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trat herein. Nun, im Glanze ihres Goldhaars, war sie ihm wieder eine ganz neue Erscheinung; er wandte keinen Blick von ihr und gab kaum richtige Antworten. Ich erbarmte mich über die beiden und nahm sie mit in den Garten, wo ich Sophia Arbeit anwies. Assim half ihr, aber es wurde nicht viel daraus; so ost ich aufsah, standen sie und sahen einander in die Augen, obgleich sie nur gleichgültige Gespräche führten. Er blieb zu Tische, ich war Stunde um Stunde genötigt auszuharren, denn ich zweifelte nicht, das rasch gefangene Feuer würde los- brechen, sobald ich nur den Rücken wandte, und dazu wollte ich es in Abwesenheit meines Mannes nicht kommen lassen. Karl, der mich hätte ablösen können, war spurlos verschwunden, seinem Freunde Paolo nachgefolgt, der nur Assim begrüßt hatte. Dann hatte er ihn und Sophia ernst betrachtet, war rasch weggegangen und kehrte nicht zurück.
Als es Abend wurde, trat Assim plötzlich vor mich hin und erklärte, er könne nicht gehen, ohne daß Sophia seine Braut sei, dabei legte er fest den Arm um sie, die sich sofort mit Innigkeit an ihn schmiegte. Ich sagte, darüber habe mein Mann zu entscheiden, doch konnte ich dem liebenswürdigen Freier nicht das Haus verbieten, und so war er am nächsten Morgen schon wieder bei uns, als kaum die Sonne emporstieg. An die Jagd dachte er nicht mehr. Assim blieb von friih bis spät, um die Heimkehr des Vaters abzuwarten. Als dieser nach wenigen Tagen kam, wollte ein günstiger Zufall, daß er schon viel von dem jungen Türken gehört hatte; einer seiner Ingenieure war von Wien her dessen Freund.
So hatten wir nun ein Brautpaar, ein glückseliges! Assim wollte schon in wenigen Wochen heiraten, trotzdem war er kaum dazu zu bringen, morgens etwas später zu kommen, oder abends etwas früher zu gehen. Für Sophia, an ein Leben ohne jede Erregung gewöhnt, wurde dies bald zu viel. Sie wurde nach kurzer Zeit schmal und aufgeregt, wie sie nie zuvor gewesen. Mit Widerstreben sah der Bräutigam endlich ein, daß es ihr besser sei, wenn er manchmal wegbliebe, und so entschloß er sich plötzlich, nun für einige Tage auf die lange geplante Wolfsjagd zu gehen. Karl, im Begriff zu Paolo zu gehen, hatte davon gehört, und bald darauf trat er mit ungewohntem Ernste vor Assim: Paolo lasse dringend bitten, daß er ihn begleiten dürfe. Der wilde Sandro sei in den Bergen und der hasse Assim, er habe Sophia geliebt. Kaum hatte diese den Namen gehört, so wurde sie bleich vor Schrecken, umschlang ihren Bräutigam und flehte ihn an, er möge nicht gehen. Schon lange lebte sie in Furcht vor Sandro, der Sophia mit gierigen Blicken ansah. Assim redete ihr zu, da weinte sie, als wolle ihr das Herz brechen. „Nun siehst du, mein Kind," sagte Assim, „wie nervös du bist, wie dringend nötig es ist, daß ich gehe. Sei doch nicht so ängstlich! Ich nehme ja Paolo als Schutz mit, er wird schon auf mich achtgeben", scherzte er. Sophia konnte sich nicht fassen, sie unterdrückte zwar die Tränen, doch ihr ganzer Körper bebte. Um sie früher zur Ruhe kommen zu lassen, beeilte Assim, der doch so gern bei ihr geblieben wäre, den Aufbruch. Paolo kam und die beiden jungen Männer stiegen den Pfad hinan. Assim winkte noch immer zurück, ein beruhigendes Lächeln überstrahlte sein schönes Gesicht. Auch Paolo sah zurück, ernst und treu. Sophia stand am Fenster und blickte mit starren Augen ihrem Bräutigam nach, und sie blieb so stehen, als die beiden längst verschwunden waren. Ich suchte ihr zuzureden, sie zu beschäftigen, doch sie hörte mich kaum, gab höchstens zur Antwort: „Ich kann nicht anders", und blieb stundenlang am Fenster, als ob sie wartete, den Blick nach den Bergen gerichtet. Mir wurde zuletzt angst um sie, ich sagte: „Mein Kind, du kannst doch nicht bleibend so gespannt warten, beruhige dich doch." Da antwortete sie: „Es wird nicht mehr lange dauern." Ich erschrak; in welchem erregten Zustand mußte sie sein!
