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Leiden und Sterben unglücklich Liebender zu erzählen. Sie läßt dos leise Rannen und Wehen in dein dichten Blätterdachej zu Seufzern der abgeschiedenen, rastlos ümherirrenden Geistert werden. In der Menge der Volkslieder nimmt die Linde sehr häusig eine ehrwürdige Stelle ein. Bald ist es die schattet«-! spendende Krone, bald der trauliche Platz unter ihr, bald der sinnenberauschende Tust der schönen Blüten, die das Volkslied lobpreisend ian ihr anerkennt. Selbst der Aberglaube bemach-- tigte sich der Linde als eines Geheinmisse bergenden BaumeÄ Er spiegelt seinen Anhängern vor, daß der Lindenbast, um die Brust gebunden, der Zauberei Abtrag tue. Behextes Vieh mit Lindenruten gepeitscht, wird enthext; zu gleicher Zeit fallen die Rutenstreiche auf die Hexe. Mit Lindenhvlz gräbt man die gegen Verhexung schützenden Kräuter aus; Lindenasche vertreibt; auf dem Acker das Ungeziefer.

Tie Winterlinde blüht etwa 14 Tage später als die Sommer-, linde, die wir an ihren breiten Blättern leicht erkennen. Bei einer Höhe von 30 Metern ist sie mit einem. gewaltigen Laub- dache der Stolz und der Schutz in den Ziergärten, in den Anlagen und im traulichen Wickel im Hofe. Die zierlichen Blüten! bilden zwei- bis fünfüstige Trugiwlden, deren Stiele bis über die Hälfte mit einem länglichen, ganzrandigen, stumpfen Neben­blatte vertvachsen sind. Die fünf Kelchblätter unb die fünf größeren blaßgelben Blumenblätter fallen bald ab, sodaß die zahlreichen 3045 Staubgefäße freiste heu. Ter kugelige Frucht­knoten besitzt einen walzenförmigen Griffel mit fünslappiger Narbe. Ist die Linde im Blühen an trockenen Tagen, dann sendet sie mächtige Wellen süßen Duftes in die lauwarme Sommernacht. Alt und Jung ergeht sich unter den Linden und zieht in vollen! Zügen den erquicklichen Wohlgeruch ein. Am Tage gleicht das Summen der hvnigholenden Immen und anderer süßigkeits- liebender Insekten fernem Stimmengewirr. Doch auch Gesindel bewohnt die breitästige Linde und von seinen Stichen trieft von den oberen Blattspreiten süßlicher Säst. Lebhaft ziehen die Ameisen stammauf und stammab, um den aus den Honigs trompeten der saugenden Blattläuse entnommenen Honig zu ihrem unterirdischen Bau zu schleppen. Doch nach einigen Tagen ist das Hochzeitssest des Banmes vorbei, der liebliche Tust ver­flossen in dem großen Weltenraum und die Frucht der stattlich besuchten Hochzeit beginnt sich zu erschließen. An der Stelle jeder Blüte hat sich eine nußartige, meist einsamige Frucht in holziger, fünfkantiger Schale gebildet. Diese Kugelsrüchtchen hängen bis zum Herbste, fallen ab und keimen bald; doch groß werden die Pflänzchen nicht im Schatten des Mutterbaumes, denn nach vielem Licht ringt das junge Lindchen; bleibt ihm die Lichtquelle verdeckt, djann hat das 'Keine Lindenpflänzchen nur kurzes Erdenwallen. Tas Wachstum dieses deutschen Baumes geht in der Jugend außerordentlich rasch vor sich, sodaß die kundige Hand des Gärtners mehreremals dem stürmischen Baunw jüngling mit Säge und Schere in die Statte fahren muß.

