1907
Montag den 15, Juki
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JunKen unter der Asche. |
Roman von M. Pros; ni tz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.)
Vs ivar ungefähr vierzehn Tage später.
Grau und wolkenschwer hing der Himmel über der regenfeuchten Erde, die, aufgeiveicht von der tagelangen Nässe, überall da kleine schmutzige Lachen zeigte, wo der Regen nicht schnell genug qbfließen konnte.
Heulend fuhr der scharfe Nordost über die Felder, deren ehemals weißer Mantel sich über Nacht in ein häßliches Grauweiß verwandelt Hatte. Und weiter raste der böse Gesell. Mit hef- tigein Tosen schüttelte er die kahlen Neste der uralten Linden, die im Halbkreis um düs vor der Hauptfwnt des! Schlosses befindliche Rasenwndell stünden... In ohnmächtigem Grimm knarrte und quietschte die Wetterfahne, knackten die Läden aneinander, tert die auf einmal der Stegen in großen, dicken Tropfen schlug. Schneller, immer schneller klatschten sie dagegen.
„Ein tüchtiger Guß," murmelte Dagmar trübselig. Sie schüttelte sich. Brrr, wie unbehaglich! So ein echter, nordischer Frühling hatte doch recht rauhe Seiten. Freilich, die Luft hier oben war stets von einer erquicklicher Herbe und Reinheit, nicht so schlaff und weichlich wie in Lugano, aber dieses anhaltende Regenwetter war abscheulich.
Wenn Magnus dann wenigstens gestattet hatte, daß sie im offenen Wagen spazieren fuhren! Aber davon ivar gar keine Rede. Ter Uebevängstliche bestand darauf, daß bei schlechtem Wetter das Coup« genommen wurde. In Decken gepackt, als ob es nach Sibirien ging, fuhren sie dann gewissenhaft eine Stunde auf der aufgeweichteu Chaussee spazieren, die rechts und links von Pappeln mnsäumt, deren kahle Ztveigc steif gen Himmel standen, einen gradezu trostlosen Eindruck machte.
Dagmar zog langsam die Uhr aus ihrem Gürtel. Richtig! In einer Viertelstunde würde der Wagen vorfahren. Sie sah aus dem Fenster. Ter Regen hatte urplötzlich nachgelassen, freilich fuhr der Wind noch mit unverminderter Heftigkeit daher, aber die Landschaft sah doch nicht mehr so grau und trübselig aus. Ja, als Tagmar genauer hinblickte, merkte sie sogar, wie sehr sich die Sonne bemühte, durch die grauen Wvlkenfetzeu zu gucken, schlich gelang ihr das. Neugierig bespiegelte sie ihr blasses -Antlitz in den Wasserpfützen. Tie sahen plötzlich gar nicht mehr so schmutzig aus. Mer das war nur einen Augenblick so, gleich kam der ungestüme Wind und trug eine dicke Wolke vor die Himmelskönigin.
Gespannt sah Tagmar diesem Kampf zu. Sie wünschte so sehr, die Sonne möge siegen. Und wirklich, das geschah!
Ein leises Klopfen störte sie in ihren Betrachtungen. Nus ihr verwuuder.tes Herein erschien Franz, der bestellte:
„Der Herr'Baron lasse bitten, ohne ihn spazieren zu fahren. Er müsse noch mit dem Oberförster konferieren."
Dagmlar überlegte einen Augenblick, dann befahl sie dem Diener, den offenen Wagen zu bestellen. Eine Viertelstunde
später fuhr sie Pom Hof, nicht in gewohnter Weise auf die Chaussee', sondern in den Wald, dessen hohe, alte Kiefern bestände schon dicht hinter dem Pari begannen.
Lautlos rollte der Wagen auf dem wenig befahrene:: Gen stellweg dahin. Ter Wind schien sich mehr und mehr zu legen. Mit starkem, pber gleichmäßigem Brausen fuhr er durch die Wipfel der hohen Tannen, deren rötlich brjaune Stämme dann und ivann im Strfahl der Sonne aufglänzten.
Dagmlar atmete mit großem Behagen die reine, würzige Luft. Wie schön war es doch lauf dem Laude. Sie begriff ihren Gatten gar nicht, der sich förmlich n!ach dem Hvfleben sehnte. Nein, sie haßte das eintönige Treiben dort, mit seiner steifen Etikette, dem beständigen Achtgeben auf fürstliche Huld! Ihr war das nie so zuwider gewesen wie jetzt, tot) sie das Herrschergefühl des Großgrundbesitzers kennen und schätzen gelernt hatte.
„Nach dem Wasser runter, Finn Baronin?" riß die Frage des Kutschers sie aus ihrem Sinnen. Sie verstand ihn im ersten Augenblick nicht gleich. Dann nickte sie. Langsam wendete der Mann die Pferde.
Steil bergauf ging es, zur Düne hin. Hier oben, wo ders Wald sich mehr und mehr lichtete, pfiff der Wind noch recht heftig. Tagmar wickelte sich fest in ihren Pelz, während ihre leuchtenden Äugen auf das Meer blickten.
Stahlschwarz schimmerten die breiten, von weißen Schaume krönen geschmückten Wellen in der Ferne, während sie unten am Ufer sich in ihrer ganzen smaragdgrünen Pracht überschlugen^ große Löcher in den sandigen Grund bohrend. Ab und an sprang wohl das Handpferd unruhig zur Seite, wenn eine besonders große Welle lautklatschend überkippte, weithin ihren weißen Gischt- schleudernd. Aber der Kutscher beruhigte das et», regte Tier bald mit schmeichelndem Pfiff.
Dagmar' achtete gar nicht darauf. Ihre Augen hingen wie gebannt an der weiten, wogenden Wasserfläche, während ihre Lippen unbewußt den salzigen Meevesodem schlürften. Ein feines Rot trat allmählich in ihre Wangen. Wie schön ivar doch die Welt!
Es dämmerte bereits, als der Wagen endlich wieder in den Park bog. Aufmerksam sah Dagmar umher. Sie liebte diesen letzten Teil, mit den hohen alten Ulmen, ganz besonders. Frei-^ lich, die schlanken, weißen Birken, die da unten am Teich standen, schienen ihr auch sehr ivohl des Ansehens wert. Grüßend flog ihr Blick zu ihnen hin. Auf einmal stutzte sie.
„Ist das nicht Hektor, der da suchend umherläuft?" Sie
Pfiff- Ä r
Der Kutscher wandte spähend den Kopf.
„Ich sehe nichts, Frau Baronin."
„Weiter rechts, er dreht dem Schloß den Rücken." Siej pfiff voir neuem, wiederum vergeblich. — Tas war doch sonderbar! Hektor parierte doch sonst so gut. Sie sah scharf zu ihm' hin. Warum kam er nicht? Und auf einmal, während sie noch zu ihm hinspähte, war der Hund in der Dämmerung verschwunden, wie in Nebel zerflossen ... '
Ein unheimliches Gefühl kroch SjagntaT über den Rücken, doch blieb ihr nicht hange Zeit, darüber nachzudenken, denn schon hielt


