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werden Häuser gebaut, Schiffe entladen, Garten angelegt, uttb gar mancher Weitz nicht einmal, daß es Sonntag ist. Wenn auch für die evangelische Bevölkerung noch keine Kirche da ist, so findet doch allsonntäglich in der Schule Gottes- dienst statt. Wir brechen zu demselben mtf. Um 10 Uhr vormittags soll er beginnen. Der Weg führt uns zuerst durch tiefen Sand. Weit und breit sehen wir keinen grünen Halm, direkt vor uns breitet sich der endlose, blaue Ozean aus, auf deut fünf große Schiffe sich wiegen, bis sie ihre Ladung gelöscht haben und die Heimreise antreten. Zahllose kleine Boote schwimmen zwischen ihnen und der Lairdungsbrücke, alle sind mit Gütern schwer beladen. Jetzt betreten wir die erste Straße der Stadt, denn die Missionsstation liegt _ außerhalb. Mehrstöckige Häuser sehen wir überall. Gleich ist es 10 Uhr. Dort ist schon die Schule. Wo sind denn die Kirchgänger? Sind wir heute allein? Vielleicht ja; denn am vorigen Sonntag waren beim Gottesdienst etwa 30 Personen, für uns eine erfreuliche Anzahl. Die leeren Stühle zeugen wider die Söhne unseres! Volkes, die in der Fremde so leicht Gottes vergessen. Der Gottesdienst wird ganz !vie daheim gehalten mit Liturgie und Predigt. Heute ergeht auf Grund der Stelle in Offenb. 22, 17 die Einladung, zu Jesu zu kommen. Um 11 Uhr ist der Gottes-, dienst aus und wir kehren heim. Wir Missen eilen. Arif der Station wartet noch eine große Arbeit, herzerhebend und erfreulich. Heute soll ja Tauffest sein für die Herero und hernach für die Bergdamara. Um 12 Uhr mittags ertönt unsere Mittagsglvcke. Sie ruft die gefangenen Herero, die ganz in der Nähe wohnen, zum Gottesdienst. Soeben sind sie von der Arbeit .zurückgekommen, denn einen Sonntag haben die Gefangenen hier Nicht. Die Mittagspause ist die einzige Zeit, in der sie zur Kirche kommen können. Kaunr hat die Glocke sie gerufen, da versammeln sie sich mit Tore des Drahtzauncs, der ihre Hütte umgibt. Ein Soldat führt sie her; bald ist unsere Kirche bis auf de» letzten Platz gefüllt. 43 Männer und 65 Frauen, die zum Teil schon IV2 Jahre lang den Taufunterricht besucht haben, sollen heute zur hl. Taufe zugclasseu werden. Christen, Täuflinge und Heiden, alle sind in ernster Stimmung. Auch äußerlich machen sie einen guten Eindruck. Die Frauen sind in ihren Blandrnckkleidern, die sie selbst'genäht haben, ganz anständig und sauber gekleidet, und die Männer tragen entweder Uniformen oder Mziige, denen wir auf den ersten Mick ansehen, daß sie aus den vielen Kisten stammen, die von Freunden in der Heimat mit so viel Liebe, gepackt und herausgeschickt sind. Es läutet zum zweitenrual und auch tote betreten die KCirche. Der Altar und ein kleiner Tisch, der als Taufstein dienen soll, sind mit grünen Blättern ft glich geschmückt. „Kvra nvtfari tjoje — Ach, bleib mit deiner Gnade", so ertönt das erste Lied von den Frauen mit kräftigen Stimmen gesungen, die Männer erfinden in geschickter Weise eine zweite und dritte Stimme dazu. Dann folgt die Liturgie und nach abermaligem Gesang die Festpredigt über Mark. 16,16: Mer da glaubet und getauft wird re. Danach findet die heil. Handlung selbst statt. Nachdem alle die Tauffvagen stehend mit emem deutlichen „Ja" beantwortet und den christlichen Glauben bekannt haben, knieen wir nieder, um Gottes Segen herabzu- slehen. Bet vielen fließen die Tratten, wir spüren es, daß der Verr nahe, ist und sein Geist unter tms waltet. Dann werden je oret und drei aufgerufen, die am Altar uiederknieeu und 1 . Miaust werden. Alm Schluß steigt mit den
diu rtt 10->. Psalms em Dankgebet gen Himmel empor, und nut dem Gesang: „Nun danket alle Gott", schließt die Feier.
Vsemrschte».
