verbrauch ca. 190 Tonnen betragen. Der Maximalkohlenvörrat eines Linienschiffes beläuft sich auf 1800 T.

Die artilleristische Bewaffnung der neuesten Linienschiffe besteht aus 48 Geschützen von 28 Zentimeter bis 8 Millimeter Kaliber. Die 28 Zentimeter Schnellfeuerkanonen verfeuern Ge­schosse von 270 Kilogramm, die 8,8 Zentimeter Geschütze solche von 10,7 Kilogramm.

Die Kosten der Linienschiffe. sind in den letzten Jahren ganz erheblich gestiegen. Jedes Schiff der vor 15 Jahren erbau­tenBrandenburg"-Klasse kostete einschließlich Artillerie und Tor­pedo 16 Mill. Mk. Tie Schiffe derDeut,chland"-Klasse «be­anspruchen 24 Mill. Mk.; die neuen 18 000 T. Schiffe werden 36 5 Mill. Mk. kosten. Davon entfällt der dritte Teil mit 13,5 Mül. Mk. auf die Artillerie.

Jedes einzelne Linienschiff repräsentiert eine enorme Summe bcwunderswerter technischer Leistungen, ist ein mcchaustchev Kunst- werk allergrößter Art. In ihm ist eine Militärische Kraft kon­zentriert, die nicht ihres Gleichen hat. Unter energischer Leitung wird eine Flotte vollwertiger Linienschiffe, un Feuergefecht Tod und Verderben bringend, zur stärksten Waffe des Seekrieges, zur stolzen Herrscherin auf dem Meere.

Vermischtes.

* Unerfreuliche M an ö v e r e r in n erun g e n nahmen die württembergischen Soldaten mit nach Hause. In Oberschwaben, wo die Manöver des 13. Armeekorps in diesem Jahre stattfanden, erschien zum Empfang der Soldaten in den dortigen Zentrumsblättern folgendes Inserat:Hüte dich! S ch u tz e n g e l b r i e f an Mäd- ch e n zur. Beherzigung für die Zeit der Einquartierung von einem Seelsorger. Manöver! Soldaten ins Quartier! Welch entgegengesetzte Gefühle rufen diese Worte in dem Herzen wach. So sehr sich die inuntere Schar der Knaben auf die Soldaten freut, ebenso begreiflich ist es, wenn die Seelsorger die ehrbaren Mädchen und deren Eltern dem Tage der Einquartierung mit bangem Herzen entgegen­sehen; ist es doch leider nur zu wahr, daß es unter den Soldaten schlechte Subjekte gibt, verkommene Ge­sellen, die schon mit der teuflischen Absicht die Garnison verlassen, während der Manöver möglichst viele Mädchen zu verführen. Und in der Tat wurde durch die Ein- martierung in sittlicher Beziehung schon e n t s e tz l i ch v i e l "Unheil angerichtet, das aber dann wie die Flurschäden nach dem Abzug der Soldaten nicht wieder bereinigt werden kann. Wachet deshalb und betet, ihr Mädchen und ihr jungen Frauen, denen jungfräuliche Reinheit und weibliche Züchtigkeit als kostbarstes Kleinod gilt! Hüte dich! so ruft dir, edelgesinnte Leserin, ein treubesorgter Freund aus dem Priesterstande zu, dem die bange Sorge vor den Einquartierungen, mit denen heuer auch seine Pfarrei be­dacht werden soll, die Feder in die Hand gedrückt hat, um unsere Mädchenwelt auf die ihr in diesen Tagen drohende Ge­fahr aufmerksam zu machen und ihr zugleich zu zeigen, wie sie trotz derselben ihre schönste Tugend bewahren kann. Jedes deutsche Mädchen, dessen Sittlichkeit gelegentlich der gegen­wärtigen Manöver in Gefahr kommen könnte, sollte den Schutzengelbrief Hüte dich" zu lesen bekommen," Das In­serat des Pfarrers hat seine Wirkung getan. Die Unter­offiziere eines Regiments schreiben darüber mit Entrüstung an dieNeckar-Ztg.":Als wir in R. einrückten, da stand der katholische Pfarrer vor der Tür und betete nicht für das Heer, für die Verteidiger des Vaterlandes, sondern wohl im Sinne des Inserats. Und später wurde uns gesagt, daß sämtliche junge Mädchenauf An­rate ndesHerrn Pfarre rs"überFeldgeschickt worden waren. Aber das ist ja nicht zum ersten Male vor­gekommen. Dagegen sollte sich ein Geistlicher jedenfalls nicht so weit vergessen, sich in solchen Ausdrücken den Soldaten gegenüber auszulassen, denn daß die Quartier­leute auf jenen Brief hin ihre angemeldeten Soldaten mit Mißtrauen und Unbehagen empfangen, haben wir empfin­den müssen. Nebenbei ist dieser Brief eine Beleidigung der ganzen Armee, denn schlechte Subjekte und verkommene Gesellen werden in der Armee nicht geduldet. Dagegen

wird sich jeder, der des Königs Rock trug oder trägt, ver­wahren, vom Offizier herab bis zum Gemeinen."

