1907 — Nr. 116
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Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.)
13. Kapitel.
Instinktiv hjatte Dagmar ihrem Gatten nichts von ihrer bevorstehenden Ankunft mitgeteilt. Sie fuhr daher in eurer Tro saue zu ihrer Wohnung. Der Portier riß nicht scqleckn erstaunt bie Augen lauf, als er Dagmar erkannte. , ,
Im §>ausflur begegnete ihr Franz, der eilig die Treppe emporsprang, um seinem Herrn die unverhoffte Ankunft zu melden So sah Dagmar nicht den Zug des Aergers, der bei des Dieners Worten über sein Gesicht glitt. Die kühle Begrüßung klärte sich auch ohnedem genugsam über seine unangenehme Heber»
raschung auf. , ,
Mach dem Grund ihrer plötzlichen Anwesenheit gefragt, schützte sie ruhig nötige Besorgungen vor. Nervös ging Veltlingen im. Zimmer umher. ,
„Ich habe dir noch gar nicht gratuliert, Magnus , begann Tiagmar sanft, in dem Bestreben, über seine augenblickliche Verlegenheit hinwegzuhelfen. , ,
„Tsanke", entgegnete er falt. Flüchtig streifte sie sem zorniger Blick. Er sah nicht die rührende Lieblichkeit, die ihm aus ihren großen, trlaurigen Augen eiitgegenblickte. Seine sorgenden &e» hanken weilten viel zu sehr bei Fredine. Was sre wohl zu deü unverhofften Ankunft sagen würde?
Nach Tagmars Ansicht inbetreff seiner häufigen Besuche bei der Hofdame zu fragen, hielt er nicht für nötig. Entschuldigte er doch noch immer vor sich selber ferne zahllosen Aufmerksamkeiten für die Gräfin mit dem Tank, beit er ihr schuldig sei.
Tfaß Fredine sich diesen Dank in ungemessener Weise gefallen ließ, merkte er ebensowenig, wie ihre feste Hand, die ihn skrupellos das tun ließ, was sie Ivvllte.
Tlaß der für heute festgesetzten ersten Ausfahrt nut bett Juckern nun nichts werden konnte, sich Veltlingen allerdings selber ein. Fredine dies schriftlich mitzuteilen, hielt er sedoch Nicht für ratsam. ,
Er entschuldigte sich daher vor Dagmar nur dienstlichen Verpflichtungen und eilte zu der Gräfin.
Bald nach seinem Fortgehen ließ sich Fran von Borgwardt melden, welche von der Bsarvnin um ihr Kommen gebeten war. Ihr gedrücktes, ernstes Wesen verrieten Dagmar sofort das, was ihr der Brief schon .attgebeutet, hatte. Es , wäre eine lange, ernste Unterredung, welche die beiden Freundiniteil hatten. ,
Mit tvänenschimmernden Augen sah Kathr Dagmar beim Abschied an. „Ich komme mir vor wie em Henker. Tte hob langsam das blasse Antlitz.
„Und doch danke ich dir."
Aufgeregt versuchte Veltlingen unterdessen Fredme klarzn- Mlachen, daß die geplante Spazierfahrt mindestens für heute unterbleiben müsse. Aber das wollte die Gräfin durchaus Nicht cur-
feh en.
Sie beschloß vielmehr, jetzt erst recht die,beabsichtigte Fahri zu unternehmen, und zwar mit vollen Wissen seiner Gattin. Glaubte sie doch dadurch dem Gerede, das ihr ebenso bekannt war wie Veltlingen, in der besten Weise Abbruch zu tun.
Schweren Herzens willigte Veltlingen endlich in ihren Plan/ ihn mit den Juckern von seiner Wohnung) abzuholen.
„Daß Ihre Gattin mir, der früheren Kollegin, nicht gleich heute einen Besuch macht, ist ja ganz natürlich", meinte sie,leichthin. ,^Jch will ihr diese Unbequemlichkeit auch gern ersparen/ wir sehen uns jla doch wohl, wenn ich Sie, lieber Freund/ heute nachmittag abhole?" Lauernd fuhr ihr Blick zu Belt-, lingen, dem ersichtlich bei diesem Vorschlag nicht wohler ward. Unwirrsch verabschiedete er sich.
Mit spöttischem Gesicht sah Fredine ihm vom Fenster aus
1 „Barrieren ist die erste Pflicht, Mein Lieber", sprach sie hart, „biegen oder brechen. Wirst du es nicht, dann ist es die Reserve."-
Sie trlat mit raschen Schritten an ihren Schreibtisch, aus dessen Geheimflach sie die Antwort Radachs nahm, die er ihr auf ihre Benachrichtigung von dem herzoglichen Gnadenbeweis gesandt hatte. Wer ihre Züge hellten sich nicht auf, als sie die wenigen Zeilen las, in beiten er ihr seinen tiefgefühlten Tank für ihre so übersaus gütige Mithilfe aussprach. Diesen Dank, den persönlich auszusprechen ihn eine dringende Angelegenheit
1) crl)iitbcrtc.
Aeroerlich faltete Fredine die Brauen. Welcher Art mochte diese Angelegenheit sein? Was hinderte ihn am Kommen? Sie konnte sich nun einmal nicht eines gelinden Zweifels an der Wahrheit seiner Angabe erwehren.
Von innerer Unruhe getrieben, ging bte Grafm unter solchen wenig erfreulichen Erwägungen hastig int Zimmer umher. Allerlei Pläne kreuzten blitzschnell ihren Köpf. Aber ebenso «sch wie sie auftauchten, verwarf sie diese auch wieder.
Da blieb sie aus einmal mit einem kurzen Ruck mitten im Zimmer stehen. Ihre Augen weiteten sich in schreckhaftem Staunen. Wahrhaftig! sie war auf dem besten Wege, die Hauptergeir- schtaft eines gewandten Spielers — die Kaltblütigkeit SU
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Nicht minder unbehaglich war Veltlingen zu Mut, als Dagmar mit tiefernstem Gesicht in fein Zimmer trat. Augenscheinlich weniger denn je geneigt, ihren Vorstellungen Gehör ju geberp beantwortete er ihre flehendlichen Bitten Mit spöttischen , Be merkuugen, die trotz aller Vorsicht für seine schuld mehr emgee
standen als verhüllten. ,
Mit bewimderswerter Khaft beherrschte Dagmar ihre berechtigte Empörung. Immer wieder versuchte sm ihn sttll und sanft von dl em Unrecht, das er ihr getan, zu überzeugen, ihm das Versprechen abzuringen, daß das alles von Mt ab anders werden sollte. „ , ’ . , . ‘
Er hlieb nach wie vor bei der Behauptung, daß an dem ganzen Klatsch kein wahres Wort fei und er unmöglich ein« treue Freundin durch plötzliches LinkÄiegenlassen ms Gerede bnne
gen könne.


