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Martin Greif.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen«
Größer kein Herzeleid, Als in der Rosenzeit Einsam verkümmern. Lieber von Menschen weit Jin Alter verivimmern, Als in der Rosenzeit Einsam verkümmern.
Logogriph.
Glücklich erscheinst du dir selbst, sobald du mit a mich gesunden, Schwachen gebühr' ich mit u, scharfäugig bin ich mit ü.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Königsprmnenade in voriger Nummer:
deusten Farben', oftmals sogar mit hellem Licht — deshalb haben sie auch manchnral sogar recht komplizierte Sehwerkzeuge.
Nach alledem kann es uns daher gar nicht wundernehmeu, wenn infolge der eigenartigen Verhältnisse, die das Wasser bietet, die Wasserpflanzen von den gewohnten Vegetationsbildern so vielfach abweichende Lebensformen annehmen. Bedenken !vir doch nur, welch eigenartige Anforderungen der stete Aufenthalt im Wasser stellt, im Gegensatz zur normalen, zwischen Luft und Erde geteilten Lebensweise der Pflanzen. ,
Wie schwierig ist z. B. für Wasserpflanzen bte Atmung! Das Wasser nimmt tojuS der Atmosphäre nur 2—3 Prozent Sauerstoff auf, während unsere Atemluft davon normalerweise 21 Prozent enthält. Und dieses für das Leben ungünstige Verhältnis wird Noch verschlimmert durch den hohen Gehalt des Wassers an Kohlen- Sure. Diese großen Nachteile werden nur durch recht bescheidene orteile ausgeglichen. Die Festigungseinrichtungen, die den Landpflanzen ziemlich viel „Arbeit" geben, also der Ausbau von Holz- stämmen und die Verstärkung aller tragenden und stützenden Elemente, sind im Wasser überflüssig, da durch sein größeres spezifisches Gewicht die Lasten um so vieles erleichtert werden. Auch die verhältnismäßig geringen Tcmperatnrschwankungen sind ein Vorteil. Im Wasser namentlich am Grunde, können viele Pflanzen überwintern, die am Laude zugrunde geheit müßten. Die reiche Algenvegetation unserer Gewässer macht davon den ausgedehntesten Gebrauch. Im Herbst zieht sich der Inhalt lebcnsfrischer Zellen in gewisse Kügelchen (meist Dauersporen genannt) zurück, die sich mit derber Hülle umkleide», zu Boden sinken und so das Leben vom Herbst zum Frühjahr wohl eingekapselt konservieren.
VsriMchLer.
* Er klärun g. In den „GieRmer Fanlilienblättern" Nr. 71 vom 15. Mp- erschien ein Artikel „Magen einesdeutschelr Bauerir aus Rußland", denr durch tut technisches Versehen als Verfassernameu Jlosef Ang. Lux beigefügt ist! Wir teilen; hierdurch mit, daß der in Dresden lebende Schriftsteller Josef Äug. .Lux (Herausgeber der „Hoheit Warte") den betr. Artikel nicht geschrieben hat. Redaktion der Gieß. Fam.-Bl.
