Ausgabe 
16.10.1907
 
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sonst Wirklich nichts v'orwerfen. Er war ein vortrefflicher Bürger. Er bezahlte seine Steuern wie ein reicher Mann, obgleich es ihm schwer fiel: ja er gab dem Staat sogar noch mehr als der Reiche, denn auf seinen Gaben beruhte des Staates beste Kraft. Er war ein friedlicher Mensch, ein sehr friedlicher sogar. Er Ning nicht in die Volksversammlungen, schrieb nicht für die Zeitungen, er streikte nicht und merkwürdig, er hatte immer etwas zu mäkeln. Es war wie ein Verhängnis . . . Heute geht der Mann wieder von Haus zu Haus. Da haben wir's! Ein Bettler scheint er zu sein! Vielleicht! Bescheiden pocht er an die Türen. Jede Tür wird aufgetan. Man hört auch seine Bitte, sieht sein scheues, gedrücktes Wesen: aber man zuckt die Achseln, macht die Tür wieder zu, und er bleibt draußen. Da wandert er mit schwerem Herzen weiter. Er sucht ohne Unterlaß und kann doch nichts finden; er sucht eine bleibende Stätte und niemand will ihn haben. Verzweifelnd seht er sich am Wege auf einen Stein, und Tränen fließen auf seine harte. Hand . . . Aber die Welt hat vielleicht trotz alledem recht: Er ist dennoch ein Verbrecher der Mensch hat mehr als ein halbes Dutzend Kinder!

Neus Bücher.

28. September4. Oktober.

(Besprechung erfolgt nach Auswahl. Eine Verpflichtung zur Besprechung und zur Aufbewahrung unverlangt cingesandter Bücher wird nicht übernommen.)

Friedrich Spiel Hagen, ausgewählte Romane. Fünf Bände. Enth. Problematische Naturen, Sturmflut, Was will das werden?, Sonntagskind, Stimme des Himmels, Opfer, Freigeboren. Leipzig, L. Staakmanu.

Meyers Volksbücher, Nummer 14671483. Preis jeder Nr. 10 Pfg. 14671471: Freiligrath, Gedichte. 14721474. Hclnwlt, deutsche Geschichte.

14751478: Das Nibelungenlied, übersetzt von 'Simrock. 14791480: Nieritz, der Kantor von Seeborg. 14811482: Nieritz, Alexander Menjiiwff. 14841487: Stahr, Weimar und Jena I. 14881490: dass., II. 1483: Nieritz, der Paukcndok- tor, der Kreuzturm zu Dresden.

Volksbücher der Deutschen D i ch te r-Gedächt­nis-Stiftung. Heft 15, Ludwig Anzengruber, Der Erbonkel und andere Geschichten, Pr. 25 Pfg., geb. 55 Pfg. Heft 17, Ilse Fragan-Aknnian, Die Last, Pr. 25 Pfg., geb. 55 Pfg. Heft 20, ^Ernst Jahn, Die Mutter, Pr. 20 Pfg., geb. 50 Pfg. Hamburg- Großborstel, Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung.

Musen-Almanach auf das Jahr 1908. Leipzig, Ver­lag für Literatur, Knust und Musik.

Erdmann G r a e s e r, Lotte Glimmer. Humoristischer Ro­man aus dem Berliner Leben. 8. Anfl. Berlin N. W. 87, Her­mann Seemann Na Hf. Preis 1 Mk.

D r. Her m a n n P ach nicke, Die Mecklenburgische Ber- fassungsfrage. Parchim, Hermann Freise. Preis 50 Pfg.

Dr. Julius Reiner, Zarathustra. 3. Anfl. Berlin, Herrn. Seeinaun Nachf. Preis 1 Mk.

Oska r M n s e r, Der Ultramontanisumus und das Zentrum. .Eine Studie, Lahr i. B., Moritz Schauenburg, Preis 1.80 Mk.

Mode und Hans. Illustriertes Moden- und Familien- Jvurnal, 24. Jahrg., Nr. 1. Berlin W. 57, Kurfürstenstraße 15/16. Preis vierteljährlich 1 Mk., init Moden-, refp. Handarbeit- Kvlorits 1.25 Mk. ;

P h. B u x b a u m. Bon Jägern und Wildschützen. Erzäh­lungen aus dem Odenwälder Volksleben. Band l, die Heckenrose. Band 2, Der Golddvgel (Bibliothek vaterländischer Sagen und Er­zählungen, Vd. 7 u. 8). Gießen, Emil Roth. Preis je 1.50, geb. 2 Mk.

Arthur Dix, Afrikanische Berkehrspolitik. Berlin, Her­mann Paetel. Preis 2.50 Mk.

