Ausgabe 
10.5.1907
 
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Arettag den 10. Mai

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Kem Arrlicht nach.

Roman von Alexander Römer.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

. 3it bitteren, spöttischen Worten, in kleinlichen, gegenseitigen Eifersüchteleien war dieses Wiedersehen ausgeklungen, vvn dem er so viel erwartet hatte. Das Fleckchen Eden, das ec noch im geheimsten Winkel seines Herzens sich zu retten gehofft, versank. Es war alles schale, langweilige Alltäglichkeit geworden. Und wozu hatte er sich da fortreißen lassen Vera hatte er er­wähnt und verkündigt, daß er ihr zum Winter nach Rom folgen wolle. War denn das seine Absicht gewesen? War es geraten, sich aufs neue in die Nähe der gefährlichen Frau zu begeben, deren Biü> ihm doch sehr getrübt worden war. Nihilistin Verschwörerin deren Seele mit unheimlichen Dingen, mit Mvrdanschlägen erfüllt war; er schwankte fast, als er die Straße hinab schritt wohin sein Geist blickte überall Oede, Wüste schwarze Nacht.

Sylvia war nicht imstande, der Mutter Reden anzuhören, als Roderich gegangen war. Sie eilte in ihr Schlafgemach und verriegelte die Tür hinter sich. Frau Zernial war an solche rücksichtslose Launen ihres verhätschelten Kindes gewohnt und sprach den Satz, den sie angefangen hatte und deu Sylvia nicht der Mühe wert gehalten, zu Ende zu hören, für sich allein Weiber.

Sylvia liebte Zioderich no'ch immer und er sie ebenfalls Pah, sie verstand sich auf dergleichen! Es war oder sehr schlau, daß Sylvia ihn einstweilen zappeln ließ, das schürte die Flammen am besten. Er würde schon wieder kommen, man mußte ab­warten, ob er die beste Partie blieb. Sylvias Aussichten waren jetzt unberechenbar, das hatte ft; ihm wenigstens deutlich ge­macht. Sie nahm ihren französischen Roman, warf sich auf -das Sofa imi> trällert« die Melodie eines verfänglichen Schelmen­liedchens.

Sylvia lag drinnen in der Kammer und schluchzte. Sie ittot, voll Zorn und Ingrimm auf sich selbst und auf Roderich. In ihren Phantasien hätte sie oft genug sich solch ein Wiedersehen gemalt, und was für eine Rolle sie bei demselben spielest wolle. Jetzt hatte sie keineswegs die königliche Rolle gespielt, welche sie sich geträumt, sie stand noch im allerersten Anfang, wo jeder seine Zweifel und Ermahnungen laut werden lassen konnte, sie war noch weit vom Gipses ihrer Macht welch ein langer langweiliger Weg war es bis dahin und er er ging nach Rom zu der schönen, klugen, vornehmen Russin. O, er hatte es gewußt, welchen Stachel er ihr damit in das Herz grub, und er war grausam genug gewesen, es zu tun. Ha, sie haßte ihn sie wollte ihn hassen fortan, ihr standen ändere zu Gebote, Grafen und Fürsten, wie die Mutter sie täg­lich versicherte.

Sie erhob sich endlich, Versuchte ihre Tränen zu trocknen, Über ihre Glieder waren schwer und mside, urrd die Dodesi Traurigkeit wollte nicht weichen. Es ekelte sie plötzlich alles än, die Gesellschaft in der Pension, die galanten Herren, die

albernen Damen auch ihr Singen ekelte sie an ihr wurdest einige Töne sehr schwer; seit sie mit Ernst Studien begonnen, wurde sie auf manches aufmerksam, worüber sie früher achtlos und oberflächlich hingegangen war. Sie sagte sich mitunter/ daß. sie über ihre natürlichen Mittel hinaus die Stimme forcierest mußte, daß diese in sehr großem Raum vielleicht nie ausß reichte. Der Lehrer hatte auch schon solche Wtdeuttmgeu g^ macht, er war aber geschmeidig und Versicherte dann wieder/ die Schule werde das Fehlende ersetzen. Wozu quälte sie sich' eigentlich so sehr, wozu? Ihr Ziel, das Bild, wo sie Roderichs als gefeierte Künstlerin erstell Ranges zu ihren Füßen zwang/ lvvlltc nicht mehr im alten Glanz heraufsteigen, und um ihni um ihn allein war cs ihr zu tun gewesen.

Sie stand plötzlich mit starrem Antlitz da, als hätte sie ebest das Gorgonenhanpt geschaut. So war ohne ihn ihr Dasein leer und inhaltlos, ohne Glück, ohne Stent ? Sie schlug die Hand« vor das Gesicht und hätte laut aufschreien mögen. Das war fürchterlich!

Roderich ging nach Dresden. Er fürchtete sich vor dieser Wiederkehr in sein Vaterhaus, feine Gernütsverfassnitg war gar nicht für ein häusliches Stilleben gestimmt. Ueberdies sah er Kämpfe mit dem Pater voraus, wenn er seinen Entschluß kundgab, noch mindestens ein Jahr auf Reisen zu bleibem Dieser Entschluß aber festigte sich immer mehr in ihm; in des Baters Kontor sich einzuzwängen, vermochte er augenblicklich weniger als je.

Am Tage, nachdem er Sylvia wiedergesehen, erhielt er einest Brief anS Rom von Vera. Sie schrieb erregt über seine Mit-, teitungeu, der Gedanke war nie in ihre Seele gekommen, daß man ihn, den Deutschen, mit in den Verdacht hineinziehest könne, der über ihrem Haupte geschwebt.

Aber sie sind wie eine Herde furchtsamer Schafe," schrieb sie,wo es sich um eine Bewegung der gedrückten Masse handelt, und schießen die unglaublichsten Böcke. Wo Menschenrechte gv>, ehrt werden, werden keine Mvrdanschläge gemacht."

Ob sie schuldig gewesen, ob auch sie ein Opfer fälschest Scheines sei, darüber schrieb sie kein Wort, Roderich tappte dst völlig im Dunkeln. Wer der Ton ihres Schreibens fegte schon wieder, den mystischen Bann um sein Herz, er mußte ihr noch einmal gegenüberstehen, sie Aug in Ange fragen um ihr Geheimnis.

Zn Hause cNlpsing man ihn sehr warm. Die Mama war noch schwach und leidend, der Schmerz um Sylvia nagte ast ihr. Sie war froh, daß er ihr Kunde Won der Undankbaren bringen konnte.

Wer Roderich war nicht gerade mitteilsam. Die Seinest fanden ihn verändert. Der Kommerzienrat, der sich mehr, als, er sich eingestehen wollte, zu der Rückkehr des Sohnes gefreut/ ging bald mit einem tief verstimmten Gesichtsausdruck einher^ Schoil am ersten Tage traten wieder die großen Meinung^ Verschiedenheiten zwischen ihneit hervor. ,

Roderich befand sich in einem Zustand innerer Gärung/ wo die geringfügigsten Dinge ihir reizten. Die Manta und Erna waren es gewohnt, seinen wechselnden Lannen Rechnung