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jungen Frau nach bene Vorderzimmer Uhren lassen.Ich denke, Ihr Schwager hat Ihnen Fahrkarten gekauft?"

Die Verstörte stand mit der Hand an der Stirn, als fiele khr das Denken schwer; das Auftauchen der verschiedenen Un­bekannten schien sie kaum zu vertvundern.Ja, ich war unter­wegs", berichtete sie dann,doch ich weiß nicht recht Bescheid beim Reisen. Wir versäumten es, die Kinder und ich, unter­wegs ausznsteigen. Da ist eine große Station zwischen Berlin Und Köln, bett Namen habe ich wieder vergessen. Der Zug war so übervoll, daß der Kondukteur meinen Irrtum auch nicht rvahrnahm, so fuhren wir bis nach Köln. Ta stellte sich der Irrtum heraus. Vor dem nächsten Morgen ging kein Zug mehr. Wir durfte» aber im Bahnhof übernachten. Wie ich mit deil Kindern an« nächsten Morgen gerade wieder zum Zuge gehen will, da fällt «teilt Blick auf den Vcrkaufskorb eines Zeitungshändlers . . . und ich bekomme das Blatt da von« Lokal­anzeiger zu sehen. . ." Und mit einer Gebärde inneren Er­schauerns nahm sie ein Zeitungsblatt von« Tische, viel befleckt und beschmutzt, als ob darüber geweint worden sei. Hanse­mann genügte ein flüchtiger Mick, nm ihn erkennen zu lassen, daß es sich um eine Abendnummer handelte, in welcher neben der ersten Kunde von der in der Nachtdroschke verübten Untat das Bild des Ermordeten veröffentlicht war.

Tas ist mein Mann!" schluchzte die Fran Plötzlich fassungs­los aus.Aus den ersten Blick erkannte ich ihn . . . schon wegen der Narbe, aber auch sonst ist er es, Zug um Zug .... nur der Schnurrbart ist falsch, doch den trug er häufig genug."

Sie mußte sich unterbrechen, denn wie ans Kommando Hatte» auch ihre beiden Kinder zu weinen angefangen, nun galt es, diese zu trösten. Tann wurde ihr klar, daß sie die fremden Männer gar nicht kannte. Doch der Rat, welcher ihren fragenden Blick auffing, kam ihr zu Hilfe, gab sich ihr zu erkennen und teilte ihr mit, welche amtliche Eigenschaft ihn hierhersührte.

Mein GoU", ächzte Frau Schuhmacher in wildem Schrecken, wenn die Herren von der Polizei sind, dann muß es mit meinem Gustav richtig sein...£), mein Gott!" schluchzte sie in wilder Fassungslosigkeit auf,bann hat mich Walden ange- fogen .... aber warum nur! Warum redete er mir ein, mein Mann sei nach Amerika nnterwegs und ich müßte ihm rasch nachsolgen. .

Vermutlich rovllte Ihres Mannes Halbbruder Sie in Un­kenntnis über das beklagenswerte Ende Ihres Gatten lassen."

Fran Schuhmacher starrte ihn immer noch verständnislos amHalbbruder meines Mannes? Mein Schivager?" platzte sie plötzlich heraus.Ja, von wend sprechen Sie eigentlich? Wir Haben gar keine Verwandten und stehen völlig allein in der Welt!"

Ein Wort gab das andere. Zu des Rats großen wie schmerzlichem Erstaunen mußte er von- der aufgebrachten Fran hören, daß an irgendwelche Verwandtschaft des Detektivs mit ihrem Manne nicht zu denken sei. Tie beiden feien zusammen in die Schule gegangen; das sei alles. Es wurde dem immer schmerzlicher berührten Rat schrecklich klar, daß in verwichener Nacht ihm und seiner Tochter ein aus Wahrheit und Dichtung bunt zusammengcreimtes, rührselig verbrämtes Märchen von Wal­den aufgetischt lvorden war, fraglos sehr geschickt darauf berech­net, dem von allen Seiten finster sich auftürmenden Verdacht ei» keckes Paroli zu bieten, ihm die Spitze abzubrechen. Es war das verzweifelte Wagestück eines abstürzenden Seiltänzers, der die Balancierstange fortgeschleudert, um sich mit den Händen «n das glatte Seil zu klammern.

So !var Walden doch schuldig! Seine lange Beamtenlauf- bahu hatte den Rat hart und unempfindlich werden lassen; doch eben hatte er ein Gefühl, noch schlimmer und weher, wie er e8 damals am Sarge seiner Lebensgefährtin gesühlt. Da war einer, den er lieb gehabt und auf den er stolz gewesen, an dessen raschen Fortschritten er sich selbstlos gefreut, zum Schuft geworden - und an dem gleisnerischen, glatten Gesellen hing sein lieb­liches Kind mit unendlicher und unvergänglicher Liebe.

Es war gut, daß ihn seine Dienstpflicht geschäftig hielt; so kam er vorläufig ivenigstens nicht ans Nachdenken. Natürlich führ er mit der Frau des Ermordeten unverzüglich nach dem Leichen schau Haufe, nachdem ihn ein kurzer Orientierungsblick durch me Wohnung darüber aufgeklärt, daß Schuhmacher eine kleine nettoerkstatk in seinem Schlafzimmer besessen und dort zweifellos die verschiedenen Schlüssel gefertigt hatte, mittels welcher er dann in das Privatzimmer des Geheimrats Selken- vach emgedrungen war.

