Ausgabe 
8.6.1907
 
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Gemeinschaftliche Angelegenheit ist Natürlich Mich t>te Ktnder- -niehung, der Familienverkehr, die Lebenshaltung der M- mtlte, also die Ausgaben ftir Unterhalt, Kleidung (Putz!), Wer- (TttiiQiittcicTi btc ^Tdit bic focj. d)tu) 1 £to*cirt iyrt,

d 68 innerhalb ihres häuslichen Wirkungskreises die Geschäfte Mannes für ihn zu besorgen und ihn zu vertreten hat, wird feine Entscheidung, immer vorausgesetzt, daß sie nicht mißbräuch­lich geschieht, schließlich maßgebend bleiben.

Wie aber, trenn die Frau krank wird? Darf sie sich den Arzt wählen? Darf sie über die zur Heilung zu unternehmen­den Schritte allein entscheiden?

Ein Fall dieser Art hat einmal das Reichsgericht beschäftigt. Eine Frau warhochgradig nervös"'. Der Mann, den sie ver­lassen hatte, um zu ihren Eltern zurückzukehren, verlangte, daß sie sich, dein Rate des Nervenarztes entsprechend, auf ein Hahr zu ihrer Heilung (ottf seine Kosten natürlich) tn eme ge­schlossene Anstalt begebe. Die Frau verweigerte dies. Das Reichsgericht aber gab deut' Manne recht. .

Nun konimen wir unserer Frage schon näher. Aber bei Operationen, hat da der Mauri auch mitzureden?

Wenn die Frarr Zahnschmerzerr hat, so wird sie wohl auch ohne den Mann sich den Zahn ziehen lassen dürfen. Das ist lediglich ihre Sache. Ailch andere unwesentliche Eingriffe wird sich'wohl auch ohne und selbst gegen den Wunsch des Mannes vornehmen lassen dürfen, z. B. die Beseitigung einer entstellenden Warze. Handelt es sich aber um einen Eingriff in lebeus- wichtigc oder um Befeitigrmg für die Zwecke der Ehe .bedeut- saurer Organe, so habe ich kein Bedenken, anzmrehrnen, daß hier eine das gemeinschaftliche Leben betreffende Angelegeiiheit vorliegt, in der schließlich dem Manne die Entscheidrmg zu- steht. Die Gesundheit der Frau ist eine der Voraussetzungen eines gesunden Ehelebeiis.

Selbstverständlich aber darf die Entscheidung des Mannes Nicht unvernünftig -sein. Ist z. B. nach dem Ausspruch des Arztes die Frau nur durch eine Operation noch zu retten und der Mann verweigert seine Zustimmung, so kann die Frau selbst gegen seinen Willen ihre Einwilligung dazu geben. Liegt um­gekehrt keine Lebensgefahr vor, so wird der Vornahme enter lebensgefährlichen Operation die Frau sich wohl widersetzen dürfen. Hier steht wohl ihr eigenes Recht auf Leben noch höher, als das Recht des Mannes in den gemeinsamen Angelegenheiten.

Bei Uneinigkeit der Eheleute wird der Richter, nicht der Arzt, daS letzte Wort zu sprechen haben.

Liebe Leserin! Wenn du mir bisher gefolgt bist, wirst du ftelleicht mit mir nicht ganz zufrieden sein. Du hattest viel­leicht eine entschiedenere Parteinahme für das schwache Ge­schlecht erhofft. Ich niöchte dich deshalb zum Schluß noch etwas beruhigen.

Die Bestimmung das § 1354 ist ja ganz gut und schon. Im Leben aber findet sie glücklicherweise nur selten Anwendung. Tenn in jeder guten Ehe und diese bilden doch die bei weitem überwiegende Mehrzahl gibt schließlich doch die Frau den Ausschlag, nicht bloß, weil sie der klügere Teil ist, sondern weil ihr auch sonst mancherlei Mittel zu Gebote stehen, um den Mann zu überwinden: Schönheit, Liebenswürdigkeit und Herzensgute. Schon bet den alten Germanen hat, nach Tacitus, der Mann der Frau eine unbegrenzte Verehrung gezollt. Und so ist es bei uns geblieben. Auch vom Manne kann inan sagen: Er regiert, aber er herrscht nicht."

