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R. S.

Redaktion; Ernst Heb. Rotationsdruck und Verlag der Brühlicben Univerütäts»Buch» und Stemdruckerrt. R, Lanae. Dieb

Vortrag: , , , o m r .

Wohl preisen viele das Vaterland, Wir aber leben dem Kinderland: Die Väter lebten, die Väter sind tot. Ihnen tut Lieb' und Arbeit nicht trat. Dort hinten waltet ewige Nacht, Doch vor uns glühend der Tag erwacht. Bald wird sein Licht ein Land umfließest, Dein neue Arbeit und Menschen entiW&ei". Wir sind des Landes Sonne und Regen, Des Landes Speise, des Landes Segen, Trum auf das Kinderland bestellt. Zu grüntet die neue, die bessere Welt.

VesMisrhtrs.

**- Woher weißt du, wie die Sterne heißen? Nach­folgendes, in der Wetterau passiertes Geschichtchen, stellte uns die Gattin eines Landarztes zur Verfügung: In einer kalten, stern­klaren Winternacht wird mein Mann in em entferntes Dorf zu einem Kranken gerufen. Hannes, unser Kutscher, spannt an und darf sich der starken Kälte wegen zu meinem Mann ms Verdeck setzen Tie Betrachtung des wunderbaren Sternhimmels bereitete meinem Mann einen reinen Genuß und schließlich wandelt ihn die Lust am, auch unseren Hannes etwas den Blick zu weiten nntn ibn die Schönheit genießen zu lehren. Er hielt ihm einen Vortrag über Astronomie, erklärt ihm die Sternbilder und sucht ihm einen Begriff davon zu geben, was die Wissenschfift leiftet, indem sie ver­mittelst vorzüglicher Instrumente die einzelnen Serne erforscht und ihre Entfernung berechnet. Zu all diesem nickt Hannes verstaiidnis-- vvll unduuterbricht meinen Mann mit keiner Frage. Als dreier ihn zuletzt fragt, ob er auch lalles vcrstandeii habe und nicht auch erstaunt sei darüber, was die Wissenschaft alles vermöge, antwortet Hannes nach einer bedächtigen Pause:Ja, Herr Doktor, verstonne hab ich alles und ivills auch gerne glowe. Wes mer awwer net in Kopp will, das is: woher waaß mer denn, tote all die Sterite hauße?" Selten habe ich meinen Mann herzlicher lachen hören, als er mir beim Nachhatisekommen seinen Miß­glückten Bfldungsversuch erzählte.

* Waldbestand und Ha g e 1 b 11 d u n g. Wahrend der Waldreichtum eines Landes die Niederschläge, soweit es sich um Regen handelt, vermehrt, wirkt er ans die Hagelbildung ganz ent­schieden hemmend ein. Bereits in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stellte man in der Schweiz fest, daß in den waldreichen Kantonen Hagelsälle gar nicht oder wenigstens nur m sehr ab- geschwächtem Maße vorkamen, während sie sich nach umfangreichen Abholzungen in ganz erheblichem Maße und teilweise in solchem Umfange einstellten, daß sie gewaltigen Schaden stifteten und die Be­wohner zu einer Aufforstung der entwaldeten Partien zwangen. Der Erfolg war geradezu überraschend; denn die Hagelfälle nahmen von Jahr zu Jahr in dem Maße an Häufigkeit nnd Heftigkeit ab, wie der Wald im Wachstum fortschritt, um schließlich ganz auszuhören. Neuerdings kennt man auch aus Teutschlaud derart charakteristische Beeinflussungen der Hagelbildung durch Walder. Zwischen Marburg und Gießen waren von alters her die Höhen und Schluchten an der Lahn mit dichten Wäldern bestanden, itnd von Hagelfällen hatte man seit Menschengedenken in diesen Gegenden nichts gehört. Tas änderte sich aber, als vor einigen Jahren ut der Gemeinde Hattenhausen eilt nur 700 Meter langer und 200 Meter breiter Streifen Waldes niedergelegt und urbar gemacht

