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Ja, ich erkannte dich S gewiß. Wir waren beide sehn eilig" die Luft war eisig, dumpf und schrecklich da unten "

Sprachen sie wirklich beide diese alltäglichen Worte? Roderich war es1, als käinen sie weit Her und andere sprächen sie, nicht Cr ^Tanw^Cölestine spieß jetzt einen kleinen, respektvoll in dieses Räumen gedämpften Schrei ans und packte seinen Ann. Das. war Wirklichkeit, recht nackte, reelle Wirklichkeit

Roderich! na, da Haben wir ihn endlich. Sylvia hat dich neulich schon erkannt. Ich habe das alberne Kind arg gescholten; solch ei» Unsinn, dich nicht anzureden und festzutznlten!

Die Rosen in Sylvias Haar es waren frische aus den! Gärten, und sie singen an zu welken in der hechelt Luft< nickten, als seien sie müde, und als Roderich sie letzt scharf ansah der Schleier war allmählich von seinen Mgen gewichen da fand er, daß auch sie müde aussah neüde und schon un Berg blühen Tante Cölestine redete wie ein Wasserfall. Kein Wunder,' wenn dem armen Kinde die Ohren darob schmerzten, ihr klemep Mund war so Herb und ftemd geworden. Und fremd klang ihm!

Hast ^du^ bereits öffentlich gesungen? Wie weit bist dst in deiner Karriere?" fragte er sie.

In ihren Augen, die sie zu ihm ausschlug, lag kerne c-MU mehr von dem Frohsinn der früheren Tage. . .

Karriere?" wiederholte sie bitter. Sie schwieg einen Mo-! ment.Meine Brust ist zu schwach," fügte sre dann.

ich darf nicht viel singen. Ich hatte brillante Aussichten1 aber Mama will es nicht, ich soll mich schonen mußte rin sudg lichen Klima Erholung suchen."

Mein, sie durfte sich nicht überanstrengen," rief Tante! Cölestine dazwischen,ich habe fast Gewalt brauchen muisen^ aber ehe ich mein Kind opfere du weißt es ja "uch, Roiwf'ch^ was für-Anforderungen auf großen Bühnen an dre Kräfte einer! Primadonna gestellt werden. Später spater

Roderich sagte sich, obgleich ihr Gesang vorhin * » tiefste ergriffen hatte, daß ihre Mittel nie für eine große kühner

ausreichen würden. , .

Ein Kopf mit schwarzem, wohl srisrertem Haar^- oder war es eine Perücke?.beugte sich jetzt über Sylvias «chulter Ein! funkelndes Angenpaar blitzte Roderich an, die ganze, noch eite gante nnd geschmeidige Gestalt eines durchaus nicht mehr lugendg lichen Herrn kam zum Vorschein.

Divina Maöstra!" sagte er,Sie haben wieder einmnt göttlich gesungen." Er reichte ihr einen Strauß auserlesener Blüten, wie sie dies Land der Sonne zeitigt, «ie wendete sch hastig um und dankte ihnr, er drückte einen glühenden Küß auf ihre Hand. , _ ,, . ,

Cccellenza, il Conte Boccaleone," sagte Jwau Zeruial, di-tz Herren einander vvrstellend. ,

Der gewandte Italiener verneigte sich verbindlich und hattg eine Fülle höflicher Phrasen in Bereitschaft.

Roderich überlief ein heimliches Grausen. Raffinierte 2ofg lettenkünste verbargen die Falten nnd Runzeln, welche em wüstes! Leben und früh herannahendes Alter da gez-erchnet hatten.. Der Mann mochte hoch in die vierzig zählen, aber seine Glieds waren bereits dürr. Der Schneider hatte vergeblich versucht, den körperlichen Mängeln nachzuhelsen, die ganze Erscheinung trug! bUt Er^be^ugt? stc^in^vertraulicheiil Geflüster zu Sylvia herab^ sie redete mit ihm in seiner Muttersprache, ungelenk und imh iremdem Akzent, aber dennoch klangen die italienischen Lauts! verzehrend an ihr. Roderich ivandte sich ab, Gesuhle, die langö völlig verstummt waren, wurden wach, um das Herz her kreisch es so heiß und wild. Lebte da noch etwas für die Geliebte seiner! Jugend? Seiner Jugend! War er denn em alter Mann?

I Frau Zernial ^raunte ihm hinter dem riesigen Federfach^ den sie eifrig Handhabte, allerlei Erläuterungen zu. eemet Exzellenz der Conte war sehr reich, er besaß em Schloß in den Apenninen und einen Palazzo in Rom. Er war bis über drei Ohren in Sylvia verliebt, verfolgte sie mit seinen Mismerkianm leiten, seit er sie zuerst gesehen.

Roderichs Hand zuckte.

Er hätte die Alte zu Boden schlagen mögen, diese elendtz Kupplerin. ' H

Da rauschte ein Gewand an ferner. Seite, Bera stand ^,Jch"inöchte nach Hause, .Roderigo," sagte sch,wsllen Sie Befehl geben, daß der Wagen Vorfahrt.^

(Fortsetzung folgt.).

