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Es ist schon angedeutet worden, daß der Erbauer eines Hauses zum Teil an der äußeren Gestaltung beteiligt war. Zwar hatte sich auch in dem dörflichen Arbeitsbetriebe eine gewisse Gliederung herausgebildet, in welcher der Schmied, der Stellmacher und der Maurer, der häufig auch der Zimmerer war, eine bestimmte Arbeit leisteten, für welche sie ererbte und langjährige Uebung und noch mehr der Besitz der immerhin sehr wertvollen Werkzeuge befähigten; aber ihre Kunst war vorgezeichnet durch das Herkommen, war beschränkt durch eine sichere Konstruktion und durch die — allerdings gebotene — Benutzung der bodenständigen Baustoffe. Daneben hatte sich eine überlieferte Berzierungskunst ausgebildet, die zum großen Teile mit dem ausgebildeten Hausfleiße zusammenhing. Bei den Fischern der kurischen Nehrung kann man noch heute einen Einblick in eine sehr merkwürdige überlieferte Schnitzkunst gewinnen*), welche sie in bett langen Mußestunden während des Fischfanges ausüben. Wenn man ferner daran denkt, daß die Seeleute unserer Nordseeküsten sogar monatelang hoch im Nordmeere während des Wallfischfanges ruhig lagen und dort selbst ganze Möbel znrechtschnitzten, dann erhält man erst den richtigen Maßstab für die hohe Entwicklung der dörflichen Bildschnitzkunst in Schleswig- Holstein, die sich der forschenden Wissenschaft immer mehr enthüllt; ja, dann erscheint die Ausbildung anderer Volkskünste wie Schmieden, Weben, Malen — selbst der Goldschmiedskunst! — innerhalb einer bodenständigen, ackerbautreibenden Bevölkerung nicht weiter wunderbar und das feine künstlerische Empfinden unserer älteren Bauerngeschlechter selbstverständlich. Die Harmonie zwischen Zweckdienlichkeit und Form, die in der h e s s i s ch e n B o l k s- kunst wie am Hausbau hervortritt, ist gewissermaßen in der Bauernstube geboren. Indessen war die Einheit und die taktvolle Zurückhaltung in der Erscheinung unserer Dörfer doch auch bestimmt von der Einengung persönlicher Willkür durch den Willen der Gesamtheit. Wie aus Weistümern und alten Dorfordnungen hervorgeht, ist in jedem Baufalle ein bestimmtes Maß gegeben, das von vvrnherein den Baubedürfnissen Grenzen zog und Ausschreitungen des einzelnen erschwerte. Gin Weistum deutet durch die Worte: „Darnach mogte ehr ein anders (Haus) haweun in der vorigen maß" sogar unmittelbar an, daß man sich bei Neubauten gern auf das 'gewesene Bauwerk bezog. Ist schon durch das Zurückgreifen auf den landesüblichen Baustoff das Beharren in einer gefestigten Ueberlieferung bis zu einem gewissen Grade 'gewährleistet, so wurde sie noch mehr durch eine handwerkliche Beschränkung gefestigt, die einzelne technische Fertigkeiten von Vater auf Sohn und Enkel weitervererbte und selten außergewöhnliche Ansprüche stellte. Die Sitte, welche von einem eifersüchtig bewahrten Rechtsbewußtsein getragen wurde, sorgte durch Bauordnungen und Polizeivorschriften weiterhin dafür, daß kein schreiendes Mißverhältnis die Einheit des Ganzen störte wie heute so häufig auf dem Dorfe. Die Höhe des Zaunes wie das Haus selbst unterliegen diesen durch Erfahrung und gesunden Blick gewonnenen Bestimmungen. So ließ der dem Bau von Steinhäusern abgeneigte Friese diese dadurch nicht zum ästhetischen Störenfried werden, daß er sie durch Vorschriften den Maßen des üblichen Holzbäus anbequemte.
*) Das kann man auch beim asten hessischen Bauernhause, namentlich an den Hostoren, aber auch dein Dnchgebälk, den Haus- türen 2C. wahrnehmen. D. Red.
