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Mr besuchen wohl einmal unsere Waschfrau, Mündern uns im fHUett über die Enge des Rahmens, in der dies kleine Leben sich wbspielt, und gehen achtlos vorüber an den Stätten der Not, die in schlechten Kammern hoch oben unterm Dach wohnt.
Allerdings, man ist Mitglied von den verschiedensten gemein- nützigen Vereinen und zahlt alljährlich — nicht immer freudig — seinen Beitrag. So unentbehrlich die Vereine für das Gemeinwohl sind, der Einzelne sollte doch persönliche Fühlung suchen mit.dieser fremden Welt. Freilich, wer mit ungeübtem Auge da hineinblickt, wird fich oft genug peinlich beriihrt fühlen Yon der Form, die die Armut oft annimmt, denn statt des bleichen, wilden Dulders, den du zu sehen erwartest, triffst du rauhe, -erbitterte Menschen an, die an oft selbstverschuldetem Leid schwer- trägen, und die den freundlichen Dank, auf dm du hoffst, weder empfinden noch äußern können.
Aber du läßt dich nicht abschrecken und ich will dir einen Weg zeigen, auf dem du gutes im stillen tun kannst. Der „Allgemeine Verein für Armen- und Krankenpflege" (Evang. Schwesternhaus, Johannesstraße 7) bittet dich um ein Mittagessen, wöchentlich einmal für einen armen Kranken. Das Opfer ist nicht groß, das dir auferlegt wird: am Abend kommt der „Suppenzettel" zu dir ins !pau§ geflogen, damit du dich für den folgendm Tag darauf einrrchten kannst. Er bittet dich nur um einen Teller Suppe und ein Stückchen Fleisch mit Gemüse; und am Mittag des nächsten Tages kommt dann ein blasses Kind oder ein altes, gebeugtes Frauchen, um das abzuholen, was du, liebe Hausfrau, in der Güte deines Herzens für den dir zugewiesenen Kranken bestimmst. Bist du freundlichen Sinnes, so überzeugst du dich vorher, ob deine Gabe für eine Wöchnerin oder für einen von schwerer Krankheit Genesenden, für ein schwächliches Kind oder einen Alten, der nichts mehr verdienen kann, bestimmt ist, und gewiß richtest du dich beim Kochm ein wenig danach ein. Ist die Woche verstrichen und der „Snppenzettel" kommt dir wieder ins Haus, so fragst du wohl teilnehmend wach dem Kranken, für den du zu sorgen hast, und bist du guten Willens und verständnisvoll genug, so suchst du vielleicht auch auf audere Weise sein hartes und trauriges Los zu mildem, jedenfalls gewinnst du einen Einblick in Lebenslagen, von deren wirklichem Vorhandensein du bis jetzt vielleicht keine Ahnung hattest. Und ist dein Auge erst geöffnet, so wird deine Hand nicht untätig bleiben wollen, du möchtest Schmerzen lindern, Tränen trocknen helfen, und so spinnen sich ganz leise und allmählich die Fäden an, die zu der persönlichen Fühlung führen, von der ich vorhin sprach, und ohne welche Mildtätigkeit und Barmherzigkeit doch nur leere Begriffe ohne Inhalt und Wert bleiben.
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* Elektrisches Licht als Vertilger schad kicher Insekten. Die Beobachtung, daß sich an jeder in warmer Sommemacht brennenden Lampe Insekten anfinden, hat bereits vor Jahrhunderten den Gedanken nahegelegt, Feuer anzuzünden, von denen Insekten angelockt und verbrannt toerden sollten. Neuerdings hat man auch den elektrischen Scheimverfer hierzu verwandt. Ueber den Erfolg mit demselben berichtet Professor Dr. Eckstein in dem Band „Die Tiere als Feinde der Kultur", mit dem der erste Band von Hans Kraemers Monumentallverk „Der Mensch und die Erde" (Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W., Lieferung 60 Pfg.) abschließt. In der wissenschaftliche Gründlichkeit mit gemeinverständlicher Darstellung in glücklichster Form verbindenden Art und Weise, die neben der glänzenden Illustrierung besondere Vorzüge dieser hervorragenden Publikation sind, behandelt Professor Dr. Eckstein die Frage nach dem Nutzen des elektrischen Lichtes für die Insektenvertilgung. Um letzteren festzustellen, hat man in der ostpreußischen Oberförsterei Lyck Versuche mit einem elektrischen Scheinwerfer gemacht, indem Man zugleich Jnhaustoren aufstellte, die Luft aus dem Lichtkegel dicht vor der Lampe einsaugten. Direkt vor der Lampe hatte man ein Netzwerk feiner Drähte ausgespannt, die rotglühend waren und jedes Insekt töteten, das sie berührte. Wären daher die Nonnen der Lichtquelle zugeflogen, so wären sie alle vom Lichtstrom mitgerissen und vernichtet worden. Auf diese Weise wurden aber in 8 Nächten nur 38 000 Nonnen gefangen, während von 15 Frauen und ebensoviel Kindem an zusammen 3 Arbeitstagen 64 200 an den Stämmen hastende Nonnen durch Zerquetschen getötet wurden — eine Leistung, die auch pekuniär weit billiger war, als die des Scheinwerfers. Das nächtlich leuchtende Licht, auch das elektrische, hat sich demnach bisher nicht vorteilhaft bei der Vertilgung von Schädlingen verwenden lassen. Seine Verwendung beruhte nämlich auf dem Grnndirrtum, daß tarnt bisher glaubte, die Insekten witrden von der Lichtquelle iangelockt. Sie werden vielmehr erschreckt und fliegen damt umher, ohne jenen geheimnisvollen Drang zu besitzen, den der Bolks- taund der „Motte" zuschreibt, die „ins Licht fliegt".
