Ausgabe 
11.9.1907
 
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oi.

Redaktion: 95. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der BrüHl'scherr Universitäts-Buch- und Stemdrrickerei. R. Sange, Gießen.

Akkumulatorenbatterie in fortdauernder Rotation erhalten werden könnten.

Alle Räder werden direkt angetrieben. Beim Betriebe auf hügeligem Boden werden Geschwindigkeits-Wechsel­getriebe benutzt. Die Bahn kann mit freilaufenden Rädern mit großer Geschwindigkeit bergab fahren und auf diese Weise eine vorzügliche Durchschnittsgeschwindigkeit erzielen.

Da allem Anscheine nach Wagen, die im Berhältnis zu ihrer Länge breiter als die gewöhnlichen Bahnen find, sich im Betriebe wirtschaftlicher erweisen werden, wird der Versuchswagen 3,6 Meter, d. h. anderthalbmal so breit wie gewöhnliche Wagen gemacht. Bei Bauarbeiten in den Kolonien dürften jedoch Wagen von mindestens doppelter oder dreifacher Breite zur Verwendung kommen.

Alle Räder sind mit Bremsen versehen, die entweder von Hand oder mit Druckluft betrieben werden können.

Die Schiene ist von gewöhnlichem Querschnitt und braucht nur gerade eben so schwer zu sein, wie Schienen gewöhnlicher Bahnanlagen, um bei gleicher Radzahl die gleiche Last zu tragen. Die Eisenbahnschwellen brauchen sogar nur halb so lang wie die gewöhnlicher Bahnanlagen zu sein.

Es ist leicht zu verstehen, daß man nach dem neuen System mit ganz geringem Kostenaufwand fliegende Eisen­bahnlinien über unebenes Terrain legen könnte; hierbei würden besondere, gleichfalls nach dem Einschienensystem konstruierte und mit elektrischen Vorrichtungen versehene Bauwagen zum Verlegen der Schienen benutzt werden. Derartige Bahnen würden z. B. im Kriege eine hervor­ragende Bedeutung gewinnen, da man mit ihrer Hilft einem vorwärtsdringenden Heere folgen und dieses mit allem Erforderlichen versorgen könnte. *

Der Verbrauch an Brennmaterial ist bei dem neuen Bahnsystem bedeutend geringer als bei gewöhnlichen Bahn­linien, da jede^ Seitenreibung in Kurven fehlt und die Wagen ohne Erschütterung laufen. Infolge dieses ruhigen Ganges ist nicht nur das Fahren aus derartigen Bahnen weit angenehmer als aus unseren jetzigen Eisenbahnen, auch der Erzielung höherer Geschwindigkeiten sind keine so engen Grenzen gesetzt.

Die Versuchs mit dem eine Person fassenden Modell sind günstig verlausen; ob sich das System auch in größerer Ausführung für die Praxis bewähren wird, kann natürlich erst durch weitere Versuche ermittelt werden.

Logogriph.

Siels eil ich meinem Valer jn, Ich finde nimmer Rast und Ruh'. Wohl hab ich manchen schönen Bogcn Tnrch Felder und durch Au'n gezogen. Hängst dli mir nur ein Zeichen an, Ein Staat der Panters bin ich dann.

Auflösung in nächster Nummer.

Aliflösung des Rätsels in voriger Nummer. Muß, Nuß, Kuß.

Vermachtes.

' * Ten größten Tunnel d e r W e l t wird in sieben oder ächt Jahren Marseille besitzen- Die Stadt soll nämlich durch einen Kanal mit der Rhone verbunden iverben- Für den Handel des ganzen südlichen Frankreichs ist dieser Kanal von der größten Wichtigkeit. Nun erhebt sich aber zwischen Marseille und der Rhone ein hohes Hügelgelände, die Rove-Hügel, und der Kanal kann nur gebaut werden, wenn man hier einen Tunnel durchlegt. Auf einer Strecke von 7 Kilometern wird der Wasserweg also unterirdisch werden müssen- Der 7 Kilometer lange Rove-Tunnel wird nun zwar nicht der längste Tunnel der Welt sein, aber doch der größte in dem Sinne, daß man, um ihn anzulegen, mehr Erde wird ausheben müssen, als für irgend einen anderen Tunnel- Der Tunnel wird, damit zweie Schiffe beauem aneinander vorüüer- fahren können, 22 Meter breit sein; die Höhe ist auf 14,20 Meter berechnet- Es werden mehr als 2186 000 Kübikmeter Erde zu entfernen sein, während z. B. beim Simplon-Tunnel nur H:058 400 Kübikm- zu entfernen waren. Und doch ist der Limplon- Tunnel der längste Tunnel der Welt, 21 Kilometer lang. Dafür ist er nur 8,40 Meter breit und 6 Meter hoch- Der Rove-Tunnel dürfte eines der großartigsten Werke der Jngenieurkunst toerben-. Die-Zahl der jetzt schon zu Schiffahrtszwecken benutzten Tunnels ist nicht klein, aber alle diese Tunnels haben nur eine geringe Be­deutung; so ist z- B. der Tunnel von Condes, am Marne-Saone- Kanal, sehr kurz und nur 1'6 Meter breit- Auf beiden Seiten des Robe-Tunnels sollen Stege gelegt werden, von welchen aus durch kleine elektrisch betriebene Kraftmaschinen Schiffe gezogen und ge­schleppt werden sollen- Tas Tunnelprojekt wird einen Kosten- ^ustvand von 34 500 000 Frcs- erfordern; der ganze Kanal soll 76 Mrilionen kosten.