Alt, sehr ält kann die Linde iverden, und viele haben gch- schichtlichett Ursprung; Wurden doch, und cs geschieht ttoch heute, zu jeder Zeit zum Andenken an gewichtige, geschichtliche Ereig­nisse Lindenbäunte gepflanzt: Friedenslinden, Kaiserlindenh Lutherlinden, Tichterlinden usw. Einige Riesenlindett unseres! Vaterlandes zeugen vott dem hohen Alter, denn viele Jahr­hunderte liegt der Beginn ihres Lebenslaufes zurück. Nicht im Walde finden wir diese alten Häupter mehr, sondern in der Nähe der Wohnsitze des Menschen, dem sie liebend gefolgt sind. In dem Hofe der altert reichsstädtischen Burg Nürnberg reckt die aus 1000 Jahre Lebensalter berechnete Burglinde ihre mächtigen Aeste in das Luftmeer. Bei einer Höhe von nur 1820 Metern erreicht sie einen Umfang von 15 Metern. Tie Höhlung im Stamme ist so groß, daß man hiudurchreiten kann. Ihr Schatteil bringt einem großen Teil des Burghofs Kühlung. Schott zur! Zeit des dreißigjährigen Krieges kannte man sie als einen uralten Baum. Eine fast gleichalterige Linde ist in Neustadt am Köcher! zu sinden. Deren gewaltigen Aeste 'wurden im Fahre 1392 von 60 steinernen Säulen gestützt, die vor tticht langer Zeit um 40 verntehrt wurden. . .

In die Krankenstube bringt die Linde mancherlei Stttrf b e r n n ff.

Ter Lindenblütentee wirkt als gutes Hausmittel schweiß­treibend, magenstärkend und krampfstillend. Ter Lindenbast ist ein vorzügliches Mittel für geschundene Glieder, wenn er mit Wasser zu einem Brei angerührt wird. Das weiße, zarte Holz ist dem Drechsler sehr willkotnmen, und Lindenkohle dient zumi Zeichnen und Herstellung von Zahn- und schießpulvem. Ant geschätztesten ist der Lindenhonig, denn an Feinheit des Ge­schmackes und Schwere sucht er seinesgleichen.

Ten Liebenden ist der Platz unter der Linde das Ziel des ^abendlichen Ganges und ihrer Sehnsucht.

Unter den Linden will ich dich finden, soll jubeln mein Herze mit dir. Tort wollen wir herzen, dort wollen wir scherzen, dort nimm ich zu eigen dich mir."

Ter alte Minnesänger Walter von der Vogelweide läßt unter! ffrrent Schatten den Buhlen der jungen Maid liebevolle Worte zujauHzen:

Anblick ringsum geschwelgt. So hatte ich die heißesten Stunden des Tages verbracht. Tann weiter, das Tal wird immer noch enger, immer toller stürzt der Bach über Felsen und ausgerissene Baumstämme. Endlich nach weiteren zwei Stunden tritt man aus dem Tal hinaus und kommt in eine flache Gegend. Marien- sels liegt zur linken Hand. Nach dreiviertel Stunden erreicht man Miehlen, bekannt, oder vielmehr nicht bekannt, als Ge­burtsort des berüchtigten Räubers Schinderhännes, dessen Ge­burtshäuschen noch gezeigt wird.

In sechs Stunden hat man also diesen Tagemarsch beendet. Man kann auch in vier Stunden das Tal durchwandern, es ist aber kein Genuß/ durch die herrliche Natur in Sturmschritt zu eilen.

In Miehlen findet msan im Hotel Früh gute Unterkunft.

Am nächsten Morgen macht man sich recht frühzeitig auf, denn der Weg über Bettendorf, Ober- und Niedertiefenbach ist recht langweilig und sonnig. In höchstens 1 Va Stunden hat man ihn hinter sich und tritt ins Hasenbachtal ein. Es ist das ruhigste, idyllischste von den dreien. Es ist jauch am wenigsten be­gangen, und ein schmaler Fußpfad durchzieht es und der ist oft mit Gpas bewachsen, so daß man ihn kaum sehen kann. Frisches Grün erfreut das Auge, Blumen überall, hin und wieder das weiße Fachwerk eines Mühlchens äm flüsternden Bach, dann aber guck; wieder himmelanstvebende Felswände, rauschende Wasser­fälle, gestürzte Blöcke. In 1 Va2 Stunden erreicht man das ^Jammertal, in welches das Hafenbachtal einmündet. An der Mündung liegt die Wäldschmidtmühle, die ländliche Erfrischungen bietet.