belkraft sein, er toM Gerechtigkeit. Eine echte Sittlichkeit tut das Gute aus Liebe zum Guten. Liebe ist nttmer terotlhg ®ie freie Selbstbestimmung gehört unbedingt zum sittlichen Charakter. Der bessere Mensch meidet das Unrecht nicht, weil er sich von Rache bedroht glaubt, sondern weil fern innerstes Selbst eine natürliche Abscheu vor dem Bösen hegt. Und schließlich wissen wir doch auch nur, was das Rechte und Gute istx wenn wir! unsere Vernunft anwenden.

Ter Mensch sollte sich selbst das Allerwichtigste und Mev- nachste fein Er hat die sittlichen Aufgaben und religiösen Kräfte, die er in sich spürt, vollkommen darin zu behäbigem, daß er Seinesgleichen hilft gerechter und vollkommener zu werden. Das ist Menschheitsdienst! Wir müssen den Gott nicht m einem jen­seits außerhalb der Natur suchen, sondern im Menschen. Den Heiland haben wir alle in uns selbst. lUiser Gott ist das Ideal der Vollkommenheit, wie cs von den Besten der Erde erdacht wurde, und unsere höchste Seligkeit besteht darin, diesem Zdeal nachzustreben Wenn wir aber das tun, haben wir m dec heiligsten Weise den Sinn unseres Menschenlebens erfüllt, dann sind wir religiöse Naturen, nicht im Sinne der alten Glaubensreligivnen, sondern im modernen Sinne. Wir werden allerdings mit unseren leiblichen Augen die Berwirklichung unseres Ideals nicht Watten, denn es kann nur in der Ewigkeit verwirklicht werden. Wir aber wollen für unser Kinderland, d. h. für die Zukunft des Menschengeschlechts arbeiten, auf da«z den kommeiidm Geschlechtern die Bahn zu höherem Menschentum frei werde. Mit folgendem Gedicht Nietzsches, das diesen letzten Gedanken zum Ausdruck bringt, schloß Dr Wille seinen mit reichem Beifall aufgenommenen

Logogriph.

Mit B ein tüchtiger Komponist, Mit D am Haus es zu finden ist.

Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummert Eines schickt sich nicht für alle I Sehe jeder, wie er's treibe, Sehe jeder, wo er bleibe, Und wer steht, daß er nicht falle. Goethe.

wurde, wodurch die nördlich und südlich vom Walde belegenen Felder miteinander in Verbindung gesetzt wurden. Die meist von Süden kommenden, Hagel führenden Gewitterwolken unternahmen nun­mehr regelmäßig ihren Weg über diesen Streifen Neuland und richteten die ärgsten Verwüstungen an. Forstmeister Röhrig be­richtet nach einer Mitteilung des Prometheus über ein furchtbares Unwetter, das vor einigen Jahren vom Elsaß her die oberrheinisch: Tiefebene, Hessen und den Regierungsbezirk Kassel durchzog, um erst im südlichen Hannover zu eiltet. Von den Wirkungen des Wirbel­sturmes abgesehen, hatte der Hagelschlag ganz besonders verheerend gewirkt, und zwar hatten die in der Nähe größerer Waldbestände liegenden Mecker auch wenn sie in der Zugstrahe des Unwetters! Ingen viel weniger gelitten als-die vom Walde entblössten oder ihm ferner liegenden Kulturflachen. Diese Erscheinung wiederholte sich aus der ganzen Strecke; nirgends hatte der Wald selbst gelitten. Offenbar ist das verschiedene Berhalteit auf die ungleiche elektrische Spannung zurückzufiihren, welche die Erdoberfläche auf bewaldeten und wcfldsreien Gebieten notwendigerweise zeigen muß. Für die Praxis ergibt sich hieraus die Bedeutung der Aufforstung aller Oedländereien. ,

