Ausgabe 
10.7.1907
 
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Grüße Harro und klein Elschen tausendmal. Wenn Dein Mann Seine Hoheit zur Jagd bei uns begleitet, so mußt Du aber unbedingt and) mitkommen, am liebsten wäre es mir. Tu bräd)tcst die Kinder auch mit. Platz ist genug in dem alten, grauen Steinkasten, wie Magnus unser Schloß stets nennt.

Ich bin eigentlich sehr neugierig aus dieses alte Gemäuer, das schon zurzeit des letzten Pommernherzogs erbaut gewesen sein soll. Spukgeschichten existieren bei auch massenhaft, wie Anna mir gestern abend mit heimlichem Gruseln anvertraute. Sie behauptet, Frjanz hätte ihr das erzählt.

Nun, meine Seelenruhe wird das weiter nicht stören. Du weißt ja, ich liebe solche 'alte, geheimnisvolle Schlösser mit düsteren Ahnenbildern, kleinen Wendeltreppen und verborgenen Tapetentüren besonders. Wird das ein« Freude sein, wenn id) dich dort erst begrüßen kann.

Anna kommt eben, es sei die höchste Zett zum Ankleiden, deiin um halb eins will Magnus mit mir spazieren fahren. In aller Eile also nochmals Dir, Deinem Gatten und den Kindern herzlichste Grüße von

Deiner Dagmar."

(Fortsetzung folgt.)

Mn Museum für Nrheimatkunst.

Als im April dieses Jahres im preußischen Landtag die Museumsfrage erörtert wurde, begründete der Re- qierungsvertreter Geh. Rat Schmidt die Notwendigkeit eines besonderen ostasiatischen Museums mit den Worten:Die künstlerische Seite der asiatischen Kultur muß vertieft werden". Er lehnte es ab, ans die Vorschläge seines Vor­redners, des Abgeordneten Dr. Friedberg, im einzelnen irgendwie einzugehen. Unter dieseit Vorschlägen staiid ent erster Stelle der, ein Museum sür die älteste deutsche und damit die allgermanische Kni,st zit gründen. Als die ge­eignetste Form eines solchen Museums nannte Dr. Fried-, berg die eines sogen. Freilicht- oder Freiluftmuseums. Da der Dürer-Bund in einer seiner Flugschriften (Der nordische Hain von Willy Pastor) mit aller Entschiedenheit für die nämliche Forderung eingetreten jst, hält er es für seine Pflicht, unter den gegenwärtigen ^Umständen seine Forderung noch einmal zu begründen.

Die'künstlerische Seite der asiatischen Kultur muß ver­tieft werden". Wir wollen eine ausführliche Kritik dieses Satzes vermeiden, der die Behauptung in sich schließt, man halte die von allen Kennern so laut gepriesenen künstlerischen Erzeugnisse Chinas und Japans hierzulande lediglich für die gleichgültigen Aeußerungen einer uns fremden Kultur, und dieser Auffassung müsse nun gründ­lich entgegengearbeitet werden. Wir beschränken uns, auf die Tatsache hinzuweisen, daß man bis zu dieser Stunde in Deutschland gegen die .Hinterlassenschaften nuferer eigenen ältesten Kultur mehr als gleichgültig gewesen ist, und daß wir kein Museum besitzen, in dem auf den rein künstlerischen Wert dieses reiche,! Erbes hingewiesen wurde. Wir machen ferner darauf aufmerksam, daß unsere besten Kunsthandwerker und Architekten der Gegenwart starke Au- regungen aus unserer uralten, bodenständigen Kunstkultur empfangen haben, daß es aber an einer rechten Gelegen­heit. diese Kunstkultur in ihrem ganzen Nmfaiig kennen' zu lernen, noch heutigen Tages fehlt. Sind folche Voraus­setzungen richtig (und wir werden sie gleich prüfen), bann ist es wohl auch nicht unbillig, wenn wir aufs neue ver­langen, in einem Museum für die älteste deutsche und damit die allgermanische Kunst, einemMuseum für Ur­heimatkunst", wie man es knrz neunen kann, eine Organi­sation zu schaffen, die uns die Fühlung mit unserer eigenen Vergangenheit wiedergewinnen hilft. Der erwähnten Forde­rung des preußischen Regierungsvertreters stellen wir die Forderung gegenüber: Zunächst haben wir in Deutschand die Pflicht, die künstlerische Seite der ältesten deutschen und germanischen Kunst zu vertiefen.

Kunsthistoriker haben den Nachivejs führen können, daß der früheste sogenannte romanische Stilnordisch-germani­scher Herkunft 'ist, daß die besten Anregungen der früh- romanischen Zeit nicht aus dem Süden kamen, sondern daß im Gegenteil südliche Anregungen stilwidrige, ent­stellende Motive hineinbrachten, die überall, ivo man ihnen willig nachgab, zu einer Entartung statt zu einer Entwick- lung führten. Unsere Architekten sind heute eifrig bemüht, den eigentlich nordischen Charakter dieses uralt natio­nalen Stils wiederzugewinnen. Und wie segensreich solche Bestrebungen sind, beweist die Schlichtheit und Krast zahl­

loser neuer Steinbauten, deren herrliche Profilierung ~ um nur auf eines hinzuiveiseu uns entzückt. Was aber geschieht in unseren Mnseen, die alten Vorbilder so zu zeigen, wie sich's gehörte- In denbyzantinischen" Ab­teilungen der Kunstmuseen werden einige alte Bauglieder (Kapitelle namentlich) in einer Umgebung und in einer Aufstellungsart gezeigt, die den längst erledigten Irrtum einer südlichen .Herkunft noch einmal künstlich belebt. Tas meisteVorchristliche" aber wird, soweit es der Sammlung überhaupt gewürdigt wurde, gar nicht einmal aufgestellt, sondern führt in Magazinen ein dumpfes Ktzrkerdasein.

