Ausgabe 
12.6.1907
 
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in t>e$ Stadt; alte waren mit Flinten bewaffnet und hatten auch Trommelschläger und Trompeter unter sich. Frühmorgens ward jxn der Stadt; alle waren mit Flinten Lemafnet und hatten auch has Zwätzener Thor, da der Feind schon gegen dasselbe im Anmarsch war. .Das Thor ward gestürmt, wobei sie sich eine Viertelstunde herum schossen, und allerleh Manö-vres ausführten;

. die Besatzung zog sich ans den Markt zurück, die feindlichen Jäger folgten ihr, und' schossen nun in allen Straßen; end­lich traf die feindliche Hauptarms auf 'dem Markte ein, und Hier erhob sich ' darauf eine Hauptschlacht, wobey denn tüchtig ge- fnatft ward. Auch aus den Fenstern tvard den ganzen Tag über geschossen. Der Feind zog siegreich durch die Stadt, und kehrte zuletzt mit voller Musik zurück, und gab Freudensalven lauf dem Markte, woraus zum Beschluß Lützvws wilde Jagd ge­sungen ward. Darauf hielten der Geheime Hofraty Luden und' der Hofrath Fries zwey 'öffentliche Vorlesungen über den Gegen­stand des Tages. Nachmittags! zog die ganze Burschenschaft auf den Markt, fmtff ihr Bundeslied, und darauf hielten der Student Rüdiger und ein andrer, Reden. Uni fünf Uhr ward geturnt und gefochten, und abends begaben sich kille .auf die sogenannte Landveste am Ufer der Saale, wo sie unter den illmninirtenj Banmalleen hemm marschirten. Bey den Anstrengungen und der großen Hitze wurden sie zuletzt so matt, daß sie beynahe vor Müdigkeit umsielen. . . Lebewohl iind gedenk

Deines treuliedenden Freundes

H. G. L. Kosegarten.

Vermischtes.

- Welche Bedeutung hallen die Luft- und Sonnenbäder für hie Frauen? Wo Luft und Sonne hiukommt, da kommt der Arzt nicht hin. Das' ist ein Ausspruch, der viel Wahres enthält. Auf dem Lande, wo es an frischer Luft nicht fehlt, wo die Sonne in fast alle Winkel der Wohn- Enme dringen kann, wo die Menschen sich viel im Freien auf­halten, sehen wir meist gesunde, frisch .aussehende Menschen. Anders in der Großstadt, wo die Straßen eng, die Wohnungen Kein nnd düster sind und wo jahraus jahrein kein Sonnenstrahl Vordringen kann, da begegnen wir viel körperlichem Elend, da sind die Brutstätten für alle möglichen Krankheiten, wie Meich- sucht, Skrofulose, Tuberkulose, englische Krankheit u. dergl. Also Lust und Licht, das sind die beiden Heilfaktoren für die meister unserer kränkelnden Frauen. Luft in Form von Luftbädern, Licht in Form von Sonnenbädern. Lust und Sonnenlicht wirken anregend auf Blutzirkulation und Stoffwechsel, und wenn wir bedenken, daß die meisten Krankheiten der Frauen und Mädchen hauptsächlich auf einer Störung beider Funktionen beruhen, so müssen wir zu der Ueberzeugung kommen, daß durch Lust- und Lichtbäder die besten Erfolge in der Beseitigung dieser Krank­heiten zu erzielen sind. Tie praftische Erfahrung lehrt weiter­hin, daß das Luftbäd meist die TarmMigkeit anregt und den Appetit hebt. Besonders überraschend ist 'die Wirkung des Luft­bades auf den Gemütszustand; mürrische, menschenscheue Per­sonell oder solche, die an Gemütsdepressionen leiden, die imm.'t toit trüben Gedanken geplagt sind, Geratet in eine fröhliche Stimmung, werden mitteilsam und zutraulich, ja sogar über­mütig. Tie Wirkung auf die Stimmung macht sich schon nach Mehreren Luftbädern geltend. Blutandrang stach dem Köpfe, ein Uebel, das bei Frauen sehr häufig vorwmmt, verschwindet im Lustbade. rasch; jauch Krampfadern werden, besonders bei kühler Temperatur, zusehends dünner. Unseren bleichsüchtigen und blutarmen Mädchen, aber auch unseren schwachbrüstigen und unentwickelten Frauen können Licht- pnd Luftbäder nicht Vst genug empfohlen werden. Unsere Leser nnd Leserinnen, die sich die wohltuende Wirkung der Sonne zugute fo muten lassen wollen, machen wir auf die Luft- und Sonnenbadnummer der 'Körperkultur", Berlin SW. 47, aufmerksam.

