Ausgabe 
7.11.1907
 
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Das Kreisregiment Darmstadt brach am 2. Juni 1757 aus der Garnison Gießen nach Frankfurt auf, wo es nach vier Tagen anlangte. Es bestand ans 900 Mann, da­runter 150 Rekruten. Tie Reichsarmee war am 2. November auf dem rechten Flügel des französischen Heeres unter Loubose eingetroffen und hatte bei Müchden in der Nähe des Unstrut das Lager bezogen.

Am 5. November war vom Janushügel aus bei Roß­bach der preußische Reitergeneral Seyhlitz mit seinen 20 Schwadronen Reitern hervorgebrochen und hatte sich zuerst auf die deutsche Reiterei geworfen, die die Tete bil­deten. Nachdenl dann das 1. französische Treffen zersprengt war, richtete sich Seydlitz auch gegen die Infanterie des 2. Treffens, in welchem sich auch die Reichsinfan­te r i e befand. Noch ehe der Kampf in die Nähe kam, er­griffen die fränkischen Bataillone und die kurtrierischen Mannschaften die Flucht, während die Regimenter Darmstadt und Würzburg allein blieben und einen geordneten Rück­zug bildeten. Diese ehrenhafte Haltung der hessen-darm- stadtischen Truppen wird in den gesamten Nachrichten von der Schlacht bei Roßbach besonders hervorgehoben, wenn es heißt:Das Fürstlich hessen-darmstädtische Regiment hielt sich tapfer, es stellte sich zum dritten Mal her. Jedoch weil er von allen anderen im Weichen begriffenen Regimen­tern verlassen worden war, ließen Se. Durchlaucht der Prinz Georg von Hessen-Darmstadt solche langsam abmar­schieren."

Prinz Stolberg, ivelcher den anderen beiden Kreis­regimentern zugeteilt war, berichtet an den Landgrafen Ludwig VIII.:Ew. Lieb den Regiment hat sich bei der Ba­taille in bester Ordnung zurückgezogen nnd ein wenig ver­loren."

In den Berichten über den Landgrafen über das Treffen bei Torgau*) am 8. September 1759, sowie über das Gefecht bei Kunersdorf*) in Sachsen am 29. September 1762 wird die Haltung des Kreisregiments Darmstadt weiter rühmend erwähnt. Nach dem Frieden zu Hubertsburg am 21. Februar 1763 kehrte das Kreisregiment zurück imb rückte mit seiner Artillerie am 24. März in seine frühere Garnisonstadt Gießen ein. ö

* ) Nicht zu verwechseln mit den Schlachten bei Torgau am 3. November 1760 und bei Kunersdorf am 12. August 1759. ___________

"Die Handelsflotten der Welt. Nach Lloyds Register 1907/1908 beträgt der Gesamltonnengebalt der Handelsflotten der Welt 39 438917, das sind 1 884 9(4) incbr als im Jahre 1906. Tie Zahl der Schiffe, Dampfer und Segelschiffe, über 100 Tonnen, beträgt 30 203, 109 mehr als im Vorjahre. Darunter sind 20 746 Dampfer, 869 mehr als 1906, und 9457 Segelschiffe, 760 weniger. Die Dampfer haben insgesamt einen Tonnengehalt von 33 669 811, die Segelschiffe nur 5 469 106. Vom Tonnengehalt der Tainpfer entfällt über die Hälfte, 17 001 000 Tonen, auf Großbritannien.

* Ein neuer K a u t s ch u k b a u in ist soeben in Tonking von zwei Gelehrten Dnbord und Eberhard entdeckt worden. Nach den der Pariser Alademie der Wissenschnst gemachten Mitteilungen- fii dct sich dieser Kautschnkbauni in großer Anzahl in mehreren Provinzen der sranzösisthen Kolonie imb liefert Kautschuk von einer außerordentlich guten Qualität. Tie Entdeckung ist um so wichtiger, als man bisher in Indo- china mir Kautschnklianen gefunden hat, deren Ausbeutung zu großen Cchwierigkcilen begegnete, als daß sie hätte gewinn­bringend sein können.

* 3mmer korrekt! Ein gewissenhaiter Beamter ha! ein amt'iches Schreiben an einen Sdnmnetler zu richten, der zugleich Reserveoffizier ist. Bei Irr Adresse überlegt sich der korrekte Herr .Wohlgeboren" oderHoe>wohlgeboren"? Das Problem scheint unlösbar. Endlich konnnl ihm ein reuender Gedanke, und entschlossen bemerkt er unter Titel riiid Namen:Wohlgeboren, ^bezw. Hoch­wohlgeboren." So geschehen im Jahre des Heils 1907!

