Ausgabe 
6.7.1907
 
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Unter? der linden An der Heide,

Ta unser zweier bette was, Ta muget ir i) in beit Schone beide Gebrochen blumen unde gras.

Vor dem Walde in einem tat

Dandaradei Schone sank diu nahtegal." rc.

C. E.

Gebt den Türme» ihre Sprache Mieder!

so lautet eine alte Forderung! des Kunslwarts (München, Callweh), die R. Batlla im zweiten Juniheft aufs neue stellt. Es heißt da unter anderem:

. . . Tie Städter des 'zwanzigsten Jahrhunderts wissen von solch gewaltigen, hundertstimmigen Glockensymphonien nichts'mehr, die in den Kuppeln ihrer alten Türme schlafen. Man läutet jetzt auch weniger als ehedem, zumal die großen Glocken, bereit Schall, tote die Erfahrung gelehrt hat, mit der Zeit auch die Festigkeit des Turmes selbst gefährdet. Auch mögen die akustischen Verhältnisse jetzt andre geworden sein. Tie schmalen, ge­wundenen Gassen mit den niedrigen oder mittelgroßen, giebeligen Häusern ergaben andre Hörbedingungen, als nun die geradlinigen, breiten Sttaßenzüge und vierstöckigen Häuserblocks. Tie Macht des Glockentones, der sich in den tausend Winkeln und Ecken der alten Stadt verfing, entlang des Flusses dahinwallte, und dem die Plätze gleichsam a ls Resonatoren dienten, ist 'mit dem Bev- stummen. der ganz großen Glocken dem Gedächtnis der heutigen Generation entrückt, und die kleineren Glocken haben an dem Straßenlärm der Großstadt, am Klingeln und Rumpeln der Elektrischen, int Sums und Braus der Kraftwagen eine starke Konkurrenz. Roch immer mag die Glockeninschrift Bivos voeo zu Recht bestehen. Aber die Glocken rufen und man hört nur wenig auf sie, sogar in jenen Kreisen, die dem kirchlichen Leben noch nicht entfremdet sind.

Tagegen begegnet man der Poesie der Glockenstimmen noch vielfach lauf dem Lande, soweit sie nicht auch hier vor der alles v ernüchternden Industrie hat zurückweichen müssen. Namentlich im Gebirge bietet das Geläute der Glocken aus den verschiedenen Tälern und in mannigfachen Klangabstufungen dem aufmerk­samen Beobachter ein reizvolles Hörspiel, und die Einheimischen haben für die Eigentümlichkeiten der einzelnen Geläute oft ein sehr feines Ohr. Tie Heimatschutzverbände müßten ihr Augen­merk auch ein wenig auf die schönen Glocken in Stadt und Land hinlenkeu und darin etwas Bewahrenswürdiges erkennen. Ebenso könnte der Lehrer in der Schule durch gelegentliche Hinweise wirken. Wie vielen ist heute das Phänomen des Glockenge­läutes nur noch aus seiner stilisierten Nachahmung in der Musik, von denKlosterglocken" bis zumParsifal" bekannt.

Goethe, heißt es, habe das Gelänte (das verdammte Bim- bambimmel") nicht leiden können. Vermutlich aber bloß das sehr lang andauernde, wie es in früheren Zeiten üblich war, denn er hat doch auch wieder sehr warm vondes Glockentones Fülle" ge­sprochen. Es wäre recht hübsch, wenn man sich entschlösse, dia Glocke auch außerhalb der Kirche als öffentliches SignalwerS- zeug wieder mehr zu verwenden. Den tierisch heulenden Dampf- pfetfeit, womit z. B. die Fabriken den Beginn des Betriebes und

i5slerabend auzeigen, wären fL jedenfalls vorzuziehen. Tas großstadttsche Leben wird täglich geräuschvoller und tonloser. Ver- gebems strauben wir uns gegen den Lärm der Fuhrwerke, gegen die Warnungszeichen der Straßenbahn, gegen die Hupe des Auto und gegen das Alarmgeläute des Aschenmannes. Man komme uns also nicht Mit Rücklicht auf unsere Nerven, wenn inan gerade die freundlichen und musikalischen Lebensklange, die von unfern £unneit m das tolle Getriebe niederschallen, ohne Gegenwehr bclethgeit laßt, Gebt den Türmen ihre Sprache ivieder."

