erhalten ist; nur eine Seite, die Nordsette der Kastellmauer, ist im Laufe des vorigen Jahrhunderts allmählich nach den Nachbardörfern (Pfaffenwiesbach und Rosbach) gewandert, weil sie ihnen für ihre Schul-, Kirchen- nnd Privatbauten die Steine fertig bearbeitet und mühelos lieferte. Aber da sowohl die Fundamente der abgebrochenen Mauer als auch der davorliegende Graben noch gut erhalten sind, so fällt doch dieser damals allgemein beliebte Raubbau nicht allzuschwer ins Gewicht. Und umso besser ist das Andere erhalten, über das sich im Laufe von anderthalb Jahrtausenden schützend Laub und Erde legte, bis hie Neuzeit es von seiner Hülle zu befreie» begonnen hat. Noch vor wenigen Jahren im Besitz der Gemeinde Ober-Rosbach, und dadurch der genaueren Untersuchung und Freilegung entzogen, ist die Kapersburg jetzt in die Hände des hessischen Staates gekommen, und wird nun planmäßig durchforscht und erhalten; namentlich aber ist ihrer weiteren Zerstörung und Beraubung durch das Denkmalschutzgesetz Einhalt getan, und wenn die Besucher selbst dazu beitragen, durch eigene Zurückhaltung sowohl wie durch Verhinderung von Gewalttätigkeit anderer der Kapersburg Schutz angedeihen zu lassen, so beweisen sie dadurch aufs Beste, daß sie gesonnen sind, dem Gesetze zu seinem Rechte zu verhelfen. Auch die vorliegenden Zeilen sollen diesem Zwecke dienen, sollen aber üt erster Linie dem Besucher einige Anhaltspunkte über die ganze Anlage zu geben versuchen. Von Jahr zu Jahr ist die Besucherzahl gewachsen, und hat 1907 3000 weit überschritten, das hängt natürlich mit der wachsenden Freude am Wandern zusammen, serner aber auch nut der Erkenntnis, daß die Kapersburg jetzt der Wissenschaft zugänglich gemacht wird, und nicht zum wenigsten mit dem Umstand, daß man sie heute auch wirklich finden kann. Das muß ganz besonders betont werden, hängt doch als bedeutsames Erinnerungsmerkmal früherer Unauffindbarkeit unmittelbar vor dem Kastell ein Schild mit der bezeichnenden Aufschrift: „Hier ist die Kapersburg!" Und die Fragen von Besuchern nach dem „Dorf" oder der „mittelalterlichen Räuberburg" sind auch heute noch nichts Seltenes. Aber jedenfalls ist es mit großem Dank anzuerkennen, daß die beteiligten Behörden, besonders die Oberförsterei Obcr-Rosbach, der Herstellung von guten Zu- gangswegen ihr Interesse zugewendet haben und zuwenden, und ebenso gebührt dem rührigen Taunusklub „Wetterau" in Friedberg-Nauheim das Verdienst, für die Wegebezeich- nnng außerordentlich viel getan zu haben; hoffentlich nimmt er auch für die Folgezeit Veranlassung, sowohl bei der Erneuerung einiger undeutlich gewordener Markie- ruiigslinien wie bei der Schaffung neuer Touristenwege sein Interesse zn betätigen. Heute führen von Bad-Nauheim über den Winter st ein und über das Forsthaus, von Friedberg, von Ober-Rosbach über das Waldschlößchen, von Ziegen berg — Krausberg — Pfaffenwiesbach und von Homburg —Lochmühle, sowie von Köppern aus bequeme Fußwege meist durch schönen Hochwald hinauf. Einen Uebelstand freilich gibt es noch zu überwinden: Von Mitte August an fangen die vorhandenen Quellen an zu versiegen; es soll daher versucht werden, im nächsten Jahre einen der römischen Brunnen wieder so herzurichten, daß er gutes Trinkwasser liefert; hoffentlich ist auch die Zeit nicht mehr fern, wo der auf der Kapersburg staatlich bestellte Aufseher die Erlaubnis erhält, wenigstens alkoholfreie Getränke zn verabreichen.
So werden es diese Bemerkungen berechtigt erscheinen lassen, wenn im folgenden versucht iverden soll, die Kapersburg und ihre Anlagen kurz zn schildern und den Er- haltungsplänen der hessischen Regierung etwas nachzugehen. Als Grundlage für genauere Studien sei neben anderen vor allem auf das entsprechende .Heft der Reichs- Lini eskommission verwiesen.
