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te.jtte ein Vorfall, der leicht schlimmtere Folge» fite mich hätte habeit können. . . . ... rr, , „
Ach ffoiit, wte manchmal, eines Tages zn spat, Es war Religwnsstunde. Ich blieb vor der Tür stehen, da Dr. K. gerade das von ihm verfaßte Gebet vorlas. (Ls dauerte sehr lange und es Ivurde mir langweilig. Ich glaubte nut die Zett nicht besser vertreiben zu können, alS da» ich mir nut enugen Spatzen An schaffen machte, die auf dem Gange herumftogeu, w'der das Gaugfenstcr stießen und dann betäubt nrederfielen Ich «kannte nicht umhin, »Wei dieser Tierchen zu sangen und als ich nach Beendigung des Gebets eintrat, hatte ich mente Mappe unter dem Arm und in jeder Hand einen Spatz. Jc» flüsterte meinem Machbar zu, er möge mir im Gefach ein Häuschen von Büchern bauen. Aber als ich die Spatzen hiuelufetzen wollte, brr, ging der eine los. Ein Geheul erhob sich: „Herr Dottor, em Spatz, leitt Spatz!" Und während u-oct, Dr. K. sprachlos mnher- starrte, brr, ging auch der zweite los. Das Geheut verstärkte sich und einige »reiner Mitschüler schickten sich an, die Jagd auf die Spatzen zu beginnen. Dr. K. fasste sich und sagte mit unheilverkündender Ruhe und tiefster Grabesstimme: „Wer hat das getan? Ich war ob der Flucht der Vögel sehr erschrocken, aber td) stellte mich sogleich und sagte: „Ich war cs!" Ich wollte betrugen, „aber ich konnte nichts dazu!" Mein Dr. K. donnerte dazwischen: „Hinaus mit dir, Bube, hinaus!" Ich nahm Meine Bücher u-nd ging bedrückt hinaus. Draußen hörte ich, wie Dr. K. tveiter donnerte: „Dieser Bube, der nicht einmal die Heiligkeit der Religionsstunde respektiert, must aus der Anstalt. Ich werde nickt eher ruhen, bis er relegiert ist." Mir wurde es sehr unbehaglich zu Mute und ich klopfte daher an die Tür der Prima, in welcher Direktor Geist — bei dem ich einen Vtein tm Brett hatte Stunde hielt. Er kam heraus, ich erzählte ihm tu fliegender Eile wahrheitsgetreu den Vorfall. Direktor Geist hörte noch selbst den Herrir Dr. K. donnern. Er beruhigte mich, es werde wohl nicht so schlimm« werden, er wolle selbst mit Dr. K. spreche», ich solle nur in der nächsten K.-Stunde wieder bleiben.
Diese war um elf Uhr, als ich aber Miene machte zu bleiben, donnerte er wieder: „Hinaus, Bube!"
Ich schlich also wieder fort und dachte nut Grausen daran, tvas mein gestrenger Vater mit mir ansaugen würde, wenn er die Geschichte erführe. Das war an einem Freitag. Am folgenden Tag benutzte ich die K.'sche Stmtde, um auf der Bude eines Kameraden einen Brief an Dr. K. zu verfassen, in welchem ich ihm den ganzen Vorfall darstellte, feierlich erklärte, daß ich absolut nicht die Absicht gehabt hätte, die Religionsstnnde zu stören, daß ich die Spatzen nur aus jugendlicher Unbesonnenheit mit in die Stunde gebracht und ihn wegen deren herzlich nm Ver-
zeihmig bitte. „ r, ~
Am Montag, als ich Miene machte, die Stunde zu verlassen, sagte Dr. K. zu mir mit gütiger Miene und Stimme: „Du kannst loieder da bleiben." Dann entfaltete er einen großen Bogen Papier und rechtfertigte »teilte Tat in so huldvollen Worten, das; ich mir ganz groß vorkam. Es hieß: „In Erwägung, daß 1. sich herausgestellt hat, daß usw. . . . soll alles vergeben und vergessen sein." Ich Ivar über die Herzensgute des Mannes gerührt und sprach ihm meinen Dank aus.
