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Eulair, wenil eg ihn obendrein mitGlacöhandschulstN anfasfenj Kunden. Pcipa Bieler wurdeOsi Jahre alt, trotz Beresiiia,^
Aus der SLudenLeuzcii.
Er nnernngen eines alten Gießeners.
II.
Die Universitätsstadt. Die Stndcntest. Tie Einrichtungen.
Tie innere Stadt, der Schauplatz des studentischen Lebens, war bis wenige Jahre vor meiner Studentenzeit schrecklich schmutzig Ein Straßenpflaster, mas mit Fug und Recht so zu nennen, existierte! kaum, nur in der Mitte der Straße zog eine Reihe glatter Basalte steine, sodaß eine einzelne Person dieselbe trockenen Fußes passierest konnte. Es gaben (diese Schrittsteine einen beliebten Anlaß zu studentischen Rencontres. Dias muß in anderen Universitätsstädten auch so gewesen sein. Tenn es heißt im Lied: „Wo smd sie, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen?" iv
In 1846, glaube ich, wurde mit der Pflasterung wenigstens der Hauptstraßen und Plätze begonnen. Tie Beleuchtung blieb in ihrer primitiven Gestalt. Tie Laternenpfosten sahen aus wie Galgen, an bcitctt die Laternen baumelten. In den hohlen hölzernen Pfosten befand sich eine Kurbel, mittels berat die Laternen heruntergelassen, imb nachdem sie geputzt und mit Rüböl (Petro- leuiti kannte man noch Nicht) gefüllt wieder aufgezogen wurden. Dre Vorrichtung war durch ein eisernes Türchen abgeschlossen. Test Schlüssel besaß der Laternenputzer. Natürlich waren die Verschlüsse aber nicht stndentensicher. Wie die Latenten heute ausgedreht werden, wurden sie damals heruntergelciert, gelöscht und
der Wagen Vor der Haustür. Kaum wär sie in der Halle, so kant Vcltlingen auch schon nn.
„Dagmar, wo bleibst du nur solange? Ich habe mich so um dich geängstigt. Und dann noch der Unsinn, im offenen Wagen zu fahren!"
Sie lachte sorglos und nestelte den Hut ab.
„Mein Himmel, Magnus, ich bin doch nicht von Zucker." Da rieb Hektor seinen Kopf an ihren Knieen. „Siehst du, Hek', nun schämst du dich gewiß, weil du vorhin nicht kamst, als ich pfiff!" Schweifwedelnd sah der Hund sic mit seinen, klugen Augen an.
„Dagmar!" rief Beltlingen mahnend. Er haßte solche kindische Possen. Und als sie fortfuhr, den Hund zu streicheln, bemerkte er scharf: 1
„Hektor ist überhaupt iticht draußen gewesen!"
„Nicht draußen?" wiederholte Dagmar erschrocken, „nicht am Teich?"
Franz, der ihren Pelz forthängte, spitzte die Ohren. Betroffen sahen die Gatten sich an und beide durchzuckte der gleiche Gedanke. Wie sehr sie sich denn auch anszureden, lächerlich zu machen suchten — das unheimliche Gefühl blieb. Früher als sonst begaben sie sich zur Ruhe...
Dagmar erwachte am andern Morgen wie gewöhnlich frisch und munter. Beltlingen dagegen hatte schlecht geschlafen itnb sah dementsprechend elend und alt aus.
Während Dagmar im Schlafzimrner von Anna frisiert wurde, ließ der Kammerherr sich in dem daneben liegenden Toiletten-- zimmer von Franz ankleiden, der nicht wenig von der schlechten Laune seines Gebieters zu leiden hatte.
Sei es, daß Beltlingen vor Aerger lauter sprach, oder hörte Dagmar unwillkürlich schärfer hin — sie verwunderte sich nicht wenig über die Grobheiten, mit denen er Franz belegte. Worum es sich eigentlich handelte, hörte sie ebensowenig, wie die Ant- Ivort des Dieners auf eine besonders heftige Frage Beltliitgens. Eine Weile blieb alles Ml nebenan. Tann klirrte plötzlich irgend etwas zit Boden.
„Du Esel!" vernahm sie alsbald Wettlingens scheltende Stimme und klatsch, klatsch! sausten zwei Hiebe hernieder.
„Au, Herr Bgron!"
Tann war alles still, nur nach einiger Zeit ein leises, seines Klingen, als ob ein Geldstück zur Erde fiele.
Heftig erschrocken war Dagmar zusammengezuckt. Wie konnte Magnus nur so sein! Das hätte sie seinem ruhigen, glättet! Wesett nie zugelr,aut. Verstohlen blickte sie in den Spiegel. Ob Anng das auch gehört hatte? Doch vor deren ntitleidigem Blick schlug sie beschämt Ibüe Augen nieder. Tie Treue sah es wohl. Ta (tat ihst die Gnädige doppelt leid. Wie lange mochte es dauern, dann wurde der Herr der Frau Baronin auch grob! Still vollendete sie deren Toilette.
Dagmar saß längst in ihrem hellblauett Morgenrock am Frühstückstisch, als Beltlingen endlich erschien. Sein eben noch so finsteres Gesicht hellte sich auf, als er das anmutige Bild betrachtete, welches sich feinen entzückten Augen darbot. Das schöne, alte Silber funkelte und leuchtete in dem Sonnenschein, der breit und golden plus deut appetitlich hergerichteten Früh- stückstisch lag, den man im Erker attfgestellt hatte. Lustig! huschten die Sonnenstrahlen umher. Sie tanzten über das blonde Haar der Baronin, ihren edelgeformten Kopf mit einem förmlichen Heiligenschein verklärend. Einen eigenartigen, reizvollen Hinter- grtmd gab dazu der blaßblaue Märzhimmel ab, der greifbar nah hinter dem breiten Fenster zu sein schien, dessen Spitzensi gardinen Dagmar erregt zurückgeschoben hatte.