. * Die neueste Gefahr. „Du Frau, was Ist denn mit Unserem Freund Müller passiert? Früher hat sich jedermann üm ihn gerissen und jetzt grüßt ihn fast nieinand mehr!" — »,Der hat in der letzten Schwurgerichtssitzung tzinen
Zeugen Machen müssen, UM da hat ihn der Verteidigt, Um den Gauner frei zu bringen, derart heruntergerissen, daß sich kein Mensch mehr mit ihm zu verkehren getraut!"
Literarisches.
— Ludw i g II. von B a h e r n, der Romantiker auf dem Königsthrone, von Hans Steinberger. Mit 32 Textillustrationen und 10 Vollbildern. Preis '4 Mk. Verlag von F. Speiser in Prien am Chiemsee. Der Verfasser hat sich bemüht, in dem vorliegenden Buche das Lebensbild König Ludwig II. populär und pietätsvoll darzustellen. Tie hervorragende Stellung des Königs zu den Wissenschaften und 'bie epochemachende Bedeutung seines Mäeenatentums für das bayerische Kunstleben ist in dem Schlußabschnitte voll und eingehend gewürdigt. Besonders er- ivähnt sei auch noch die elegante Ausstättung und der reiche Bilderschmuck.
Weisers.
— Etn Ncuc§' Führerwerk voM Harz. Die Ber- bandsfchrift des Harzer Verkehrs-Verbandes- präsentiert sich in neuem Gewände. Die erste Abteilung stammt aus der bewährten Feder von Hans Hoffmann und ist'mit zahlreichen Illustrationen/ die uns den Harz im Bilde vvrführen, geschmückt. Wer diese Hofstnannsche Harzbeschreibung liest, muß Lust bekommen, den Park Norddeutschlands — wie der Harz vielfach bezeichnet wird — aufzusuchen, umsomehr da die Verbindungen nach den verschiedenen Harz-Einbruchspforten wie Goslar, Halberstadt, Nordhausen rc. in dem diesjährigen Svmmerfahrplane so günstig wie nur möglich sind. Der zweite Teil ist die praktische, die Führerabteilung. In übersichtlicher Weise gibt das Buch an dieser Stelle Auskunft über alles, was sowohl der Harzwanderer, der auf Schusters Rappen über Berg und Tal zieht, wissen muß, wie auch über das, was dem Erholungsbedürftigen, der sich an einem bestimmten Platze fcstzusctzen beabsichtigt, zu wissen nottut. Aufzählungen von Spaziergängen und größeren Touren vervollständigen den textlichen Teil, der schließlich noch bei jedem einzelnen Orte durch eine Routenkarte unterstützt wird. Gerade diese vierzig Uebersichtskarten sind für den Fremden das besonders wertvolle an dem Buche. Dieser sog. „Blaue Harzführer" ist vom ersten Schriftführer des Harzer Verkehrsverbandes, Hosbuchhändler. Rud. Stolle,- Bad Harzburg, kostenfrei zu beziehen.
Der Zufall.
O tmbeständ'ger Zufall l Dem Schmetterlinge Gleichst du in deinem Wesen, Dem losen Dinge, Das in den Lüsten Sich hebt und wiegt und stutzet Nach Bluinendüsten.
In tvechselvollen Farbeit Aul deinem Kleide, Bald schlicht tutd grau, bald prächtig Wie Samt ttnb Seide, So streust du Segen Und Leid in toller Laune Auf deinen Wegen.
Dem, der dich möchte haschen Mit kühnem Sinne, Glückt's kaum, daß er dich fange Und dich gereimte.
Du flatterst sicher
Um ihn, er vernimmt nur Dein Spottgekicher.
Meist schenkst du deine Gnade Deut Ahnungslosen Und überschüttest ihn mit Den schönsten Rosen.
Mit frohent Munde
Preist er dich dann tutd feiert Des Glückes Stunde.
Wiesbaden. Aug. Ammann,
Ergänzungsrätfel.
W . s . ch re.. sch. e . o. m.. ch. m I.. r H. t. a. L. b. n . i. n. ch. .. sch.. t, . b. r .sh.. .. ch . a. ü. g. l. h. t, ..ß .ei. W..sch e.. t.b..ch..rre.r!
Geibel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Arithmogriph in voriger Nummer: Jiili — Uri — la — Isis — Ur - Siut — Sir — litus — Ulm — Kttrn — Mur;
Julius Sturm.
Redaktion: Ernst 6e6. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei» R, Lange, Gießen»