Am Nachmittag des selbigen Tages aber donnerte Dr. K-, als zwei Schüler durch Schwatzen gestört hätten: „Heute morgen habt ihr gesehen, wie man es mit ei»ent b raven Schüler macht, aber ihr" usw. usw.
Seit jener Zeit durfte ich bei Dr. K. machen, was ich wollte, so war es gut. Nut einmal sagte et wehmütig in der Prima: „Kraft, Sie sind ein Nagel an meinem Sarg."
Ob er Wohl geahnt hat, daß ich es wat, der sein Gleichungs- blättchen zur Erde geworfen und dadurch wirklich, wenn auch seht ohne Absicht, zu seiner Entlassung aus dem Mathematik- unterricht beigeträgen halte? Er starb früh. Es war ein guter Mann, aber es wäre für viele besser gewesen, wenn er anstatt Ghmnasiallehrer Pfarrer geworden wäre.
Nur zur Beleuchtung des damaligen Lehrstandes im Gymiiasinm führe ich ans meiner Sekundauer-Zeit noch einen Vorfall an, der auch nicht gerade ruhmvoll für mich war.
In der Prima lehrte ein Professor Dr. Otto Latein. Er hieß die Qu int sch, weil er so klein und dürr mar. wie ein ausgehungerter Quartaner und eine schrille hohe Stimme hatte. Et war int klebrigen ein sehr gelehrter Herr, konnte aber absolut keine Disziplin halten. Eines Tages nahmen mich ein paar Bekannte mit in seine Stunde. Mitten in deren Berlauf tiefen sie: „Hier ist einer, der gehört gar nicht in die Klasse." Zugleich, erhob ich mich. Natürlich entstand ein allgemeines Geheul. Dt. Otto schrie in den höchsten Fisteltönen: „Sie Hundeiungen, ich halte keine Stunde mehr, ich gehe zum Direktor." Damit warf er seinen dicken Cicero in die Stube und stützte vom Katheder nach der Tüt. Die Ptiutanet umringten ihn und führten ihn wieder auf den Katheder. Währenddessen entwischte ich. Dr. Otto wurde bald darauf pensioniert, sodaß ich ihn in der Prima nicht mehr gls Lehrer hatte.
(Schluß folgt.)
Literarisches,
— Deutsche Alpenzeitung. Ein Programm ist der Inhalt des soeben erschienenen 1. Aprilheftes dieser Halbmouctts- schrist, mit welchem sie verheißimgsvoll ihren siebenten I ahr- gang beginnt. International ist ihr Interessengebiet, vom hohen Nord zum fernen Süd erstreckt es sich und umfaßt alle Zonen und Faktoren des Weltreisevetkehrs. Wenn sie auch die Großzahl ihrer belletristischen und künstlerischen Beiträge aus jenen Gebieten unseres Erdballs holt, wo seine Reize sich am glücklichsten zu vollendetet Schönheit vereinen, in den Gebirge», fo. vernachlässigt sie deswegen das Flachland und das Meer nicht. So führt uns im vorliegenden Heft Dr. I. Simon in seinen Etinnetungen aus dem Gebiet des S a l e i n a z g l e t s ch e r s hinauf ins Hochgebirge, dann begleiten wir M. Zeno Diemet, den bekannten Marinemaler, «auf seiner Js l andf a hr t. Mit H Reishauer tounixvn wir uns über absonderliche Baum- gestalten An der Baumgrenze im Hochgebirge und wenden uns dann nach Südamerika, um R. Reichreiters Gefährten zu sein auf seinen Bergfahrten in der Crotbittere von Ecuador. Zwischen hinein bietet uns Dr. H. Pudor eine Sammlung Oster spie le. und Ost er lieber, erzählt Dt. A, Dessauer Wie Thaddaeus Breitlmann Skt- tau feit lernt und H. Holzschuhcr Vom deutschen Frühling«. Die Beilage „Verkehr und Sport" beschäftigt sich mehr theoretisch mit allen einschlägigen Fragen, sie enthält diesmal Aufsätze über Wintersport in der Schweiz 1906/07; Die Reform der Wettlauforduung des Deutschen Ski-Verbandes: Graubunden und das Aittomobil und lieber Wegmarkieruiig. Verkehr und Sport ist eine wahre Fimdgrube für Alpinisten, Touristen, Sports- leute, Verkehrsbeamte, Vereine usw. Bei dieser Gelegenheit raten wir allen Interessenten den Bezug eines Probebarideo an, den der Vertag der Deutschen Alpenzeit ung (München, Finkenstr. 2) gegen Einsendung von 1.— Mk., 1.20 Kr., 1.50 Fr. abgibt. Man bekommt darin ein anschauliches Bild von der regen Tätigkeit, der Reichhaltigkeit und der Bedeutung dieser Zeitschrift.
