Ausgabe 
10.7.1907
 
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Mittwoch den 10. Juli

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Jun Ken unter der Hsche.

Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt, l^ortsetzung.l

Tie Unterhaltung war denn auch lebhaft und angeregt. Wenn­gleich über Tagmars Wesen bei aller Heiterkeit ein leiser Hauch von Zurückhaltung zu liegen schien, der Beltlingen doppelt ent­zückte. Ohne daß er selber es merkte, wurden seine Huldigungen einen Schein wärmer, leuchtete bann und wann ein Strahl heißer Zärtlichkeit in seinen Augen auf, vor dem Dagmar jedesmal verstohlen die Lider senkte.

Es war schon ziemlich spät, als man sich trennte. Doch während Veltlingens pfeilschnell in ihrem Schlitten davonfuhven, strebten Borgwardts höchst ehrbar, nach dem Prinzip der Sparsamkeit, per pedes apostulorum, den heimischen Penaten zu. Uebermütig hängte sich die junge Frau an den Arm ihres Gatten. Sie plauderte lachend von dem schönen Tiner. Wie gut ihr alles gefallen habe, die köstlichen Speisen und Getränke, Veltlingens liebenswürdige Höflichkeit und Tagmars lustiges Lachen.

Na," machte der Gatte zweifelnd. Ganz entsetzt sah ihn sein kleines Frauchen an.

Fandest du denn nicht, daß Dagmar lustig war?"

So lustig, wie man bei dem peinlich korrekten Beltlingen sein kann, war sie jedenfalls," meinte er beruhigend.

Kathi war plötzlich ganz still geworden. Nachdenklich ging sie neben ihrem Mann her. Auf einmal blieb sie mitten auf der jetzt ganz verlassenen Promenade stehen.

Weißt du, Armin, ehrlich gestanden ist mir dieser Belt- lingen unheimlich. Ich traue seiner Ruhe nicht mehr, seit ich heute ein paarmal die Blicke aufgefangen habe, mit denen er Dagmar ansah. Glaube mir, es glüht ein verborgenes Feuer unter dieser kalten Hülle. Brrrr," sie schüttelte sich.Ich Möchte nicht der Gegenstand seiner Leidenschaft sein."

Seiner ist ja auch grade nicht nötig," neckte ihr Mann.

Schmollend wandte sie das hübsche Köpfchen.

Warte, du Böser!"

7. Kapitel.

Es war einige Tage später. Heller Sonnenschein fiel durch die bunten, bleigefaßten Glasscheiben der uralten Schlvßkapelle, welche die kleine, aber auserlesene Schar der Hochzeitsgesellschaft füllte, die die hohe Gastgeberin, die Herzogin-Mutter, zu be­fehlen geruht hatte.

Lustig huschten die goldigen Strahlen über die reichgestickten, vrdengeschmückten Fracks und Uniformen der Herren, die tief entblößten, edelsteinfunkelnden Nacken der Tdmen, bis sie endlich an dem herrlichen Haar der Braut haften blieben, deren schöne, ernste Augen dem Hofprediger die Worte förmlich von den Lippen nahmen.

Mit beinah blendendem Glanz flutete das Sonnenlicht über das Brautpaar hin. Ein schönes Bild! Das schien auch die zahlreiche Dienerschaft zu finde», die sich in verzeihlicher Neugier oben auf den Emporen eingefunden hatte, flüsternd und wispernd ihre Meinung austauschend.

Wie eine Fürstin sieht sie aus!" meinte Anna in begreife lichem Stolz auf die schlanke, vornehme Gestalt ihrer Herrin! schauend.

Ja, schön ist sie, aber so bleich! Und dabei sieht es doch aus, als ob sie auf lauter Gold träte, das bedeutet Reichtum," flüsterte die Jungfer der Gräfin Lindström bewundernd, indem sie ivie gebannt auf das Leuchten und Flimmern zu Dagmars Füßen blickte, wo die Somrenstrahlen, die sich durch die gelben Glasscheibeir ihren Weg gesucht hatten, einen schier blendenden, Glanz verbreiteten.

Aber der Baron," fuhr das Mädchen scheu fort,sehen Sie mal, Anna, was hat denn der an der linken Schläfe? Um Gott! Das sieht ja aus wie Blut!"

Unsinn, das ist bloß von der roten Glasscheibe das Licht. Sehn Sie, jetzt rutscht der Schein tiefer," machte Anna ärgerlich. Aber sie konnte es doch nicht hindern, daß ihr ein unbehagliches Gefühl den Rücken herunterkroch.

Und jetzt sitzt es doch wieder oben!" behauptete die Pythia' hartnäckig.Wenn das nichtne Vorbedeutung ist. . ."

Ja," klang es laut von Veltlingens Lippen.

Erschrocken sahen die beiden Schwätzerinnen auf der Empore' sich an.

Ja," ertönte es zum zweitenmal, leise und fest, das war die Stimme der Brant.

--bis daß der Tod euch scheide!"

Tie Worte des Geistlichen verhallten. Brausend setzte die! Orgel ein. Nach kurzem Gebet erhoben sich die Neuvermählten. In feierlichem Zug verließ die Hochzeitsgesellschaft die Kapelle.

Droben aber, im Rittersaal, schimmerten die Kerzen in vollster Pracht, funkelten die herrlichen silbernen und goldenen Prunk- schüsseln, auf der von feinstem Linnen bedeckten Hochzeitstafel.

Vom besten das beste," hatte die Herzogin befohlen. Galt es doch Dagmar, ihren Liebling, zu ehren.

Mit unverhohlener Freude überflog Veltlingens Auge die Pracht, als er sich an der Seite seiner jungen Gemahlin nieder- ließ. Stolz schwellte seine Brust, als er die ritterlichen Huldi­gungen gewahrte, welche der Herzog der schönen Braut darbrachte. Stolz auf die Auszeichnung und stolz auf den Besitz des schönen Weibes!

Und doch wünschte er sehulichst, daß dieses Hochzeitsmahl erst vorüber wäre. Verstohlen tastete er nach Tagmars Hand, die sie ihm still und wie sie glaubte, unbemerkt überließ. Doch der Herzog hatte es wohl gesehen. Mit leichtem Lächeln hob est fei« Glas.

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Tankend nahm Dagmar ihren Kelch empor, doch ihre zart- gebogenen Wimpern schatteten dabei die Wangen, in denen langsam ein feines Rot emporstieg.

Betroffen sah der Herzog sie an. Wie schön sie war in ihrer beherrschten Ruhe, die dennoch dem feinen Beobachter die ver­borgene Glut verriet, die unter dieser kühlen Zurückhaltung schlum-i merte. Unwillkürlich glitt sein Blick zu Beltlingen hin. Ob der verstehen würde, sie zu wecken? Stattlich und zufrieden saß ep da.Ein wohlkonservierter Mpnn," wie der Herzog ihn int