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Redaktion: Ernst Hrtz. — Rotationsdruck und Veriaa der Brübl'ichrn UnwerKläts-Buch- und ©tetnbnideret, St. Laag«.
Versteck-Riilsel.
(Nachdruck verboten.)
Man stiche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an rn „Wanderer . Kehrbesen - Serbien — Warmbier — Hundehütte ~ —
— Sundgau — Ardennen — Streichhölzchen — Mundschenk Krankenbesuch.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilder-Rätsels in voriger Nummerr Zinsen essen mit ctuS der Schüssel.
F«It gewesen wäre. Wir empfinden em Schaudern, toeittt wir aus einem heißen Zimmer in eine kühle Umgebung trete,t, und die krasse Abkühlung wirkt um so leichter auf etn Organ schädlich ein und verursacht seine Erkrankung, wenn solches schon geschwächt und weniger widerstandsfähig ist. Andererseits aber ist es gefährlich, wenn das Blick durch Zusammenziehung der Blutgefäße aus den von der Mlte betroffenen Teilen hinweg, und nach anderen hingetrieben wird, wenn also eme gefahrdrohende Blutüberfüllung stattfindet. Man hat ckälle ge- sehcir, in betten es bei plötzlicher Abkühlung eines erhitzten Körpers, z. B. nach dem Tanze, zu Zerreißungen der Gefäße und tödlichen Blutungen gekommen ist.
Leider gibt es aber viele Menschen, die, ohne es zu wissen, mit zwingender Notwendigkeit sich selbst schädigen, und zwar dadurch, daß sie sich mit ihrer Kleidung nicht den Wltterungs- verhältnissen der Uebergangszeck anpassen. Selbstverständlich ist das nicht immer leicht, wenn es am Tage recht warm ist, be-> Abends aber kühl wird. Indes ist es heute Nicht schwere die Ueberklcider passend auszusuchen, wobei man redoch auch die beabsichtigte Körperbewegung berücksichtigen muß, weshalb man sich bei weiteren Spaziergängen in der jetzigen Zeck nicht so warm anziehett wird. Dennoch aber gibt es Leute genug, die, wenn sie am Sonntag ausgehen, . bei 16—16 Grad Reaumur ihren Ueberzieher tragen, wie wir es selbst beobachteten. Diese braucheti sich nachher über Erkältungen nicht zu wundern, so wenig wie solche, die im Winter den gleichen Ueberzieher bei 8—10 Grad Kälte und 8 Grad Wärme benutzen. .
Wie denkt das Volk über Erkältungen? Es hegt m der Natur der Sache, daß sich zwei Verfahren gegenüberstehen. Die einen suchen der Erkältung vvrzubeugen, rndem sie sich möglichst wenig der Kälte und der rauhen Witterung aussetzen, sich und ihre Kinder sehr warm kleiden, jede Zugluft vermelden und sogar die Schlafzimmer, selbst wenn draußen noch 10 Grad Wärme sind, Heizen. Die andern hingegen stichen Wrno und Werter auf, fithren kalte Waschungen des gatrzen und halben Körpers auch in der kalten Zeit hindurch fort und »vollen so Haut und Schleimhäute an die Kältereize gewöhnen. Das letztere Versahren ist unter normalen Verhältnissen unocdingt vorzuziehen, denn das Herz wird damit an eine ausgleichende Arbeit gewöhnt und eine Regelung des Blutkreislaufes herber- geführt. Solche Menschen können ihre Haut so abhärten, daß sie selbst schroffe Tcmperatiirwechsel später ohne Schaden ertragen, während Menschen, die sich ängstlich vor einer Abkühlung hüten, gerade am meisten Erkältungen ausgesetzt sind. Ebenso ist es auch mit dem Luftzug. Wären unsere Wohnungen, Schulen u. dgl. genügend ventiliert, so würde mit den Veranlassungen zur Erkältung auch die Empfindlichkeit geringer, und die Zahl der Erkrankungen in dieser Jahreszeit würde bedeuteiid abnehmen.