Im Skandinavischen sind bis zur Gegenwart gewisse Ueberlieferungen geblieben, die Erinnerungen wachhielten an die uralt germanische .Holzbaukunst und ihre uner­schöpflich reiche und unsagbar schöne Ornamentik. Die Wissenschaft hat die Entwicklung dieser Ornamentik rück­wärts verfolgt und konnte ihr bis in die entlegene Epoche derjüngeren Steinzeit" nachgehen. Ein einfacher Gang durch unsere Villenvorstädte belehrt uns, wie entwicke­lungsfähig dieses Erbe ist, und in Skandinavien sind sie dabei, dem Kuustgewerbe eine neue Blüte zu sichern durch die einfache Wiederaufnahme der alten Ueberlieferuirgen. Und wir? In denprähistorischen Abteilungen" der Völker­museen pferchen wir das Erbe der Ahnen, flüchtig geordnet und in der denkbar nüchternsten Art vorgeführt, zwischen dieKulturäußerungen" der Naturvölker! Die Eskimos und Papuas, Schingu-Jndianer und Australneger diinken uns die geeignete Umgebung, in der man den, Völk die Leistungen der Ahnei! vorzuführen habe!

Ein dritter Fall: ht dem, was wir Bauernkunst nennen, hat sich, ungeachtet aller verwirrenden Kultur- änßerungen zwei Jahrtausende lang germanisches Forni- gefühl in leidlicher Klarheit bchaupten können. Auch dafür haben die Küiistler der jüngsten Zeit Siiin bekommen, und mit vollem Recht wurde behauptet, die Dresdner Kunst- qewerbeausstelluug des Jahres 190b hätte nicht so starke Wirkungen augüben können, wenn ihre beste,! Künstler nicht soviel Verständnis bewiesen hätten für die Einfach­heit und Schlichtheit der in Deutschland gewordenen Volks­und Bauernkiiiist. Muß ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß auch die jetzt gottlob mindestens gesam­melte!, Dokumente dieser Knust nach ihrer ganzen Vor­führung alsbloße Kulturäußerungen" hingenommen wer­den müssen? Daß auch das ein Beweis ist, wie sehr die künstlerische Vertiefung unserer nationalen Nrkultur uns not tut? .

Das erwähnte Heft des Dürer-Bundes gibt eine aus­führliche Darstellung, wie eine solche Vertiefung in einer geeigneten Museumsanlage erreicht iverben konnte. Als ergänzenden Vorschlag hätten wir den Ausführungen nur noch hiiizuzufügen, daß es wünschenswert wäre, den dort geschilderten vier kleinen Parkbauten iivch einen fünften hinzuzufügen, der derBauernkunst" und ihren bezeich­nendsten Werken Vorbehalten bliebe. Im übrigen verweisen wir auf unsere Flugschrift, die in aller Klarheit angibt, wie das große nationale Werk geleistet werden kann.

Die Zugspitze iu Gefahr?

Kaum eine Großstsadt bietet ixm Bewohner so günstige Gelegens- tzeit, in kürzester Zeit ans der dumpfen Enge der Stadt' in dm stille Gebirgseinsamkeit zu gelangen, wie Munchm. Emen .Haupt­anziehungspunkt bildet der höchste Gipfel Deutschlands, die prächtige Zugspitze, bereu AnstiegsliMen (Rcuttal, Höllental, Eib- fee) die gewaltigsten Felsszenericn entrollen uno Jedem Mtur- sreunde in reichlichstem Maße das spenden, ivonach er verlangt: Erhabenheit und Größe fernab von allen störenden Zeichen menschlicherKUliur". Leider droht nenerdmgs diesem stolzen Gipfel eine von jenen traurigen, dsas Wesen des .llatuigeuunes durchaus verkennenden Schädigungen, wie sie inodernes BauauleN- tum im Bündnis mit allzu eifrigem Unternehmungsgeist zeitigen. man plant, von Garmisch über den dem Eibsee zugewandteN Absturz eine elektrische Bahn über. bie Spitze zu führen einer Versammlung, welche hiewfür.«tinnnung machen sollte, wurde dieses Vorhaben nicht nur! als em wirtschaftlich für die nähere llmaebuna uiid Bauern höchst bedeutsames llnternehmen bezeichnet, sondern man sah in dieser Entstellung des höchsten Berges unseres Vaterlandes sogar e ine patriotische Tat. Wenn man auch be­absichtigt, die Bahn voriviegcnd in Tunnels aufstergen zu lassen, so ist doch klar, däß fiel überall dort, ivo sie zutage tritt, daS Bild des Berges gröblich beeinträchtigen wird. Ter ernste Aatur- sreund wirb es unterlassen, sich durch dunkle Tunnels auf die Spitze ziehen zu lassen; beim er wird wissen, daß säst bei allen Bergen nicht die Rundschau vom Gipfel, sondern das stets wech.