Das Jbsenbuch. Herausgegeben und eingeleitet von Hans Landsberg. Mit acht Mbildungen. (S. Fischer, Berlag, Berlin.) Inhalt: Einleitung Aus den Gedichten Aus dem Leben Weisheit des Lebens Staat und Kultur Kunst, Literatur, Theater Mus den Dramen. Geh. Mk. 2.00. Es kam für das vorliegende Buch darauf an, das persönliche und künstlerische Porträt Ibsens aus seinen eigenen Schriften und mit seinen eigenen Worten zu zeichnen. Der Text ist der von Georg Brandes', Julius Elias und Paul Schleuther herausge- gebenen deutschen Gesamtausgabe der Werke Henrik Ibsens ent­nommen. Der Herausgeber hat versucht, aus den Gedichten das herauszunehmen, was als ein persönliches Bekenntnis gelten darf, die kurzen autobiographischen Skizzen, die wir in den Briefen finden, anzugliedern und aus den Reden und Aufsätzen ein. Gemälde der philosophischen, religiösen, kttlturellen, ästhe- tischett Lknschauungen Ibsens zu geben. Der zweite Teil enthält charakteristische Proben aus den Dramen, tovbei auch die weniger bekannten herangezogen sind. So ist das Buch, das mit einem Faksimile und sieben Porträts aus allen Lebensepochen des Dichters geschmückt ist, sehr geeignet, den Leser in die Gedanken­welt Ibsens einzuführen.

,Dr. M. Wilhelm Meyer. DieägyptischeFin- sternis. Meine Reise nach Obevägypten zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis am 30. August 1905. Abbild., in Farben: ruckumschlag geheftet Mk. 2.. In einen feinen Ge­schenkband gebunden Mk. 3.. Ein ganz eigenartiges Merkchen

des bekannten UatuÄvissenschaftlichetk Schriftstellers liegt hier vor. Ausgerüstet mit einem eigens dazu konstruierten kleinen photographischen Fernrohr unternahm der Verfasser die Reise in fettes Gebiet, über das der Mondschatten am 30. August in Oberäghpten hittstreichen mußte, um das eindrucksvollste aller himmlischen Schauspiele dort zu beobachten. Er schildert nun seine Erlebnisse und Eindrücke auf dieser Reise, die uns von ben Gletscherfeldern der Jungfrau bis zum heißesten und trockenstett Fleck der ganzen Erde führte unter manchen ungewöhnlichen Strapazen. Der Verfasser lernte dabei Aegypten im Hochsommer, also außerhalb der Reifezeit, kennen, wobei er die ganze wunder­bare Eigenart des Pharaonenlandes besonders eindrucksvoll er­fassen konnte. Auf diese Weise entstand eine an wechselnden Szenen reiche, hochinteressante Reiseschilderung. Das moderne, wie das antike Aegypteit ziehen in farbenprächtigen Bildern an uns vorüber; die wissenschaftliche Aufgabe der Reise gibt Gelegertheit zu manchen im Plauderten gehaltenett und trotz­dem lehrreichen Darstellungen, und schließlich erhebt sich die Schilderung zu wahrhaft dramatischer Wirkimg, als der Moment der totalen Verfinsterung der Sonne naht. Mit einem Ueber- blick über die Resultate einiger anderer Expeditionen zur Be­obachtung dieser Finsternis und einer kurzen Schilderung der Rückreise schließt das int Berlag der Gesellschaft der Natur­freunde, Kvsnws in Stuttgart, erschienene, rette tllustrterte Merkchen ab. ,