(Fortsetzung folgt.!
rumpeligen Omnibus trotz seiner gehirnverrenkenden Tätigkeit treu bleibt, wohl bis zum 21. Jahrhundert! Wie unsere lieben alten Gießener heute noch, so waren auch einst die Pariser Neuerungen abhold, und als im Jahre 1832 in Paris der erste Omnibus auftauchte, da schien er Fiasko zu machen. Die Arbeiter fanden ihn zu teuer, diej Kaufleute und Bürger, nicht mit Unrecht, geschmacklos und' die holden Damen einfach hassenswert. Im Gegensatz zu dem Volke interessierte sich König Charles X. sehr für das Unternehmen. Eines Tages bat er den Präfekten von Paris, de Belleyme, zu einer Gesellschaft in die Tuilerien, woj sich zwischen den beiden folgendes Gespräch entspann: Der -König fragte: „Herr Präfekt, Sie haben doch so mancherlei! Einfälle, warum finden Sie nicht ein Mittel, das verhindert, daß die Omnibusse ihre Fahrten immer leer machen müssen?" „Sire", entgegnete der Präfekt, „es gibt Wohl ein Mittel, ich wage es aber nicht zu nennen." „Sagen Sie es nur ruhig!" „Sire, es müßte eine hohe oder gar allerhöchste Person des Hofes den Omnibus wenigstens einmal benutzen und die Nachricht hiervon müßte sorgfältig in der Stadt verbreitet werden." „Sie wollen doch nicht verlangen, daß der König selbst den Wagen von den Tuilerien nach der Madeleine im Omnibus zurücklegt?" „Soweit geht mein Wunsch allerdings nicht, aber es gibt in der Umgebung des Königs so viele hohe Herrschaften . . . ." Hier unterbrach die junge Herzogin von Berry den Präfekten mit den Worten: „Ich wette, daß ich die ganze Fahrt machen! werde!" Ein Sturm von entrüsteten Protesten erhob sich>< Tie reizende Herzogin aber fragte mit erhobener Stimme: „Wer wettet 50 Louis mit mir?" Ter Präfekt hielt die Wette,, und am andern Tage fuhr die Herzogin von Berry in dem Omnibus durch Paris. -Der Präfekt kannte seine Leute, denn nun beeilte sich jeder, das Gefährt zu benutzen, das eine Serzogin befördert hätte, und so wurde der. mißachtete
mnibus über Nacht Mode.
* Eine nicht üble Schnurre erzählt der „Gil Blas": Zwei Herren, ein dicker und ein Magerer, treffen sich auf der Straßenbahn einer größeren französischen Pro-, vinzstadt und tauschen Neuigkeiten aus. „Ich gehe in den nächsten Tagen auf Urlaub", sagte der eine: „ich will nach' Paris fahren." — „Bleiben Sie lange dort?" — „Na, ich denke vierzehn Tage." — „Nehmen Sie Ihre Frau Gemahlin mit?" Diese Frage des dicken Herrn scheint den mageren in das höchste Erstaunen zu versetzen: „Nehmen Sie sich viel-, leicht Bier mit, wenn Sie nach München reisen?" fragte er zurück.
* Ein Tourist int schottischen Hochland machte bei einem Bauernhause Halt, UM ein Glas Milch zu trinken. Die Aussicht vom Hause wär so herrlich, daß er zum Bauern sagte: „Welch einen entzückenden Platz Haben Sie Hier zuM Wohnen.". — „Ach ja," entgegnete der Schotte, „er ist ganz nett; aber wie Ivürde Ihnen das gefallen, wenn Sie jedesmal fünfzehn Meilen zu marschieren hätten, wenn Sie ein Glas Whisky wünschten?" — „O, aber warum Halten Sie sich denn bucht ein Fäßchen Whisky im Hause?" meinte der Tourist Der Bauer schüttelte betrübt den KVpf. „Whisky Hält sich nicht," meinte er.
Silbenrätsel.
ar, bei, da, ei, cl, en, es, eben, laub, nie, ne, ni, ni, ra, ro, ni.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sosten sechs Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Ansangsbuchstaben, voir oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, den Namen eines Forschers und dessen Fahrzeug bezeichnen. Es bedeuten die einzelnen Wörter Folgendes:
1. Ein Land.
?. Historische Persönlichkeit.
8. Ein Vorname.
4. Eine.Münze.
5. Biblische Figur.
f. 6. Teil eines Baumes.
'■7 ' Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer:
E | L | B | A
L | Y j 0 j N
B | 0 | B. | N'
A | N | V| A
Vsvmß-chSss,
* Wie der Omnibus populär wurde. Dem Menschen ist von alters her ein gewisser Konservatismus gngeboren, er ist ein Feind aller Neuerungen. Daher kommt es, daß man bei uns in Gießen unseren guten alten
Mdaktion: P. Wit hndLMM..tz.tzxMrü.Hl'scheg.MweMäMBuÄ!und.StemdrnMrxi, R>.Lapg^ Metzens