Die klare, jetzt künstlerisch geschulte Stimme süllte diesen Raum und hatte ungemein sympathischen Klang. Sie hatte mit ergreifender Empfindung gesungen, mit einem leichten Jittern hallten die Töne iiach, man lauschte noch ein Weilchen m atem- 'lofer Stille, dann ein Gescharre, ein Gesumme, man umdrangte sie, zollte laut und stürmisch Beisall.

Wie elfenhast und schmächtig war ihre Gestalt! Er stand zu fern, um den Ausdruck ihres Gesichts zu unterscheiden. ^hni trübte auch noch immer ein Nebelschleier die Augen, und ihin war, als ob die Glieder ihm bett Dienst versagten.

Jetzt hörte er sie lachen und schrak zusammen. Wie fremd, wie kalt und unnatürlich klang ihm dieses Lachen, es erinnerte an die alte, versunkene Zeit, wie der Ton eines zersprungenen Glases an den ursprünglichen, Hellen Metatlklang. Sie stund umringt von einem Herrenkreise, man Tagte, ihr von allen Seiten Komplimeiite, unb du tauchte auch die Mutter neben ihr aus, die Tante Cölestine!

Paul war bis zu ihr durchgedrungen und redete ,letzt Mit ihr. Er kannte sie ja von Dresden her aus der Kinderzett. .Sie errötete plötzlich, Hals und Stirn waren mit Purpur über­gossen; hatte Paul seinen Namen genannt, ihre Augen irrten in die Richtung, wo er stand. Sie lächelte, ein so gespenstisches, trauriges Lächeln und sie grüßten einander.

Er schritt langsam, wie ein Nachtwandler, quer durch den Saal auf sie zst, sie hatte ihm jiu, seit er sie in dem! schatteite haften Licht der Katakomben wiedergesehen, immer int Sinne gelegen, Tag und Nacht, ohne daß er es gewollt. Er hatte sie auch gesucht, aber nirgends ihre Spur gesunden. Er ,wand sich durch die Schleppen, er tauschte hie und da ein Kompliment und Scherzwort mit Bekannten und dann stand er vor ihr. Ja der Glanz seiner ersten Liebe erloschen verglommen wie oft war sie emporgeflackert in ihm, wie oft und jetzt

Sie standen sich gegenüber, sie hielten ihre Hände, fie sahen sich ins Auge.

Sylvia, ich glaube, ich bin dir Vor ein paar Wochen schon in bett Katakomben begegnet. Du erkanntest mich auch,

Stirn, welche sich schon! Dauernd dort eingrnb, schaute mit bete schränkten Armen hinab ans das zauberische Bild.

Welch Leben, welche Pracht und Herrlichkeit war, hier einst gewesen, wie viel Geschlechter hatten hier in Uepplgkeit und Wollust gelebt, geschwelgt und waren ungezählt versunken. W wnr der Mensch? Heu, gleich der Blume des Felm» ?-abte nur pW Gattung fort und erlosch das Jndivibuum? Ratselfragen, die nur bet Glaube beantwortete. Unb ivo, war^ sein Glaube, sein Kinderglaube^ Wo war in ihm Elternliebe, Heimatsgefuhl, alle zarten^Pflanzetr des Gemüts? Er war so lebenshungrig, trollen als bie anbcren, unb nun war er bentt nit. ö I

Xt viel ärmer als bie? Wozu lohnte es sich eigeut- L »> &? $« «" »« W» et«. !«i» ->»!<-« - «-

S="»x h>l> unb fein SS» WS. *6 N» eine Karaffe mit römischem Wein, er goß sich em Glas em L Lw es hinunter. Lethe, Lethe! O, die Alten wußten wohl, was arme Sterbliche bedurften. .. ..

Ex ging langsam zurück nach dem Eingang des Saales. Dort wurde noch immer musiziert. Jcht ^ng eme weibliche Stimme ein bekanntes deutsches Sieb. Oie spracy sehr deutlich aus, er verstand jedes Wort. Sein Fuß stockte unb sein Atem, j

So schieden sie, unb wie im Münsterchor bcr ()cl(cv (Mcnis>

Erst wirb er matt, bann flackert er empor Noch einmal hell, unb bann erlischt er ganz. , >

Sv starb bie Lieb' in ihnen. Erst beweint, Dann heiß zurückersehnt, und dann vergessen, Bis sie zuletzt, es sei ein Wahn gemeint, Daß sie sich je dereinst besessen."

Ms war das? Ein wirres Chaos flutete durch Roderichs Gehirn, ein Schwindel faßte ihn, er lehnte sich taumelnd an den Türpfosten. Sein Blick fiel zunächst auf Paul HendrichÄ, der in geringer Entfernung von ihm stand, die scharten Augen starr ans die Sängerin gerichtet, mit erneut neuen, seltsamen Aus^ druck in seinem Gesicht. Mechanisch, wie int Traume, lolgtc. Roderich diesen scharfen Augen./ , r,

Da sah er, wie durch einen Nebel, eine bekannt. Gestalt, unb nun kam cs ihm dämmernd zum Bewußtsein, warum der Ton dieser Stimme ihn so ergriffen hatte. Sylvia war es, trtidje dort stand unb diese Worte gesungen hatte:Bis sie zuletzt, es sei ein Wahn gemeint, daß sie sich je dereinst