Die K inematogr st sth en-Schaustellun­gen, so schreibt der KUnstwart, kommen immer tiefer her­unter. Die Technik als solche könnte ein köstliches Mittel der Bolkserztehung int besten Wortsinn sein, nnd als sie be­gann, sah es fast aus, als wollte man sie in rechter Weise benutzen. Da lejid) es Naturbilder, die wirklich schön lvaren, ich entsinne mich z. B. an Aufnahmen von der Meeresbran­dung an einer Felsenküste; es war, als lüftete aus ihr ein Hauch der See den Saal. Auch die Aufnahmen aus dem Tier- und Menschenleben gaben wirklich Schönes; tote herr­lich zeigten sich die Pferdeleiber beim Nahen einer Reiier- abtetlung!, wie versetzten die Aufnahmen von der Lokomo­tive des Zuges erfrischend in das Hinstürmen durch die Landschaft, tote köstliche Idyllen brachten die Aufnahmen spielender Kinder, die sich unbdlauscht glaubten!' Mit" meinem Vorschläge, die Entwicklung des Kinematographen tu dieser Richtung auszubauen, und wenn man einmal spielen" wollte, durch Zusammenfassung zeitlich ent­fernter Ausnahmen etwa das Aufblühen von Blumen, das

'Wachstum dort Tieren, das! Fortschreiten von. Bauten, den Wechsel der Jahreszeiten in der Landschaft ztt zeigen (was! alles bei einigem guten Willen technisch ein Leichtes ist), bin ich aber bei den Herren Geschäftemachern vorläufig noch gründlich durchgefallen. Die Naturaufnahmen verschwan­den tnehr und mehr zugunsten albernerArrangements" von Schauspielern dargestellter, sogenannthumoristi­scher" odersensationeller" Szenen, deren Komödistnterie den Menschen von Geschmack lattgweilte oder abstieß. Und jetzt sind wir bereits bei der Spekulation? stuf sadistische Triebe angelangt. Lesen wir darüber bett folgenden Be­richt aus dem Berliner Lokalanzeiger:Die Internationale Kinentatographen- und Lichteffekt-Gesellschaft m. b. H. in Berlin hat vor einiger Zeit fein Preisausschreiben für neue, sensationelle Films erlassen. Den ersten Preis trug eine Bilderserie davon, die den vielversprechenden Titel führt: Gin Volksgericht am Mittelalter" oder:Die Zeit des Schreckens und des Grauens". Dargestellt ivird darin die Geschichte eines Bürgermädchettch das ein Ritter aus Rache für die Abweisung seiner unehrenhaftett Anträge als Hexe denunziert hat.Gin Hexengericht findet statt, die ganze Schreckenskammer der Folterungen wird' mit 'liebevoller Natttrtreue vorgeführt, zuletzt erfolgt die Verbrennung des Opfers auf dem Scheiterhaufen. Schon schlagen die Flam­men höher und höher. . . sie lecken und züngeln an ihrem Gewände. . . Die Unglückliche windet sich unter entsetz­lichen Qualen verkohlt hängt schließlich ihr Leichnain auf dem Scheiterhaufen." Die Firma, die diesenSchauer­roman ohne Worte" vertreibt, kann bereits triumphierend bekannt machen:Anerkennung über Anerkennung, Order auf Order war bis heute das Resultat dieser Aufnahme! Ungezählte Exemplare dieses Films wurden nach England, Frankreich, Holland, Belgien, Rußland usw. und überseei­schen Ländern geliefert. Gin Zugstück ersten Ranges!" Scheint es überflüssige auf die Gefahr solcher volksverrohen­den, dem niedrigsten Sensationskitzel dienenden Schaustel­lungen hinzuweisen?" Und so wären wir auf dem schönsten Wege, die Kinematographenbilder zu einer Art sichtbarer Kolportage-Schundromane sich ettttvickeln zu sehen wenn wir uns das auf die Dauer gefallen ließen.

Einsamkeit.

Ich war im Wald und sog in vollen Zügen Des Friedens heil'ge Rahe ein;

Nichts störte meine stillen Träume, Ich war beglückt: ich war allein l

Ich pries de§ dunkeln Haines hehre Weise, Nichts Fremdes schreckte weit und breit.

Ich sann und schrieb dann voll Begeist'rnng nieder Eilt Loblied auf die Einsamkeit.

Und als das letzte Wort ich ausgezeichnet

Und froh das Ganze übersah,

Hätt's einem Freunde gern ich vorgelesen, Doch, ach, es war ja niemand da!

Wiesbaden. A tt g. A in m ann

Leiterrätsel.

Die Buchstaben aabeeeeeefgh iiiikkkllmnnnnopsu sind in die Felder nebenstehender Leiter­figur derart einzutragen, daß die Sprossen derselben, von oben angekangen, Folgendes ergeben:

1. Einen Dichter.

2. Ein Mineral.

3. Ort in der Schweiz.

4. Musikalisches Instrument.

Die beiden Seitenbalken der Leiter sollen, von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort bezeichnen.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer r Was ich wünscht vor manchem Jahr Hat das Leben mir nicht beschert, Aber es hat mich dafür gelehrt, Daß mein Wunsch ein thörichter war.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersttäts-Bnch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.