«jtit Leicheuhause kam es zu dem bei solchen Gelegenheiten gewohnten pathetischen Austritt,

Endlich lag auch dieser peinlich empfundene Auftritt hinter dem Rat und dieser könnte zu sehr verspätetem Mittags­mahl die Schritte heimwärts lenken. In der Wohnung traf er Hermine an. Er vermied es, zu dieser über die im Tagver- laufe erhaltenen Einbruch zu sprechen, sondern lauschte um so begieriger ihrem Bericht über ihren Besuch im Eilenburgischen Hause und seinen Folgen. Tie Aussicht, unter Umständen des jungen Eilenburg twch am selben Abend habhaft werden zu können, erfüllte ihn mit freudig zu nennender Erwartung. Mochte auch der erfahrene Beamte den Fall als völlig geklärt, wenigstens was den Hauptschuldigen anbetraf, betrachten; vom rein menschlichen Standpunkte gab er doch nicht jegliche Hoff­nung auf. Vielleicht hatte dieser Knndt doch noch mit dem letzten Atemzug gelogen vielleicht gelang es seiner Jnqnirier- kunst, aus dem jungen Eilenburg ein Schuldbekenntnis heraus­zubringen, das trotz aller noch so niederschmetternden Indizien Walden dennoch völlig entlastete vielleicht doch genug mit all' den vagen Vermutungen. Nur zu gut wußte der Rat, daß es Seifenblasen waren, die auch den Menschen in ihm nicht länger mehr zu hoffnungsreichen Illusionen verleiten konnten.

19. Kapitel.

Als Rat Hansemann in Begleitung einiger Detektivs um die zehnte Abendstunde unauffällig das Eilenburgsche Hausgrundstück betrat, traf er den Fuhrherrn in dem Hoskbntor. Eilenburg er­schien sehr ernst, jedoch gefaßt; mit herzlichem Handdruck be­grüßte er den Rat und berichtete ihm kurz noch einmal die Vorgänge.

Meine Keine Frau ist leider unpaß. Sie schläft gegen­wärtig. Will's Gott, so ist sie morgen wieder ganz auf dem Posten. Tas will aber nichts besagen, so weit die kommenden Geschehnisse in Betracht kommen."

Ter von Eilenburg bereits ausgedachte Plan hatte sich des vollen Einverständnisses seitens des Rats zu erfreuen.

Der Fnhrherr wollte im Hinterhof die Ankunft seines miß­ratenen Sohnes abwarten. Tie Beamten sollten sich in den verschiedenen Schuppen verteilen und in nahebei aus dem Hose besindliche Troschkm setzen, um dort den Augenblick zu erwarten, der etwa ihr Eingreifen nötig machen würde. Zum erstenmal mischte Eilenburg seinen Wachthunden das Betäubungsmittel selbst unter das Futter. Ebenso stellte er das verabredete Lichtsignal an das ihm von Marie beschriebene Fenster. Aus den Zehen­spitzen schlich er dann ins Schlafzimmer. Einen langen, liebe­vollen Blick warf er auf die ruhig Schlafende. Tann nahm er vom Nagel über dem eigenen Nachttisch den immer bereit hängenden Revolver und steckte ihn zu sich.

Als er sich mit dem Rat und dessen Beamten behutsam nach dem Hinterhof begab, meinte er in erregtem Tone iWenn er nur kommt. Was meinen Sie?"

Kommen wird er wohl sicherlich", lautete die zuversicht­liche Entgegnung.Sein Kumpan wollte ihm gestern abend in den Aurorasälen nicht weiter pumpen. Da er schwerlich von Tritten sich Geld verschafsen kann, bleibt ihm- nichts anderes übrig, als die alte Geldquelle wieder stießen zu machen."

Rat Hansemann sollte recht mit seiner Vermutung be­halten.

Etwa um die elfte Nachtstunde ließ sich von der Platz­straße her ent leises Pfeifen vernehmen. Ter Fuhrherr kannte diesen Pfiff wohl; im Verkehr mit den Hunden wendete er ihn schon seit Jahren an. Nun wußte er auch, wer draußen stand, nur durch den hohen Bretterzaun von ihm geschieden. Unhörbar leise packte er die Blendlaterne und umspannte mit der anderen Hand den Revolverknauf.

Als der Pfiff wiederholt laut geworden, vermochten die im Hofe Versteckten deutlich zu hören, wie die Hunde einzeln und fchmeichelnd beim Namen angerufen wurden. Als alles still blieb und auch ein in den Hof geschleuderter Stein trotz seines dumpfen Anpralls von den Wachthunden nicht tvahrgenommen wurde, schien der vor dem Zaune Harrende Mut zu weiterem Handeln zu fassen. An den Planken kratzte und schlurrte es; gleich daraus wurde von der Platzstraße her die scharf vom Nachthimntel sich abhebende Silhouette einer menschlichen Gestalt sichtbar, welche den Zaun erstiegen hatte, nun rittlings auf diesem hockte und angestrengt nach dem nachtdunklen Hose hinun- terstarrte, wie um sich zu überzeugen, daß auch alles sicher war.

Einige Momente verstrichen. Tie im Hose Versteckten wägten kaum zu atmen; nur das Schnarchen der betäubten Bestien kam rasselnd aus den Ecken. Ter Eindringling schien befriedigt. Er gab seinem Körper einen Ruck und turnte in den Hof hinunter. ^Fortsetzung folgt.)