Areitag den 6. September
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SonnengkuL, Von B- Hoffmann. (Nachdruck verboten.)
Ich bin aus Dalncatien heimgekehrt in meine mitteldeutsche Vaterstadt. In jenem Lande der Farbenglut, der üppigen Fruchtbarkeit und strahlenden Sonne habe ich mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht. Erst als Greisin im Silberhaar sah ich Deutschland Mieder, das ich an meinem Hochzeitstage verlassen hatte. Dalmatien Mar während langer Zeit meine Heimat, und so wärmedurchstrahlt uud leuchtend wie das herrliche Land sich zeigt, verlief auch dort ein großer Teil meines Lebens.
Freilich auch das durch seine wuchtigen, kahlen Felsmassen trostlose Gebirge, das Dalmatien von den Nachbarländern trennt, und an dessen Fuß ich wohnte, hat meinem Leben seinen Stempel ausgedrückt: unheimlich und erschreckend wie die düsteren Klüfte dieses Gebirges, wie seine Höhlen und die rätselhaften unterirdischen Flüsse, die mit wilder Gewalt aus den Felsen hervorstürzen und dem nahen Meere zueilen, waren teilweise auch die entsetzlichen Ereignisse, die mir meine Lieben nahmen.
Doch habe ich niemals das Land und seine Bewohner für meinen Schmerz verantwortlich gemacht. Ich dachte nicht daran, die mir lieb gewordene zweite Heimat zu verlassen, da ich zu Deutschland in keinerlei Beziehung mehr stand. f Einsam sorgte ich viele Jahre lang für Haus und Garten, und erfreute mich noch wie am ersten Tage an der wunderbaren Fruchtbarkeit und Schönheit, die mich umgaben.
So saß ich vor nun zwei Jahren an einem späten Nachmittage auf der Bank vor meiner Haustür. Den Arm auf den Tisch stützend, ließ ich nach des Tages Mühen den Kopf auf der Hand ruhen und lauschte hinauf nach dem leisen Spielen des Windes in den beiden mächtigen Nußbäumen, die in einiger Entfernung von mir in dem Hofe standen und ihren tiefen Schatten über das niedere weißgestrichene Wohnhaus und meinen Ruheplatz warfen. Da knurrte mein Wolfshund, der zu meinen Füßen lag, und reckte sich in die Höhe. „Still, Harras," sagte ich nur und sah gar nicht hin, denn es kamen häufig Fremde vorüber, Bewohner der Berge, die anstatt die neugebaute bequeme Fahrstraße zu benutzen, noch immer den altbetretenen steilen Schmugglerpfad erkletterten, der an meiner Besitzung vorüber führte. Aber der Hund gab keine Ruhe. Ich wandte den Kopf nach dem Hoftor und mußte freudig, lächeln beim Anblick eines Herrn, der einzutreten zögerte — es war ganz unverkennbar ein ge-< bildeter Deutscher; nach Haltung, Ausdruck und dem
freundlichen Interesse, mit dem er meine Erscheinung 6e4 trachtet hatte, ein deutscher Gelehrter. Ich ging ihm lebhaft entgegen, hatte ich doch seit dem Tode der Meinen keinen Deutschen mehr gesehen, nicht mehr deutsch gesprochen, ja selbst die städtische Kleidung war mir fremd geworden^ seit langen Jahren war ich nicht mehr nach der nächsten Stadt, Cattaro, gekommen, wo viele Oesterreicher leben. Doch noch viel fremder hatte augenscheinlich meine eigene Kleidung ihn berührt; ich trug Phantasiekostüm, oder rich-, tiger gesagt, antikes, weißes Gewand. Schon bald nach' meiner Ankunft im Süden hatte ich für ganz unmöglich erkannt, in meiner seither gewohnten Kleidung in dem heißen Klima zu arbeiten. Die malerische Nationaltracht sagte mir aber auch nicht zu, sie ist merkwürdigerweise durch--,' aus nicht kühl und leicht. So fertigte ich mir Kleider nach eigenem Gutdünken: weite, lange Kütten, durch einen Gürtel blusenartig gehalten, mit weiten, offenen Aermeln. Der Jahreszeit entsprechend, trug ich sie aus Leinen, Baumwolle oder Wolle. Meine Tochter Sophia hat ein anderes Ge-i wand getragen, ihre graziöse junge Gestalt sah darin reiz-, voll aus, wie eine klassische Hebe. Hatten wir dringend die Stadt zu besuchen, was sehr selten vorkam, so warfen wir leichte graue Radmäntel über.
Freundlich grüßend kam der Fremde auf mich zu, brach aber mitten in seiner artigen Verbeugung ab und eilte nach den Nußbäumen — sein Blick hatte den Backofen gestreift, der dort stand, und in den ein uralter Gedenk-, stein eingemauert war. Dieser Eifer, wie war er echt deutsch! Und endlich interessierte sich doch jemand für meinen alten Backofen! Mein Mann hatte herausgefunden, der Stein sei schon 1600 Jahre alt, hatte sich aber nicht darauf eingelassen, die griechische Inschrift zu entziffern. Er war zuviel von Hause abwesend durch die Beaufsich-, tigung der Straßen- und Eisenbahnbailten in Bosnien.
Nun schrieb.mein gelehrter Gast eifrig in fein Notiz, buch, und ergänzte die unleserlich gewordenen Stellen der Inschrift. „So, da hätten wir die Geschichte," sagte er endlich, „der Stein ist einem jungen griechischen Sklaven gewidmet, dem Liebling seines Herrn, den er aus Räuber, Händen gerettet hat. Schade, daß er nun so unwürdiger Verwendung Versalien ist." Und übersetzend, las er mir die ganze Inschrift vor. „Nun aber, grüß Gott, verehrte Landsmännin," sagte er dann, „ich zweifle ja nicht, daß ich die Dame vor mir habe, die ich suche. Welch wunder-, bares Land bewohnen Sie hier, welche schöne Besitzung, und wie ausgezeichnet paßt Ihre antike Erscheinung in diesen Rahmen!"
Er erzählte, er bereise mit einer gelehrten Gesellschaft


