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Vor 4 Jahren herrschte hier die Pest; aber fit konnte sich nicht ausbreiten. Auch jetzt herrscht sie an anderen Orten; wir sind hier, Gott sei Dank, davon verschont geblieben. Wenn Ihr sagt, die Umgegend sei nicht schön, so sage ich Euch, daß es hier die schönsten Wiesen gibt, die man sich nur denken kann. Betrachtet Euch weiter die schönen Gärten, die schönen Spazierwege, die schönen Wälder, wo Du dein Sport auf alle jagdbaren Tiere huldigen kannst! Kurz, es gibt hier nichts, was Deinen Geschmack nicht zufrieden stellen könnte, wenn Du nicht außergewöhnliche Ansprüche machst, ausgenommen Dein etwaiges Verlangen nach Geld (si ce n’est que Von desire de l’argent).
Die Wasserme>igen sind hier so reich wie die des Nil. Unser Fluß bietet Fische aller Art. Die Flußbäder der Lahn sind so heilbringend wie die Bäder in Wiesbaden. Doch alles dies ist nicht die Hauptsache, was nn§ Gießen und seine Hochschule so empfehlenswert macht. Viel höher schätze ich die Tugenden, die guten Sitten seiner Bewohner.
Alle Eure Sorge und Euer Streben, meine Herren, mag darauf gerichtet sein, Kenntnisse in der Wissenschaft sich zu erwerben! Nichts ist fruchtbringender, nützlicher, erhabener, schöner und beständiger. Mag cs andere Hochschulen geben, die Deutschland und Europa zieren; es gibt nur ein Gießen, das sich auszeichnet unter dem Schutzs seiner tugendhaften, erhabeiien Gründer durch die Vielseitigkeit der Wissenschaften, die hier gelehrt werden, diirch die Gelehrsamkeit seiner Professoren, durch die Schönheit und Lage seines Ortes, durch den bewährten Fleiß seiner Studenten. Gott möge in seiner Gnade walten, daß auch in Zukunft die Gießener Hochschule in allen Tugenden blühe und wachse, in allen Tugenden, die ich im Vorstehenden geschildert habe!
Mag auch manches, was der begeisterte Jüngling vor 300 Jahren über Gießen und seine „alma inater“ sagte, schöner gefärbt sein, als es in Wirklichkeit war; man wird nicht verkennen können, daß seine Rede inr allgemeinen unter dem Banne des Eindruckes stand, den er hier gewonnen. Seine Prophezeihung, die er der Gießener Hochschule stellte, ist in schönster Weise in Erfüllung gegangen. Was würde der Lobredner heute sagen, wenn er die Entwickelung der Stadt und seiner Hochschule sehe? Müßte er nicht heute ein höheres schmückendes Beiwort erfinden, nachdem er sie schon damals als „tres florissante“ (als hoch blühende) bezeichnet hatte? -e-.
Ium 75. Geburtstag Von Wilhelm Musch am 15. April beschert uns der Verlag Friedrich Wassermann tu München eine Neuausgnbe der „Frommen Helene", die jetzt ihr 170. bis 181. Tausend in die Welt hmausgeheu sicht. Ein zierlicher Einband mit dem lorbeerumkränzten Bilde der frech-vergnügten Dulderin schließt das Opus ein, und neben dem Titelblatt finden wir eilt neues Konterfei des Dichters (1907), aus dem uns die sinnenden und liebenswürdigen Züge des heiter resignierten Phibosophen in Ernst, aber voll innerer Gesundheit ansprechen. Die schöuste Beigabe zu der neuen Auflage des Werkes aber ist ein Gedicht Vvn Wilhelm Busch selbst, in dem er sich väterlich an seine Helene wendet und mit ihr über das spricht, was in den 36 Jahren seit ihrem Erscheinen an Neuem die Welt bewegt und an Mtem unverändert gleich geblieben ist. Wie in den letzten Schöpfungen des Meisters, so finden wir auch hier einen Zug reiner und tiefer Lebensweisheit und abgeklärter Ruhe im Anblick nahen Lichtes oder Dunkels. Und so gelassen der Dichter selbst über sein Morgen spricht, so füllt es uns dsoch mit Rührung, wenn wir die abschließenden Zeilen des Gedichtes lesen:
„Ein junger Nachwuchs kam, dem jene Sachen Zu ernsthaft sind; man möchte lieber lachen, Und kindlich harmlos hascht man nach Genüssen In Wort und Bild, als gab es kein Gewissen. Man denkt sich halt: Es ist ja Phantasie, Ein Puppenspiel. Wir täten so was nie.