Sie zitterte innerlich noch in dem Gedanken an die Szene von vorhin, die ihr so unwürdig für ihren Gatten erschienen! War. Schweigend balanzierte sie einen Teelöffel auf der Fingerspitze. Sie sah auch nicht auf, als Beltlingeit hereintrat. Jetzt unbefangen seinem Blick zu begegnen, wäre ihr unmöglich gc- tZesen. Sie schämte sich in seiner Seele.
„Guten Morgen, Tagmar," begamt er in seiner gewohnten verbindlichen Art.
„Guten Morgen," entgegnete sie gepreßt und reichte ihm abgewandtert Kbpfes die Hand.
Er wußte sofort, daß sie alles gehört hatte. Das war ihur höchst ungemütlich, aber nur nichts merken lassett, beschloß er rasch. । ii;
Schiveigend goß ihm Dagmar den Tee ein, reichte ihm Sahnej und Zucker. Dieser stille Protest gegen sein Benehmen ärgertes ihn unsagbar. Was siel iHv ein? Seinen Diener ivürde er ja ivohl so behandeln können wie er wollte! Tas ging sie gärj
sollte? Nein, die Angewohnheit wollte er ihr ein für ällemal austreiben!
„Was ist dir, Tagmar?" begamt er herrisch. Sie fuhr bei seinem scharfen Ton erschrocken zusammen. Groß und ernst die wunderschönen Augen aufschlagend, wandte sie ihm langsam das tief errötete Antlitz zu. Eine bange Frage stand darin. Eq begriff sie wohl, aber er wollte sie nicht verstehen, wollte seinem Zorn gegen sie keine Zügel anlegen, und darum sprach er hart und höhnisch: „Ich habe dir doch schon einmal gesagt, daß deine Ansicht über gelegentliche Jagdhiebe eine verkehrte ist.. Tu hast für das, was man „Herrenrecht" nennt, wirklich nicht die richtige Auffassung, meine Liebe. Wer den Dienenden all-, zusehv gestattet, sich mit Wett Befehlen ihrer Herrschaft in Widerspruch zu setzen, wird zuletzt vergeblich befehlen. Nun, ich gestatte das meinen Leuten überhaupt nicht. Geschieht das,, was ich befohlen habe, nicht ausis Haar, so wird ihnen das — beigebracht. Das zieht — besser als stundenlanges Ermahnen! Frei von allem Humanitätsdusel erziehe ich mir meine Leute zum! Gehorsam nach dem Grundsatz: „Lieber ein Schlag zu viel,, als einer zu wenig." Sieh, das ist meine Art, die „soziale Frage" zu lösen!"
„Uitb bist du wirklich ganz sicher, niemals ungerecht ,zn sein, Magnus?" frag Dagmar mit hochrotem Atttlitz. Er lachte gleichmütig.
„Nach meiner Auffassung verdient eben jeder das, was ich ihm zukommcn lasse. Absichtliche Ungerechtigkeiten wirst du mir hoffentlich nicht zutrauen."
Sie hob den Köpf. Ihre Augen blitzten.
(Fortsetzung folgt.)
wieder aufgezogen. , . ,
Der Laternenputzer hieß Schnecko und war rm Nebenamt Danzmeister und Pfandhausdiener. Die städtische Pfand-, u n d Leiha n st a l t blühte zu meiner Zett noch, ^hr stand ein Veteran aus den Napoleonischen Zeiten vor, Rendant Bieler, der den Uebergaug über die Beresina mttgemacht hatte Tie Studenten waren selbstverständlich seine besten Müden., Wenn Man nach der Zeit fragte erhielt man mast selten die Antwort: „Bedauere, Meine Uhr rst beim U hr m a ch e r B t e l e r. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß die meinige auch einmal dorthin gewandert ist. Es galt aber Nicht als solche.
Bieler war auch der Begründer und Inhaber der aus^ ae-ceickneten Wellenbäder an Sauerbiers Mühle, das heißt derjenigen, mit welcher jetzt dps städtische Elektrizitätswerk verbmroen^D^e vier Räder. Unterhalb dieser in dest Rinnen, wjaren Bad e zellen angebracht, durch welche das! Wasser draußen in den brodelnden Kessel schoß. Heber den Rinnest befand sich die offene Badehalle, von der Man sich köpf-, über in den Wellenstrudel stürzte. Dias Ivar der Tummclplah der badenden Jugend. In den Wellen hingen Geile., Mast schwamm an dieselben und es war eine Lust, sich nun von den überstürzenden Wiassern bespülen zu lassen. ,
Leider haben die beiden Institute Bielers frnUettig! zu existieren Msgehört, das Wellenbad als Sauerbiers! Mühle ut andere Hände überging und an Stelle der Räder eine große Tu^ bitte Mat An der Pfand- und Leihanftalt erlebte die otabt wenig! Freude, nicht aus Mangel an Zuspruch, sondem weil Papa Bieler zu vertrauensvoll wär. Sie wurde daher aufgelöst, Mst Leidwesen der in Betracht kommenden studentischen und, anderen