Offizielle Automobil-Tourenkarten des Kai­serlichen Automobil-Clubs. Nr. 58, KasselMarburgFrank- mrt a. M. Str. 75, Frankfurt a. M.WürzburgNürnberg. Berlm u. Gwgau, Karl Flemming, A. G. Preis je 1.50 Mk. . D r.m eh. Poltner, Die Ernährung des kranken Menschen, msbes. der Magen- und Darmleidenden. Oranienburg, Wilhelm Möller. Pu. 1 Mk.

Du Julius Reiner, Moses und sein Werk, Berlin, Herm. Seemann Nachf. Preis 1 Mk.

Ernst Eckstein, Gesammelte Schulhumoresken. Neudamm, I. Neumann. Preis 3 Mk.

Bruno Bolger. Moderne Reklamekuust. Handbuch der üeuzeitlcchen Jnsertions- und Propagandatechnik. Stuttgart, Schwabachersche Verlagsbuchhandlung. Preis 3.60 Mk.

Süddeutscher StaffelfahrplanF i x". Süd­deutsches Kursbuch. Winter 1907/08. Mannheim, Stern-Ell- veich u. Co. Preis 50 Pfg.

Bilz,, Goldene Lebens regeln. Dresden-Radebeul, Vilz Ver­lag. Preis 2 Mk.

Ernst Frcnke, Führer durch die Unfallversicherung des Deutschen Reiches. Berlin W. S., Franz Wahlen. Pr. 50 Pfg. (ttt Partien billiger).

stech er ts Armee-Einteilung,und Quartierliste des Deutschen Reichsheeres und der Kais. Marine. 48. Jahrg, herausgeg. am 1. Oft. Berlin S. W. 11. Karl Sigismund. Preis 50 Pfg.

Robert Saudeck, Dämon Berlin. Roman. BerlinW.50, Concordia Deutsche Verlagsanstalt, Hermiann Ehbock. Preis 4 Mk.

Karl Rosner, Sehnsucht. Roman. 3. Ausl. Berlin, Hermann Ehbock. Preis 4 Mk.

Mr Bauernfreund. Kalender für 1908. Straßburgs Ludwig Götz.

HKUsinfchriftött aus Drtschafterr des Kreises Kirchhain.

(Originalbcitrag des Gieß. Anz.)

1. Ach, ivas sind die Zeiten schiver Hier auf dieser Erden, Keiner hat fein Geld nicht mehr, WaS soll das noch werden. Sagt dem Kaffee gute Nacht, Er kost' Geld und Zocker, Er verderbt auch den Geschmack Und macht den Beutel locker.

Eßt lieber, was den Magen füllt, Rindsleifch, Suppe, Grütze, Wenn cs mir ben Hunger stillt, Dieses ist auch nütze.

2. Wer feine gute Milch verkauft Und mit den Kindern schlechte saust, Wer Bntterlieferante ist Und selber Atargarine frißt, Wer schlechtes Äuslandsfutter gibt Und hinterher zu klagen liebt, Daß er verschleudern muß die Körner, Der ist ein Rindvieh ohne Hörner.

* w

8. Mer baut au? der Straßen, Der muß Federn lassen.

4. TieS Haus ist mein und doch nicht mein," Wer nach mir kommt, ivirds auch so sein.

5, Ihr Mauerslent, fügt Stein auf Stein, Braucht Winkeln,aß nnd Senkel, Ihr baut ja nicht für mich allein, Ihr baut auch für den Enkel.

GoldLKe Worte.

Lebe mit den Besten, ob sie nun vor Jahrhunderten lebendigen Fleisches waren oder ob sie heute herumwandeln; gefalle dir nicht unten imTeich, sondern nach oben ringe dich hinauf, zu den Meistern über dir hinausschauend, dabei aber hinunterhorchend auf die Stimmen der Zeit, die da konnnen und gehen.

Ad. Wilbrandt.

*

Glücklich? Wer ist denn glücklich?

O, blicke nicht nach dein, was jedem fehlt.

Betrachte, irnS noch jedem bleibt. Goethe.

Jedes aufgegebene Vorurteil, das der Mensch durch Geburt, Lebenskreis- Gewohnheit besaß, ist ein Schritt zum wahren Glücke hin. _____ Hilty.

Rätsel.

Tas Erste rüst mit hellen, Klange Ter Sehnsucht leisen Laut in mir; Der Deutsche preist es im Gesänge Als seines Landes Lust und Zier.

Es spendet uns der Seele Frieden lliib füllet uns mit frischen, Mut;

Ach, nirgends weilt es sich hinieden So traulich als in seiner Hut!

In zwei nnd drei wird hoch bewundert Der Geistesheld und große Mann, Doch sotten ist es, daß von, hundert Wir treffen einen solchen an.

Ilnd freundlich bietet uns das Ganze

In, Becher eilte Gabe dar, Die uns erquickt beim Frühlingsglanze Mit ihrem Duste wunderbar.

A. A m m a n n.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Citatenrätsels in voriger Nummerr Des Menschen Wille, das ist sein Glück.

Redaktion: P. W tttfo. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Brich' und Steindruckerei, R. Lange, Gkeßen.