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liegt, zielt darauf hin, daß Lei dem außerordentlich starken Wechsel zwischen größter Erhitzung durch die Sonnenstrahlen unb stärkster Abkühlung, wie sämtliche Teile des Mondes sie in einer Abwechslung von Tag und Nacht in je zweiwöchentlicher Dauer erfahren, diese gewisse Erscheinungen des Gefrierens und Tauens durchmachen müssen, vorausgesetzt, daß überhaupt Stoffe da sind, die berartigcn Veränderungen ber Form zu unterliegen geeignet sind. Wenn nun eine Atmosphäre um bett Mond vorhanden wäre, so könnte matt sich denken, baß bie sie znsammensetzenben Gase bei ber Abkühluttg int Monbschatten bis zur Bildung eines Schnees gelangen könnten. Allgemein bekannt ist seit längerer Zeit ber verhältnismäßig leichte Uebergang von gasiger Kohlensäure ttt bie flüssige und feste Form, welch letztere eine gewisse Aehnlichkeit mit Körnern ober Graupeln vott Wasserschnee besitzt. Auch anbere Gase, die etwa in ber Atmosphäre bes Mondes vertreten sein könnten, würben bem Gefrierprozeß unterworfen sein, falls bie Abkühlung sehr hohe Kältegrade erreichte. Ist doch bas Helium bas einzige Gas, besten Verfestigung bisher noch immer nicht gelungen ist, während sogar der Wasserstoff sich Jjat überwunden geben müssen. Auf dem Mars sind derartige Vorgänge in der Tat sichtbar zu verfolgen, indem um die Zeit des Marswinters die Ausdehnung der weißen Flecken am Pol der betreffenbett Halbkugel zunimmt, zur Sommerszeit dagegen wieder zusamtnenschmilzt. Vielleicht habett bie vermeintlichen Marsbewohner in ihreit Fernrohren an bem Nachbarplaneten Erbe auch ihrerseits längst ein Gleiches wahrgenommen. Ob nun auf bem Mars ober gar auf bem Monbe Wasserbampf unb bemzufolge eigentlicher Schnee unb richtiges Eis aus gefrorenem Wasser vorhanbert ist, bleibt mindestens sehr unwahrscheinlich, doch tonnte unter Umständen die Kohlensäure oder ein anderes Gas in der Wirkung eitte ähnliche Rolle spielen. Jedenfalls will der Astronom Frost von der Harvard-Sternwarte bei Gelegenheit einer vollständigen Mondfinsternis eine Erscheinuttg beobachtet haben, bie für das Bestehen einer Monbatmosphäre sprechen würbe. Um den berühmten Mondkrater, ber bett Namen von Sinne trägt, unb schon verschiebentlich wegen merkwürbiger Veränderungen, die man früher auf dem starren Monde nicht für möglich gehalten hat, verdächtigt worben ist, ist int Fernrohr eine sogenannte Aureole zu erblicken, eilt Heller Strahlenkranz, besten Wesen verschieben gebeutet worden ist. Nun hat Frost festgestellt, baß ber Durchmesser bieses Strahlenkranzes bei Heller Belichtung etwas über 21/», während ber vollstänbigen Verfinsterung aber fast fünf Bogensekunben betrug, nm Kann bei ber Wieberaufhellung bes Mondes sich wieder entsprechettd zu verkleinern. . Diese Erscheinung wird durch bie Annahme erklärt, baß sich bei ber plötzlichen Abkühlung auf ber Monboberfläche infolge ber Verschattung gewaltige Schnecmassett ttieberschlagen. Ob andere Astronomen eine solche Erklärung für möglich halten werden, wird abzuwarten sein. Es erscheint zum ntiubestett nicht leicht glaublich, daß der Niederschlag so ungeheurer Schneemassen, wie sie durch bie erwähnten Veobachtungsergebtiisse vorausgesetzt werben müßten, in ber kurzen Seit einer Mondfinsternis sollte erfolgen können.
