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Redaktion. Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'schen UniversttätZ-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.
güß gegen die Laterne des Leuchtturins von Tillanruk in Nord- Ninerika schlug, !die 48 Meter über dem Wasserspiegel liegt An den Stiften Großbritanniens und Frankreichs ist beobachtet worden, wie die Brandungswellen Steinblöcke von über 100000 Kilogramm Gewicht von der Stelle schoben. Einen Block von 7000 Kilogramm schleppten sie 22 Meter weit. Der Nordseesturnr vom Dezember 1872 verschob den Wellenbrecher von Wick in Schottland, der 800 000 Kilogramm wiegt, nm mehr als 10 Meter.
Lireeirrseyes.
— Die Eisenbahn-Lektüre, so schreibt der Kunst!» I ivart, möchte ich ausrotten können. Mair versteht leichte Lese- I stosse darunter, „leicht" soivohl nach der sittlichen Seite hin, also I das eben noch voir der Polizei Zugelassene, leicht namentlich aber | auch wach Gehalt und Wert: flott geschriebenes Zeug, das uns vor | der Langeweile schützt und unseren innersten Menschen ganz uu- I behelligt läßt. Man hjat den Deutschen lange nachgesagt, daß sie I keine Bücher kaufen: als Eisenbahn-Reisende sind sie arge Ber- I schwender im Bücherkaufen. Tas wäre nicht so schlimm, wenn sie nicht gerade Eisenbahn-Lektüre kauften. Ich lese bei jeder Eisen- I bahn fahrt, und mir scheint es Nach meiner Erfahrung, daß mau I gerade schwierigere und gehaltvollere Werke unterivegs lesen kann und soll. Zuweilen stören uns die Mitreisenden durch ihr Gespräch, aber viel oster herrscht vollkommene Ruhe: oft sind wir allein im Abteil. Besser noch als zu Hause sind ioir hier mit uns selbst allein, denn wenn daheim die Familie oder die Bekannten nicht auf uns drücken, so tun es die Pflichten, die Mahnungen zur Arbeit. Geben ivir uns daheim die Abendstunden frei, so heißt das: die »rüden Stunden, und ich gestehe, daß mir dann die Ortszeitnng oft lieber ist als Goethes Pjandora. Aber auf der I Bahn fahren wir auch vormittags und nachmittags, mit frischen Gehimen und auf das schönste abgeschlossen von der Welt und den Pflichten: bessere Stunden zum Denken und Dichten und zum Versenken in große Dich ter werke gibt es gar nicht. Ich habe bei langen oder kurzen Fahrten die Gedichte von Goethe, Schiller, Keller, Grillparzer, Fontane, Tennyson uitb anderen bei mir gehabt, oft auch den Faust, zuweilen Hefte von Plato oder Cicero, und ich versichere: wer nicht icherhaupt zum Umgang mit hohen Geistern zu erbärmlich ist, wird am besten mit ihnen verkehren können bei diesem ruhigen Dahingleiten über der Arbeitserde unter uns. Aber alles hat seinen Grund: auch der herrschende Begriff der Eisenbahn-Lektüre Hat Vater und Mutter. Tie Mutter ist eine sehr verbreitete menschliche Eigenschaft, die ich höflich Bc- guemlichkeit nennen ivill: der Vater ist kluger Geschäftsgeist. Unsere Bahnhofsbuchhandlungen sind unter allen Buchhandlungen, die wir haben, die schlechtesten; sie sind das, obwohl sie Anhängsel einer Stcmtseinrichtnng sind. Jeder andere Buchhändler hält alle guten Bücher, ivenn sie „gehen", entweder iveil er von seine«» Berufe und sich hoch zu denken das Bedürfnis hat, oder iveil der Künde sonst zum Konkurrenten geht. Ter Bahnhofsbuchhändler hat leider ein Monopol, und der wahre Besitzer oder Unternehmer dieser Buchhandlungen tritt nie seinen Kunde,« gegenüber, sondern ist "eilt weit ab wohnender Geschäftsmann. Ihm fällt es nicht eilt, billige Hefte von Reclam, Hendel oder Cotta zu führen: er Bigt bei den Büchern in erster Linie: wieviel verdiene ich bei? Die billigen Ausgjaben bringen ihm nur Pfennige. Und die Verleger teurer guter Bücher gewähren nur mäßigen Rabatt, also bleiben ihre Bücher beiseite, ivenn sie nicht gerade „Schlager der Saison" sind. Die höchsten Gewinne versprechen die Adacher der leichten nnd leeren Sachen, an denen Titel und Umschlagzeichnung das beste sind. Wer große Worte liebt, könnte auch hier von Volksvergiftung und Volksverdummung sprechen. Ich will nur sagen: eine vortreffliche Gelegenheit, gute Bücher ins Volk zu bringen, wird hier Jahr für Jahr, Tag für Tag versäumt. W. Bode.
