Gefangenen zog sei» Vater, der auf Wartegeld angewiesen war, nach Havel­burg und Sandau an der Elbe, wo der junge Fransecky seine ersten Lebensjahre verbrachte. Tie Verhältnisse seiner Eltern blieben ärmlich, noch als fein Vater als Gendar­merieoffizier 1813 in Liebenwalde in der Mark angestellt wurde. Ter Werdegang des Generals ist ein Beweis da- ft-.r. lute rastloser Fleiß und zähe Ausdauer auch den Minderbemittelten zur höheren Lebensstellung führen kann.

Am 1. November 1818 wurde er in das Kadettenhaus ausgenommen, am 8. April 1825 zum Lieutenant im 16. In­fanterieregiment zu Düsseldorf befördert. Tort kam er in nahe Beziehungen zu Malern.

1834 erschien von ihm die Geschichte seines Regiments in Münster, wo er demnächst die Stellung eines Regi- mentsadjutanten bekleidete. 19 Jahre brauchte er bis zur Erlangung des Hauptmannspatents. 5 Jahre hatte er den Feldmarfchall Wrangel zum Kommandeur, der dem begabten Schüler ein vielseitiger Lehrer war. Als 1848 der Krieg in den Elbherzogtümern ausbrach, bewirkte Wrangel dessen Berufung in seinen Stab. Er sah in den Gefechten bei Schleswig und Düppel, wie es im Kriege zugeht. Wrangel zog ihn auch nach Berlin, wo Fransecky als Dirigent der kriegsgeschichtlichen Abteilung des großen Generalstabs eine epochemachende Tätigkeit entfaltete. 1857 beginnt seine Tätigkeit als Truppenführer. Ein Bei­spiel seltener militärischer Vielseitigkeit gab er, als er neben Führung seines Regiments noch die Leitung der Divisious- fchule in Erfurt übernahm. Da fiel auf ihn die Wahl zum Kommandeur der Oldenburgisch-Hanseatischen Brigade. Er nahm daher 1860 seinen Abschied aus dem preu­ßischen Dienste. In der neuen Stellung erwarb sich der General große Verdienste, indeni er feine Tätigkeit hier auf die ihm fremden Waffen erstrecken konnte. Er führte hier zuerst in Deutschland die gezogenen Geschütze ein nnd war stolz auf seine Oldenburgische Artillerie:Wenn Fremde etwas von uns sehen wollen, so zeigen wir die kurzen Zwölfpfiiuder im Fahren und die gezogenen Geschütze im Schießen!" In wie hohem Grade ihm die Schulung dieser Truppe gelang, haben die Regimenter in den folgenden Kriegen gezeigt. Am 11. Nov. 1864 machte er von dem Vorbehalt des Rücktritts in den preußischen Dienst Gebrauch. Er wurde zum Kommandeur der 7. Divi­sion in Magdeburg ernannt, in welcher Stellung er den Kampf gegen Oesterreich zwei Jahre nachher mitmachte. Seine Siegeslaufbahn begann mit dem Gefechte bei Münchengrätz, wo er den als unersteiglich angesehenen Muskyberg erfolgreich angriff. Am 3. Juli hat seine Divi­sion durch standhaftes Festhalten des Swipwaldes das Ver­

dienst, den Sieg von Königgrätz ermöglicht zu haben. Im Innern des Waldes wurde die Division in einen so hart­näckigen Kampf verwickelt, daß die Truppen sich nur mit äußerster Anstrengung zu behaupten vermochten. 40 öster­reichische Bataillone traten gegen die 14 Bataillone Fran- feckys in Kampf und dennoch konnten die fast dreifach über­legenen Kräfte den Wald nicht wieder gewinnen. Dem General selbst war beim Vorreiten gegen den Wald das Pferd unter dem Leib erschossen, und er war eine Zeitlang in Gefahr, in Gefangenschaft zu geraten. Endlich brachte das Gardewrps die ersehnte Hilfe. Ein schönes Denkmal hat er in feinen Berichten der Hingabe und Tüchtigkeit der von ihm geführten Truppe gesetzt. Gebührend rühmt er die Heldenkämpse seiner Division, aber was der Führer, die Seele des ganzen Ringens, getan hat, darüber kein Wort, auch darüber nicht, daß er es war, der seinen Regi­mentern im Augenblick der höchsten Gefahr zurief:Keinen Schritt zurück, hier sterben wir!" und ihnen damit den mächtigen Impuls einflößte, der das unmöglich Scheinende durchsetzte: den erfolgreichen Widerstand einer einzigen Division gegen zwei feindliche, tapfer kämpfende Armee­korps. Wie im dänischen Kriege, so sollte ihm auch in diesem Feldzuge beschieden sein, beit letzten Schuß zu tun. Hätte der Waffenstillstand nur eine Stunde später begonnen, so hätte dies die Vernichtung des Gegners zur Folge gehabt.

