Ausgabe 
7.1.1907
 
Einzelbild herunterladen

14

Bäumen und

den

einer Straßen

Licht

der Straße aus

ein paar Kinderstimmen.

Die Justizrätin erhob sich endlich sich durch das Zimmer, um die Lampe hatte den Kopf an das Fensterkreuz auf die regennasse Straße. Der Wind welke, braune Laub massenhaft von Sträuchern.

An der Toreinfahrt flammte das lederne auf.

Aber als die Mutter nun eine Pause machte, warf er rasch ein und seine Stimm, hatte etwas feierliches:

Hanna Kronau war das süßeste, reinste Geschöpf, Mutter, sie konnte nie enttäuschen. In ihrer Person und in ihrem Wesen verkörpert sie jene unberührte Mädchenhaftig- keit, die sich niemand geben kann, die nur wenigen Aus- erwählten eigen ist. Wenn du sie kennen lernen würdest, Mutter, du würdest mich begreifen".

ES blieb still im Gemach, nachdem seine Stimme ver­hallt war. Die Greisin saß mit gefalteten Händen und ihre Blicke hingen an dem Sohne. Draußen begann es zu regnen. Die Dunkelheit nahm zu. Aus der Zimmerecke tönte das verschlafene Gezwitscher eines Kanarienvogels, in einem schluch­zenden, jäh abbrechenden Triller endend. Nebenan lachten

langsam und tastete anzuzünden. Walter gelehnt und blickte heulte und riß das

Im selben Moment bog ein Reiter von in den Torweg ein. Das Pferd ging im Schritt, langsam, wie müde. Walter erkannte an der Mütze des Reiters den Husarenoffizier. Der flüchtige Laternenschein, beleuchtete sekun­denlang ein blasses Männergesicht, das teilweise im hoch­geschlagenen Diantelkragen verschwand.

Walter wandte sich, durch das kleine Intermezzo seinem Grübeln entrissen, ins Zimmer zurück. Die Lampe brannte

nun schon.

Eifrig strickend saß die Justizrätin auf dem großen, roten Plüschsofa. Der Sohn schob sich einen der bequemen Lehn­sessel näher an den Tisch heran.

Du hast einen neuen Mitbewohner bekommen, wie ich eben sehe I" begann er, mit Absicht das heikle Thema von vorhin nicht mehr aufnehmend.Es interessiert mich für dich, Miitti, du hattest doch stets eine Schwäche für deine militärischen Mitbewohner."

Das milde Fraiienantlitz verdüsterte sich.

Mein lieber, armer Brühl!" sagte sie und es war, als < sähe ihr Blick im Dämmer der Zimmerecke eine bestimmte Person,wie lieb und nett war er immer gegen mich alte Person und wie klar schien sein ganzes Leben vor uns allen zu liegen und doch schlich er sich so geheimnisvoll und feig aus dem Leden. Sein Selbstmord war eine arge Enttäuschung für mich. Seitdem bin ich mißtrauisch geworden. Der neue Mieter, ein Herr von Tressenberg, kann mich darin nur be­stärken. Er hat einen so hochmütigen Zug im Gesicht, der mir gar nicht gefallen will." Sie wiegte nachdenklich den weißen Kopf.Wir werden uns nie näher treten, wir beiden, nein, nein, ich fühle das ganz genau."

Der Sohn lächelte.

Der arme Tressenberg", neckte er gutmütig,gleich so in Ungnade zu fallen bei meinem sonst so nachsichtigen Mift- terchen. Das spricht nicht sehr zu seinen Gunsten."

Die Justizrätin war beinahe erschrocken.

Du mußt das Gesagte nicht gleich so ernsthaft nehmen, mein Junge. Ich beurteile ihn vielleicht grundfalsch.^ Um alles in der Welt möchte ich ihm nicht von vornherein Sym- pattsien rauben, das würde seine schönen Augen noch melan­cholischer blicken lassen."

Walter lachte nun wirklich herzlich und laut. Aufstehend nahm er den Kopf der Mutter zwischen seine Hände und küßte die Ueberraschte innig auf den Mund.

Du bist doch die beste Frau von bet Welt", sagte er gerührt,kaum hast du dem hochmütigen Jreiherrn ein wenig em Zeuge geflickt, so packt dich schon die Reue und du er­innerst dich mit Bedauern daran, daß er traurige Augen hat, ich wette, im Geiste knüpfst du schnell eine ganz traurige ^schichte an diese Augen, die selbst seinen Hochmut ent­schuldigt. Habe ich nicht Recht?"

Frau von Poseck stimmte lachend bei. Der Eintritt der alten Dienerin, die den Abendbrottisch decken kam, unter­brach das Gespräch zwischen Mutter und Sohn, das nun zu alltäglichen kleinen Erlebnissen überging.