Ist aber eine Erkältung einmal zum Ausbruch gelangt, so helfen alle die Vorbeugungsmittel nicht mehr. Am besten haben sich dann recht heiße Wasserbäder, Kasteitdampfbäder und elektrische Lichtbäder bewährt, die in Verbindung mit Aspirin (Azetylsalizylsäure), das vom Arzte verschrieben werden muß, manchmal Wunder tun. Bettdanipfbäder mit Abwaschungen mtd Packungeil sind ebenfalls sehr beliebt. Auch manche Teesorten aus Kräutern genießen im Volke als Schwitzmittels etn großes Ansehen. Nasenduschen und Einatmung von Dämpfert mtt und ohne Zusätze, sowie fein zerstäubte Medikamente werden der Erkrankungen des Nasenrachenraums gern angewandt oder verordnet. Den Husten sucht man teils durch milde, laue, schleimig- ölige Sachen zu bekämpfen, teils aber durch "narkotische, den Hustenkitzel und die Reftexreizbarkeit mildernde Mittel, die meist Verwandte vom Morphium und Opium siiid. Treten ernstere Erscheinungen auf, wie sie eine Influenza oder tiefer gehende Katarrhe mit sich bringen können — auch manche Rheumatismen sind wegeti ungünstiger Einwirkung auf das Herz nicht immer leicht zu nehmen —, so darf nian nicht zögern, sofort zu einem Arzt zu schicken oder ihn aufzusuchen, denn gerade,die Krankheiten der Üebergangszeiten erfordern deshalb verhältnismäßig viele Opfer, weil man sie zu leicht nimmt und glaubt, den Arzt entbehren zu können.
öermiWtes»
* Ein Murillo für 300 Mark? Russische Blätter melden, ein bekannter Sammler in St. Petersburg, Paul Delia- roff, der Eigentümer einer der schönsten Privatgalerieu der Hauptstadt des Zarenreiches, habe einen ganz ungewöhnlich glücklichen Fund getan. Auf einer Versteigerung kaufte er um 151 Rubel ein Bild, das, vor seinem Angebote, bis zu 150 Rubel getrieben war. Und als er es zu Hause näher untersuchte, entdeckte er, so versichert man, unter dem Rahmen den Namenszug Murillos. Immer der gleichen Quelle zufolge, wird der russische Glückspilz schon von Angeboten aus allen Teilen der Welt bestürmt. Ein Berliner Museum (welches Museum? D. Red.) hat bereits Herrn Deljarosf 80 000 Mk. für das Gemälde angeboten, das einen Priester darstellt, der kleine Kinder segnet. Besagter Herr Deliaroff scheint im übrigen ein eigenes Talent für
die Entdeckung unbekannter Kunstschatze zu besitzen. So erzählt man — «auch hier müssen wir die Verantwortung für die historische Wahrheit ihm überlassen —: er habe vor einem Jahre auf einer Auktion für 60 Rubel ein kleines Bild erworben, das sich dann als ein echter R e m b r a nd t erwies und das er für 35 000 Franken in Paris weiterverkaufte. Es wäre interessant, die An«! sicht deutscher Knustgelehrter zu diesen „Entdeckungen" zu hören.
