Ausgabe 
16.2.1907
 
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Charakters uitb der Hinterlist, die schon damals alten Lösen Weibern eigen war, in weiblicher Gestalt versinnbildlicht.

Vom Weibe erschienen den Germanen zwei Züge unzer­trennlich, ja ihm als unveränderlich und ewig eingepflanzt die Liebe und die Mutterschaft. Diese Auffassung findet sich auch bei andern Völkern, bei den Orientalen, den Griechen, den Sla­ven, den Finnen, aber die Stellungnahme zu diesen Wesens­eigentümlichkeiten des Weibes ist nicht bei allen diesen Völkern die gleiche. Die sich darauf beziehenden Mythen der Germanen sind so rein, wie das Denken der Urheber selbst war. Der um seiner Natürlichkeit willen großartig schöne Gedanke, daß die Erde im Lenze mit ihren zahllosen Keimen und Sprossen, mit all ihren Frühlingskindern eine große, gewaltige Mutter ist, hat in der germanischen Mythologie seine volle Ausbildung erlangt. Aber neben dieser, die Fortpflanzung betonenden An­schauung findet auch der Liebesgenuß in der germanischen Mytho­logie seinen Ausdruck. Fast in allen mythischen weiblichen Wesen lebt die Sehnsucht nach dem Manne. So suchen die Elbinnen die jungen Männer durch ihren Blick zu betören und zu ver­führen.

Dem mythischen Sinn der Germanen schien das Weib so, wie es ist, nicht etwa im schwülen Glanz sinnlicher Schön­heit wie bei den Orientalen. Die Kennzeichen weiblicher Schön­heit sind ihnen goldene Haare und weiße Haut die Merk­male der germanischen Rasse. Schönheit und Häßlichkeit sind stets mit den entsprechenden moralischen Eigenschaften verbunden. Wenn auch die dichterische Verherrlichung des Weibes durch die Skalden sich über die in allgemeinen Zügen gehaltenen Schilderungen, der im Volksglauben lebenden elbischen und dämonischen Wesen erhob, so liebte es die germanische Poesie doch nicht, die weibliche Schönheit im einzelnen auszumalen. Zu der künstlerischen Idee der äußeren Umkleidung des weiblichen Körpers drang sie nicht vor. Die Elbinnen werden gewöhnlich mit weißen Schleiern be­kleidet geschildert. Das Waldweib trägt ein schmutziges Moos­gewand, die Kampfsrauen Schwauenhemden. Die Skalden wissen von der verderblichen Rolle, die der Schmuck bei den Göttinnen gespielt hat, zu berichten. Der uralte weibliche Trieb,. den Leib durch äußere Mittel zu verschönern, war ihnen wohlbekannt. Die Göttinnen verschmähten es nicht, durch Verlust ihrer Tugend Schmuck zu gewinnen.

Die stärkste Abweichung des germanischen Empfindens von dem anderer Völker zeigt sich aber darin, was ihm die Mutter­schaft bedeutet. Bei jenen, abgesehen von den Griechen, ist es die Liebe zwischen Mann und Weib, die vom poetischen Denken gestaltet wird; die Germanen aber haben auch eine Poesie der Mutter und der Hausfrau. Was die Menschenfrauen tun, das tun auch die Geister. Die Elbinnen trocknen Wäsche, backen Kuchen, schöpfen Wasser. Die Zwergsrauen leihen Kessel aus und bringen sie mit Zins zurück. Frau Holle schüttelt das Bett auf, daß die Daunen fliegen. Das Mütterlicht-Schützende tritt ain eigen­tümlichsten in der Auffassung derTodesgottheit hervor. Der Tod bedeutet den Germanen einen Eingang in den Schoß und die Arme der Mutter. Auch die Beherrscherin des allgemeinen TotenveichS wurde weiblich gedacht.