* Die Wirkung von Tabaksrauch auf Krank- heitskeime. Dem Tabakrauch ist hinsichtlich seiner Wirkung auf die menschliche Gesundheit so viel Ueoles nachgesagt worden, daß es als eine Forderung der Gerechtigkeit erscheint, auch einmal nach seinen guten Eigenschafteir zu fragen. Seine Giftstoffe wirken nicht nur ans den Zustand des Menschen im allgemeinen oder einzelner Organe des Körpers, sondern auch auf die zunt Teil höchst nichtsnutzigen Kleinwesen, die wir in lins beherbergen. Da viele Bakterien zunächst durch die Atmuugs- wege ausgenommen werden, so liegt es nahe, auzuitehmen, daß der Tabakranch mit ihnen in Berührung kvmint und sie möglicherweise vernichtet. Um einer Beurteilung dieser Frage näher zu kommen, hat Dr. Arnold Versuche nngestellt, deren Ergebnisse er jetzt im „Lancet" veröffentlicht. Er hat einzelne Röhren mit verschiedenen Bakterien beschickt und dann unter besonderen Vorsichtsmaßregeln der Wirkung voll Tabakrauch ausgesetzt. Die Bazilleir der Diphtheritis zeigten sich dadurch merklich beeinflußt, indem sie zuweilen ihr Wachstum überhaupt einstellen oder nur in geringem Grade fortzufetzen vermochten. (Uebrigens wirkte der Rauch von trockenem Heu in diesem Fall ebenso wie Tabakrauch.) Etwas geringer wurden Typhusbazillen in ihrer Lebenskraft beeinträchtigt, aber auch sie wurden durch den Rauch in ihrem Wachstum in erheblichem Grade behindert. Bei der ungeheuren Verbreitung und (Schädlichkeit der Eiter-Bazillen verdient es besonders hervorgehoben zu werden, daß gerade diese Keime durch den Tabakrauch schwer geschädigt werden, so daß sie unter seinem Einfluß fast gar kein Wachstum zeigen. Im ganzen schließt Dr. Arnold aus seinen Beobachtungeic, daß Tabakrauch im Munde sehr wahrscheinlich das Wachstum einer ganzen Reihe krankheit- erregender Keime verhindere, freilich nicht iit höherem Grade als andere Sorten von Rauch.
* Das Tal des Todes (Death Valley), eine furchtbare Einöde an der Grenze von Kalifornien und Nevada, schildert ein illustrierter Artikel iml 17. Heft der Zeitschrift „lieber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt). Das Tal des Todes ist eine 160 Kilometer lange und 20 bis 40 Kilometer breite Mulde zwischen zwei hohen Gebirge!:. Tagsüber brennt die Sonne von dem wolkenlosen Himntel in diese Fels- und Sandhöhlung hinab; des Nachts weht ein scharfer, kalter Wind v!on dech 5000 Meter hohen Schneegipfeln der Sierra herab. Auf den tiefsten Stellen der Mulde dehnen sich Meilenlange weiße Felder ivie Schneewehen aus. Sie bestehen aus Salz, dem Ueberbleibsel des Ozeans, der einst den ganzen Südwesten Amerikas bedeckte. In der Mulde selbst fällt fast nie dm Tropfen Regen, so daß Pflanzen- und Tierleben unmöglich ist. Das Tal des Todes ist ein ungeheures chemisches Laboratorium, dessen Materialien überall zutage treten. In grünen und blauen Strelfeil schimmern die Adern des Gesteins, in denr das Kupfer sich verbirgt; rote, zinnoberhaltige Felsen erheben sich turmhoch; gelb leuchtend glänzen fchweselbedeckte Abhänge; grau breiten sich die Gramtmassen aus, und tiefschwarz heben sich die Lava
felder von den' Weißen Salztvehen ab. Doch überall iw diesest Farbenpracht lauert der Tod. Die wenigen Quellen, die aus den erloschenen Miniaturkratern hervorsprudeln, enthalten Vitriol und Ärsenik oder das Wasser wird von seinem Salz- oder Petroleumgehalt ungenießbar genracht. Die größte dieser Quellen, die aus einer! ehemaligen Kraterösfnuug auf der Ostseite des Tales entspringt/ bildet einen Heute» Bach, dessen Bett aus dem Asphaltniederschlag des Wassers gebildet ist. Seiner Temperatur wegen erhielt das Wässerchen beit Namen Glühofenbach. Neben der Quelle errichtete eine Vermessungsexpedition der Bundesregierung den folgenden Wegweiser:
„Tal des Todes, 365 Fuß unter dem Meeresspiegel. Das Betreten des Rasens ist streng verboten! Blumenpslücken wird gesetzlich verfolgt!
105 Meilen von Randsburg, 85 Meilen von Daggett, 60 Meilen von Holz, , !
20 Meilen von Wasser, ' ' '40 Fuß von der Hölle, Gott segne unser Sprint. „
Bailey Vermessungsexpedition, Weihnachten 1000.
