Ausgabe 
13.9.1907
 
Einzelbild herunterladen

540

Hier an den," meinte der Bonvivant.

Nun denn," sagte der Tragische.

Kannst du klettern?" fragte der Bonvivant.

Ich ja! "

Tann hilf mir erst hinauf. Der Streich ist genial. Er belustigt mich."

Ter Tragische stellte sich an den Stamm und hielt die Hände mit verschlungenen Fingern auf, daß der Bonvivaut sie als Tritt benutzen konnte. Tann stellte sich der Bonvi­vant dem Tragischen auf die Schultern und schwang sich von da auf den Ast.

Als er oben war, kletterte der Tragische nach.

Ter eine saß nach Osten, der andere nach Westen.

Jeder nrachte sich still mit den Hosenträgern zu schaffen.

Mittlerweile war es dunkel geworden.

Bald fragte der Bonvivant:Hängst du?"

Noch nicht," sagteder Tragische dagegen.Tu?"

Nein, gleich."

Und wieder war's still auf dem Baume.

Bald aber fragte der Tragische:Hängst du?"

Noch nicht," sagte der Bonvivant dagegen.Tu?"

Nein, gleich. "

Tann war's wieder still.

Tu, der Mond geht auf," sagte der Tragische.

Es wird ein seltener Anblick sein bei Mondscheinb beleuchtung," meinte der Bonvivant.

Und dann war's wieder still auf dem Baumes

Ter Mond lächelte so sreundlich.

Ter nach Osten war in seinen Anblick versunken.

Aus einmal lachte er laut auf.

Tu, wir wollen noch einmal leben! "

Geh! Tu! Nein, ich will nicht mehr! "

Na, noch einmal, komm!"

Ta kletterte der Bonvivant schon vom Baume herunter.

Ter Tragische sah ihm nach.

Er seufzte.

Noch einmal also!"

Und er knüpfte seinen Hosenträger ab, der schon am Aste baumelte.

Tann stieg auch er vom Baume.

* Interessante Aufschlüsse über die Pflege des Tiersports im alten Griechenland und Rom gibt der Major a. T. Richard Schoenbeck in einer längeren Ab­handlungTie Verwendung der Tiere zu Sportzwecken", die in dem Kroemerschen populärwissenschaftlichen Werke Der Mensch und die Erde" (Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57, Lieferung 60 Psg.) veröffentlicht wird. Außer über sämtliche Tiersportarten bei allen Völkern und zu allen Zeiten finden sich hier auch genaue Angaben über die Einrichtung der griechischen und römischen Wagen- und Pferderennen, über die ausgesetzten Preise, die von den Wagenlenkern und Jockeis erreichte hohe Geschicklichkeit und last not least auch über die bereits in jenen grauen Zeiten verdienten und erwetteten Summen. Besonderes Interesse hat eine Einrichtung der alten Hellenen bei den Wagenrennen: dem Ablaufpunkte, der Schranke gegenüber, war ein steinerner Pfeiler errichtet, um den Pferde und Wagen herumgelenkt werden mußten. Neben diesem stei­nernen Hindernis stand ein runder Altar, der dem Dämon Taraxippos geweiht und bestimmt war, den Pferden Schrecken einzujagen; man mußte daher schon damals be­müht sein, den Pferden Unerschrockenheit und Vertraut­heit anzugewöhneu. Wie viel Uebung, Geschicklichkeit und Kaltblütigkeit gehörte wohl dazu, um mit manchmal 20 Wagen, in die 2, 4 oder 6 Pferde nebeneinander gespannt waren, ein Wettrennen auf gerader Linie im schnellsten Laufe abzuhalten, am Ziele umzukehren, ohne den Grenz­stein zu berühren und den sonstigen Schrecknissen zu be­gegnen.^ Amnieeris, ein Wagenlenker, gab dem Plato eine Probe seiner Geschicklichkeit, indem er mit seinem Wagen mehrmals in der Bahn herumfuhr und dabei die erste von dem Wagen hinterlassene Spur so genau verfolgte, daß er aus derselben niemals herauskam eine Geschicklichkeit, welche die Neuzeit mit ihrer ausgebreiteten Sportpflege wohl kaum übertreffen dürfte.