^SklavereiinWestafrika. Der Engländer Newinsost hat unlängst in seinem Buche „Moderne Sklaverei" die unglaubliche Tatsache ans Licht gezogen, daß in Porlugiesisch-Westafrika, vor allem itt Katumbela bei Benguela unter den Augen ja mit Wissen der Obrigkeit unter der Maske der Eiuliefermtg von Lohnarbeitern ein schändlicher Sklavenhandel betrieben wird. Um Lohnarbeiter zu erhalten, veranstaltet mau im Jnttern des Landes regelrechte Menschenjagden. Die geraubte Menschenware wird daun au hie Küste transportiert, wo die halb und ganz wilden Söhne Afrikas vor einen portugiesischen Beamten geführt werden. Dieser fragt die der Sprache Unkundigen, ob sie den Wunsch haben, nach den Inseln St. Thome oder Prinzipe als Lohnarbeiter zu gehen. Der Dolmetscher überseht aber die Frage in irgend eine andere Frage, die ohne Anstand mit „ja" beantwortet wird. Diese Antwort wird amtlich beglaubigt als Einverständnis mit einem Kontrakt, der die Schwarzen für fünf Jahre zur Arbeit auf einer Plantage verpflichtet. Der amtliche Sitz dieses kegalifierten Sklavenhandels ist in Lissabon und führt den Namen eines Zentralkomitees für Auswandermtg. Ebenso bestehen auf den genannten Inseln amtliche Stellen. Ans den Kaknopflanzuugen erliegen die eingeführten Schwarzen schon nach wenigen Jahren der schweren Arbeit und der schlechten Behandlung. Viele versuchen zu fliehen, aber nur wenigen gelingt das. Wieder eingefangen i»erben sie meist zu Tode gepeitscht. Schon auf dem Transport aus dem Innern von Bihe gehen Tausende an Erschöpfung zugrunde. Der Weg von dort au die Küste ist buchstäblich mit Regerskeletten besät: denn wer nicht weiter kann, (bient werden, wenn die Peitsche nichts mehr ausrichtet, die Fesseln von den wundgeriebenen Gliedern abgenommen und man läßt ihn am Wege liegen, dem Hunger lode, preisgegeben. Ist eilt Sklave nach Ablauf des Kontrakts iwcy nicht gestorben, so wird der Kontrakt - einfach wieder verlängert. Kinder, die währenddem geboren werden, betrachtet der Plantagenbefitzer als sein kostenlos erworbenes Eigentum. Und dieser Handel erstreckt sich längs der ganzett portugiesisch-westafrtkanischen miste. Es wird Zeit, daß die Mächte dagegen einschrciten.
— Vor dem Allgemeinen Deutschen Sprachverein, Zweigverein Berlin-Charlottenburg, hielt Oberlehrer Dr. Lcßmann einen Vortrag über „Sprachliche Betrach- tungeri über die deutsche Frauenkleidiing . Der Vortragende zeigte, wie die Namen der Stoffe die manntgfachstrn Ausschlüsse gäben über alte Kulturbeziehungen und laugst vergangene Zeiten. Die Sboffnamen reichen zurück in die Manz- zeiten morgenländischer und byzantinischer Herrscher, in dw Blütezeit der italienischen Handelsstädte des Mittelalters. Von den Persern haben wir den Perkal und den Taft, von den andern den Kaschmir und den Kaliko, von den Arabern den Barchent, den Atlas, den BdolMir und die Id (französMe inpe, tupou-), aus Damaskus den Damast, aus Mossul den Musselin. Andere Stoffuamen stammen von Personen, von Tieren oder von der Art der Herstellung, wie der Tüll, der Alpaka, oder der Zwillich Wieder andere Si-ossnkmen weifen auf ihre Eigenschaften hm, zum Beispiel der Krepp (vom lateinischen erispus gleich kraus), der Mull (vom französischen mou, motte gleich weich). Bet den Stoffnamen erscheint es unangebracht durch Verdeutschung das Bild unserer äußeren Kultureutwicklung »erwischen zu wollen, zumal sie zweifellos im Lause der Zeit deutsche Sprachformen annehmen; anders liegt es aber bet den Kletdungsstuchiu. Uti- zweifelhast deutsch sind nur das Hemde, der Strumpf, das Mieder, der Schurz, der Hut und vielleicht auch die Bluse. Französischer Herkunft sind z. B-. Korsett und Taille. Jacke dürfte verwaüdt oder gar abzuleiteu fein vom mittelhochdeutschen „fchegge , bas sich noch! heute in Schecke oder scheckig findet. Französifchtta- lienischer Herkunft ist „Kostüms englischen Ursprungs das Cd, das den alten gernnanischen Sprachsinu der Kappe als eines vorn Kopf bis zu den Knien reichenden Gewandes behalten yar.