Die Bestie i in M e n s ch e n nennt der Turmer (Ver­lag von Greiner tt. Pfeiffer, Stuttgart) die skrupellose «ucht nach Erfolg, der es ganz gleichgültig ist, wie er erreicht wird. Große Erfolge im Leben zu haben, ist gewtß etwas Schones und an sich absolut nichts Verwerfliches, aoer es tst keineswegs die Hauptsache; die Hauptsache ist vielmehr, iuie man die Er­folge erringt. Man mußüber Leichen gehen" können, um da­nach nicht zu fraget!. Ich käitn. sehr leicht Erfolge erringen, wenn ich intelligent genug bin, mtine Mitmenschen zu betrugen; aber bann bin ich ein trauriges und sittlich verkommenes Subjekt, das in die Strafanstalt gehört. Daß es viele Menschen gibt, die sich vor demHalsabschneiden" nicht scheuen, daß zahlreiche Ersvlghascher gewissenlos bis zum äußersten smd, ist leider Tatsache, berechtigt jedoch niemand dazu, eoen.o zu sein. Die Hauptsache ist, dich ich jedeit meinet Mitmenschen als gleichberechtigtes Mesen achte und mich hüte, ihm unrecht zu tun. Gegenseitige "Achtung ist der Grundpfeiler jeder menschlichen Ge­meinschaft, ob groß oder klein. Kampf dieser Bestw! Dftmtz werden wir der wahren Kultur und der wahren Sittlichkeit mehr dienen als durch tausendSittlichkeitskongresse".

Sprachecke des Allgemeinen TenMen Sprachvereins.

Kaputt, eilt gewöhnliches und garstiges Wort, das wir wohl dem Französischen verdattken. Hier heißt faire capot tut Ptkettsptel einen ganz hereinlegen, einen großen Vorteil über ihn erringen ; kaputt bedeutet also eigetttlichint Spiel hereingefallen . französische Ausdruck im Deutschen sagen mir dafür »matsch machen" votn ital. mlarcio mürbe ist üach Kluge tm Dreißig­jährigen Kriege mit einer Anzahl anderer ursprünglicher Spiel- äusdrücke nach Deutschland gekommen, und er wurde bei uns auch schon früh in der heutigen übertragenen Bedeutung an­gewandt, so schott im Jahre 1643 in einer Zeitung, capot bedeutet bekanntlich Mantel oder K!appe, und man sagt, beim Ptkettsptel solle die völlige Niederlage gleichsam wie em Mäntel sem, der über ben Besiegten geworfen werde. Eine andere Deutung har Hermann Schrader in seinem Bilderschmuck der deutschen spräche versucht. Er führt das Wort auf eaput mvrtuum (totes Haupt, Toteukops) zurück, worunter der Ehemtker die^wertlosen Rückstände oder Abfälle versteht; der gekürzte Ausdruck caput tonnte leicht auf jedes Tote, Unbrauchbare, Vernichtete, Zerbrochene über­tragen werden. Daher komme auch dw ftanzostsche Wendung. Tie Betonung kaputt spricht aber gegen diese Ableitung von cäput.

Ariihmogriph.

1 2 3 4 ein Monatsname.

2 7 4 schweizerischer Kanton.

8 4 fremdländisches Gewicht.

4 5 4 5 ägyptische Gottheit.

2 7 ein Tier.

5 4 2 6 ägyptische Handelsstadt.

5 4 7 ein Titel.

6 4 6 2 5 römischer Kaiser.

2 3 8 Stadt in Württemberg.

7 2 8 ein Getränk.

8 2 7 Fluß in Steiermark. , 12342556278 lyrischer Dichter«

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des delphischen OrakelsprttchZ in voriger Nummer: Der erste Sohu mürbeWeber" (nämlich 7, Weib We, 7s selber ber); den andern erwartenSetl undBeil (aus den übrigen Buchstabent, b, s, e, l" entnommen).

Redaktion: P. Wittko. - Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'scheu Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gießem