* Der Rücktritt vom Verlöbnis kann Wir­kungen erzeugen, die vorher nicht bedacht worden. Ein

Kaufmann hatte sich mit der Jühaberin eines Putzgeschäfts verlobt und in Erwartung der Ehe eine gute Stellung als Prokurist aufgegeben. Nachher trat seine Verlobte zu­rück unter der Begründung, daß sie zu ihrem Bräutigam nicht passe, daß sie Abneigung gegen ihn fühle, er sei nicht gemütstief genug, überdies könne sie wegen eines nervösen Leidens die Ehe nicht eingehen. Sie wurde auf Schadenersatz verklagt und von dem Ober­landesgericht dem Grunde nach verurteilt. Das Nicht- zusammenpassen könne nicht ohne weiteres als ein berech­tigter Grund zum Rücktritt vom Verlöbnis gelten; es fehle jede tatsächliche Behauptung, und jeder Beweis, daß Kläger und Beklagte nicht zusammenpassen. Tie behauptete Ab­neigung genüge ebenfalls nicht zum Rücktritt, da das Ver­löbnis nicht nur ethische und soziale, sondern nach Maß­gabe der §§ 1298 bis 1301 des Bürgerlichen Gesetzbuchs auch vermögensrechtliche Verpflichtungen be­gründe. Es sei auch nicht erwiesen, daß es sich um ein dauerndes Nervenleiden der Beklagten handle, welches ge­eignet sei, die nach dem Wesen der Ehe erforderliche geistige Gemeinschaft zu gefährden. Tiefen Ausführungen schließt sich das Reichsgericht an:Tas nervöse Leiden könne nicht ohne weiteres der Beklagten einen Grund geben, sich für immer von dem Verlöbnis frei zumachen; es sei Pflicht der Beklagten, derartige aus einer Krankheit sich ergebende Hindernisse zu beseitigen. Allerdings be­schränkt das oberste Gericht den Schadenersatz auf die Ein­wendungen, die nach dem Verlöbnis gemacht worden sind; denn zu ersetzen sind nach § 1298 ff. des Bürgerlichen Gesetz­buchs nur diein Erwartung der Ehe" gemachten Auf­wendungen. Mit dem Oberlandesgericht stimmt es aber darin überein, daß nervöses Leiden oder Abneigung keinen Grund zum Rücktritt vom Verlöbnis bilden, daß also, wenn der an sich rechtlich zulässige Rücktritt doch erfolgt, der zurücktretende Verlobte allen Aufwand ersetzen muß, der von dem anderen Teil in Erwartung der Ehe gemacht worden ist. _________

Gesundheitspflege.

Das Schlafen bei offenem Fenster zeitigt bei chronischen Nasen- und 5) a l s k r a n k h e i t c n oft g u t e Erfolge. Dr. Ziem hat das nach derMonatsschrift für Ohrenheilkunde usw." bei skrofulösen Augenkrankheiten erfahren, so noch vor kurzem mit auffälligem Erfolge bei einem an eitriger Bindehautentzündung, Nasen- und Lid­entzündung von ihm selbst zuvor schon mehrere Wochen ohne wesentliche Wirkung behandelten 17 jährigen Mädchen. Doch hat er auch durch stundenlangen Aufenthalt im Walde, besonders Nadelwald, oder bei nicht feiern wollenden Arbeitern durch regelmäßiges Spazie­rengehen abends und Sonntags die Heilung sehr hart­näckiger, vorher ohne Erfolg behandelter Katarrhe erzielt, wie z. B. auch bei einem tagsüber in einer dumpfen, staubi­gen Druckerei arbeitenden Lehrling, der seine Wohnung,, ein mittelgroßes Zimmer, mit zehn anderen Personen teilte,, unter denen sich eine an einer eiterirden, übelriechenden, ohne Erfolg mehrfach operierten Brustfistel leidende Schwester befand. Daß in ungesunden Wohnungen ost nur ein Kind augenkrauk ist, erklärt sich wohl einfach entweder aus einer individuell verschiedenen Widerstands­fähigkeit der einzelnen Kinder oder geradezu aus einer in solchen Fällen öfter von Ziem sestgestellten krankhaften Veranlagung der Nase.

Arithmogriph.

1 2 3 4 4 8 Titel eines älteren Theaterstückes.

2 3 16 eine Stadt

3 18 4 ein Tier

4 3 4 4 8 eine Stadt

4 6 2 2 6 spanischer Dichter.

5 6 5 6 1 8 3 ein Vogel.

6 8 1 3 2 eine Gottheit.

2 6 1 6 7 ein Badeort.

7 3 8 1 8 ein Haustier

8 2 4 8 ein Banin.

2 3 13 ein Gebirgsstock.

Die Amangsbuchstaben der gesnndenen Wörter ergeben oct Reihe nach, von oben nach unten gelesen, den Namen eines Dichters.

Auflösung in nächster. Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Alain, Maine.

Redaktion: P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der B rij h l'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, G keßen.,