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fische, die infolge einer längere« Reise nicht uteTyr ganz frisch sind, werden folgendermaßen wieder döltig bekömmlich und frisch- schmcckend geniachl. Man läßt den Fisch nicht eher mit Wasser Zusammenkommen, als bis das Fischwasser eben vor bem Kochen ist. Dann nimmt man ein großes Gefäß voll Wasser (daß der Fisch ganz und gar darin liegen kann und bedeckt ist), dem man zuvor etwa eine Tasse Essig und ein bis zwei Handvoll Salz hiuzngefügt hat. Hierin läßt man ihn gut abtropfeu und kocht ihn sofort. Sogar Feinschmecker haben dann nicht gemerkt, daß der Fisch 'vordem nicht mehr ganz frisch »war. Verschickt inan lebende Fische, so erhält man sie dadurch länger, daß inan ihnen ent Stück in Rum getränktes Weißbrot ins Maul steckt. Geschachtete Fische verpacke man üt frischem, aber trockenem Gras oder tu reinem Stroh und wähle Znqvcrbindungen, die möglichst schnell befördern. C. St.
Jugendfürsorge in einer deutsche« Stadt.
Was selbst in mittleren Städten für notleidende Kinder geleistet werden kann, zeigt Dar in stadt. Ter frühere Oberbürgermeister Ohly stand mit „Vater Werner" zu Reutlingen in Verbindung und gründete für die hessische Residenz in dem benachbarten Gräfen- hausen eine A n st a l t für verwahrloste Kinder, die später ihm zu Ehren „Ohlystift" genannt wurde und sich gut entwickelte. (Im letzten Jahre war sie von 83 Kindern — 45 aus der Stadt, 11 aus Landorlcn des Kreises Darmstadt und 27 aus den übrigen Teilen Hessens — besucht, Tic Betriebsausgaben der Anstalt beliefen sich aut 42 322 Mk.> Troß der guten Erfolge int Ohlystift bringt man jedoch alljährlich eine große Anzahl sittlich gefährdeter K t n der zur Pflege auf das Land. Unter der Zucht guter Bauern- samilien und dem wohltätigen Einfluß dc-r Arbeit im Freien gedeihen die Kinder fast ohne Ausnahme körperlich und geistig, und die Landlehrer sind mit den Fortschritten allgemein zufrieden. Während andere Städte eine größere Anzahl Schulkinder in die Ferienkolonien schicken, läßt man in Darmstadt in den Wintermonaten an schwächliche und bedürftige Kinder ein ivarmes Milch- frü h stück verabreichen. Tie Ktasseuiehrer können bis 20 v. H. ihrer Schüler hierzu auswählen und in besonderen Fällen sind die Oberlehrer befugt, noch weitere Kinder zuzulasjen. Im letzten Rechnungsjahre wurden 7135 Mk. verausgabt. An 74 Schultagen erhielten 1060 Kinder je */» Liter Milch und einen Weck, zusammen 19 588 Liter Milch und 78491 Wasserwerke.
Im Winterhalbjahr ist für die Schüler und Schülerinnen wöchentlich eine Badestunde angesetzt. Besonders schwächliche Kinder kommen vier Wochen zur Sommerfrische in den höheren Odenwald; andere nehmen an einer Kur in Bad- Ra u h e i m teil. — Im letzten Sommer beteiligten sich aus den Mittel- und Stadtschulen 1898 (53 v. H.) Kinder an den Jugend- spiclen, für deren Leitung die Stadt 3264 Mk. bezahlte. Recht segensreich wirkt auch die K n a b e n - A r b e i t s a n st a l t, in der 192 Schüler mit Garten-, Flecht- und Schnitzarbeit beschästigt werden. — Eine zahnärztliche Poliklinik besitzt Darmstadt schon längere Jahre. 1906 wurden hier 892 Kinder (503 Mädchen und 889 Knaben) mit 1855 Konsultationen unentgeltlich behandelt. Sprechstunden wurden, an 247 Tagen abgehalten. Die Zahl der gefüllten Zähne betrug 927; ausgezogen wurden 1292 Zähne (932 Milchzähne und 360 bleibende Zähne). Tie Ausgaben der Anstalt betrugen für die Stadlkasse 1967 Alk. Für die Beaufsichti- auug der Volksschulen durch die Schulärzte entstanden der Stadt Kosten im Betrage, von 3952 Mk.