... * Geräucherte Frauen. Viele unserer Frauen par- fümreren sich und man braucht noch lange keine Chemikernase

zu haben, um all die Düfte herauszuerkcnnen, die in der Garderobe vor einem Ballsaal schweben. Mille fleurs, Eßbukett oder garNationalparfüm" und Patschuli! Aber alle Parfü­meriekünste der modernen zivilisierten Salondamen sind gar nichts int Vergleich mit den Wohlgerüchen der Frauen im Sudan. Die dortigen Frauen räuchern sich ein, und gemäß ihren kräftigen Nerven und gesunden Sinnen wählen sie hierzu so ausgiebige Mittel, daß die Anwesenheit einer Gruppe ftisch geölter, ge­salbter und geräucherter Weiber auf 100 Schritt sich unserem Geruchssinn verrät. Das Räuchern ist Gegenstand besonderer Sorgfalt. .Die Frauen im nubischen Nlltal, im östlichen und westlichen Sudan, die Bewohnerinnen der Halbinsel Sennar sowohl als diejenigen von Kordofan, wie auch die Koladji- Schönen in Darfur widmen allwöchentlich mindestens einige -Stunden dem Räuchern. In dem Hofe jeder Hütte, unter beinahe jedem Zelt kann man im Boden eine kleine Grube finden, 1 Fuß tief, »ft Fuß im Durchmesser haltend, die ent­weder mit hartem Ton sorgfältig ausgefüttert oder in die ein Topf eingesetzt ist. Darin wird, wie sich dieRh.-Westf. Ztg." mitteilen läßt, ein langsam brennendes Holzkohlenfeuer unter­halten und mit Spezereien, wie, Nelken, Ingwer, Zimt, Weih­rauch, Sandelholz, Myrten, wozu Späne der Talhaakazie hinzu- gesügt werden, bestreut, lieber dieses Feuer setzt sich die möglichst leicht bekleidete Frau und bedeckt sich mit dem mantelartig ausgebreiteten Tob (Hemdentuch) so sorgfältig, daß nichts von dem kostbaren Rauch unbenutzt in die Luft entweicht. Sie gerät allmählich in ausgiebigen Schweiß imb nimmt ein förmliches Dampfbab. Am Ende der Sitzung, nach 15 bis 20 Minuten, ist die Frau derartig eingeräuchert, daß, wie schon gesagt, der Geruch allein sie auf weite Strecken verrät.

Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. Qualitätszigarren!Qualitäts^- zigarren" die sieht man jetzt immer häufiger empfohlen. Was es eigentlich für Zigarren sind, wissen die meisten Raucher wohl ebensowenig wie die Nichtraucher; nur die Verkäufer und Händ­ler mögen es begreifen und verstehen! Deutsch würden sie na­türlich nicht ziehen: Eigenschastszigarren! ? Das hftßt nichts, gar nichts! Aber im Französischen hat ja qualite oft den engeren Sinngute Eigenschaft," so daß man sagen kann; ce vin est de qualite, oder: ce vin a de la qualite das ist ferner, guter Wein!' Was liegt dem Deutschen da näher, als das schlank­weg zu übersetzen, oder vielmehr nachzustammeln? Dafür hat Man ja doch die vielgeliebten Fremdwörter! Qualitätfugt' zwar in Wirklichkeit in dieser Verbindung im Deutschen auch, nichts, gar nichts, aber doch auch so unsagbar viel, ja alles, was mau nur gerade will und meint. Es ist die alte Geschachte: die Fremdwörter sindso furchtbar beguem": was läßt sich tu solch dunkles Wort nicht alles hineingeheimnissen! Unsere deutschen, klaren und deutlichen Ausdrücke lassen sich so etwas gar nicht gefallen. Trum ist es auch gar nicht so sonderbar, ddß der Deutsche, wo ihm das richtige deutsche Wort nicht gleich einfällt, flugs ein Fremdwort herauzieht: da bekommt er In­teresse au etwas das sagt alles'!, da passiert ihm etwas, d!a faßt er eine Idee; da verkauft er denn auch Quautats- zigjarren, ein Bruder in Merkur preist daun in edlem Wettstreit Qnalitätsweiue nn, und nun findet man sie allenthalben m den Blättern angezeigt, die Qualitätszigarren und die Qualrtats- weine. Auch ein Fahrrad kam^mau schon als Qualitätsmcqchiue empfohlen sehen und einen Schaumwein als Qnalitätsmarre^ und wie lange wirds noch dauern, dann steckt man sich nur noch Qualitätsrvsen ins Knopfloch, trägt Qualitätshüte und QuaU- tätssliesel, ißt QiMlitätsap-felsiueu und denkt Qnalrtatsge- danken! r

Die schönsten Tugenden der Frau suchten vor einiger Zeit zwei französische Zeitschriften durch eine Enquete zu ermitteln. TiePresse" wendete sich an dre Männer und erhielt folgenden Bescheid: 1. Treue. 2. Spar­samkeit. 3. Gutherzigkeit. 4. Ordnungsliebe. 5. Bescheiden­heit. 6. Opfersähigkeit. Dieses Ergebnis wie auch das folgende wurde nach der Stimmenmajorität ermittelt. In der FrauenzeitschriftFemina" hingegen stellten die Damen für ihr Geschlecht folgende sechs Kardinaltugenden aus: 1. Gutherzigkeit. 2. Aufopferung. 3. Sanftmut. 4. Ord­nungsliebe.,"5. Sittsamkeit. 6. Mildtätigkeit.