Der Dörsbach durchfließt das Tal, das erst 'Jammertal ge­nannt wurde, nachdem einst 'nach der Schlacht von Leipzig flüch­tende Franzosen in das Tal gekommen waren und keinen Aus­weg gefunden hätten, Sie sind eines jämmerlichen Todes ge­storben. Und so sieht das Tal aus. So wild, so massig, daß es einem manchmal bange werden könnte vor gleichem Schicksal. Der Weg ist aber nicht zu verfehlen, es geht nur ein einziger hindurch. Tas Tal ist tiefer als die beiden anderen, die Fels­wände höher und steiler. Der Bach wilder und rauschender. Tie abgestürzten Felsblöcke und nmgerissenen Baumriesen im Bachbette häufiger. Der Weg geht in verschlungenen Windungen bald unten am Bach her, bald steigt ev in kühnem Schwünge die Wand hinan und läuft an ihr her. Auf der einen Seite Felsen himmelhoch, auf der anderen tief unten der schäumende Bach, gerade so wie man es in Alpenschilberungen liest. Alck hundert Schritte ein völlig neues Bild, bald wild^bald lieblich, aber häufiger wild und romantisch. Nach, drei Stunden herr­licher Wanderung endet das Tal- säst plötzlich und man erreicht in 1 % Stunden Katzenelnbogen, wo das Hotel Bremser vor­zügliches bietet.

Ein jeder, der die Wanderung unternommen, wird mit Ver­gnügen der zwei Tage in den Tälern gedenken, zumal die An- .strengungen sehr mäßig sind und sogar Damen sie mit Leich­tigkeit bewältigen können.

An einem Tage die drei Täler zu durchivandern. ist nicht angängig, höchstens kann man von Nassau aus durch das Mühl- bachtal bis zurAlten Burg" gehen, dann nordwärts über Singhofen in das Jammertal gelangen und das Hafenbachtal weglassen. Man braucht zu diese« Tour aber mindestens sechs bis sieben Stunden. Das Jammertal allein durchwandert man von Obernhof. In 56'Stunden kann man so Kätzenelnbogen jerreichen.

Der DaunusKub, der int östlichen Taunus äußerst rührig ist, hat, soviel ich erfahren, die drei Täler auf sein Programm gesetzt, sodaß hoffentlich bald recht vielen der hohe Genuß einer Wanderung durch dieses Gottgesegnete Stückchen Exde zuteil wird.

" E. H. E.

Aie ölühends Linde.

Wir grüßen der Linde süß atmendes Dach'; Sie ruft uns zum trauten Verein, Nimmt häusliches Glück in ihr Blütengemach, Hüllt Mondnacht in Blütenduft ein.

Der Liebe vertraulichem Kosen, ,st

Der Unschuld hell glühenden Rosen Soll sie Beschützerin sein." (Wilibald.)' '

Tie Zeit der blühenden Linden ist da. Welche längst veö- gessene Bilder vermiag nicht der Name dieses echt deutschest Baumes in Erinnerung zurückzurufen: Unter der Dorflinde gruppieren sich die Dörfler, um im trauten Gespräch die Unter­haltung zu pflegen oder Gemeindeanffelegenheiten zu besprechen. Unter der Friedhvfslinde nimmt der Auswanderer Abschied von den früh Heimgegangenen. Tie Behmlinde in Dortmund, wo schauerliche Taten ihre Geburtsstätte fanden. Unter der Linde trafen sich die Liebenden und saßen in dem süßen, berauschenden Duft. Siegfried trifft anr Fuße der Bvxnlinde, als er sich zur frischen Quelle neigt, die Mordwaffe. Unter der Linde fanden Volksgerichte statt. Unsere Altvorderen schritten in den ge­weihten Minen unter dem dichten Blätterdach auf Wallfahrts- Wegen nach den für die Götter errichteten Zeichen. Frau Saga weiß von fast 'allen Linbenbaumgängest mit Schauerlichkeit vön