Ausgabe 
12.7.1907
 
Einzelbild herunterladen

404

MarkagiS b'e conscience erfinden.Echen. Wer errötek, eine Handlung öffentlich zu tun, soll sie auch im geheimen untev- laffen. Wer aber, überzeugt von seinem zeitlichen Glück und Vergnügen, sie zu unternehmen sich entschließt, soll auch stand­haft genug sein, den Vorurteilen Trotz zu bieten."

Professor Revels Wasserkur.

Sie können, ganz unbesorgt fein, Frau Landrichter, der Herr Professor Befommt von mir kein Wasser zu trinken . . ."

Auch nicht, wenn er lamentiert oder droht: hörst du, Ka­thrine?"

Ich bleibe schon fest, Frau Landrichter. Wenn er Wässer trinkt, muß er sterben, hat der Doktor gesagt. Und ich bedanke mich 'dafür, dass es später hieße: Der Herr Professor Nebel ist gestorben, iveil ihm seine alte Kathrine Wasser zu trinken gegeben hat."

Gut. Dir fügt sich der Vater noch am ersten. Ich gehe . deshalb auch nicht mehr zu ihm hinein. Wenn es allenfalls schlimmer werden sollte, rufst'du mich oder meinen Mann."

Damit verabschiedete sich Frau Landrichter Ploch von der Ulten Kathrine, die das, Hauswesen ihres verwitweten Vaters, des Professors Nebel, besorgte. Die beiden Haushaltungen be­fanden sich in dem Plochschen Hause am Asterweg, zu dem ein geräumiger Hof rind ein großer Garten gehörte. Ein kleineres Nebengebäude enthielt das Landgericht.

Kathrine trat in das Krankenzimmer. Der fiebernde Patient warf 'sich unruhig auf seinem Lager hin und her.Wasser, Kathrine!" bat er,gib mir doch Wasser."

Ich darf nicht, Herr Professor," versetzte die getreue Dienerin und führte dem Kranken eindringlich zu Gemüt, wie schädlich, ja todbringend das Wassertrinken, beiNervenkrankheit" fei.

Seufzend fügte sich der Patient: war er ja selbst'Mediziner. Doch kant eüt Kompromiß zustande, ivonach während der Nacht eine große Waschschüssel mit Wasser vor dem Bette stehen sollte, um öfteres Kühlen der Stirn zu ermöglichen. Nachdem Kathrine daun noch einmal ein gehöriges Quantum Arzeuci verabfolgt und eine frische Unschlittkerze angezündet hatte (man schrieb 1839), entfernte sie sich.

, Am nächsten Morgen iäber in aller Frühe kam sie schreckens-i bleich und mit schlotterndem Gebein in die Plochsche Wohnung! gestürzt. Es sei etwas Schreckliches geschehen. Ter Herr Pro- tessor müsse während der Nacht die ganze Waschschüssel 'leerge­trunken haben. Kein Tropfen sei mehr darin. Ach Gott! und sie sei an dem ganzen Unglück schuld!

Aengstlich eilte die ganze Familie in das Krankenzimmer. Gott sei Dank, der Vater lebte noch: Und Merkwürdig! sein Auge blickte Heller, seine Stimme klang weniger heiser als gestern, ^a, er hatte das Wasser aus der Schüssel getrunken. Aber er fühlte sich gar nicht zum Sterben. Viel eher erleichtert. Ruhe wollte er haben und fchlasen wollte er.

Auf den Fußspitzen schlichen alle hinaus. Bald meldete Ka- thrme, daß er wirklich eingeschlafen fei. Er liege überhaupt ganz ruhig da. Als der Arzt kam, schüttelte er bedenklich den Kops Aber die Besserung hielt an, und tatsächlich ist Nebel stach kurzer Zeit wieder vollständig gesund geworden. R.

VesmischSss.

* Wo dse Schönheit der Kinder her kommt. P. Lombroso plaudert in einem interessanten Artikel über die Ver­gänglichkeit der Schönheit und berücksichtigt dabei speziell die Vergänglichkeit der Schönheit der Kinder. Wir entnehmen dem Artikel nachfolgende interessante Details: Wenn man eine Kinder­gruppe ansieht, schreibt Lombroso, sollte man glauben, die Menschheit sei in einer stets wachsenden Entwicklung der Schön­heit begriffen, denn fast überall treten uns bei Kindern schöne und reine Formen entgegen. Aber wenn man die Erwachsenen betrachtet, dann ist trotz der schönen Hoffnungen die Zahl der Apollos und Venus eine äußerst, geringe. Ter Grund liegt darin, daß eine große Anzahl der Organe mit dem Wachsen des Krudes eilte Veränderung durchmacht. Bei beit meisten Kindern fallen uns die großen Augen auf, die so erstaunt in die Welt blicken. Wie selten ist aber der Fall, daß ein Erwachsener diese großen Augen hat. Das kommt daher, daß das Auge eines der Organe ist, das zuerst seine volle Entwicklung erreicht. Mit stoben Jahren haben die Augen ihre volle Größe erlangt, wäh- rend das Gesicht noch lange weiter wächst. Es ist daher klar, daß Kinder, die von Natur aus Anlagen zu einem großen oder gar zu einem fetten Gesicht haben, in erwachsenem Zustand stitr ganz kleine Aeugleiu haben werden. Ein anderes Organ, dessen Entwicklung oft unangenehme Ueberraschuugen zeitigt, ist die Nase. Im Gegensatz zu den Augen hat die Nase die Tendenz, die Vorherrschaft im Gesicht zu erlangen. In Anbetracht dieser ^ahacae bildet die entwickelte Nase bei einem Kinde eine schwere Gefahr, da sich dieselbe im Laufe der Entwicklungsjahre zu