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* Fürstliche Bri e fs ch rei b e r. Die bevorstehende Veröffentlichung der Briefe der Königin Viktoria von England bringt vott'neuem in die Erinnerung, wie selten doch die Korrespondenz fürstlicher Personen, selbst solcher, die schon lange verschieden sind, der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dies ist nicht nur deshalb bedauerlich, weil in den fürstlichen Privatbriefen oft eine Menge intimer Mitteilungen verborgen sind, die für die Geschichte der Politik und der Höfe von Wert sein könnten, sondern auch aus dem Grunde, weil es unter den fürstlichen Personett so tnanche gibt, die ungewöhnlich gute Briefschreiber sind. Fürsten müssen in der Aeußerungihres inneren Lebens'sonst so vorsichtig sein, daß sie gern die Gelegenheit des Privatbriefes' benutzen, um sich frei auszusprechen. Ein bekanntes Beispiel bon neueren Fürstenbriefen bilden die gemütvollen Briefe, die die Prinzeß Alice, die Großherzogin vott Hessen, an ihre Mutter, die Königin Viktoria, gerichtet und die die Prinzeß Christian heraus gegeben hat — Briefe, in denen sich eine feine Frauenseele und ein hoch- sinniger Geist überaus anziehend anssprechen. Vergeblich wird man leider wohl noch lange auf eine Auswahl der bewundernswerten Briefe warten müssen, die die verstorbene Kaiserin Friedrich an ihre Mutter und an verschiedene ihrer Freunde unb Freundinnen, besonders in England, geachtet hat. Manche dieser Briefe tragen geradezu Tage- vuchcharakter. Die Kaiserin Friedrich verlangte bon jedem wrer Kmder tägliche Nachricht, und bon Zeit zu Zeit wurden ^sbse Briefe in Bände gebunden und in einer Privat- s1 , aufbewahrt, zu der natürlich nur die Kaiserin selbst Zutritt gewähren konnte. Eine hübsche fürstliche Brief
sammlung sind die Briefe der Herzogin bon Deck, die uns' ein interessantes Frauenbild aufbewahren; leider fehlen in der Veröffentlichung dieses Briefwechsels die Briese der jetzigen Prinzessin bon Wales, die schon in ihrer Jugend eine unabhängige Beobachtungsgabe bon Dingen und Menschen entwickelte. Im allgemeinen zeigen die Briefe fürstlicher Persönlichkeiten eine Offenherzigkeit und Freimütigkeit, die a.uf den ersten Blick ein wenig überrascht. So ist zum Beispiel Kaiser Wilhelm II. ein sehr temperamentboller Briefschreiber, der übrigens ebenso wie das englische Königspaar Deutsch, Englisch unb Französisch mit beinahe gleicher Gewandtheit schreibt. Eine elegante Briefschreiberin ist die Königin Alexandra bon England; besonders sind ihre Bei- leidsschreiben durch ihren zarten Takt rühmlich bekannt. Uebrigens hat lamch sie seit ihrer Verheiratung nur wenige Tage vergehen lassen, an denen sie nicht an ihre Verwandten in der dänischen Heimat geschrieben hätte.
— „Die Lamp e." Hermann Stegemann veröffentlicht im Maiheft der „Südbeutschen Monatshefte" (München, unter Mitwirkung von I. Hofmiller, Fr. Namnann, H. Pfitzner, H. Thoma, K. Voll, herausgegeben von P. N. Coßinann) folgendes feinsinnige Gedicht:
Der Tag verglonuu, und Abend will es sein, Die Feder ruht, der Sand der Stunde rinnt. Da — leise Schritte: golden blinkt ein Schein, Wo grau die Dämmrung ihre Fäden spinnt.
Nun ist es hell; von einer weißen Hand Getragen schwebt die Lampe zu mir her. Und mir zur Linken, wo sie immer stand, Steht sie und leuchtet, wie von ungefähr.
Nicht Worte spricht, nicht laute Regung wagt, Nicht ihren Schatten ivirst auf das Papier Die Trägerin der Flamme; und sie zagt Auch nicht — und ist schon nicht mehr hier.
Doch heimlich, rote ein Wind die Rosen küßt. Ging eines lieben Mundes fairster Hanch Durch meine Haare, gleich als wenn sie roüßt, Daß ich zr> meinem Werk der Siebe brauch.
Und Stille rings ... die Lampe brennt, es singt
Die Feder leis in der beschwingten Hand: Und ivenn mir, ivas ich schreibe, je gelingt, Sie hats gesegnet, die mir jetzt entschwand.
— Die in unserer Nr. 81 vom 5. d, Mts. mitgeteilten angeblichen Palmer-Schnurren sind, wie uns von einem Geistlichen mitgeteilt wird, zum größeren Teile sälschlich auf Palmer zurückgeführt worden. Die drei erstell tmb ivohl auch die letzte der uns von einenn Lehrer aus dem Kreise Gießen gesandten Andekdoten stammen von Kirchenrat Engel. Unrichtig ist auch der Ausdruck: „Matsch"! Es muß „Marsch" heißen. In einer andereir Schnurre nltlß es nicht „klibenklein", sondern „klimperklein" heißen.
Weitere Palmer- unb Engel-Erinnerungen sind uns will- kommen. __________
Delphischer Drakelsprmch.
Nachdruck Verboten.
Apollodorus, dem Schuhmacher, waren zwei Knäblein geboren, Und um der Söhne Geschick fragt er den delphischen Gott.
Gutes und Schlimmes verkündend, erklingt ihm der Seherin Stimme: „Glück ist des Eineir Geschenk, Schande des Andern Los.
Merke: dein eigenes Weib, dich selber zerschlag in zwei, Hälften;
Hast du sie richtig gefügt, kennst du des Einen Berus.
Ihn, den die gütige Artemis gnädig beschirmt und behütet, Siehst du als Handwerker em ft, rechtlich erwirbt er sein Brot.
AberwaS nun von dir selber und was von dem Weib für den Andern Uebrig geblieben-oh, Freund! Ninuner begehr es ztl schaun t
Schande bereitet der Sohn dem redlichen Apollodorus, ~
Frage nicht, wie unb wodurch — einst wird ihm schimpflicher Tod.
Wenige Zeichetr nur seh' ich uom Weib und dir selber verbleiben; Wähle und setze sie recht! — Henker erwarten dein Kind I" i.
Auflösung in nächster Nummer?
Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummer: ASTER SAAZ T AG E Z R
Nedakltoli: P. Witiko. — Rottionsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