— Georg Ebers gesammelte Werke. 33. und 34. Band. Geheftet je Mk. 2.50. (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt.) — Diese beiden Bände enthalten den Roman „Arachne". TieS farbenprächtige, von einer spannenden Handlung beivegbe Gemälde aus der Ptolemäerzeit Aegyptens, ein 'Künstlerwman aus der hellenistischen Welt, trägt im ganzen wie in allen Einzelheiten das Gepräge Ebersschen GcisteA.
ScherMtsel.
Das würzige Erste der Feinschmecker liebt, Wenn man es zum Fleisch und zur Sauce ihm gibt.
Das Zweite, vom Faulen gar fleißig getreten, Ist teuer, zumal in den größeren Städten.
Auch kann man vom Ersten int Bund mit der Zweite« Zum Wohle der Menschheit ein Ganzes bereiten;
Das schmiegt sich recht innig und warm an die Brust. Du mußt's mal versuchen l Es ist eine Lust I W.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nuimnerr Schatz, Schutz, Schütz.
selnde Bild "beim Aus- und Abstieg das Reizvolle ist. Ueberdies wird er speziell von der Rundschau, tvelche die Zugspitze bietet, etwas enttäuscht sein. Er wird finden, daß sich ihm das konventionelle Panoramabild entrollt, der Horizont von einer Kette weit entfernter Spitzen eingesäumt, soweit er nicht den meist durch Dunst getrübten Blick in die Ebene austveist, die nähere Umgebung aber durchaus nicht so imponierend ist, wie er cs wohl erwartet hätte, dja die meisten Nachbarspitzen wesentlich niedriger als die Zugspitze sind, deshalb ihre Abstürze und Formationen, durch den Blick ans der Vogelschau nivelliert erscheinen. Selbst diejenigen, welche noch niemals den Zauber des Hochgebirges kennen gelernt haben, werden ihn sicherlich viel mächtiger am Schachen, am Zoeppritzhaus ober an der Höllentalhütte fühlen. Wer wird nun die Bahn benützen? Nicht der Naturfreund und nicht der Hochtourist, sondern eine nach Sensation lüsterne, lärmende, alle Poesie des Gebirges totschwätzende Menge, deren Ehrgeiz sein wird, das Frühstück in München, das Mittagmahl auf der Zugspitze und häs Abendbrot wieder in München cinzu- Nehmen. Das internationale Publikum aber kann in der Schweiz viel aufregendere und gewaltigere Szenerien, als sie die Ruud- schau vou der Zugspitze bietet, mit leichter Mühe erreichen. Vom Staudpuntte landschaftlicher Schönheit und von dem der Renta- brlität dürfte sich eher eine Bahn auf eine der Vorhöhen empfehlen, tote Schachen (einen glänzend gelegenen Aussichtspunkt) oder Zoeppritzhaus: eine solche käme in gleicher Weise dem Durch- schntttsgeher wie dem Hochtouristen zu statten und würde dabei kerne Verunglimpfung eines unserer schönsten Gipfel verschulden. Das Zugspitzbahnprojekt aber bedeutet nur negative Ergeb- nrfle: nach der ästhetischen Seite eine Geschmacklosigkeit erften Ranges, nach der wirtschaftlichen einen Rechenfehler: denn der eigentliche Touristenverkehr wird sich vom Zugspitzgebiet abwen- den. Tie von den alpinen Vereinen erbauten Hütten (Knorv- hutte, Angerhütte, Wiener Neustädterhütte, das kürzlich errichtete Zoeppritzhaus) werden unter dem Ausbleiben der Touristen schwer zu lndcn habeit. Denn für die Gattung von Menschen, die sich der Zugspchbahn bedienen