671

Das Landhaus des Professors Dr. Popipert ist eine Schöpfung des Gießener Architekten Gustav H a ma n n, der mit diesem Bau gezeigt hat, wie man zugleich hodenwüchsig und nwderir bauen kaum Wir gehören nicht zu den unbedingten Verfechtern der Heimatkunst. Wichtiger, als das; ein Bauwerk seiner Umgebung sich aupasse, ist, das; es gut und brauchbar sei. Erfüllt cs indes diese Forderungen, liegt weiter kein' Grund vor, der Lokaltradition mit Absicht aus dem Wege zu gehen. Nun hat die Lahnstadt freilich kein Herkommen solcher Art, jedoch das vberhesfischc Land besitzt etwas dergleichen. Nämlich die Wand­verkleidung mit Schindeln. Sie hat der Architekt übernommen, und sie lässt den ganzen Bau bodenständig und mit seiner Um­gebung organisch verwachsen erscheinen. Allerdings ist sie das einzige traditiotrelle Element an* dem Hause; denn im Grund­risse, wie im Aufbau hat sich der Architekt int ^Anschlüsse an die Wünsche des Bauherrn volle Freiheit gewahrt.

Tas nahezu rechteckige Gebäude repräsentiert sich mit seinen' vier mächtigen Giebeln, feinem Türm lern in der Südostecke, seinen Altanen und Galerien und vor allem dem schweren, weit vor- spingeudem, zumal auf der Wetterseite tief herabreichenden Dache recht stattlich. Sind die Formen im ganzen für nufere modernen, auf äusserste Einfachheit gerichteten Ansprüche fast zu reich, so gilt dies noch mehr von den Farben. Der weiße Haustein des Erdgeschosses ergibt im Verein mit dem Gelb der Schindeln und Rot der Ziegeln und der Bemalung des Daches ein sehr leb­haftes Kolorit, das erst die Alterspatina und das Bunt drrBlnmen, die jedes Fenster schmücken sollen, ein wenig beruhigen und ans- gleichen iverden.

Man betritt das Haus von der Südseite her . durch einen! Laubengang über eine kleine Freitreppe, gelangt znnächst in einen geräumigen lichten' Vorraum mit Ruhebänkchen, dessen Innenausstattung noch teilweise von dem Baumeister entivorfen ist, und sodann in' die Diele. Sie, sowie die Ausstattung der 'hauptsächlichsten Jnnenräume im Erdgeschoß und des Schlafzimmers im Obergeschoß sind eine Schöpfung der Darmstädter Hof-Möbel­fabrik I. Gluckert. Bon der Diele führt links eine bequeme rechteckig gebrochene Treppe in die oberen Räume des Hauses. Unter ihr gelangt man auf der einen Seite in die Küche, auf der andern in einen Raum zum Ablegen der Garderobe. Ge­radeaus führt von der Diele eine Türe in das mächtige Speise­zimmer, rechts eine andere in daS Empfangszimmer. An die beiden zuletzt genannten Räume stoßen weiter Zimmer der Dame und des Herrn, die durch 'einen* heimlichen, kleinen Wintergarten verbunden, der nach außen hin der Ostfront ihr charakteristisches Gepräge verleiht. Das Obergeschoss hat einen schmaleren Flur und infolgedessen mehrere Räume. Stuf der einen Seite des Flurs hefiuden sich hier die Schlaf- und AnNeidegemächer, auf der an­deren weitere Wohn- und Arbeitszimmer. Auch der geräumige Dachstock enthält außer dem Wäscheboden einige gemütliche Gemache, die meist als Fremdenzimmer benutzt werden.

Am vorzüglichsten sind naturgemäß die Repräsentations- ranme des Erdgeschosses. Da ist zunächst die Diele selbst zu nennen, ein länglicher, mit trefflichen Perserteppichen belegter Raum, dessen Wände unten mit intarsiertem Rüsternholz ge­tafelt und oben mattgrün gestrichen sind; nur die schlichten Türumrahmungen wurden ganz weiß gelassen. In den anderen Räumen sind Teppiche, Vorhänge und Tapeten stets aus den gleichen Ton gestimmt. Das Empfangszimmer ist in Seegrün und Mahagoni-Farbe, das Zimmer der Dame in Gratr und Gelb, das Herrnzimmcr in Bräunlichgrau, Schwarzbraun und Weiß, das Speisezimmer in Weiß, Silber und Purpur gehalten. Bietet einerseits jedes Gemach ein fein abgetöntes Farbenganzes für sich, so ist anderseits auch die Zusammenstimmung der Farben der verschiedenen Räume, wie mau sie bei geöffneten Türen wahr­nimmt, sehr harmonisch und wohltuend.

