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Auf der igenm Spur.
Kriminalroman von Otto Hoecker-
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Ihre weiteren Schlußfolgerungen kann ich mir denken!" fiel Hansemann trocken ein. „„Als Walden einsah, was er angerichtet, verlor er den Kops und setzte den Toten aus. . . recht wacker ausgeklügelt. Ich kann nur nicht glauben, daß ein solch scharfsinniger Kopf Flasche und Tuch in der Droschke zurückgelassen haben soll, das tut kein Mann vom Schlage Waldens, noch dazu mit seinen kriminalistischen Erfahrungen. . . und dann überhaupt die Droschke! Wollen Sie etwa behaupten, Walden habe auch mit dem Kutscher in verbrecherischem Einverständnis gestanden — und ein -solches muß vorliegen, sonst würde der Kutscher doch Lärm geschlagen haben."
Kommissar Thommen nickte nachdenklich. „Das sind freilich noch dunkle, der Aufklärung bedürftige Punkte, lieber die vom Kutscher gespielte Rolle bin ich mir auch nicht klar."
„Bleibt noch ein fernerer wesentlicher Punkt, der all Ihre Schlüsse über den Hausen zu werfen droht," siel Hansemann sarkastisch ein. „Vergessen Sie gefälligst nicht auf die drei Bilder nebst Maßkarten aus dem Verbrecheralbum. Die weisen doch die Identität des Toten mit dem gesuchten internationalen Verbrecher haarscharf nach, wenn immerhin auch die Möglichkeit besteht, daß Schuhmacher mit diesem schweren Jungen identisch ist."
„Darüber habe ich! meine eigene Meinung, Herr Rat," brummte Thommen nicht" minder sarkastisch. „Einmal sind die Bilder plötzlich abgängig geworden, was mir, um es gelinde auszudrücken, sehr merkwürdig vorkommt. Zum anderen habe ich auch eine andere merkwürdige Erfahrung gestern gemacht, als ich die Bildkartcn in die Hand nahm."
„Und ldiie wäre?" forschte der Rat mit einem Seitenblrck auf den neben ihm Sitzenden.
„Meine Handflächen sind schweißig. Ta gewahrte ich, dag die aus den Maßkarten mit roter Tinte eingetragenen Angaben abfärbten, wie «s eben nur frische Tinte tut. . . überhaupt erschienen mir die Schriftzüge überraschend gut erhalten . . . und als ich mir die Freiheit nahm, verstohlen nach dem Truckvermerk zu schauen, den alle amtlichen Formulare unten in der Ecke aufweisen, mußte ich zu meiner Ueberraschung feststellen, daß die Newyorker Maßkarte, die schon vor acht Jahren ungefähr ausgefertigt wurde, auf einem erst vor drei Jahren eingeführten Formular ausgefertigt war."
„Unerhört!" stieß der Rat, der kaum seine Bestürzung meistern konnte, hervor. „Aber warum brachten Sie das nicht sofort zur Sprache?"
„Tas wäre unklug gewesen. Einmal hätte ich nun einen Schuldigen vorzeitig gewarnt, zum anderen lag die Möglichkeit vor,d aß in der Kartenabteilung die ursprüngliche Tabelle beschädigt und darum frisch umgeschrieben war."
„Na also, so wird es sich wohl auch verhalten!" entgegnete Hansemann mit einem Atemzug der Erleichterung.
„Mein Argwohn war indessen einmal rege geworden und ich nahm mir die Freiheit, mir im Bureau des Herrn Walden umzuschauen. Da entdeckte ich im Ofen frischverbrannte Papierreste . . . und außerdem sand ich das hier," setzte er mit triumphierenden Lächeln fort, indem er ein Löschblatt aus der Tasche zog und es seinem Vorgesetzten reichte.
„Was soll's damit?"
Thommen kam dem verständnislos das Löschblatt Anschauenden zu Hilfe. Ich denke, in der Witte'scheu Wohnung iuirb wohl ein Spiegel sein. Vielleicht schauen Sie sich durch einen solchen die roten Abdrücke- auf dem Blatt hier genauer, an."
„Soll das heißen, daß Sie Walden beschuldigen, die Maßkarten gefälscht und wohl gar andere Bilder untergeschoben zu haben?"
Thommen begnügte sich mit einem diplomatischen Achselzucken. „Herr Rat, im Anklagen bin ich sehr vorsichtig. Sie ziehen nachher ihre weiteren Schlüsse nur besten selbst. Jedenfalls wissen Sie nun, weshalb ich mich telegraphisch an die Pariser Polizei um Nachlieferung des bewußten Bildes gewendet habe. Tun die Herren an der Seine ihre Schuldigkeit, so werden wir mit der morgigen Frühpost das Konterfei erhalten — und ich will meinen eigenen Kopf zum Frühstück aufcssem bekommen wir nicht eine ganz andere Meinung von dem Aussehen dieses interessanten Herrn Baker — oder wie der würdige Mann sonst heißt."
„Das wäre. . . das wäre" — war alles, was oer ms zur Fassungslosigkeit Bestürzte eben ausrufen konnte. In mächtiger Bewegung faßte er den Arm des neben ihm Sitzenden, „Thommen, wenn wir nur ein Spielzeug in. der Hand eines nichtsnutzigen Schurken gewesen sein sollten!" flüsterte er zähneknirschend. „Ah — Luft — Luft!" stöhnte er und riß das Wagenfenster auf. „Ter Gedanke, von einem solchen Milchbart angeführt worden zu sein, ist unerträglich. - - und doch . . nun will's auch mir wahrscheinlich vorkommen!"
Sie hatten das Gebäude, in welchem Witte wohnte, erreicht und gleichzeitig mit ihrem eigenen Gefährt hielt auch der Wagen mit den Detektivs. Es war ein sogenanntes Atelierhaus und für Künstler, die nicht die Miete für kostspieligere Ateliers erschwingen konnten, bestimmt. , ,.
Ter Pförtner erhob keine Schwierigkeiten, die Beamten nach der Wohnung des Malers zu geleiten. Ta er im Besitze eines Hauptschlüsscls war, brauchte der mitgenommene Schlosser vorläufig noch nicht in Tätigkeit zu treten.
Tie Wohnung erhielt außer dem nach Norden geregelten Miniaturatelier nur ein ziemlich geräumiges Schlafzimmer. <jn beiden Räumen herrschte richtige .Künstlerordnung. In buntem Durcheinander lagen Wäsche- und Kleidungsstücke tm Verein nnt Skizzen, Gliederpuppen und Waffen umher. Em Koffer fesselte alsbald die Aufmerksamkeit des Rats. Er war nach Aussage des Pförtners erst am Tage zuvdr von der Paketfahrtgesellschaft abgeliefert worden und anscheinend noch garnicht geöffnet.
Nach .einem ersten Orientierungsblick trat der Rat sogwich an einen Spiegel im Atelier heran. Ta es von draußen schon) hereindunkelte, so ließ er die Fenster verhängen und die elek-