entern1 wenig ästhetischen Niechorgan iausbildet. Die schöne griechische Nase kann nur das Produkt eines kleiiien und schmalen Näschen des Kindes sein. Auch der Mund artet gewöhnlich nach der häßlichen Seite aus, und zwar meistens unter dem Einfluß der Bitterkeiten und Leidenschaften des Lebens. Das Kind har im allgemeinen in den ersten Jahren seines Lebens nur Glück und Vergnügen und wenig schmerz. Bei dem Erwachsenen aber prägt der Kampf ums Dasein, das Jagen und Kämpfen um den Besitz, Enttäuschungen, Entbehrungen usw. unlöschliche spuren speziell um den Mund 'und ändern so die natürliche Schönheit, indem, sie dem Gesicht einen andern Ausdruck geben.

* lieber bie Grenzen der Tonhöhe der menschlichen (Stimme sind vor einiger Zeit iiiteressanle Untersuchungen nngeslellt worden, bie ein anschauliches Bild von der Bildungsfühigkeit der menschlichen Stimme geben. Der ticsste Ton, der von der inensch- lichen Stimme, bisher bekannt geworben ist, ist- das fünigestrichene F mit 43 Schwingungen, der einem deutschen Baß, Fischer im 18. Jahrhundert zugeschrieben wird. In der heutigen Oper findet inan selten einen Baß, der liefet singt als das dreigestrichene 0, das 64 Toppelschwingungen hat. Le Comte Stevens, dem wir einige der Untersuchungen verdanken, meint, das; diese Tiefe nur unter abnormen Bedingungen übertroffen wirb; e§ gelang ihm selbst, als seine Stimmbänder durch einen JnsluenzaanWll geschwollen wnreit, noch das zwei Töne tiefere A mit 53 Schwingungen in schwachem und sehr unmusikalischem Klang zu erreichen. Ein gewöhnlicher Sopran reicht bis C mit 1024 Schwingungen, und die mittleren Grenzen der menschlichen Stimme dürften 100 für den Baß und 1CQ0 für den Sopran sein. Adelina Patti erreichte noch C mit 1536 Schwingungen bei gutem Klange. Mozart bezeugte 1770, das; Luerezia Äjügari in Parma noch aus dem drei- gestrichenen D trillern konnte und in Passagen sogar das sechs- gestrichene 0 mit 2048 Schwingungen erreichte. Ein amerikanischer Sopran, Ellen Paw, soll sogar noch darüber hinaus bis zum K mit 2560 Schwingungen gesungen haben. Für ungewöhnliche Stimmen kann man'daher den Umfang von 50 im Bas; und 2500 im Sopran annehmen. Ganz außerorbentliche Höhen be­obachtete Stevens im Schrei spielender Kinder, der nach wieder- holten Feslslellnngen zwischen 2500 und 3000 Doppelschwingungen variieren konnte. Der äußerste Spielraumder menschlichen Stimme würde somit 6 Oktaven betragen. Einzelne Stimmen haben im Durchschnitt 2, seltener 3 Oktaven, selten darüber. Die Stimme der erwähnten Italienerin Ajugari besaß allerdings den fabelhaften Umfang von 4/2 Oktaven, da sie in der Tiefe bis zum zwei­gestrichenen G Mit nur 192 Schwingungen reichte.

* Gellert über bie Ehe. In einem Briefe an seine Schwester, der mir sehr wenig bekannt sein dürfte, äußert sich der bekannte Fabeldichter über die Ehe, ein Thema, das auch heute bet Verheirateten und Ledigen als aktuell und ständig interessant gilt. Gellert meint zwar: Ehestand Wehestand, fügt dann aber philo­sophisch hinzu:

Durch Eintracht und durch Zärtlichkeit Verringert sich das schwere Leid!"

In derselben liebenswürdigen, philosophisch-ironischen Weise fährt er dann fort:Einst wurde ich von meiner Braut gefragt, tuet in der Ehe zu den meisten Verdrießlichkeiten Anlaß gäbe, ob der Mann oder die Fran. Ich legte meinen Finger an die Nase und sann lange nach. Endlich brach ich in diesen Denkspruch aus:

Oft liegt die Ursach' an dem Mann, Oft ist die Fran auch schuld daran!"

Die Frage, wodurch die meiste Uneinigkeit in die Ehe käme, beantwortete Gellert ebenfalls poetisch:

Der meiste Krieg, der meiste Streit Entsteht durch eine Kleinigkeit, Tie wird durch Unbescheidenheit Ein Krieg von großer Wichtigkeit.

Sport-Silbenrätsel.

cal, di, eh, gat, glied, ler, lo, nie, mit, nach, nen, plo, re, ren, ren, nichts, ta, ter, un, züg.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sechs Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangs­buchstaben, von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, zwei gesundheitsförderndeLeibesübungen bezeichnen. Es bedeuten ober die einzelnen Wörter Folgendes:

1. Bezeichnung für Kampfspiele aller Sport?.

2. Einen Ort, den die Anfänger fleißig besuchen sollen.

3. Ten Stolz der Sieger.

4. Rang hervorragender Sportlente in den meisten Vereinen.

5. Efn Kampfspiel zu Ehren Poseidons.

6. Leutchen, die bei allen sportlichen Festveranstaltungen zu finden sind.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummer: Senspflaster.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der B r ü h l'icben Universitäts-Buch- und Steindruckerci, R. Lange, Gießen.