Samstag den 13 Juli

1907

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Jun Ken unter der Ische.

Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.)

Ta bog er ihr Antlitz zurück und preßte einen heißen Küß auf ihren Mund.

Mein süßes, holdes Weib."

Errötend wollte sie sich aus seinen Armen winden, doch er zog sie nur fester an fich . . .

Allzulange wird Uchdorf die Freude, dich zu sehen, über­haupt nicht haben," meinte der Kammerherr nach einiger Zeit, scheinbar gleichmütig,denn gegen Ende, der Woche habe ich beschlossen, dich, mein Herz, nach Beltlingen zu führen."

Tagmar blickte ihn erfreut an.

Wirklich, Magnus? Tas ist gut. Ich hatte auch schon ordentliche «Ähnsucht nach geregelter Tätigkeit."

Er sah sie belustigt an.

Tas klingt grade, als ob du Bäume ausveißen willst."

Ihr Gesicht war plötzlich ganz blaß.

Ein Leben ohne Arbeit ist nach meiner Ansicht ein nutzloses. Jeder ernstdenkende Mensch strebt doch danach, den Platz auszu­füllen, auf dem er steht. Macht gibt Rechte, aber auch Pflichten. Das tvvllen wir doch nicht vergessen. Und ein großer Besitz ist doch auch Macht."

Ihre schönen Augen leuchteten begeistert und als Beltlingen erstaunt schwieg, fuhr sie leise, wie zu sich selbst sprechend, fort:

Arbeiten muß doch nach göttlichem Gesetz ein jeder, ob er hoch oder tief steht. Arbeiten schon deshalb, weil es die einzige Art ist, das unbewußte Sehnen zu stillen, was in jedem nach­denkenden Menschen lebt. Das Sehnen nach dem Besser- : Reiferwerden."

Er strich ihr lächelnd über das erhitzte Gesicht.

Kleine Idealistin!"

Tas war alles!

8. Kapitel.

Fast drei Wochen waren seit dem Tag verstrichen,^ivo Tagmar an der Seite des Gatten feierlichen Einzug in dem Schloß seiner Väter gehalten hatte.

Breit und schmucklos, ein richtiger Steinkasten, und so fest gefügt, daß Wind und Wetter ihm in all den Jahrhunderten nichts anhaben konnten, lag das Schloß des Kammerherrn, das Nach seinen Besitzerir den Namen führte, da.

Tie Beltlingen, einem uralten, schwedischen Baronetgeschlecht entsprossen, waren zur Zeit des dreißigjährigen Krieges nach dem schwedischen Vorpommern eingewandert. Von Karl XII. für ewige Zeiten erb- und eigentümlich mit dem Besitz des Schlosses nebst Pertinenzen belehnt, wovon der eigenhändig von des Schwedenkönigs Majestät unterzeichnete Rezeß noch heute Künde gab, hatte der ansehnliche Besitz während all der Jahve vom Vater auf den Sohn geerbt. Daß der Kammerherr der letzte seines Stammes war, hatte ihn bisher nie wieder beunruhigt, seit er an der Seite seines jungen, lebensfrischen Weibes! durch das Schloß seiner Väter schritt.

Zum erstenmal flog ihm jetzt dieser Gedanke sorgend durch den Sinn, als er das Buch schloß, in dessen vergilbten Blättern getreulich alle Nachkommen des Christtan Magnus Beltlingen! eingetragen waren, dem Stammherrn des Schlosses, weiland Hofkammerstat Seiner schwedischen Majestät Karl XII. ruhm-i reichen Angedenkens!

Als Beltlingen mit leisem Seufzen den schweren Folianten auf die Platte seines breiten Diplomaten legte, sah Dagmar fragend auf. Sie faß vor dem hohen, altertümlichen Kamin, in dem ein Helles Feuer flackerte. Knisternd spriihten ab und! an die Funken von den dicken Buchenklvben, die allmählich eins behagliche Wärme in dem großen Eckzimmer zu verbreiten be­gannen.

Noch immer blickte Beltlingen schweigend vor sich hin. Da! sprang Tagmar empor. Mit wenigen Schritten war sie neben ihm.

Was ist dir, Magnus? Tu siehst so traurig aus!"

Er hob langsam den Kopf. Und während er ihre schlanke Gestalt sacht zu sich hinzog, flüsterte er ihr leise seine Sorgen ins Ohr.

Tiefe Glut stieg ihr bei seinen Worten in die Wangen, über die Antwort, die er wünschte, ward ihm nicht. . .

Ta waren sie beide sttll. Jeder hing seinen Gedanken nach. TagNrar brach endlich das Schweigen.

Magnus, hast du eigentlich in der Bibliothek etwas übers Anna Christine gefunden?"

Ja," nickte der Kammerherr.Willst du mitkommen, oder soll ich das alte Pergament holen und es dir hier vor­lesen ?"

Lieber hier, cs ist hier so gemütlich!"

Ta ging Beltlingen.

Langsam nahm Tagmar ihren Platz am Kamin wieder eilt. Sinnend sah sie in die rote Glut, während sie sich behaglich in dem bequenien Ledersessel ausstreckte, die schmalen Füße auf benti Gitter des Kamins kreuzend.

Pfeilschnell zog die Zeit seit ihrer Ankunft in Beltliugen an ihrem geistigen Auge vorüber. Wie kam es nur, daß sie trotz aller Aufmerksamkeiten ihres Gatten mehr und mehr das Gefühl einer gewissen Leere, ein Unbefriedigtsein empfand?

Eigentlich hatte ihr jeder Tag neue Freuden, neue llc&ett raschungen gebracht. Nie hätte sie geglaubt, daß das Landleben so schön sei. Und wie rücksichtsvoll ging Magnus auf ihre Wünsche ein!

Hatte er nicht noch vorige Woche einen Elektrotechniken bestellt, nur weil sie harmlos von der Annehmlichkeit der elek­trischen Beleuchtung gesprochen hatte? Und nun wurde draußen bei der Wiese, ani Ende des Parkes, mit allen Kräften an der Anlage gearbeitet, die das Schloß mit der taghellen Beleuchtung versehen sollte, die Tagmar so bequem fand. Sie lächelte. Ein echtes Fvauenlächeln, in dem Bewußtsein der Macht über, ihren Gatten. Aber dann wurde sie wieder ernst.

Gewiß, Magnus tat lvas sie wünschte, aber doch nur bis zu einer gewissen Grenze. Sie vergegenwärtigte sich von neuem, wie er ihr rundweg die Bitte abschlug, im Torf eine Diakonissin ait< zustellen. Ein Plan, den der Geistliche des Ortes ihr mit Gpi