In den folgenden Jahren war Fransecky zur Besichtigung des sächsischen Armeekorps kommandiert. Bei der Mobil­machung 1870 wurde er kommand. General des 2. Armee­korps. Da das Verhältnis zu Oesterreich wie zu Dänemark noch nicht sicher war, wurde sein Korps bis 7. August in Berlin zurückgehalteu. Noch rechtzeitig gelang es ihm, die 2. Armee des Prinzen Friedrich Karl einzuholen. Um unter allen Umständen am 18. August zur Stelle zu sein, bat er den König persönlich, den Abmarsch seines Korps zwei Stunden früher als befohlen, beginnen zu können.

Nach neunstündigem Marsche, durch den immer heftiger werdenden Kanonendonner vorwärts getrieben, bei glühen­der Sonnenhitze erreichte sein Korps um 4 Uhr nachmittags die Wahlstatt. Dort kamen feine Pommern gerade noch recht, den Kampf in einem bis in die Stacht hinein dauern­den verlustreichen Gefechte zugunsten der eigenen Waffen siegreich zu entscheiden.

Auf einen Glückwunsch seiner Heimatsgemeinde traf aus Gorze bei Metz folgendes, bis jetzt noch unveröffent­lichtes Dankschreiben ein:

Auf dem Postwege empfing ich von Saarbrücken her eid Telegramm der Gemeinde Gedern, worin dieselbe mir zu den Erfolgen des von mir befehligten 2teit Armeekorps am 18. ix M. gratuliert. Ich bitte der Gemeinde zu sagen, daß mir ihr Glück­wunsch doppelt wolrlgetan habe, einmal als Zeichen eines patrioti­schen Sinnes, der sich au den Erfolgen der deutschen Waffen mit Stolz und Freude erhebt, sodann auch als ein Zeichen persönlichen Wohlwollens, der ich durch meine Geburt in Gedern mich der dortigen Gemeinde inrmer nahestehend gefühlt habe, obgleich mir durch beit Umstand, daß meine Eltern bald nach meiner Geburt in ihr preußisches Vaterland znrückkehrten, jegliche Erinnerung sowohl an den Ort selbst, wie auch an uns befreundete Personen versagt bleiben mußte.

gez. v. Fransecky General der Infanterie,

eomm. Gen. d. 2. preuß. Armeekorps.

Tie Uebergabe der Festung Metz brachte dem Armee­korps die Teilnahme an der Einschließung von Paris. Es zeichnete sich hier in der Schlacht bei Champigny am 2. Tez. aus. Wie 1866 seine Truppen den letzten Schuß abfeuerten, so war dies auch im Februar 1871 bei dem Schlußakt des Jurafeldzuges der Fall, als das 2. Armeekorps der Armee Bourbakis das Geleit über die Schweizer Grenze gab.

Nach dem Kriege wurde Fransecky die Auszeichnung, der erste kommandierende General in den wiedergewonnenen Reichslanden zu sein. Als Gouverneur von Berlin beendete er seine ruhmvolle Tätigkeit. Nach 57 Tieustjahreu sollten ihm fast noch acht Jahre der wohlverdienten Ruhe be* schieden sein, bis er am 21. Mai 1890 in Wiesbaden starb.

Seine Vaterstadt Gedern beabsichtigt, ihrem berühmten Sohne ein Denkmal, Basaltstein mitMedaillonbild, zu errichten.

Laubach, Adolf Bergheimer.