— F r auc6,R. H., Streif» ü g e i m W a s s e r t r v p i e n. Mit viele» Abbildungen und einer farbigen Tafel »ach Original- zeichuuugen des Verfassers. Vertag des „Kosmos", Gewlstchaft der Naturfreunde, (Geschäftsstelle: Franckh'fche Verlagshaudnutgi Stuttgart. — Der Verfasser, der durch sein groß angelegtes. „Leben der Pflanze" in die vorderste Reihe der »aturwiisen- schaftlichen Schriftstetler getreten ist, zeigt auch in der neuestei- Schrift seine Vorzüge: völlige Beherrschung des Stoftes, glanzender Stil und hinreißende Darsteltungsweise. Die vor Aller Augen liegende und dennoch so nnbekaniite Wundcrwelt tut Wasscrtropfen, die uns freilich erst das Mikroskop enthüllt, zieht in farbenreichen Bildern an dem staunenden Leser vorüber und macht ihn mit ungeahnten Schönheiten und wunderbaren Lebensvcrhältnissen der Kleinwelt bekannt, deren Kennt'.ns ihm ein unerschöpflicher Quell des Genusses und des Naturver- stäudnisses zu werden vermag. , . _
— Der Kunstwart. Äuiid>chau über Dichtung, Theater, Musik, bildende und angewandte Künste. Herausgeber Ferdinand Avenarius, Verlag von Georg D. W. Callweh in München. (Vierteljährlich 3.50 Mk., das eiuzetne. Heft 70 Pfg.) Eue O st c r h e s t nennt der Kunstwart sein neuestes Heft. Es ist zwei Großen der deutschen Vergangenheit gewidmet. Paul Gerhardt und M a 11 h i a s G r ü n e w a l d. lieber Gerhardt spricht Heinrich Steinhausen. In Matthias Grünewald lehrt uns paul Schubring »ebenDürer und Holbein den dritten großen deutschen Meister der Renaissance schätze», der Kraft »ach, wie Avenarius sagt, vielleicht den Größten von allen, und einen so Großen, daß eS schier unbegreiflich märe, weshalb sein Name noch nichc in aller Munde lebt, wenn nicht ein ganz besonderer ltmstaiiü das erklärte: die einzigen Werke, die Grünewald mit seiner ganzen Wucht und monumentalen Größe zeigen, finden sich angelegen vom Reisezug im stillen Kol mar. So sehen ihn nur incnlge, die wenigen' freilich, die ihn anfsuchen komiten, nnirben feine begeisterten Propheten. Der dritte große Aussatz dieses Oster- heftes ist den Beziehiingen zwischen Musik und Religion gewidmet, die Langen bespricht, unr mit Neuerungsvorschlägen zu schließen. Die Losen Blätter geben Proben aus der christlichen Dichtung, von alten Volksliedern bis zu Gedichten, die mitten in der Gegenwart gereist sind. Ungefähr zwanzig Beiträge breitet daun die Rundschau vor uns aus. Drei Bildertafeln sind Grünewald, zwei andere dem tteit aufgetretenen religiösen Maler Schäfer gewidmet. Die Noteubeilagen bringen Gerhardische Lieder mit Melodien.
Rätsel.
Kurz ist mein Wörtchen, doch freundlich zu schaueu auf uiaigri'meir t^CluCVH -
Setz' in die Mitte ein „l", bin ich ein schmackhaft Gericht, Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Besser nrni und gesund, als reich und krank.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schrn UmverstkätS-Vuch» und Steindruckereh R, Lange, ®tefiew»