Evzrehmrg.

Nachdruck verboten^

In etnem alten Liede heißt es uom Lernen:

Ems isl's, das niemand kann verderben Und nennt er Millionen fern, Das Wissen müßt ihr euch erwerben, Nur daS bringt wahren Reichtlin, ein."

Der Winter bringt die beste Zeit und Gelegenheit zum Er­werben von Kenntnissen, und keiner sollte versäumen, ihn zu diesem Zwecke recht ariszunutzen. Ter Kamps ums Dasein ist in der Jetzt­zeit wahrlich nicht leicht. Es gilt, sich anzusirengen nnd sich red­lich ums Fortkommen zu bemühen, ivenn man nicht zurückbleiben ivill. Jede ®nbe, auch die kleinste, beschließt eine Aufgabe in sich, nämlich die, solche derart auszubilden, daß sie nutzbringend ver­wandt iverden kann. Je tüchtiger aber ein Mensch ist, desto mehr wird er geachtet und geschätzt, und ein gemütvoller, liebevoller Charakter- bezwingt die Herzen mit unwiderstehlicher föeivoli.

Bel allen Fortschritten darf aber eine augenfällige Geiahr nicht überseheir werden, nämlich die immer mehr emreißende Oberfläch­lichkeit. Sie ist die ausgesprochene Feindin der Gründlichkeit imb gebt in einem sehr bestrickenden, schillernden Gewände einher. Sie schlickst nur den Schaum vom Kelch des Wisiens und brüstet sich dann mit dem leicht errungenen Reichtum, der nur leider nicht standhält, sondern nach o't sehr kurzer Zeit in alle Winde geht.

Gelernt mit aller Flüchtigkeit, Nur ihr die Stunde, nicht fürs Leben, Vergessen in Geschwindigkeit, So lernen unsre Kinder eben.

Sie drehen das alte, Intemiicbe Woil:

Nicht für die Schule, sondern für das Leben muß man (einen", nach ihrem Belieben um. Welche Früchte zeitigt aber ein solches Vorgehen? Kommt bei dein flüchtigen Erlernen des ungenügend Begriffenen beim irgend etwas Ersprießliches heraus? Ach »ein! mit das, was man griindlich ei leint hat, kann von Nntzen für den Betreffenden und andere sein. Halbes Können verdirbt das beste Wollen, schlechte Schulbildung ist ein direktes Hindernis beim Fort­kommen. Da der Mensch nun einmalhinaus muß tns feinblicbe Leben", so muß er ernstlich nncb der richtigen Ausbildung aller seiner Kräfte streben. Ob er mm den Unterhalt nut bei* Händen oder mit des Geistes Weissen er werben muß, einerlei, wenn er nut treu das Seine tut und die kostbare Zeit zum Lernen nie ungenutzt vorübergehen läßt. Wie einladend zu einllem Studium sind die langen Winterabende! Wie gut laßt sich repetieren und aussrischrm, wenn fick etwa ein Heiner Kreis n(ined eutlich zu diesem Zn cc.e vereint. Blag es dann draußen stürmen und schneien, nrag bet Tag noch io früh zur Rüste gehe», den Lernenden vergehen die Stunde» im Fluge, weil ihr Geist freudig angeregt, ihre Phantasie angenehm unterhalten wird.

Wer mit Luft und Liebe lernt und fein bestes Können enuetzt, wird mit Freuden die m einer bestimmten Zeit gemachten Fort­schritte ivahrnelmien. Doch ist ein zielbewusstes eifriges Streben unerläßlich, und das gründliche Erlernen der zimr Lernen nöligen Kemiinisse muß als Pflicht aufgefaßt und demnach treidid) betrieben werden. A lnr a Grube.

Goldene Morte»

Tie meisten Ehekriege Stimmen nicht davon, daß man die Wahrheit sagt, sondern daß man sie, unbekümmert um jede Zett, sogleid) sagt. * 3ecn

Nicht, was lebendig, kraftvoll sich verkündigt, Ist das gefäl riich Furchtbare. Das ganz Gemeine issts, das ewig toeftricie, Was immer war und immer wiederkehrt Und morgen gilt, weiss heute hat gegolteii. Schiller.

*

Tie meisten Nachahmer lockt das Unnachahmliche.

Winrie v. Ebner-Eichenbach.

BUVcrroLsel.

Auflösung ui nächster Nummer.

Auflösung des Nätiels in voriger Nnnimer. Muskalnus

Redaktion: P. Witt ko. Rotationsdruck und Verlag der Brüht'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.