lieber die Formen' der Dekorationen und Wöbet geben die Bilder besser Aufschluß, als es Worte vermögen. Hingewiesen sei nur ans die vorzügliche Wirkung des Ausblickes ans beut lebhaften, grünen Empfangszimmer in das ruhige Speisezimmer mit seinen purpurnen Teppichen und Vorhängen und den breiten weiß gestrichenen Möbeln, ferner auf das' Zimmer der Dame, einen Eckraum, den während der größeren Hälfte des Tages die Sonne durchflutet; ein wundervolles Goldgelb erfüllt bei geschlossenen Vorhängen! das Gemach, dessen Möbel gediegen und dennoch, dem Charakter des Raumes entsprechend, elegant sind. Weniger Licht empfängt das .folgende, mit schweren, dunkel ge­beizten Eichenmöbeln versehene Gemach des Herrn, das anch als Rauchzimmer benutzt wird. Hell 'ist hier nur die Schreibtischt­ecke. Sie stößt unmittelbar an den freuMichen, kleinen, mor­gens von der Sonne belcuteten Wintergarten, der einen schönen Ueberblick über den Hauptgarten bietet. Ihn hat Architekt Hamann in der reizvollsten Weise ausgestattet. Vor dem Winter­garten dehnt sich ein tief gelegenes Blnmenparterre, das später in einen Weiher mit Springbrunnen umgewandelt wird. Hinter ihm ist der Blumengarten in streng geometrischer Weise gegliedert. Hier steht ,ein gemauertes' Gartenhäuslcin, dessen Dach von den Blättern schattensPendLnder Schlingpflanzen gebildet werden soll, zu denen eine Brunnenfigur im Innern einen Wasserstrahl emporschleudert. Ter Garten umgibt das ganze Haus, das sich auf der Rückseite in einem breiten Altane gegen ihn öffnet.

Der hintere Teil dieser Veranda ist abschließbar und mit einem schönen Marmorkamin versehen. Zwei mächtige Flügeltüren ver­binden ihn mit dem Speisesaal, dem größten und präsentativften Raume der Wohnung. Die Ruhe, die schon in seiner streng symmetrischen Gliederung hervortritt, spricht sich mid) in den Formen der Möbel aus, vor allem aber verleiht ihm die Farbenzusammenstellung des Weiß mit dem Purpur einen hellen, festlichen Charakter. Vier Friese ans purpurner Seide laufen oben au den Wänden um. (Sie wurden kürzlich durch Dar­stellungen der Tageszeiten aus der Hand Hans Christiansens ersetzt.) _________________

KleiMZkeiLött von grossen Kriegsschiffen.

(Nachdruck verboten.)

Wie groß ist ein modernes Linienschiff?" heißt eine alltägliche Frage. Die Antwort lautet :13 200 Tonnen." Rich­tiger würde es sein, zu sagen:Tas Schiff bat ein Deplacement von 13 200 Tonnen." Tic Größe eines Handelsschiffes wird nach deni Rauingehalt in Rcgistertons angegeben, die Größe der Kriegsschiffe aber nach dem Gewicht des von ihnen ver­drängten Wassers, das ihrem eigenen Gewicht entspricht. Der neue Riesendampfer der Hanchurg-Amerika-Linie.Kaiserin Auguste Victoria" hat eine Bruttotonnage von 25 500 Tons und bei voller Beladung ein Deplacement von 45 000 Tonnen. Tons ist ein Raummaß, Tonne ein Gewichtsmaß. Ein Linienschiff von 13 200 Tonnen (ä 1000 Kilogramm) verdrängt, wenn es schwimmt, 13 200 Tonnen Wasser, d. s. 13,2 Mill. Liter. Ein Torpedoboot von 450 Tonnen Deplacement wiegt 450 000 Kilogramm.