Arthur Sewett: Die Eisrose. Novellen. Ver­lag von Egon Fleischet u. Co., Berlin W. 35. Preis 2. Mk. Arthur Sewett gibt hier eine Reihe kleinerer Erzählungen, die das Leben tu fernen düsteren wie auch in seinen heiteren Seiten totederspiegeln. J£te erste Novelle, nach der die Sammlung genannt ist, zeichnet tu strichen das ganze Lebensbild eines Frauencharak- ters, der von wärmster Gemütsempfindung beseelt, von tiefster Liebe durchdrungen, den Reichtum seines Innenlebens anderen nicht zu offenbaren vermag, der deshalb selbst von den nächsten Angehörigen für gefühllos und kalt gehalten undEisrose" be- retts von den Mitschülerinnen genannt wird. Die Tragik eines Menschen, der ohne Kvmpromisse durch das Leben gehen will und an seinem Wahrheitsdrang zuletzt verblutet, der die Kunst nicht lernen kann, die allein vor Gott und den Menschen angenehm KW 8u bitten unb zu danken, wird in psychologisch fesselnder -E^ckE- Die zweite Novelle behandelt mit tragischer Kunst den Dämon Alkohol, der die ihm einmal Vev- U!" Untergänge treibt, während die dritte ein heiter mthrisches Bild aus dem modernen Gesellschaftsleben gibt und die ^ucht, über sein Können hinaus gesellschaftlichen

Verpflichtungen nachzukommen, voller Humor geißelt'. Eine Ehe­bruchstragödie entrollt die vierte:Ser Lokomotivführer" in dra­matisch spannender, auf Sturmesflügeln der tragischen Sühne hin­stürmender Handlung. Tie Novelleit verdienen es, weiteren Kreisen zugänglich zu werden hauptsächlich wegen des hohen sitt- licheii Gehalts, der in ihnen steckt, auch versteht es der Verfasser seinen Gedanken eine gefällige Form zu geben und uns so die bitteren Wahrheiten schmackhafter zu machen.

Goethes Tod. Dotumeitte und Berichte der Zeit- genoffeit, herausgegeben von Earl Schüddekops. Mit 7 Licht­drucktafeln und Faksimiles. Geheftet Mk. 4. Ein eigenartiges und wertvolles Gedenkbuch zu Goethes 75 jährigem Todestage,' den wir im Frühling dieses Jahres begingen, hat der Jusel- Verlag herausgegeben. Wie über Goethes reiches Leben bis in alle Einzelheiten ein fast unübersehbares Material auf uns ge­kommen ist, so sind auch viele gedruckte und migedruckte Dokumente über seine letzten Tage, seinen Tod und feine Leichenfeiern! vor­handen. Durch eine gesammelte Herausgabe der wichtigsten jener Dokumente, für die Dr. Carl Schüddekops vom Goethe-Schiller- Archiv in Weimar gewonnen wurde, hat der Insel-Verlag jenen Gedenktag in schöner Meise mit begangen. An eine Darstellung des Todes und der Trauerfeiern die freilich die Mehr-Licht- Legende zerstören mußte schließen sich u. a. der Text der Leichenrede unb eine Anzahl meist unveröffentlichter Briefe und Trauerdichtungen lan. _ Sechs Tafeln, darunter die Prellersche i-eichnungGoethe auf dem Sterbebette" und die Todesanzeige, erhöhen den Wert des Buches. Für alle Goethe-Verehrer und wer unter den Gebildeten wäre das nicht? wird das edel ausgestattete Buch eilte sehr willkommene Gabe feilt.

Kunst,

Von schwedischer Malerei berichtet Georg Bröchner- Kvpenhagen tu dem Juni-Hefte der bekannten ZeitschriftDie Kunst (Verlagsanstalt Bruckmann, München, vierteljährl. Mk. 6).' Der Verfasser schildert die Zustände, welche im schweb. KUnstleben m den siebziger Jahren herrschten, und zu einer Opposition der schwedischen Kunstjugend führten. Des alten Schlendrians ntube; iranbten sich bte jungen Künstler nach Paris, nur wenige nach Deutschland, und arbeiteten hier, entzückt über alles Neue, jeder wle es ihm zusagte, mit vollkommen persönlicher, künstlerischer Auffassung und Freiheit. Prinz Eugen von Schweden, Richard Bergh, Carl Larston und Bruno Liljefors gehörten u. a. zu den Opponenten", welche der heutigen schwedischen Kunst ihr eigenes Gepräge gaben. Sie und ihre künstlerischen Nachfolger wie die Brüder Oestermann, Emerick Stenberg, Oskar Björck und vor allem Anders Zorn, charakterisiert G. Bröchner int einzelnen; zahl­reiche ausgezeichnete Abbildungen unterstützen seine Ansfüh- rungen. Bei dem großen Interesse, dem die schwedischen Kvl- lekttonen auf allen internationalen Ausstellungen begegnetem ist drese Darstellung freudig zu begrüßen. Aus dem reichen In­halte des Heftes heben wir im weiteren noch hervor vor allem die illustrierten Aufsätze über die Frühjahrs-Ausstellung der Wiener Sezession, über nette .Bauten von Paul Korfs, über Walter Jllners Monumentalgemälde int Dresdener Justizministerium und Max Läugers neuere keramische Arbeiten. Zwei Gravüren und ein Farbendruck vervollständigen das reiche Jllustrationsmaterial.

Kömgspromenade.

Man bars die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, daß man wie der König auf dem Schach­brett stets von einem Feld aus aus ein benachbartes übergeht.

Auslösung in nächster Nummer.

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Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Stein, Stern.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Stetndruckerei, R. Lange, Gießen,