Ausgabe 
15.2.1907
 
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Wohltäter. Wer einen Brunnen gräbt, einen Quell in Stein faßt, einen sHattigen Baumgang an der Straße pflanzt, einen Obstgarten anlegt, ein dauerhaftes Haus baut, einen Sumpf urbar macht oder auch nur eine Steiubank am Wege aufstellt, der macht das Land in geringerem oder höherem Maße liebens- oder be­gehrenswert, macht ein Vermögen, das er nicht mit sich nehmen kann, das aber noch lange seinem Lande nützlich ist. Der Mensch, der zu Hause arbeitet, hilft der Gesellschaft draußen mit viel größerer Gewißheit als der, der sich Werken der Barmherzigkeit widmet."

Vieles, was hier Emerson dein Landmann nachrühmt, wird heute im Auftrag städtischer Gemeinden von der Technik be­sorgt. Tas beweist aber nur, daß der Landmann bis zur Stunde in einer Person eben auch Techniker gewesen ist, Kulturingenieur, wenn man nach einem klingenden Titel suchen wollte. Durch Umzäunungen und Anlagen von Windbrüchen erzeugt der Land­mann mitten in kalten Himmelsstrichen Oasen heißen Klimas, wo die herrlichsten Früchte gedeihen. Durch Entwässerung des Bodens und durch Zuführung natürlichen oder künstlichen Düngers macht er das beste Land, an das man der Wälder und Sümpfe wegen zuletzt herankommt, ur- und bewohnbar. Hübsch ist die Schilderung, wie Wasser, Feuer, Luft und Chemiedes Land­manns Knechte" sind, wie die sprengende Kraft gefrorenen Wassers unü die Arbeit der Würmer das Land pflügt und wie die ver­witternden Felsen dem Landmanne vorarbeiten. Diese Schil­derung hebt mit den Worten, an:

Was sind des Landmanns Knechte? Nicht der Irländer, nicht der Kuli, sondern Geologie und Chemie, die Nagearbeit der Lust, das Wasser des Baches, der Blitz aus der Wolke, die Fortpflanzungen des Gewürms, das Pflügen des Frostes. Lange vor seiner Geburt hat die Sonne von Jahrtausenden die Felsen verwittert, sein Land weich gemacht, es mit Licht und Wärme durchtränkt, es erst mit einer Pflanzenhaut bedeckt, dann mit Wäldern, und den Torf angehäuft, der in seiner Zersetzung ihm den Boden seiner Wiese liefert."

Die Bodenkruste", so heißt es zum Schlüsse,die Jahr­tausende veredelt haben, veredelt der Landmann noch einmal zur Ernährung eines gesitteten und unterrichteten Volkes. Die großen Elemente, mit denen er zu tun hat, können ihn nicht un­berührt und ohne Bewußtsein seines Amtes lassen; aber ihr Einfluß hat einige Aehnlichkeit mit dem, den dieselbe Natur auf das Kind übt sie macht ihn gefügig und stille. Wir sehen mit Freude, mit Achtung auf den Landmann, wenn wir be­denken, was für Fähigkeiten und Leistungen so demütig ge­tragen werden. Er kennt jedes Geheimnis von Arbeit; er gibt der Landschaft ein anderes Gesicht: stellt ihn auf einen »reuen Planeren und er würde wissen, wo er anzufangen hat; und trotz­dem ist in seinem Gebaren keine Anmaßung, sondern eine vollkommene freundliche Gelassenheit. Der Landmann vaßt gut in die Welt. Einfach im Wesen, wie int Kleide, würde er in Palästen nicht glänzen und doch würden die Salon- helderr, wenn sie neben ihn gestellt würden, zusammenschrumpfen: er kernhast und unerschöpft, sie ausgehämmert zu Blattgold."

Literarisches.

Im Februarheft der Neueit Rundschau (S. Fischer, Verlag, Berltn) veröffentlicht Eduard Graf Keyserling seinen neuesten Essay: Ueber die Liebe, in dem er in einer freien literarischen Form über die wichtigsten Phasen dieses Phä­nomens aus einer tiefen Kenntnis menschlicher Dinge spricht. Hermann Muthesius bringt einen ausführlichen Aufsatz über die Architektur und das Publikum, wobei er von einem wetten Horizont die Entwicklung und Wirkung dieser Kunst in modernen Zeiten auseinandersetzt. Karl Jentsch schreibt einen längeren Aussatz über Volkspolitik, Diplomatenpolitik, Zeitungs- Politik: eine Geschichte dieser drei sich folgenden Formen poli­tischer Tätigkeit, die in unseren Tagen von besonders erzieherischem Wert scheint. Helene Böhlau setzt ihren Roman Das Haus zur Flamm' fort, Joh. V. Jensen bringt den ersten Teil seiner unter modernen Reiseschilderungen durch Wahrheit und Humor hervor­ragenden Dschungelreise.

m 83 auundTätigkeitdesmenschlichen Körpers. SSon Dr. H. Sachs. Mit 37 Abbildungen. 2. Auflage. (Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich-gemetnver- stmtdltcher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 32. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Bon her Einrichtung des eigenen Körpers haben die meisten Menschen nuT .®l,ne unbestimmte oder gar keine Vorstellung. Ueber die ungefähre Lage des Herzens, des Magens und der Leber gehen die anatomischen Kenntnisse der Laien gewöhnlich nicht hinaus.