Literarisches.
— Salome in Paris. Der Kunstwart schreibt: Täglich Depeschen, die gutwillig von der deutschen Tagespresse abgedruckt werden: „Generalprobe, Riesenerfolg, Präsident der Republik, zwei Botschafter, so und so viele Minister usw. Em Triumph deutscher Kunst!" Und ein verzückter Artikel: „Salome als Rekordbrecher" — nämlich int Kassiaertrag. Deutscher Kunst- Nicht vielmehr deutscher Mode, deutscher Reklame r> Nicht vielmehr notwendiges Ergebnis des höchsten Kursstandes aller effektvollen und zumal der etwas sexuell getönten „Sensationen ?. Darauf sollen wir also heutzutage stolz sein. Dte Sensattous- erfolge von Richard Strauß sollen uns Wertmesser für die Herrlichkeit der deutschen Kunst der Gegenwartsein! Wist gut, daß die Zeit eine zuverlässigere Richterin ist als bte Ober-Betrteos- direktoren bet beutsche» Musikkritik und ber mit ilmen verbundenen Presse. Sie wird richten. Jnzwischmt kann ste kehren. Als Vergangenheit, als Geschichte ist sie ja sogar die beste Uihrertn. Blicken wir in die Vergangenheit. Vor 45 Jahren gab's bett Tannhäuser in Paris. Ein Fiasko. Aber bie damals Triumph« erlebten, brüten und in Deutschland, Meherbeer usw., Ivo sind sie jetzt? Weiter: Vor 30 Jahren fanden die eriten Baireutter Aufsührungeii statt. Vor einer wie kleinen Schar! Die damals dagegen schrien und spotteten, die damals Mächtigen der Presse, wo sind sie, wo ist ihr Einfluß, wo ist 'ihre Wirkung jetzt? Dve deutsche Kunst hat gesiegt. Langsam, wie alles Große, und durch sich selbst, wie alles Edle. Das Pariser Fiasko des Tannhanser,. das war jener Ehrentag deutscher Kunst'. Die Pariser Salome mit bet vorbereitenden Gräfin, bett anwesenden Ministern, den registrierten Gelbeinnahmen, kurz: „Salome als Rewrdbrecher" td>' furchte: ber Kulturhistoriker wird sie einst nicht gar so weit vom 400.' Jubiläum ber Lustigen Witwe in Wien und ähnlichen Wichtigkeiten biicheu, die auch für unsere Kunstkultur bezeichnend sind. Buchen wir sie einstweilen wenigstens dort weg, wohin sie vorlaute Telegraphisten und Feuilletonisten lanciert haben, blichen wir sie weg von den Seiten, die Mit der Ueberschrist: „armtnphe deutscher Knust" ohnehin nur die Geschichte versehen darf.
Georg Göhler.
— Zum Thema „Lesen". Ein Spaßvogel, Hennanst Losch, hat kürzlich in den „Südd, Monatsh." heransgerechnet, daß unser literarhistorisches Zeitalter uns vom 13. bis zum 40. Lebensjahre 9195 Lese-Arbeitstage zumute, den Tag 8» sechs Lesestunden gerechnet. Nach Löschs Rechnung hat aber der Zeit- geuosse — notabene der, der sonst nicht mehr viel auf der Well zu tun hat — nur 9000 solcher Arbeitstage. Sodaß er also mit 40 Jahren vor einem Defizit von 195 Tagen säße und eigentlich seinen „Bildungsbankrott" erklären müßte. Um so mehr, als die Bildungsarbeit für die großen Musiker und Maler noch gar nicht mit veranschlagt ist! Losch tröstet sich dann: das ganze Zeitalter steht vor demselben Defizit und tut t(ur so, als ob es gebildet wäre. Der Kunstwart bemerkt dazu: Uns scheint dieser Scherz mehr als ein Scherz, uns scheint diese kleine AuHvech- nnng und ihr Ergebnis sehr ernsthaft interessant.