Gefrorene Blumen. Schon seit längerer Zeit be- schafttgen sich Blumeninteressenten mit dem Problem, geschnittene natürliche Blumen längere Zeit frisch zu erhalten, und man denkt dabei an die Möglichkeit. aus anderen Weltteilen, be- sonders aus Amerika, Mumen nach Europa zu bringen. Die Versuche, die tn dieser Hinsicht unternommen worden sind, sind [ev ujtet'ejlmit ititb basieren auf der alltäglichen Beobachtung, datz Blumen, die tn einem kühlen Raum anfbewahrt werden, fnu unverhältnismäßig langer halten, als in warmer Temperatur. .^it den „Annales" erzählt Henri de Parville, daß es ihm gelang, ent Ro,enbukett vom 31. Dezember 1906 bis zum 2°;. Vamta}‘ K9.07 fttsch zu erhalten, ohne daß ein einziges Blatt abstel, und dies i-aupisächlich dadurch, daß er die Blumen in tut Zimmer stellte, das eine Turchschnittstemperntur von 4—6 ©^1)01(0 Die Möglichkeit, in Kühlwagen frisches Fleisch größten Entfernnngeu zu transportieren, mußte bald nahelegen, mit Blumen dasselbe Experiment zu ,^^on im August 1904 wurden der Pariser Socjsts hnrnd? CUtu-lc chrnesische Pfingstrosen gezeigt, die drei Monate s.orhrr geschnitten waren und ohne Schaden diese Zeit über- Monate lang waren sie im Kühlrauni npffpnT1" „^rntlich langgeschnittenen Zweige waren in Wasser von 1 ftülh /"n^.Eüdlkeller mit gleichmäßiger Temperatur Grad aufgestellt. Alle, drei Wochen wurden die Zweige
etwas gekürzt und das Wasser erneuert. Sv erhielten sich am 11. Mai geschnittene Pfingstrosen bis September. Gegenwärtig werden auch Versuche mit einer Atmosphäre von künstlich erhöhtem Sauerstoffgehalt gemacht. Jedenfalls wird man in nicht zu ferner Zeit imstande sein, die Lebensdauer geschnittener Blunien zu verlängern.
* D ie musikalische Ehe. In einem Wocheublatte findet sich folgendes Inserat: „Heirat wünscht junger Kapellmeister, zugleich Schriftsteller, Künstler in seinem Fach, mehrere Jahre an besten Bühnen des In- und Auslandes tätig gewesen, mit vermögender, schicker Dame zwecks Anbahnung einer neuen musikalischen Richtung." — Ach du lieben Gott: Wenn nun die Seelen nicht miteinander harmonieren werden, wird aus diesem musikalischen Ehebund. gewiß eine gräßliche Kakophonie entstehen. Hoffen wir, daß der Mann der Frau schon die Flötentöue Leibringen wird.
LrtLVKL'^Ä)SS.
— Mehers' Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Anflagc. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Jllustratioustafeln (darunter etwa 190 Farbeudruck- tafeln und 300 selbständige Karteubcilagen) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bünde in Halbleder gebunden zu je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Dursten wir bisher bei jeder Fortsetzung des „Großen Meyer" mitAn- erkeuttung die außerordentlich gewissenhafte und erschöpfende Behandlung des vielgestaltigen. Inhalts hervorheben, so bringt uns der neueste, im März erschienene 16. Baud, den ebenfalls die Vorzüge seiner Vorgänger auszeichnen, erfreuliche Beweise, wie die Redaktion nicht nur aufmerksam, sondern auch erstaunlich schnell den Zeitereignissen Rechnung zu ttagen versteht. Das zeigt uns z. B. die vielfarbige Karte der erst im Februar beendeten Reichstagswahl en mit genauer Liste der Abgeordneten und der Wahlkreise. Sticht minder bewundernswert erscheint das große Geschick, nach dem Druck eines Bogens eingetretene Veränderungen zu registrieren und so auch mit der geschichtlichen Entwickelung stetig Schritt zu halten. Ist z. B. im Artikel über den preußischen Minister p. Podbielski dieser noch als im Amte tätig aufgeführt, so finden wir diese inzwischen veraltete Angabe bereits in dem wenige Bogen später beginnenden dlrtikel „Preußen" durch die Erwähnung v. Arnim- Krievens als seines Nachfolgers berichtigt. Der genannte Artikel „Preußen", wohl der umfangreichste in dem vorliegenden Bande, darf überhaupt tn erster Linie Anspruch erheben, genannt zu werden. Bildet er doch mit 79 Spalten, 2 guten Kartenbeigaben, einer Wappmtafel der preußischen Provinzen und einer Preußens Wachstum übersichtlich erläuternden Textbeilage eine ansehnliche Monographie, die uns den Gang der Politik bis auf die jüngste Gegenwart' gedrängt, aber erschöpfend vorgeführt. Das Gleiche gilt von „Polen" (mit 2 Karten) und „Portugal". Für die Presse bietet besonderes Interesse die unter diesem Stichwort eingeschaltete objektive Darstellung der deutschen und ausländischen Preßgesetzgebuttg, wobei auch auf die Artikel „Politische Verbrechen" und „Polizeiaufsicht" hingewiesen fei.. Sonst erwähnen wir an lehrreichen Artikeln noch die über Preis, Produktion, Reute, über Prämiengeschäste und Privatbeamtenversicherung. Zeitgenossen wie Wilhelm Raabe, Graf v. Posadowsky, Felix v. Pvssart fehlen auch nicht, wenn sie auch noch nicht so eingehende Würdigung wie Raffael, Rembrandt, Ranke, Reuter, Männer, die auch schon der Geschichte angehören, gefunden haben. Beispiele aus den Gebieten der Naturwissenschaft und Technik herauszugreifen, zu denen eine Fülle farbenprächtiger Tafeln gehören, versparen wir uns auf einen der ttächsten Bände. Im vorliegenden zählten wir im gmtzen 38 farbige und schwarze Tafeln in künstlerischer Ausführung, 14 vorzügliche Karten und 10 Textbeilagen.
Charade.
Nachdruck verboten.
Das Erste, tief im Nixenreich, erfreut sich uicht des Zweiten, Ter ersten Größter aber nennt das Ganze dennoch sein.
Die Frau'n und Mädchen brauchen's beut', zum Kamps sich zu bereiten, Doch zwängt sich Manche allzufest in diesen Panzer ein.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer:
E j L | B | E
L |-E | A j E
1T| A | L |L
E |R | L | E
Namktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Bnch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