Die Kapersburg liegt, von der Wetterau aus gerechnet, am jenseitigen Abhang des init beut Gesamtnamen Winterstein bezeichneten Höhenzuges, genauer am westlichen Fuße des Saukopfs, etwa 420 Meter ü. M. Sie ist vom
No: reu her das erste im Gebirge liegende Taunuskastell und hat als Nachbarsestüngen int Norden Langenhain, irrt Südwesten die Saalburg. Ungehindert schweift der Blick von hier über den Taunnsrücken bis zum Feldberg, so daß die Kapersburg, abgesehen von ihrer militärischen Bedeutung überhaupt, vor allem als Signalstation wichtig war; hierzu kommt, daß sie mit der Saalburg und dem Feldbergkastell zusammen die Hochebene von Wehrheim- Elsi n g e n beobachten konnte, außerdem hatte sie als Aufgabe noch die Deckung des an ihr vorbeiführenden „Hühner- Pfades", einer prähistorischen Straße. Nur wenig mehr als rund 50 Meter hinter dem Pfahlgraben liegend, hatte sie durch den am Limes entlang führenden Kolonnenweg Verbindung mit den Nachbaranlagen (Zwischenkastell Lochmühle und Saalburg einerseits, Zwischenkastelle O ck st a d t rtnd Kaisergrube und Langenhain andererseits), sowie durch eine Römerstraße mit deut in der Ebene rückwärts gelegenen Kastell Friedberg-Burg. Ihr Name — er wird mit Köppern, Karben, auch mit caper uitb capricornus in Beziehung gebracht — ist bis heute ebensowenig erklärt, wie der der Saalburg, welch letzterer doch wohl am einfachsten als „Grenzburg" gedeutet wird (sal = Grenze, vergl. Salweide, Salbnch, Salband oder Salwand). Zwar war fie den wenigen Forschern heimatlicher Geschichte im 18. Jahrhundert bekannt, auch haben Männer wie PH. und G. Di essen buch in Friedberg u. a. an der Käpersburg int 19. Jahrhundert gearbeitet, doch gingen sie zum Teil — dem damaligen Stande der Ausgrabungswissenschaft entsprechend — mit zu geringen Mitteln, dafür aber mit zu viel Phaittasie vor und kamen auf Grund falscher Vermutungen zu allerhand ungenauen und falschen Schlüssen, zum Teil auch gruben sie nur ans, um Funde zu machen, Funde, die heute in alle Welt gewandert und für die Wissenschaft verloren sind. Erst die Untersnchungen der Reichs-Limeskommission haben dazu geführt, daß die Kapersburg in ihrem Wert und Wesen wenigstens den Grundzügen nach klargelegt wurde; diesen in den Jahren 1896 und 1897 von dem Geh. Baurat Prof. Jacobi in Homburg ausgeführten Arbeiten folgten int Beginne des 20. Jahrhunderts bald wieder aufgegebene Versuche des Ministerialrats Sold an, wenigstens das Kastellbad in einen menschenwürdigen Znstand überznführen, bis sich im Jahre 1906 die hessische Regierung entschloß, mit ausreichenden Mitteln und auf Grund eines umfassenden Planes die völlige Freilegung des Kastells zu unternehmen. Es wird nach dein Vorhergesagten keines Beweises mehr dafür bedürfen, daß sich die Regierung dadurch ein außerordentliches Verdienst um die Wisseitschaft und den Dank aller Altertumsfreunde erwerben wird.
Schluß folgt.
Aas Kreisregimmt Aannkadt in der Schlacht lu-i Wonach.
(Zinn 5. November.)
Friedrichs des Großen Einmarsch in Sachsen im Jahre 1756 veranlaßte den Kaiser, gegen denselben die Anklage wegen Bruchs des Reichsfriedens zn erheben. Ter Reichstag beschloß, die Reichsarmee.gegen den König auf- zubieten.
Ter oberrheinische Kiwis, zu dein Hessen-Darmstadt gehörte, mußte 3 Regimenter stellen. Das hessen-darmstädti- sche Regiment war das tüchtigste von allen; es war ungemischt, während die Kompagnien iit den anderen Regimentern aus verschiedenen Kontingenten zusammengesetzt waren. Auch im Frieden wies das Darmstädter Regiment die notwendige Stärke auf, und vor allem war es einexerziert. Das wollte viel heißen, da der Höchstkommandierende der Reichsarmee eine längere Lager- und Uebungszeit für notwendig hielt, „um die Armee nur in die mindeste Form zu bringen und selbe Soldaten gleich zu machen." Das Regiment Darmstadt war von den oberrheinischen Regimentern allein mit kalibermäßigen Gewehren ausgerüstet.