Nehmen wir ein Schiff derKaiser"-Klasse von 11000 To. und sehen zu, in welcher Weise dieses Gewicht sich zusammen­setzt. , Der eigentliche Körper des ganz aus Stahl bestehenden Schiffes wiegt 3500 T. Tie Panzerung des Rumpfes in der Wasserlinie, der Tecks, der Kasematten und drehbaren Geschütz- türme erfordert 3800 T. Panzer verschiedener Stärke, Maschinen und Kessel wiegen 1400 T., die artilleristische Armierung 825 T. und die Torpedoarmicruug 116 T. Dazu kommen noch der normale Kohlenvorrat mit 650 T. und die Ausrüstung mit 630 .T., macht zusammen 10 921 T. Je nachdem die Ausrüstung um­fangreich oder nicht, ist auch das Deplacement größer oder kleiner.

Die Panzerplatten für den Gürtel ober die Kasematten sind 4,86 Meter lang. Während dieBrandenbnrg"-Schiffe noch 40 Zentimeter dicke Platten besitzen, gestattet die vervoll­kommnete Fabrikation bei derTeutschland"-Klasse die Anwen­dung nur 25 Zentimeter starker Platten, deren Widerstandskraft gleichwohl größer ist. Jede einzelne Platte wiegt 17000 bis 25 000 Kilogramm. Da jedes Kilogramm Panzer 2,30 Mark kostet, macht das bei 3000 T. Panzerung die respektable Summe von fast 7 Mill. Mark.

Tie Linienschiffe der ,,Wittels'bach"-Klasfe von 13 200 Tonnen haben 12 Kessel und jeder derselben besitzt zur Erzeugung des nötigen Dampfes 4 Feuerungen. Jeder der 6 Zylinderkessel, bei denen das Wasser die Feueranlagen umspielt, hat ein Gewicht von 40 T. Tie neuerdings vielbenutzten Schulz'schen Wasser­rohrkessel, bei denen das Wasser in engen Röhren zur raschen Dampfentwickelung gebracht wird, bestehen ans 1678 Röhren in 27 verschiedenen Längen. Aneinandergelegt haben die Rohre jedes einzelnen Kessels eine Länge von 4,3 Kilometer. Zur Speisung der Dampfkessel, zum Trinken und Waschen wird nur Süßwasser benutzt, das mit Hülfe eines eigenen Destillierapparates erzeugt wird. Dieser Apparat liefert täglich 100 T. Wasser. Die Zahl der Hilfsmaschinen eines moderne!! Linienschiffes beläuft sich auf 100. Ein sehr großes Arbeitsgebiet ist der elektrischen Betriebs- krast cinräumt. 4 Dampfdynamomaschinen mit einer Arbeits­leistung von je 60 OOO Bolt liefern die Bctriebskraft für 18 Venti­latoren, 4 Werkzeugmaschinen, 4 Kohlenwinden, 18 Munitions­aufzüge für schwere und 11 für leichte Artillerie, 6 Turmschwenk- werke, 5 Scheinwerfer und die gesamte Beleuchtung. DaS* Kabelnetz ist nicht weniger als 40 Kilometer lang.

Drei Bronzeschranben von je 4,5 Meter Durchmesser treiben das Schiff. Tie drei Schrauben wiegen 24000 Kilogramm und repräsentieren einen Wert.von 72 000 Mark. Das Balanceruber hat eine Größe non 21 Quadratmeter. Die stählernen Gefechts­masten sind 41 Meter hoch und haben einen Durchmesser von 2 Meter.

Von Ankern und Ke tten, ,ihrer sofdrtigen Gebrauchs­fähigkeit und unbedingten Zuverlässigkeit hängt die Sicherheit des Schiffes in vielen Fällen ab. Jedes Linienschiff hat 4 Anker, von denen jeder 6000 Kilogramm wiegt. Zur Bedienung der Anker sind Ketten von zusammen 700 Meter Länge im Gewicht von 55 000 Kilogramm erforderlich. Jedes einzelne der geschmie­deten und geschweißten Glieder ist 6 Zentimeter stark. Die Mtker- nuSrüstung kostet 25 000 Mark, die Kettenausrüstung ebensoviel.

Ein Schiss, das sich mit einer Geschwindigkeit von stündlich 18 Seemeilen bewegt, fährt 0,3 Seemeilen gleich 656 Meter in der Minute.Braunschweig" verbrauchte aus einer «Windigen forcierten Fahrt bei einer Maschinenleistnng von,17000 Pferdestärken und 18 Seemeilen Fahrt 16 T. Kohlen in der Stunde, d. s. en. 0,9 Kilogramm per indizierte Pferdestärke. Bei 24stündiger Fahrt mit 10000 Pferdestärken würde der Kohlen--