Arettag den 11. Gktoöer

1907

V X

WNSII@ i«.»SiWröcKii 8W

Auf der Ligenm Spur.

Kriminalroman von Otto Hoeckcr.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Wo denken Sie hin!" entrüstete sich Selkenbach pikiert, nervös dabei mit seinen: goldenen Kneifer spielend.Der Herr ist allerdings nur Maler, erfreut sich aber guten Rufes. Er verkehrte häufig in meinem Hause. Meine Tochter irmnschte seine Einladung und da er sich auch bei der Stellung von lebenden Bildern recht nützlich erwies, so drückte ich ein Auge zu . . . ich will nicht hoffen, daß gegen diesen Herrn etwas vorliegt" Er brach hüstelnd ab, indem er mit schlecht verhehlter Unruhe den Rat forschend anblickte.

Nicht doch," wehrte dieser lächelnd ab.Sie brauchen sich keinen Befürchtungen hinzugeben, wenn dieser Herr Witte auch nur Maler ist." Er lachte wieder kurz auf.Ich erkundigte mich auch nur, weil mir der Name zufällig bekannt ist. Er ver­kehrt nämlich auch in meinem Hause und ebenfalls auf den Wunsch meiner Tochter."

Ach so!" Selkenbach atmete erleichtert und lächelte matt.

Mit leichter Verneigung gab Hansemann. das Blatt zurück. Kommen wir zur Sache Herr Kommerzienrat. Sie sind ge­kommen, um mir persönlich Anzeige von einem bei Ihnen ver­übten Einbruchsdiebstahl zu erstatten? Eigentlich gehört dies dies nicht zu meinem Ressort, sondern zur Entgegennahinc der­artiger Anzeigen ist das zuständige Polizeirevier befugt."

-Die Mieilen des Bankiers drückten Unbehaglichkeit aus.Ich habe meine Gründe, mich gerade an Sie zu wenden," beganil er nach kurzem Zögern.Ich möchte Aufsehen um jeden Preis vermieden wissen und darum auch von jeder amtlichen Anzeige absehen. Man rühmte mir Ihren Takt und Ihr Verständnis." Er räusperte sich wieder. .Ich nieine, es müßte Jhiren in Ihrer Eigenschaft als Dirigent der Kriminalpolizei leicht fallen, einen solchen Fall zu klären, ohne daß sich daraus gerade eine Strafverfolgung entwickelt."

Hansemann sah seinen Besucher befremdet an.Ofseil ge­standen, ich verstehe Sie nicht. Eine Anzeige, i»te_ die von Ihnen beabsichtigte, soll doch die Ermittelung des Schuldigen und damit selbstverständlich auch dessen Ueberführung zeitigen. Eine solche kann aber i:ur durch die zliständigen Behörden geschehen."

Selkenbach wollte nicht recht mit der SMache heraus.Es liegt mir weniger au der Bestrafung des Schuldigen als an der Wiedererlangung der abhanden gekommenen Sachen," drückte er sich zurückhaltend aus.

Beides läßt sich nicht von einander trennen, sobald Ihre Anzeige den Behörden vorliegt," entgegnete Hansemann frostig, dem das Gebühren seines Besuchers immer gründlicher mißfiel. Wir erledigen unsere Amtspflichten nicht nach amerikanischer Manier und amtieren nicht als Mittelsmänner zwischen Verlust- träger und Dieb. Sollte Ihrem Besuch eine derartige Absicht zu Grunde liegen, so wenden Sie sich besser au eine Privat-- agentur, deren wir ja einige hiev haben."

Selkenbach gab nicht gleich eine Antwort: wie in innerem Kampfe saß er, unverhohlenen Aergcr in den kalten, klaren Blicken, die greisenhaft fahle Gesichtsfarbe spielend. Dann hob er unvermittelst rasch den Köpf, wie ein geübter Rechenmeister, der seine Schlüsse gezogen hat.Eine Anfrage, Herr Rat," Hub er an.Ich vermisse Geschäftspapiere, daneben auch Schmuck­sachen von erheblichem Werte. Ich sage nicht, daß sie mir ge­stohlen wurden; ich vermisse sie einfach; vielleicht kenne ich sogar den jetzigen Besitzer dieser Sachen . . . oder es liegen mir eine Anzahl.Wahrscheinlichkeiten vor, die mich auf cüne ganz bestimmte Person schließen lassen"

Sie wollen damit sagen, Sie glauben den intellektuellen Urheber des bei Ihnen verübten Einbruchs zu kennen," warf Hansemann gelassen ein.

Bitte, cs ist von keinem Einbruch die Rede," wehrte Selken­bach vorsichtig ab.Was die sonstigen Wertsachen anbelangt, so würde ich mich in deren Verlust schließlich zu fügen wissen so unangenehm ein solcher auch sein mag ... für mich handelt es sich um die Geschästspapieve . . . ich weiß nicht," fuhr er mit einem lauernden Blicke auf den anderen gedehnt fort,ob Sie in Börsengeschäften hinreichend bewandert sind, um mich zu verstehen. Es giebt Aufzeichnungen in unserem Metier, die nur für den Besitzer sehr wertvoll sind; das heißt, rin unbefugt davon Einsicht Nehmender kann großen Schaden anrichten, ohwt dadurch selbst profitieren zu können. Er kann also nur niederu reißen, jedoch nicht aufbauen. Das ist mein Fall. Der Besitz dieser Papiere bedeutet für mich viel . . . vielleicht alles. Aus der Börse geht es nicht selten um die Existenz. . . also va bangue . . . Mienen und Gegenmienen. Setzen wir nun den Falk, ich vermisse Aufzeichnungen, deren Besitz mein Vermögen an Börsenwerte!: verdoppelt. Das wissen meine Gegner, deren An­zahl wie bei jedem Finanzmann von Bedeutung bei mir Legion ist; sie wissen aber auch, daß das bloße Bekanntwerden der Tatsache, daI diese Aufzeichnungen gar nicht mehr in meiner Hand sind, hinreicht, nm . . . um mir zu schaden," setzte er nach kurzem Nachdenken, jedes seiner Worte augenscheinlich vor-, sichtig abwägend, hinzu.Ich darf also den Verlust nicht ein­gestehen, sondern muß den Fortbesitz der besagten Aufzeichnungen vor aller Welt aufrecht erhalten und darf nur insgeheim mich um deren Wiedererlangung bemühen. Sie werden zugeben, daß zu solchen: Zwecke die Aufbietung eines polizeilich offiziellen Apparates ausgeschlossen ist."

Das sehe ich ein." Hansemann zuckte frostig mit den schul-, tern.Doch ich sehe nicht ein, warum Sie in solchem Falle Ihre kostbare Zeit daran wenden, mir dies zu erzählen."

Der verärgerte Ausdruck in den Mienen seines Besuchers trat stärker hervor; dieser trommelte nervös mit den Fingern aus der Schreibtischplatte.Weil ich von Ihnen einen guten Rat zu erhalten hoffe," meinte er gedehnt.

Den gebe ich Ihnen schon. . . wenden 'Sie sich an eins Privatagentur." I, ,j

Damit mir deren Inhaber in die Karten schaut und :ch einen Erpresser los werde, um einen anderen einzutauschen?"l rief Selkenbach höhnisch und seine dünne Stimme schwoll an.