Ausgabe 
11.5.1907
 
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Bilderrätsel.

verboten.)

(Nachdruck

Flucht

*A.

4«e

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Ichen UniversitStZ-Buch- und Steindruckeret. R. Lange, Gießen.

Liternvissches.

Das Maiheft der Neuen Rundschau (S. Fischer, Verlag, Berlin) beginnt mit einem Essay von Prof. Werner S o m b art, in dem die Probleme des modernen Minstgewerbes vom soziologischen Standpunkt aus behandelt werden. Frau Wassermann spricht über die moderne Erziehung, Ed u ard B ern­ste in über d^n Stand der Sozialdemokratie. Eme Reihe von Künstlerbriefen (Schwind, Richter, Stauffer-Bern, Thoma, Leibl, Passini u. A.) werden veröffentlicht, dre em Bild der künstlerischen Wandlungen im 19. Jahrhundert geben. Von Andre Gide erscheint, auch in Frankreich noch unveröffentlicht, das neueste WerkHeimkehr des verlorenen Sohnes, eme dialogisch- Darstellung des modernen Menschen in die Umgebung seines Vaterhauses. Helene Bühlau beendet ihren RomanDas Haus zu Flamm'", Hennig Berger hat eine phantistische NovelleDer Traum von der Hölle". Uexküll, Wirth, Singer, Glaser, Heckbert, Jentsch, Bie, Walser bringen kleine Essays über allerlei Dmge aus politischem, künstlerischem, literarischem Gebiet.

Hoch der B a u e r n st a n d. Dein Bauernstand widmete Pfarrer Frenkel zum 4. Stiftungsfest des landwirtschaftlichen Ver- eiirS Neilnhosen rind Unigegend ein Tasellied, das nach de^Melodie Stimmt an mit Hellem liohen Klang" zu singen ist. Da? lies dürfte vielleicht miet) anderen landwirtschaftlichen Vereinen als Tasellied willkommen sein:

Wir Baiierir sind der erste Stand, Kannst's in der Bibel lesen.

Denn Adam schon 's ist weltbekannt Ist Banersmnnn gewesen.

Als er verscherzt das Paradies In seines Antlitss Schweiße, Der Herrgott ihn bebauen hieß Das Land mit großem Fleiße.

Sein Weib, die Eva, hat ivohl schon So Rind wie Schivein gefüttert, Und hat ivohl auch für Mann und Sohn Gemolken und gebüttert.

Auch der Erzväter heil'ge Zahl, Sie ivaren Bauersleute, Sie ackerte» in Berg und Tal Und triebe» Vieh zur Weide.

Und David selber, eh' sie ihn Zum König auserlasen, Hat aui dein Feld bei Schaf und Küh'n Erst die Schalmei geblasen.

Und so ist mancher große Held, Der rühmend ward besungen Da draußen in der weiten Welt, Dem Bauernstand entsprungen.

Und heute noch ist unser Stand, Drin Kraft und Sait sich regen, Juilgbrunnen für das Vaterland, ! Dein Vaterland ziim Segen.

Drum nehmt die Gläser in die Hand, Gefüllt mit Saft der Lieben, Es lebe hoch der Bauernstand! Der Bauernstand soll leben I

Auflösung ht nächster Stummer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nu,nmerr Wahre Liebe weiß immer das rechte Wort, Wahre Güte ist immer aur rechten Ort, Wahre Freude kommt immer zur rechten Zeit, Wahre Größe hat immer Gelegenheit. Frieda Schanz.

* D e r T r i ck d e r s ch ö n e n D i e b i n. Die großen Städte Nordamerikas werden jetzt von einer reizenden jungen Dame un­sicher gemacht, die sich eines neuen und ganz rafftnierten Mittels bedient, um Herren Schmuckgegenstände zu eittroenbeit., »Bertha Famting",Bertha die Ohnmacht" so nennt man sie mPolizei- kreisen heißt eigentlich Bertha Levecke und tit em kaum achtzehnjähriges Mädchen ans guter Familie. Schon in den Kinder­jahren bereitete sie ihren wohlhabenden Eltern durch ihre Stehl­sucht große Verlegenheiten. Schließlich entfloh sie mit einem verlotterten Individuum ünd treibt sich seit dieser Zeck in den verschiedensten Städten herum. Sehr elegant gekleidet, ihre herr­lichen, rotblonden Haare sorgfältig frisiert, späht sie auf belebteir Straßen, in Restaurants, in den Tramways und Eisenbahnkoupss nach geeigneten Opfern aus. Naht ein älterer Herr sie ver­schmäht auch die jungen nicht, der eine kostbare Busennadel trägt so fingiert die schöne Berta einen Ohnmachtsanfall. Unmittelbar vor ihrem Opfer angelangt, greift sie sich plötzlich mit ihrer feinbehandschuhten Hand nach der Stirn, schwankt und begräbt ihren Kopf mit der berauschend duftenden Haarmasse an der Brust des überraschten Herrn. Während dieser, ohne sich besonders zu beeilen, die schöne Unbekannte wieder zur Besinnung bringt, schält sie mit ihren ungewöhnlich kräftigen Perlenzähnen den Edelstein aus seiner Fassung heraus und versteckt ihn in der Mundhöhle. Bietet der galante Herr Der Dame angesichts ihres Schwächezustandes seine Begleitung an, fo wird diese züchtig abgelehnt. Bertha, die Ohnmächtige, wurde schon mehrmals ver­haftet; doch wußte sie mit ihrem liebreizenden Wesen stets einen der Gefängniswärter so zu bestricken, daß er il