Schließlich erschien den Gernranen selbst das Schicksal das über Göttern und Menschen waltete, in der Gestalt des Weibes. Das Geheimnis, das das Weib, die Mutter umwob, wurde als Eigenschaft in das Weib hineingelegt und daraus ihre Gabe, in die Zukunft zu scharren, abgeleitet. Das Geheimnisvolle und Rätselhafte, das die Germanen am Weibe verehrten, das sanden sie im Schicksal. Das Schicksal lenkt aber auch und leitet auch von dieser schützenden Eigenschaft her wurde der Germane an Werberart erinnert. Wie für das Kind die Mutter das Schick­sal ist, so ist für den Mann das Schicksal die Mutter. In deü bedeutungsvollsten der weiblichen Künste, nämlich im Spinnen, ist das Menschengeschick, ja das Weltgeschick verbildlicht.

Das Weibliche irr der germamscherr Mythologie.

: Da das Frauenideal in einer Wandlung be-- tzriffen ist, das Althergebrachte sich aufzulösen droht and neue ungeahnte Formen sich gestalten, erscheint ein Blick auf die längst versunkene Welt volkstümlichen Schaffens, das Ur fv r üng I ttfje Regungen der Volksseele widerspiegelt, nicht vH ne Bedeutung für das Verständnis dafür, wie ein Volk die Eigenart des Weibes zu erfassen vermag und aus Gegebenem mib Gewünschtem das Ideal des 1 Weibes schafft. In einem Aufsatz der Zeitschrift für den deutschen Unterricht hat Dr.

Zügen ein Bild entworfen von der Rolle, die das Werb tn der Mythologie der alten Germanen spielt.

<®ie des Gegensatzes zwischen Mann und Weib fit den Germanen frühzeitig zu Bewußtsein gekommen. Der Trieb der Geschlechtsscheidung offenbart sich schon bei der Vermenschlichung der Natur. Ein großer Teil der mythi­schen Naturerscheinungen werden zugleich männlich und weib­lich vorgestellt; es gibt Götter und Göttinnen, Riesen und Riesenweiber, Elbe und Elbinnen u. s. f. Dennoch gibt es auch Gebiete, die von den Germanen mit Vorliebe einem der Geschlechter zugewiesen worden sind. Was sich mit weib­lichen Kräften zu' äußern pflegte, das stellten sie sich auch unter Weibergestalt vor, z. B. die sprossende, keimende Erde und die Wolke, die Hüterin des keimenden Lebens. Auch der Wirbelwind wird, > wahrscheinlich wegen seines spontanen

Bremer-Licht imd Magnetit-Lampe».

(Nachdruck verboten.)

Jahrzehntelang wurden zu Bogenlampen stets nur ein­fache Kvhlenstifte verwendet. Alle möglichen Verbesserungen wurden an den Lampen erfunden und erprobt, nur die Kühlen selbst, von denen es schon immer 2 Arten gab, blieben genau so wie früher. Diese zwei verschiedenen Arten sind die sogenannten Honwgenkohlen, die, wie ihr Name ja sagt, in allen ihren Teilen ganz gleich sind, und außerdem die sog. Dochtkohlen. Der Krater nämlich, der sich beim Durchgehen des elektrischen Stromes an der positiven Kvhle bildet, ist bekanntlich der hellste Teil der ganzen Lampe und auf seine richtige Lage kommt es daher vornehm­lich an An Honwgenkohlen ist er nun aber häufig recht unregel­mäßig gestaltet, rückt auch wohl mal etwas nach einer Seite, so daß sich die Beleuchtungsstärke auf der andern Seite plötzlich stark verringert. Man bringt deshalb in der Mitte der Kohlen einen Docht aus etwas flüchtigerer Masse an, die schneller als die Um­gebung abbrennt, so daß der Krater immer in der Mitte bleibt. Eine Mischung aus pulverisierter Retortenkohle mit Ruß wird zu­sammen mit Steinkohlenteer unter hohem hydraulischen Druck ge- prcf und ausgeglüht. Diese Wtasse bildet den Kern der Dochk- kohlM