* Ein Muster von Ehemann. Sowohl der König von Italien wie der Zar suchen das höchste Glück im engsten Familienkreise. Es ist unmöglich zu sagen, welcher von beiden Herrschern die schönste Gattin besitzt, oder welcher von bettet den Frauen ergebener ist. Muster von Ehegatten und Katern find beide Beide heben es, die Staatsgeschäste in den etnjaetet Freuden des Familienlebens zu vergessen. Die Königin montene­grinischer Abkunft nimmt gleichwohl lebhafteres Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten. Die Hausregel bet beiden Hofen ist: früh zu Bett und früh auf den Beinen. In der Irischen Morgen­luft liebt es der italienische König, in seinem Automobil die weite Wüste der Campagira zu durcheilen. Ter Nachmittag ist den Audienzen gewidmet. Er ist der zugänglichste aller Monarchen und verbringt täglich 4 bis 5 Stunden mit dem Em Pf ang en von Person eit jeden Standes nnd jeder Gattung Er geht zu Bett zu einer Stunde, wenn gewöhnlich ein Ball beginnt unb des Sommers fährt er mit seinem Automobil zu einer Zett aus, toetttt die letzten Eingeladenen nach Hause zurück zu kehren pflegen.

* Der W irt'iu Töchterlein. Iw das Fremdenbuch des Gasthauses eines Thüringer Walddorfes schrieb kürzlich ein! unbekannter Wanderer folgende scherzhafte Verse, die eines ernsten Hintergrundes nicht entbehren: .

Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein, Bei einer Frau Wirtin, da kehrten sie ein.

Frau Wirtin, bringt's kalten Aufschnitt tyerein, Wo ist denn Emilie, Ihr Töchterlein?"

Mein Aufschnitt ist kalt und scharf der Senf, Emilie studiert Medizin jetzt in Genf!" , .

Fran Wirtin, den Mosel und Rheinwein uns bring.

Wo ist teilt die Alma, das schnuckrige Ding?"

Mei Mosel ist süffig, gar süß ist der Most, Die Alma telephoniert bei der Post!"

Da fragten die Burschen, sehr traurig gesinnt:

Wo ist denn das Aenncheii, das drittälteste Kind?

Das Aennchen amtiert als Buchhalterin, Ist Typewriter-Mamsell aus der Schretbmaschin!

Ta schimpften die Burschen, nicht fein war es grab , Und traten in Stücke den hieran tomlat.

Literarisches.

Wi 1 dhecken, Jagd- und Wilddiebsgeschichten aus denk Otenoalde. Von PH. Buxbauim Mit Originalzeichnungen von A. Buxbaum. Verlag von Emil Roth tu Gießen. Preis 1,50 Mk.

Was der Verfasser uns hier in seinen Jagd-und Wilddiebs geschichten bietet, ist eine echte und warme Heimatkunst. Ein ergötzlicher Humor, mitunter em derber Schalk, ein ebenso ttav.s Auge als mitfülsteiides Gemüt für die Schwachen der Menschheit weht uns aus diesen Erzählungen entgegen. Wir sehen te Ueb« des Odenwälders zur Natur, seine Jagdlust, die bauerM^e Schlau­heit, Hinterlist und Leidenschaft, die der Odenwalder so reich ent­faltet und der Findigkeit der Forst- und Jagdbeiamten entgegen­setzt. Wildererfiguren wie der geriebene und gutinuttg teme Jack'l, der mit allen Hunden gehetzte Gilles find echte Lwld-- typen, wie sie in einem! gesunden Volksschlag zahlreich wucheri, zu Kreuz und Leid der Jägerwelt. Kem Leser wird das Buch unbefriebigt aus der Hand legen. Der köstliche Humor, der uns aus allen Zeilen janlacht, wird jetten Leser, gefangen nehmen.

Ludwig Schuster.