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Auf der eigenen Spur.
Kriminalroman von Otto Ho ecker-
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Tas ist infam!" entfuhr es Hermine wieder, indem sie entrüstet aufblickte. „Tie arme Marie! Ich kenne ihre jetzigen Verhältnisse nicht, doch ich weiß, sie würde eher sterben, als sich zur Mitschuldigen einer Schlechtigkeit zu machen — und wie verworfen müßte sie sein, hätte sie — mit dem Bilde des Sohnes im Herzen — dem arglosen, vertrauenden Vater die Hand zum Lebensbnnde reichen können!"
„Tein in die Freundin gesetztes Vertrauen ehrt Dich, Min- chen", meinte ihr Vater, sich räuspernd. „Doch offen und ehrlich heraus, sie hat mir nicht gefallen — in Mick und Haltung hat sie etwas Unstetes, als ob ihr verborgene Schuld am Herzen nagte ... ich wollte diesen Eindruck vor mir selbst nicht Wort haben, darum schwieg ich mich hierüber auch gegen Dich aus. Toch, Ido der junge Eilenburg offen mit verbrecherischen- Beziehungen zu seiner Stiefmutter prahlt, so —"
„— so ist es erst recht eine infame Verleumdung!" flammte Hermine auf, mit vor Entrüstung dunkel gewordenen Angen. „Wie bereue ich, daß ich sie nicht heute schon ausgesucht habe, morgen indessen soll mich nichts davon zurückhalten."
„Ra, liebs Minchen, darüber sprechen wir noch ausführlicher", Unterbrach sie ihr Vater fast gemütlich. Er rieb sich die Hände und wendete sich mit schnell ernst werdenden Zügen an Walden zurück. „Also, Eilenburg junior sagte seinem Stellvertreter 10 000 Mark als Belohnung zu und dieser trat dafür die Strafe an. Ter arme Schächer, nun hat er volle acht Monate umsonst ver- Lüstt und eine gleich hohe Strafe dürfte ihm für seine unbefugte Stellvertretung in sicherer Augsicht stehen. Wußte denn dieser Pseudo-Eilenburg anzugeben, was inzwischen aus dem wirklichen Namensträger geworden ist?"
„Allerding. Wie Sie wissen, hat auch uns diesen Frühsommer der große Turchstechereiprozeß beschäftigt, der dann im September vor der Strafkammer mit der Verurteilung der angeklagten Gefängniswärter geendigt hat."
„Gewiß erinnere ich mich. Tie pflichtvergessenen Beamten schmuggelten den Häftlingen allerlei Lebensmittel, Tabak, spiri- tuöse Getränke und Bargeld zu, wobei sie sich von den Angehörigen brausen Niesenprovisioncn 'bezahlen ließen."
„Zufällig teilte mir nun der Tirektor niit, daß bei einer der damals häufigen Zellenrevisionen auch int Bettstrohsack des vermeintlichen Eilenburg verschiedene verbotene Lebensmittel sowie Kautabak uud ein kleiner Geldbetrag beschlagnahmt worden seien. Von der Annahme ausgehend, daß nur der wirkliche Eilenburg ein Interesse daran haben konnte, seinem Stellvertreter heimliche Zuwendungen zu machen, schon um ihn bei guter Laune zu erhalten, begann ich den Gefangenen unter vier Augen zu bearbeiten — und es gelang mir auch, ihn zu dem Geständnis zu bewegen, daß ihm Eilenburg junior allerdings' die ersten Monate über wiederholt derartige Extragenüsse, sowie bescheidene Geldmittel durch den käuflichen Wärter verschafft
habe. Auch einen heimlichen Briefwechsel der sich natürlich auf den Austausch kurzer Informationen beschränkt, hatte der pflichtvergessene Beamte begünstigt. Aus ihm hatte Hildebrand entnommen, daß sein Freund sich heimlich in Berlin aufhielt und seinen Lebensunterhalt durch Zuwendungen seiner jungen Stiefmutter bestritt. An ihn von Hildebrand wegen der geringen Menge der Eßwaren gerichtete Klagen soll Eilenburg junior damit beantwortet haben, daß ihn die Stiefmutter selbst erbärmlich knapp hielt und er sich ducken müßte, wollte er einen offenen Bruch vermeiden. Er würde schon später mit ihr quitt werden, sei erst die dnmime Gefängnisgeschichte abgetan. Bargeld bekäme er überhaupt keines zu sehen: verschaffte sie ihm nicht die Möglichkeit, heimlich und hinter seines Vaters Rücken eine Troschke vom Hinterhof zu holen und Nachtfahrten zu machen, so könnte er selbst Hungcrpfoten saugen und mit etwaigen Zu- Wendungen für seinen Strohmann sei cs überhaupt vorbei."
„Ah! Das ist durchaus wichtig!" rief Rat Hansemann, ist großer Erregung von seinem Sitze sich erhebend. „Da hätten wir ja vermutlich mit einem Schlage den heimlichen Kutscher von vorgestern Nacht. Offenbarte Ihnen der Bursche nicht auch, wie es Eilenburg junior möglich machte, trotz der Wachthunde Troschke und Pferde vom Wagen zu entführest und wieder dasin zurückznbringen?"
„Dahinter steckt wieder die junge Frau Eilenburg", versetzte Walden mit einem bedauerlichen Blick auf Hermine, die ganz bleich vor Schreck wurde und mit der Hand nach dem Herzen fuhr. Eilenburg füttert die Hunde abends vor dem Loskettest selbst: seine Frau aber bereitet das Futter zu. Gelingt cs ihr, dies unbemerkt von ihrem Manne zu tun, so mischt sie dem Futter ein Betäubungsmittel bei, das die Bestie die Nacht über unschädlich macht. Auf diese Weise konnte natürlich Eilenburg junior Wagen und Pferd holen und wieder bringen. Eine solche Praxis soll auch schon während seiner Abwesenheit im Vaterhaus vor dem angeblichen Strafantritt im Schwünge gewesen sein. Der Alte hielt seinen Sohn bekanntlich knapp.und da auch die junge Frau nicht an die Kasse kam, so mußte er sich durch Nachtfuhreu ein Extrataschcngeld zu machen suchen. Konnte Frau Eilenburg das Betäubungsmittel dem Futter beimischen, so stellte sie ein Nachtlicht an eins der WohUnngsfenster, das von der rückwärts laufenden, sehr breiten Platzstraße aus deutlich überblickt werden konnte. Da Eilenburg junior aus begreiflichen Gründen immer auf der Lauer lag, so, konnte er in einer solchen Nacht immer ohne Furcht vor etwaiger Entdeckung fahren.
„Mein Himimel, wie soll ich das nur glauben können! ries Hermine, in drangvoller Erschütterung die Hände ringend. ,,Meine arme Marie — nein und abermals nein, sie kann sich nicht derart zum Schlimmen verändert haben — nrteile doch selbst", wen- betc sie sich an den Vater, der eben mit verkniffenem Gesicht dasaß und durch ihre Unterbrechung nicht angenehm berührt zu sein schien. .
„Was denn, Kind? Du siehst, ich habe den Kopf voll . . Ja so, deine Marie! . . . Nun, weißt du, istein Minchen, vielleicht gestern noch würde ich Mr btzigepflichtet haben . .■ . auch mir fällt es hart genug, mir dsts frühere liebe, herzensgut«
Dr. 170 Samsrag den 16. UovemSer
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