geweckt werden, und er erteilte nun den Befehl zum Aufbruch Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als der Zug der Flüchtlinge sich u nter der Bedeckung der getreuen Gardes-du-Corps auf den Weg machte, zunächst nach dem großen Trianon in Versailles. Der alte 73jährige Monarch verlor auch jetzt keinen Augenblick seine Fassung. Als er seiner Schwiegertochter, der Herzogin von Berry ansichtig wurde, die sich in eine phantasiereiche Männer- kleidung geworfen hatte, mit einem Federhute auf dem Kopse und Pistolen im Gürtel, klopfte er ihr lächelnd auf die Schulter und gab ihr den Rat,diese Trttcyt einer Walter Scott'schen Heldin schleunigst abzulegen". Von Versailles aus wurde Ram­bouillet erreicht. Hier empfing Karl X. die Abgesandten des Her­zogs von Orleans, der die Regentschaft übernommen hatte, nach­dem des Königs Absetzung erklärt worden war, und hier entschloß er sich, zu Gunsten seines kleinen Enkels, des Grasen von Chambord, abzudanken. Jeden Gedanken an Widerstand gab er nun auf, obwohl, wie de Reiset behauptet, die Zahl der treugebliebenen Truppen völlig äusreichend war, um die Empörer mit Leichtig­keit zu Paaren zu treiben; an einer anderen Stelle meldet de Reiset freilich selbst, daß die Truppen schon haufenweise desertierten. So wurde auch Rambouillet verlassen; es ging der Küste zu. Das erste Nachtquartier war das Schloß Maintenon, dessen Besitzer, der Herzog und die Herzogin von Noailles, den fliehenden Herrscher ehrfurchtsvoll vor dem Tore empfingen, als er zu Werd nahte. Er schlief hier in dem Zimmer, das einst seinen großen Ahnherrn Ludwig XIV. ausgenommen hatte, die Herzogin von Angouleme in dem Ranme, den Madame de Maintenon betvvhnt hatte. Von Maintenon ans entließ der König die Garde truppen, die ihm gefolgt waren, bis auf vier Kompagnien Gardes-du-Corps; die begleiteten ihn bis ans Meer. Seltsam genug sah der riesen­haft lange Zug aus, der sich in sengender Glut auf staubiger Landstraße langsam fortwälzte. Die Anzahl der Personen betrug gegen siebenhundert; sechzig Wagen allein waren mit Kostbarkeiten, mit Silberzeug und Schmuck beladen. Dabei hatte man in der Hast vergessen, sich mit barem Geld« genügend zu chersehen, und mußte die Ausgaben teilweise durch Verkauf des Silbergeschirrs decken. So kam man von einem Ort zum andern und langte endlich am Nachmittage des 16. August, also nach länger als zwei Wochen, am Kriegshasen von Cherbourg an, in dem sich der letzte Akt dieser Königstragödie abspielen sollte. Zwei amerikanische Schisse lagen bereit, die eine merkwürdige Fügung dem Exkönig goseph Bonaparte gehört haben sollen, der sich ja in den Vereinigten taaten niedergelassen hatte. Die Gardes-du-Corps marschierten Mit der Front nach dem Meere auf und der Zug hielt. An der schwerfälligen, goldbeladenen Karosse des Königs wurde der Tritt herabgelassen und Karl X. stieg mit seinem kleinen Enkel heraus, der für ihn und die Semigen fortab als der wahre Herrscher Frankreichs galt. Hinter ihm schritten der Dauphin und die Dauphine, diese in schwarz gekleidet und mit vom Weinen ge­röteten Augen, sowie die Herzogin von Berry in einer Art von Reitkleid mit breitrandigem Männerhute und ihrem geliebten kleinen SchoßhundFoliche" unter dem Arm. . . . Die Stunde des Ab­schieds von der Heimat, von den Freunden ist gekommen. Alle lassen ihren Tränen freien Lauf, nur der König hält die seinigen zurück. Sein Antlitz ist so gelassen wie sonst und er spricht denen, die ihn weinend umr z..c, Worte des Trostes zu. Dann wird die Schiffbrücke zurückgezogen, die Segel entfalten sich und langsam ziehen die Schiffe aus dem Hafen hinaus. Tiefes Schweigen herrscht unter den Zurückgebliebenen, Nachschauenden. Nur ein kurzes Kvmmandowort ertönt: es gilt den Gardes-du- Corps, die, kerzengerade ausgerichtet, zum letzten Male mit den Mässen ihren König, grüßen und bewegungslos so verharren, dis das Schiff, das ihn davonträgt, ihren Augen entschwunden ist..... ........ Dr. A. v. Wilke.