Und doch handelt es sich hier um eines der interessantesten Gebiete menschlichen Wissens. In dieses möchte das Büchlein einführen. Fn leicht verständlicher Form stellt es die Einrich­tung und die Tätigkeit der Organe dar und zeigt dabei vor allem, wie diese in ihrer Tätigkeft aufeinander einwirken, mit­einander , Zusammenhängen und so den »nenschlichen Körper zu einem einheitlichen Ganzen, zu einem wohlgeordnete»! Staate machen. Besonderer Wert ist darauf gelegt, daß das Buch troit jedermann ohne besondere Borkenntnisse verstanden werden kann. Eine Reihe schematischer Abbildungen erleichtert das Verständnis der zum Teil doch etwas komplizierten Einrichtungen des Körpers.

Eine Schönheitskonkurrenz. Die Wochenschrift Mrs Haus" veröffentlicht das Ergebnis ihres großen Jubi­läums-Preisausschreibens, wovon wir int vorigen Herbst gleich­falls Notiz genommen haben. Es handelte sich darum, von sieben schönen Frauen als Repräsentantinnen von ebensoviel verschiedenen Nationen die schönst« zu bezeichnen. Die Beteiligung an diesem Preisausschreiben war sehr rege; es liefen nicht weniger als 38136 Einsendungen ein. Hiervon erhielt die Französin nicht ganz 2000 Stimmen, dann folgten, nach dem Verhältnis der erhaltenen Stimmen aufwärts gerechnet, die Spanierin, die Eng­länderin, die Italienerin, die Schottin; die Deutsche vereinigte 6158. Stimmen auf sich, wurde aber von der Amerikanerin mit 17 473 Stimmen beinahe um das dreifache übertroffen. Die Zuteilung der 100 Preise int Werte von 5000 Mk. wurde be­stimmungsgemäß und im Beisein eines Notars durch das Los entschieden. Die praktische WochenschriftFürs Hans", die sich sehr um die Unterhaltung und Belehrung ihrer Leser be­müht, ist durch alle Buchhandlungen und Postansbaitcn für 1,50 Mk. vierteljährlich (Salon-Ausgabe 1,75 Mk.) zu beziehen.

Reich' mir die liebe, alte Handls Bon Wilhelm Jensen.

Reich' mir die liebe, alte Hand, Die Hand, die mich durchs Leben führte. Der zagend einst ich mich entwand. Als sie zuerst die meine rührte. Am Bach hier stand der weiße Klee, Darüber summten goldne Bienen;

Mir kftngt's im Ohr; nun liegt der Schnee Von fünfzig Jahren über ihnen.

Reich' mir die liebe, alte Hand Mir ist's, als kam' ein Frühlingswehett Aus ihr von morgenrotem Strand, Und doch ist's Zeit zum Schlafengehen. Die Wimpern fallen dir und mir. Und wundersam, doch klopft es drinnen Mir in der Brust, als könnten wir Noch einmal jenen Tag beginnen. Reich' mir die liebe, alte Hand Ich danke oft mit sel'gem Munde Der Stunde, drin sie einst mich fand. Nun dank' ich ihr für diese Stunde. Ost rief der Abend uns zum Ruhn, Und doch, mich dünkt, so traut war keiner; Denn meine Han», jür immer nun Soll ruhn zum Schlafe sie in deiner.

*) Aus Heft 135 der ZeitschriftVon Land zu Land", die wir allen Familien bestens empfehlen. (Verlag von W. Bobach u. Co. in Berlin 4, Chausseestraße 39.

Arithmogriph.

(Nachdruck verboten.)

1 7 1 1 8 10 ein Baum.

2 7 118 sebr geschätztes Thier.

3 4 4 ein Fluß.

4 7 9 7 2 2 7 ehemaliges Königreich.

5 7 2 ein Tiiel.

6 3 10 10 3 Stadt in Steiermark.

7 10 10 8 2 Ncbenstnß der Weser.

2 8 4 4 8 2 sportliche Bezeichnung.

4 7 8 4 biblischer Ort.

8 9 7 weiblicher Vorname.

9 8 2 4 8 französischer Schriftsteller.

7 10 1 8 4 europäisches Gebirge.

10 7 4 5 8 eine Waffe.

Die Anfangsbuchstaben der gestindenen Wörter bezeichnen der Reihe nach, von oben nach nnien gelesen, einen jährlich erscheinenden, von fröhlichen Menschen gern gesehenen und iroh empfangenen Gast.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Scherz-Rätsels in voriger Nummer: Ter Garnknaul.

Redaktion: Ernst Hetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Unwersttäts-Buch- und Siemdruckeret, 8t, Lange, Gtehe*.