hierher kommt. Die Darmstädter Kammissäires sind die Ursache. Wäre ich doch eine Viertelstunde früher nach Schlitz gekommen, dann hätten solche schön mitgehen sollen. Nun horte ich, daß dieser Husar einer von benjemgen war, die kurz nach der Abreise der Kommissairs nach Schlitz kamen. Tie Protzmannische Eskadron muß nun vorrücken. Ich mache mich nun geschwind ans den Linien heraus und eile den beim Dorfe versammelten Leuten zu. Hier sah ich, wie nach und nach alle Truppen in Schlacht­ordnung aufmarschierten. Die Bagagen wurden fetttoattS zurück- aeschickt. Nun ging ich, da es fortdauernd hieß, die Franzofen sind nicht mehr ferne, mit mir selbst zu Rate, welchen Weg ich einschlagen sollte. Ich faßte bald den Entschluß, mich Wen das an der Werra hinziehende Gebirge zu wenden, und durch die Waldungen nach der Gegend hinzugehen, wo ich bekannt war. Ich schleppte mich also fort uni? kaufte mir unterwegs aus einem Hofe ein Stück Brot, damit ich für ein Uebernadjten tnt Walde mit Lebensmitteln versorgt war. So kam ich denn nach vieler Aiistreiigung vor dem Walde auf der Anhöhe an, wo ich mich hinwarf und lange Zeck dem Marsch der,beiden Korps in der Ebene zusah. Wahrlich em herrliches Schauspiel! Die Menge der blitzenden Gewehre sahen einem sich bewegenden See ähnlich.

Ich habe jedoch von einem Treffen an diesem Tage weder ettvas gesehen, no'ch gehört. Nachdem ich eine zecklang hier gelegen hatte, sah ich zwei Deserteure auf mich znkominen, und da ich diesen nicht traute, so schlich ich mich nach einem Tannen- Wäldchen hin. Much hier war ich nicht lange, als ich sechs Jager, von denen nur der eine ein Gewehr hatte, abermals den Berg heranftommen sah. Ich machte mich daher tiefer ,rn den Wald hinein und kam so wieder aufs freie Feld ^etzt fühlte ich einen brennenden Durst, daher ich einen in der Nähe hütenden Schäfer bat, mir doch eine Quelle zu zeigen. Er wies mich nach einem an der Ecke des Waldes liegenden Pachthof. Hier löschte ich Meinen Durst und bat den Pachter, da ich schlechterdings su Fuß nicht sortkommen könne, mir doch ein Pferd zu geben. Er ließ mir einen alten Hengst in einen Karren I Paun en, woraus Stroh lag. Seinem Sohne, der mich fuhr, gebot ich, immer Achtung zu geben, ob sich nicht Soldaten zeigen >;ch aber legte mich auf den Karren, und obgleich ich wacker gerüttelt wurde so ruhte ich doch so gut Ivie in einer Chaise. Wir erreichten Eisenach glücklich um 1 Uhr. Ich erkundigte mich na'ch 'm einem hier zurückgelassenen Sattel und erfuhr, daß ihn ein Bürgersoldat mitgenommen habe, da er glaubte, ich loare längst aufgehängt und daher keinen Sattel mehr brauche ^d) nahm trat» ft. und kam am 17. Oktober, abends um 10 Uhr, wieder bei den Meinigen an. M. B . . .r.

DermifcWs»

ermöglichte.

* Eine Bauernhochzeit alten Stils wurde dieser Tage im Diriglschm Gasthause in Vilsbiburg (Bayern) gefeiert. Es saßen nicht weniger als 100 Gäste beim Mahl. Pro Kops wurden 20 Mk. bezahlt. In Altbayern müssen nämlich die Hochzeitsgäste bie Mahlzeit bezahlen und außerdem noch ein Hochzeitsgeschenk bar auf den offenen Teller legen. Das Gleiche ist bei der Primizfeier eines jungen Geistlichen der Fall, welche wie eine große Hochzeit gefeiert wird. Der junge Mann erhält sogar seine Braut, ein junges Mädchen, und Kranzeljungfern kn die Seite.

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