Die Frommen aber, die vorüber radeln, Die uns vermutlich in die Gosse rennten. Wenn sie vor Lachen und Entrüstung könnten. Sie sind mal so, wir wollen sie nicht tadele Ersuchen sie vielmehr, sich zu getrosten: Die Narren sterben, auch die allergrößten.
Sobald nur 100 Jahre erst verfassen. Wo, unter andeveir, sind denn unsere Possen? Die Lampe fallt. Was bleibt noch auf der Szene? Ein Häuschen Asche, wie von dir, Helene.
Draus kommt die Zeit mit ihrem Reiserbesen
Und fegt es weg, als wär es nie gewesen.
Mir selbst ist so, als müßt ich bald verreisen — Die Backenzähne schenkt ich schon den Mäusen —. Als Müßt ich endlich mal den Ort verändern
Und weiter zieh'n nach unbekannten Ländern.
Mein Bündel ist geschnürt. Ich geh zur See.
Und somit, Leuchen, sag ich dir ade!"
Indem aber der Dichter seinem Leuchen ade sagt, sagt Leuchen selbst dem deutschen Publikum in neuer Gewandung wieder einmal guten Tag. Und es wird Unzählige geben, die nach der prächtigen Ausgabe greifen, die wieder die lustige und abwechS^ jungsreiche Tragikomödie der frommen Helene lesen. Sie wird das Lieblingskind der Muse Wilhelm Buschs bleiben, so lauge über lall' den Nöten des Daseins das erfreuliche Wesen waltet, das wir den deutschen Humor nennen, und das in Wilhelm! Busch einen seiner größten, ja einen unsterblichen Vertreter besitzt
Vermochte».
* D e r Name Känguru l). Das Känguruh, das Wappentier Australiens, ist auf ganz merkwürdige Weise zu seinem Namen gekommen, die lebhaft au Hebels Geschichte „Kannitverstan" erinnert. Als Cook, so erzählt ein Qucens- länder Blatt, im Jahre 1770 nach Entdeckung der Moretou« bai an der Küste des heutigen Staates Queensland entlang fuhr, wurde eines Tages unweit des Strandes Anker geworfen. Bald zeigten sich am Ufer eine Anzahl Eingeborene, von denen einer ein erlegtes Tier über der Schulter hatte. Die Engländer kannten cs nicht, und Cook schickte ein Boot hinüber, um womöglich Art und Namen des Tieres zu erkunden. Die Schwarzen ließen denn auch den Bootsführer herankommeu und antworteten auf dessen Frage nach dem Namen des wunderlichen Tieres: „Känguruh!" das heißt: „Wir verstehen dich nicht!" Das Tier wurde nun cingehan- delt Und nach dem Schiffe gebracht — sein Name werde von den Wilden mit Känguruh angegeben; und so hat denn dieser charakteristische Vertreter der australischen Tierwelt die drollige Bezeichnung behalten. Auch der Name des anderen Wappenhalters, des Emu, entstammt der Eingeborenensprache, wie denn auch zahlreiche Pflanzen (Bunya-Bunya, eine Araucaria), Tiere (das Talegalla - Huhn), Flüsse und Städte ihre Namen daher bekommen haben. So ist zum Beispiel die bedeutende Stadt Toowooniba nach einer kleinen eßbaren Gurke benannt, die dort in großen Mengen wuchs und von den Schwarzen gesammelt wurde.
Kömgspromenade.
Nachdruck verböte*
Man dar! die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weiss miteinander verbinden, daß man — wie der König auf deut Schachbrett — stets von einem Feld aus au! ein benachbartes übergeht,
Auflösung in nächster Nummer.
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sehr
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Auflösung der Altügyptischen Hieroglyphen in voriger Nummert
Gott ist des Schwachen Arm.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Stetndrnckerei, R. Lange, Gieße«,