Für unsere Kleinen.

Der W und er g ar t en, Kalender für die deutsche Jugend 1908, begründet und herausgegeben von Wilhelm Kotzde mit Unterstützung der freien Lehrervereinigung für Kunstpflege mit 6farbigen und 49 schwarz-weißen Zeichnungen auf 110 Seiten Großoktav. Preis 2 Mark. Verlag von Jos. Scholz in Mainz.

Wilhelm Kotzde unternahm es, einen Kalender zu begründen, der für die Bedürfnisse der Jugend berechnet ist und fte durch seine ernsten und heiteren Vortrüge zu belehren, begeistern und unterhalten will. Fern von nnkünstlerischer Tendenz wüt der Kalender die aus deutsch-volkstümlichen Empfinden geborene Kunst pflegen und alles Bizarre und Ungesunde ausschließen. Ein Stab hervorragender Mitarbeiter steht zur Versugung. Gerhard Krügel wird der Jugend alte, halbvergessene Sagen erzählen, Hermann Berdrow gibt Schilderungen von Land und Leuten, Karl Bienenstein, Viktor Blüthgen, Gustav Falke, Karl Ferdinands, Max Geißler, Eberhard König steuerten Geimno- ten, Märchen und Lieder bei. Dazu bringt der Kalender weniger bekannte Dichtungen früherer Zeit. Rätsel und Reime geben Gelegenheit zu Scherz und Lust. Eine Reihe tüchtiger^llu- stratoreil widmete ihre Kraft dem Kalender, so Otto Gebhardt, Hans voii Volkmann, Max Wulff. Adolf Bauer bietet Muttern und Kindern gefällige Liedchen.

Literarisches.

Einführung in die AesthetiEber Geg enw art. Bon Professor Dr. F. M e u m a n n. 8 °. (Wissenschaft und Bil­dung, Bd. 30.) 154 Seiten. Geh. Mk. 1., m Originalleineii- band Mk. 1.25. Verlag von Quelle u. Meyer m Leipzig. Auf den reichen Inhalt hier einzugehen, verbietet uns der Raum. Wir registrieren knrz den Inhalt der acht Abschnitte. Nach einer orientierenden Einleitung über die historischen Grundlagen der gegenwärtigen Aesthetik wird die Begründungder empirischen Aesthetik durch Gustav Theodor Fechner, sowie dessen unmittelbare Nachwirkung in der gegenwärtigen Aesthetik behandelt. Dm Hauptrichtungen und die Grundprobleme der gegenwärtigen Aesthetik werden sodann entwickelt und die Einheit des ästhetischen Forschungsgebietes, die Psychologie des ästhetischen Ge­fallens und des künstlerischen Schaffens untersucht.,Daraus ergeben sich dann die allgemeinen Betrachtungen über die ästhetische Betrachtung der Kunst und unsere ästhetische Kultur überhaupt. Freunden der Kunst und Kultur sei dies schone Buch empfohlen.

Schmiedel, Q, Professor m Eisenach, Richard Wagners religiöse Weltanschauung. (Religionsge- schichtliche Volksbücher.) Tübingen, Verlag von I. C. B. Mohr (Paul Siebeck). Schmiedel will tn seinem Volksbuch m kom­primierter Form ein Bild von der in den Rahmen emer,Le->ns- skizze eingezeichneten Entwicklung der religiösen Weltanschauung Wagners geben. Der Leser gewinnt einen Einblick m die Gegen­sätze in Wagners Philosophie und Charakter und die dramatqche Bewegtheit seines Lebens. Diesem Inhalt lvill auch der -sh. ge­recht werden, der das Buch in erster Linie znm Borlescn ge­eignet macht. So ist die kleine Schrift für alle Gebildeten be­stimmt.

Rätsel.

Meist rühmlich ist des Ersten Leben, Wenn ihm der Freiheit Fahne winkt; Es prahlt und ivill zur Höhe schweben, Bis kläglich es zu Boden sinkt

Doch wenn in stark begrenztem Raume

Der Meister ihm die Wege weift, Erwacht es wie aus einem Traume ' Und wird ein riesenmächt'ger Geist.

Tas Zweite tut seit alten Zeiten Den Volkern guten Botendienst, Es meldet alle Neuigkeiten lind spendet Vorteil und Gewinnst.

Das dritle ist als Hauptvergnügen

Zumeist beliebt bei jung und alt, Und man genießt in vollen Zügen Des Landes ivechselnde Gestalt.

Das .Ganze aber, das ich meine, Ist mir ein wahrer Hochgenuß. Wie ist das Leben schöil ain Rheine, Eilt hin zu uuserm deutschen Fluß!

A. A ui ni a n n.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Keine Rose ohne Dornen.

Redaktion: P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.