Nach dem schweigsam verzehrten einfachen Imbiß nahm die Justizrätin wieder ihr Strickzeug vor. Walter hatte sich bequem in seinen Sessel zurück gelehnt und die Zigarre rauchend, welche er sich auf die Erlaubnis der Mutter hin angezündet hatte, ließ er wohlig den beruhigenden Frieden seiner Umgebung auf sich wirken. Der leise rau­schende Regen, das geheimnisvolle Surren der altmodischen Stehlampe verband sich mit dem Tiktak des Regulators an der Wand und dem gleichmäßigen Klappern der stäh­lernen Nadeln zu einem eintönigen Lied, das seine erreg­ten Nerven in Schlummer sang. Die Augen halb geschlossen/ träumte er den Traum des Bergessens.

Als die Uhr schwerfällig die neunte Stunde schlug, fuhr er beinahe erschrocken, eine verlegene Entschuldigung stam­melnd, ans seinen Träumen empor. Die Justizrätin lächelte gütig ihre Verzeihung und stand ebenfalls auf, dem Sohne zusehend, wie er den Säbel umschnallte und den Mantel anzog. Als er sich zum Abschiedskusse zu chr neigte, suchte ihr sorgender Blick seine Augen.

Trag's wie ein rechter Mann, Walter!" mahnte sie und strich ihm wie einst als Kind über den lockigen, blonden eitel

Er 'zwang ein Lächeln um den von langflatterndern Schnurrbart beschatteten Mund. ,

Sorge dich nicht, Mutti, ich will schon fertig werden mit mir selbst." t , ,, ,, .,

Es klang so frisch und tapfer, daß die alte Frau ihn beruhigt scheiden sah. Sie setzte sich noch ein Weilchen allein hin und spann Zukunftspläne für die Zeit, da der sohn in einer neuen Liebe völliges Vergessen und em gesichertes Glück finden würde.

Walter von Poseck schritt durch den noch leise sprühenden Regen Es war empfindlich kalt geworden. Der erste Frost meldete sich an. Das Trottoir glänzte schlüpfrig und m den schmutzigen Wasserlachen der Straße blinkte der Wider­schein des weißen Gasglühlichts. In der völlig unbewegten Luft flimmerte der feine Regen wie grauer Staub, die wel­ken Blatter sanken nur vereinzelt, schwer und lautlos. Als der Offizier aus dem Dämmer der Promenade trat, leuch­teten ihm die riesigen, Hellen Fenster eines Restaurants entgegen. Es war ein Safe, das sich bei den Herren vom' Militär großer Beliebtheit erfreute. Poseck überlegte eben, I oh es für seine Stimmung vielleicht von Vorteil sein konnte, noch einen Schoppen Bier hier zu trinken, als sich von hinten ein Arm in den seinen schob und eine nachlässige Manner- ftunmHraiy^ ^Edester der Soliden, kann man es wagen. Sie zu dieser Stunde noch an einen Biertisch zu lotsend

Poseck drehte sich lachend zur Seite und begrüßte den Sprecher, einen großen, schlanken Husarenossizier mit kraf- tigcm^indschlag^ ^^n, Baron! Ich bin bereit, mich von Ihnen ins Schlepptau nehmen zu lassen , sagte er,; auf den scherzenden Ton eingehend.

Der andere hatte schon die Hand aus dem Drucker, der Tür.

Also en avant, Kamerad."

Und er ließ dem älteren den Vortritt.

Tas Lokal war in feinem größten Raume stark üb er­füllt. In bläulichen Wolken schwebte der Zigarrenrauch um den bunten Stuck der Zimmerdecke und die verblichene Pracht der psanblau und rot gehaltenen Pluschdraperien über Fenstern und Türen. Ein Kellner kam den Offizieren dienernd entgegen.

Wer von den Herren da?" schnarrte der Husar und ließ "das Monokel fallen, durch das er die Anwesenden un­geniert gemustert hatte. Das helle Gaslicht zeigte an seiner Person ein braunrotes, ganz bartloses von einer riesigen, gebogenen Nase beherrscht wurde, .per Befrackte hatte schon den Vorhang zum Nebenzimmer zuruck­gerafft. Fröhlicher Zuruf klang ihnen entgegen.

Immer ran! Je spater der Abend, je schöner die GE^Der Rittmeister von Eppen verfügte ebenfalls über eine sehr schnarrende Stimme, aber sie verriet deutlich den ' I energischen, kurzen Kommandoton des schneidigm Osfiziers. Auch , bie kleinen dunklen Augen kündeten Energie und