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Menschenleöen, die lügen.
Roman von H. Ehrhardt,Verfasserin von „Mittellose Mädchen".
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Auch der neben ihm sitzende junge Offizier war kein Adonis, aber fein rundes, vollwangiges Gesicht gewann ungemein durch die Gutherzigkeit, welche aus seinen kleinen freundlichen Blauaugen schimmerte und den großen Mund unter der stark emporstrebenden Stumpfnase verschönend umspielte. Er war ein „guter, kleiner Kerl", der Graf Scherrentin und trotz seines Reichtums (er war der Erbe eines großen Majorats) der einfachste, anspruchsloseste Mensch unter der Sonne. Auch heut saß er sehr vergnügt vor seiner Tasse Schokolade, die Witzeleien der Kameraden über seinen „süßen Geschmack" gutmütig schmunzelnd hinnehmend.
Ja, er übersah sogar das spöttische Lächeln des Artillerieoffiziers, der aus feinem Gespräch mit Poseck heraus einen geringschätzigen Blick auf den eifrig löffelnden Keinen Grafen warf.
Dem Range nach war jener ihm weit über, aber sonst hatte der Bürgerliche dem Aristokraten alles voraus. Leutnant Schmieder tvar ein bildschöner Mensch, tadellos gewachsen, mit einem regelmäßig geschnittenen, leicht gebräunten Gesicht und klugen, hellen, meist durch die breiten Lider verdeckten Augen, als wünsche er zu verbergen, was sie von seinem Innern Wiederspiegeln könnten. Dabei war er berühmt wegen seines Scharfblicks und der großen, strategischen Begabung, die ihm im Regiment den naheliegenden Spitznamen „Unser Moltke" eingetragen hatte. Er war brennend ehrgeizig, aber zu klug, um sich durch offenkundiges Strebertum Gegner zu schaffen, nur vermied er alles, was seiner Karriere je zum Hindernis hätte werden können. Er liebte auch die Damen nur so weit, als sie ihm zur Erreichung eines Borteils behülflich sein konnten.
Er hörte deshalb recht belustigt, aber seine Erhabenheit über solche Dinge leicht markierend, der Unterhaltung zu, welche sich nach Bemerkungen über das Wetter und die wieder bevorstehende Rekrutendrillerei auf das beliebte Gebiet „Frauen" begeben hatte.
„Was macht denn Ihre stattliche Konfektioneuse, Eppen?" hatte der lange Oberleutnant gefragt und damit bei dem ihm nahe befreundeten Rittmeister einen lauten Heiterkeitsausbruch hcrvorgerufen.
„Sind doch ein verdammter Kerl, Baron, kennen meine Schwächen!" sagte er, eine wehleidige Grimasse ziehend, >,eh, da haben Sie aber eine wunde Stelle berührt. Habe bei dem Frauenzimmer kolossales Pech gehabt, erste Mal im Leben."
„Na, na."
„Ruhig, Föhrenthal, keine Widerre'dei 's ist wahrhaftig N erste Mul, Parole d'Honneur, Uber warten wir erst ab.
Schließlich komm' ich doch noch ans Ziel!" sagte er frivol und trank sein balbvolles Glas nut einem Zuge aus. „Kellner, ein frisches Pilsener!"
Als der Befrackte, das leere Glas in der Hand, rasch wieder zur Tür hinaus wollte, mußte er zurücktreten. Im Eingänge klirrte ein Sabel.
Zwischen den Vorhängen erschien ein junger Husaren« vffizier iin schwarzen Reitermantel. Bon dem roten Futter des aufgeschlagenen Kragens hob sich sein blasses Gesicht fast geisterhaft ab. Seine Augen, im Weißen Gaslicht wie kalter Stahl glänzend, suchten die fünf Herren in der Ecke. Nachlässig mit völlig unbewegtem Gesicht kam er dann mtf sie zu und klappte die Sporen zusammen.
„Ah, unser Jüngster!"
Der Rittmeister hatte dem Freiherrn, der zu feine« Schwadron gehörte, die Hand entgegen gestreckt und begrüßte ihn mit der jovialen Herzlichkeit, die er außerhalb des Dienstes stets seinen Offizieren entgegen brachte.
Tann stellte er Tresienberg den beiden Artilleristen vor, worauf der junge Offizier sich schweigend verneigte, ohne auch nur eine Miene seines Gesichts zu verändern.
Ter kleine Pikkolo nahm ihm den schweren Krayen- ab und schob einen Stuhl zwischen den dicken Rittmeister und den Grafen Scherrentin.
Poseck musterte den ihm gegenüber sitzenden Kameraden, der Ansicht seiner Mutter gedenkend, interessiert. Plötzliche überkam ihn etwas Seltsames. Der Freiherr hatte die schwarzbesäumten Lider gehoben und seine Äugen hatten flüchtig die des Kameraden gestreift. In dem Moment lag nichts von Melancholie in diesen bräunlichen, glänzenden Augen, auch kein eigentlicher Hochmut, nein, etwas starres, unheimliches, feindseliges, das sich ebenso schnelh als es aufgetaucht, wieder hinter kühler Gleichgültigkeit verschleierte. Und durch die in Licht und Wärme gebadete Luft schien es eisig um Walter von Poseck zu wehen, eisig wie Todesnähe und ein unüberwindliches Ahnen von irgend einer großen Gefahr, die ihm von diesem blassen, jungen Menschen kommen würde, schlich sich an ihn heran. Er hatte Mühe, sein inneres Grauen zu verbergen.
Er öffnete weit die Augen, sah die lachenden, geröteten Gesichter der Kameraden, bemerkte das sichtliche Behagen, mit welchem der Freiherr trotz seines unbewegten Gesichts seinen dampfenden Grog schlürfte, hörte die leichtfertige Unterhaltung, die der Rittmeister flott wieder ausgenommen hatte und schalt sich im stillen ein altes Weib, das bei hellem Licht Gespenster sah. Das kam bloß von dieser unglücklichen Liebe, so was warf sich immer auf die Nerven. Er seufzte bedrückt auf. Der Seufzer ging Gottlob in einer Lachsalve unter, die irgend eine drastische Bemerkung des Rittmeisters begleitete. Der jüngste Offizier schien nun auch in seinem Fahrwasser zu sein und schon reichliche Erfahrungen in diesem Punkte zu besitzen, trotzdem er das zwanzigste Lebensjahr eben erst überschritten hatte.
In Walter von Poseck war damit das Urteil über de»