werden, besitzt ein mühsamer Marsch nach i mer der Hütten nichts Verlockendes. Wohl aber werden müßige Bummler, die von dem wohl zu gewärtigenden Hotel Zugspitze mis sich tu. die Felten versteigen, den Führern und den alpinen Rettungsstellen das Leben sauer machen. — Möge Bayern und Deutschland der beabsichtigten Entstellung seines höchsten Berges Nicht ruhig zusehen: mögen sich die nächstbeteiligten Gemeinden Nicht durch den Gemeüiderat von Zermatt und den Bezirksrat von Visp beschämen lassen, welche sich einstimmig gegen den Bau einer Bahn tauf das Matterhorn aussprachen, Hand in Hand gehend mit dem schweizerischen Alpenklub, welcher in einer Ein- gabe lau den Bundesrat Protestgegen das Unternehmen erhob. Es steht zu hoffen, daß bet Zusammenwirken aller beteiligten Faktoren, I wie der alpinen Vereine, des Vereins Heimatschutz, sowie der Bevölkerung dem vvvgebeugt wird, daß eines unserer hervov- ragendsteu Schaustücke dem Unternehmergeist einiger Weniger zum I Opfer falle. Das wäre eine patriotische Tat. I
Vermischte».
. , * Die Dimensionen und die Kraft der Meeres- ■ + 5« Bölsche in einer Prächtig illustrierten
uaturwissenschaftttchen Plaudere«, „Brandung", die das 15 Heft der illustrierten Zeitschrift „lieber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) bringt, ditrch Beispiele anschaulich. Die Heimatder Woge, die erst sterbend zur Brandung wird, ist das vuene Meer Fe Wetter es sich ausdehnt, je freier der Wind A. überfliegt, desto gewaltiger werden dort seine Welleiizüge. Der Wind treibt fte vor sich her wie Flocken, luirbett Flpcke | 8*t Flocke, bis eine ganze Halde, endlich ein Berg daraus wird Wann erscheint die Riesenwoge, von der uns Seefahrer auf der was, erreichen Südhalbkugel der Erde berichten. Das öster- r^nnsche Entdeckerscytff „Novara" maß ihre Höhe zu 8«/2 bis lOi/a Meter «m Maximum. Wo die Fläche klein ist, wie aus unsrer Nordsee, da sind schon 4 Meter fast zu viel. Und diese fme Riesenwelle rollt über den riesigsten Raum. Dckr Kapitän | mo« ma» tnt Südailantischen Ozean bei 7 Metern Höhe die fabelhafte Lange von 580 Metern. Es sind das die Riesen, I bte .zugleich mtt der Wucht einer abrollenden Kugel ihr Meer I «benagen: 77 Seemeilen, fast das vierfache einer Postdampfer- I letftmtg, legen sre m enter einzigen Stunde zurück. In den be- I sonderen Fällen, wo nicht der Wind, sondern der Stoß eines Erd- | bebens ine .Welle treibt, erzeugen sie no cki<gauz andere Maße: I ba saust (rote, tm Jahre 1854) Wasserstoß um Wasserstoß über die j gesamte Breite jdeA Stillen Ozeans hinweg von Japan bis I San Francisco, und das in 12 Hz Stunden, was 358 Seemeilen I Pro Stunde gibt. Was die Klippe, was das Steilufer der Küste I <il§ „Brandung" von diesen freien Wellen empfängt, das ist ihr I Dodeskampf. Er gerade (über reckt sich noch einmal zu höchster I ®öbe.embor. Solche sterbende Welle rauscht nicht bloß 10, sie I
s? dAeter und mehr üt ihrer letzten Zuckung himmelan. I NWnsaust, die mit einem einzigen Tatzenschlag einer I
Wetternacht einst den Leuchtturm vott Eddystone I heruntergefegt hat und ine am 29. Dezember 1891 als Sturz- *