Bald darauf war ich im anderen Zimmer beschäftigt.
da hörte ich plötzlich ihren entsetzten Ruf: „Paolo!" Ich sprang hinzu und sah Paolo in stürmischer Hast den Berg herabeilen. Sophia wollte zu ihm, doch ihre Kraft versagte, sie sank ohnmächtig zur Erde. Ich eilte dem Unglücksboten entgegen. Atemlos stieß er hervor: „Assim tot! Sandro!" Dann sah er Sophia, nahm sie auf seine Arme und wir bemühten uns, sie zum Bewußtsein zu bringen. Dabei erzählte er rasch: obgleich er fortwährend nach Sandro ausgeschaut, ohne es Assim merken zu lassen, hätten sie den Feind nicht gesehen, seine Nähe nicht geahnt, als plötzlich aus den Felsenklippen ein wühlgezielter Schuß Assim hinstreckte. Paolo war nach der Richtung gesprungen, aus der der Schuß kam, hatte dort Sandro's höhnisch grinsendes Gesicht gesehen, nach ihm geschossen, Sandro hatte sich überschlagen, war also wohl verwundet. „Leider nicht tot," sagte Paolo, „denn ich hörte seinen höhnenden Zuruf, während ich Assim zu helfen suchte. Aber mir entgeht er nicht! Mir allein gehört die Rache! Carlo ist noch zu jung." Also an Blutrache dachte der sonst so verständige Paolo, der alten Sitte des Landes entsprechend! Ich sagte streng: „Die Obrigkeit wird den Mörder strafen", und beauftragte Karl, nach der Festung zu reiten und den Mord zu melden. „Bringe viele Soldaten mit!" rief Paolo in bitterem Tone ihm nach, dann sagte er wie zu sich selbst: „Finden werden sie ihn nicht — aber dann komme ich — ich werde ihn finden!" Was war aus Paolo geworden! Haß und Wut sprachen aus seinen Augen; wo sonst nur Treue und Güte gewohnt, da blitzte nun wildes Feuer.
(Schluß folgt.)
Hloch einmal.
Vou Wilhelm Holzamer j-.
(Nachdruck verboten.)
Es herbstete. Und es ging gegen Abend.
Der Himmel war ganz mit grauen Wolken überzogen. Und jetzt, da die Sonne sich immer tiefer neigte, brachte sie es rroch einmal fertig, zwischen den Wolken durch auf die müde Erde zu sehen und ihr mattes, fahles Licht über sie zu streuen. Aber auf ein paar Augenblicke nur. Dann lag das weite Feld noch stiller, grauer da.
Oktoberabend.
Fern rumpelte ein beladener Wagen vom Felde heim — da und dort gingen noch ein paar Bauern mit Knechten und Mägden — sonst war es still auf der Landstraße und leer.
Nur jetzt, um die breite Biegung, kamen zwei Fremde. Handwerksburschen? Aber keiner trug ein Felleisen. Landstreicher? — Landstreicher wohl.
Ihre Kleider hatten einen modischen Schnitt, soweit man den noch erkennen konnte. Tenn sie waren ein wenig sehr abgetragen. Und doch hatten die beiden so etwas, was halb zum Modischen ihres Anzuges, halb zu seiner Zerrissenheit und Schäbigkeit paßte — und halt eben umgekehrt wieder nicht paßte.
Tann war noch eins, das auffiel: wie sie mit diesen Kleidern auszukommen wußten. Tenn gewiß waren sie einmal nicht für sie gemacht worden — und doch fanden sie sich so trefflich mit ihnen ab, daß man wieder an ihrer Unzugehörigkeit zweifeln konnte.
Feine Lumpen — oder zerlumpte Gentlemen — je nach Geschmack.
Zwei problematische Kerle, nach denen die Gendarmen mit schiefen Augen sehen — auch noch, wenn sie rhre Papiere in Ordnung fanden.
Zunächst gingen die zwei aber noch unbelästigt. Tenn das Dorf lag immerhin noch ein gutes Stück weit vor ihnen.
Ter eine seufzte. „Du — nun sind's ein paar Jahre!" „Tempi passati!" knurrte der andere so halb vor sich hin. „Weißt du — am Rhein--am Stadttheater
in Mainz. Tragischer Held! —"
„Mein Sohn, geh nicht an den Rhein!"
„Du, der Bonvivant — frisch und flott--"
„Tempi passati — b asta!"
Tann gingen sie wieder stumm nebeneinander her.
„Du", meinte nach ein paar Schritten der vergangen^ Tragische, „wenn wir doch aus anderem Holze wären. Sb


