Ausgabe 
7.9.1907
 
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SamsLag den 7. Skptemver

Wr. 133

:

K

II

I I

Sonuenglui.

Von B- Hoffmann. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Wir hatten den Rand der Wiese erreicht, die das Ufer der Bucht umsäumte, und übersahen die wunderbar malerische Umgebung. In unserer Nähe weideten Kühe und eine kleine Herde Schafe. Ein Segelboot hielt auf uns zu, das ich bald als meines erkannte. Meine Leute hatten eine Bootsladung Obst zum Berkaus an Händler nach Cattaro gebracht.

Der Küecht, mit leeren Körben bepackt, kam herauf, während die Magd noch in die Wiese einbog, um die Kühe zu melken. Wir folgten dem Knechte, dem ich den Auftrag gab, Pero, den jungen Nachbarssohn, zn bitten, daß er vor Tagesanbruch meinen Besucher abhole und nach der Stadt fahre. Er hatte nach Cattaro zurückwandern wollen, war aber sehr erfreut über diese nächtliche Bootfahrt, die ihn mischelos dahin brachte. An Früchten, Eiern, Käse, einem Krug Wein und einer Kanne frischer Milch erlabten wir uns, und mein Gast erzählte von Deutschland, das mir so fremd geworden. Er schilderte die durchgreifende Um­wälzung, die sich in den letzten 30 Jahren in unserm Baterlande vollzogen hat. Stolz war er trotz seiner Schlicht­heit auf die deutsche Wissenschaft, doch vollkommen wußte er auch jeder anderen Geistesrichtung gerecht zu werden. Er sprach von dem Ausschwung, den Industrie und Technik genommen haben, und von dessen großer Bedeutung; von der Sicherstellung des Landes durch das Volk in Waffen, twn der Bewegung der Literatur und Kunst alles, was ich bei meiner Rückkehr finden würde, lernte ich kennen durch das interessante Gespräch dieses hochgebildeten Mannes.

Der Mond war schon lange hinter der Bergwand empor­gestiegen, sein magischer Schein zeigte jeden Gegenstand mit wunderbarer Klarheit. Ich ermahnte den Gast, ein wenig zu ruhen, doch er wollte das lieber auf die Boot-;' fahrt verschieben, und mit freundlichem Lächeln sagte er: Es hat anch einen eigenen Reiz, neben einer lebenden Niobe zu sitzeu. Seit das bleiche Mondlicht Ihre kräftige Gesichtsfarbe weggenommen hat, sind Sie ganz Marmor­statue, ganz Niobe." So saßen wir plaudernd bis Pero herankam, geräuschlos auf seinen weichen Sandalen. Seine weiten offenen Aermel leuchteten in. blendendem Weiß. In den Silberbeschlägen der Pistolen und Messer im breiten Ledergurt spielte der Mondschein.Es ist Zeit, zu fahren", sagte er mit artigem Gruß. Ich belud ihn mit einem! Kissen und wollenen Decken, und empfahl ihm, für meinen

Landsmann zu sorgen. Mit kräftigem Händedruck und einem herzlichenAuf Wiedersehen in Deutschland!"' trennten wir uns.

So war der Entschluß zu meiner Heimkehr gefaßt. Die Vorbereitung war leicht erledigt, sie bestand hauptsächlich darin, die zur Abreise nötige Kleidung in der Stadt zu besorgen. Ein Käufer für meine Besitzung saß im buch­stäblichen Sinne des Wortes schon lange wartend vor meiner Tür.

Bald nach dem Tode meines Mannes war eines Tages! eine gar anziehende Gruppe den Weg von Cattaro daher­gekommen, ein noch sehr junges Pärchen, echte Süddalma­tiner an Schönheit und stolzem Wuchs, in ihrer male-, rischen, farbigen Tracht. Die junge Frau saß auf einem mit Packen beladenen Reitesel, hatte Spindel und Rocken in den Händen und spann. Ihr Mann führte das Tier nachlässig am Zügel, elastischen Schrittes, die lange Flinte auf den: Rücken und im Gurt den krummen Säbel und die üblichen Pistolen und Dolche. Als ich noch eben dachte, was wollen diese gut aussehenden Menschen droben im! Gebirge?" hielt er grüßend vor mir, und über seine Ab­sicht war ich sofort unterrichtet:Ich will euer Haus kaufen. Ihr seid jetzt allein, da zieht Ihr in ein fernes Land. Ich habe Geld!" Damit schlug er stolz au seinen Ledergurt. Mir gefiel seine Flottheit.Ich möchte nicht verkaufens sagte ich freundlich,ich will hier bleiben, es ist so schön bei euch."Nun, dann warte ich hier, irgendwann geht Ihr doch," erklärte er, und seine klaren, kühnen Augen über­blickten die nächste Umgebung.Ihr könnt uns dort die Höhle geben, auf eurer untersten Weinterrasse," sagte er, über den Weg deutend,Ihr werdet sie nicht brauchen."' Gewiß, die könnt Ihr haben, sie ist trocken und im Winter warm, und geräumig genug für euch und eine Vorrats­kammer. Auch die unterste Terrasse will ich euch geben. Pflegt den Wein gut, dann könnt Ihr viel damit verdienen." Bon'seinem Gelde riet ich ihm, ein Boot zu kaufen, um deu Fischfang auszunutzen, auch Schafe und Ziegen. , Die konnten aus meiner Wiese mit meinen Kühen weiden.

So zog denn Stipe zu deutsch Stephan in die Höhle und richtete sich dort mit einer gewissen Eleganz ein: Aus Brettern und Stangen, die mein alter Nachbar Pietro Ubaldo und ich ihm schenkten, fertigte er einen Tisch und eine Bank, während die weniger bemittelten Leute dort auf der Erde oder auf Matteu kauern oder sitzen. Das Lager war in einer Ecke aus Maisstroh und Decken aufgeschichtet. In der Nähe der Tür stand der Webstuhl der Frau. Das! Kleingeräte hing an den Wänden, und den besten Platz dort hatten das Kruzifix und das Heiligenbild. Stipe!