Man sicht: Bei einigem guten Willen kann ein Gemeinwesen manches auf dem Gebiet der Jugendfürsorge tun, ohne daß es darum sinanziellen Zusammenbruch zu fürchten brauchte.
Veilchen.
Tas vielbesungene, bescheidene Veilchen ist nicht nur zur Parfümierung von Wäsche und Kleider» zu verwerten, sondern gibt auch in verschiedener Bereitung sowohl Hausmittel wie Speisen ab.
V e i l ch en e s s i g ist ein sehr gutes Vertreibungsmittel für nervöse Kopfschmerzen. Er ivird bereitet, indem man die Blütenköpfchen der Veilchen dicht über dem Stiel abknipst, in eine Flasche tut und allerbesten Essigsprit darauf gießt, täglich schüttelt, sechs bis acht Wochen stehen läßt und dann filtriert. Ein Taschentuch in diesen Essig getaucht und auf die Schläfen gedrückt, lindert schnell den heftigsten Kopfschmerz.
V e i l ch e n g e l e e. Die kurz über dem Stengel abgepfluckten Blüten des wohlriechenden Veilchens werden sorgsam verlesen, in ein Mullbeutelchen getan und in leichtem Moselwein */t Stunde gekocht. Ter Wein wird mm mit Zucker klar gekocht, ausgeschäumt, mit Gelatine vermischt, dann eine Handvoll recht frischer Veilchen, gut verlesen, durchgestreut und in Glasschalen auf Eis erstarren gelassen. '
Veilchensir u p. Ihn den aromatischen Veilchengeschmack nach Belieben an Süßspeisen, Limonaden rc. auch zur veilchenlosen Jahreszeit zu haben, bereitet man Vcilchenfirup auf folgende einfache Weise: 7e Kilo sehr gut verlesene, stark duftende blaue Veilchenblättchen ohne jedes Grün tut man in eine Porzellanbüchse
und übergießt dies mit */2 Liter siedenden Wassers, schraubt di« Büchse fest zu oder überbindet sie luftdicht mit doppelter Blase. Man läßt dies eine Nacht stehen und preßt die Masse am anderen Morgen durch ein Seihtuch, nimmt aus 1J„ Liter Saft ein Pfund vom besten Hutzucker, tut beides in ein ganz neues irdenes Töpfchen, fügt den Saft einer Zitrone hinzu, stellt das Töpfchen in eine Kasserolle mit brausend kochendem Wässer, bis der Zucker geschmolzen ist und sich eine weißliche Haut auf der Flüssigkeit zeigt, die abgenommen werden muß. Dann füllt man die klar gewordene Masse in gewärmte Fläschchen, verkorkt und verpicht sie und bewahrt sie frostfrei auf. Ter Saft muß eine schöne blaulila Farbe haben, stark duften und klar sein. Kupferne, emaillierte und Messinggeschirre dürfen nicht benutzt werden. — Mit dem vorstehenden Sirup kann man das Veilchengelee färben, ihn auch zu Limonaden und als Zusatz zu Zitronenlimonade benutzen.
Kandierte Veilchen. Dazu befreit man die Blümchen vom Grün, sticht sie auf eine Stopfnadel und taucht sie in zum Bruch geläuterten Zucker, legt sie auf eine mit Mandelöl eingeriebene Schiefer- ober Marmorplatte und läßt sie erstarren, wickelt sie in lila Seidenpvpiertütchen und reicht sie als Konfekt.
M. Lorenz.
Frühliugsbotschast.
Ter Winter ist gewichen, Geschmolzen Schnee und Eis, Des Sturmes Wucht gebrochen, Lau' Lüftlein säuselt letS. -
Ganz leise ruft eS, leise, In märchenstiller Nacht: „Aus langem Winterschlafe, Ihr Blumen, all, erivacht l
Nicht länger dürft ihr schlasen Im dunklen Kämmerlein;
Nein, blühet, lieblich duftet
Fortan für groß und klein 1"
Behende folgt dem Rufe
Ein Glöckchen, weiß tvie Schnee; Im Tale tönt fein Klingen, Von waldgekrönter Höh'.
Bald folget ihm bescheiden Ein Blümchen, dunkelblau;
Es gleicht den Äug' des Kindes, Dem tmschuldvollen, genau.
Wie dort Marienblümchen
Tas Köpfchen reckt empört Zur Lieblingsblume Jesus, Ein Knabe noch, sich's kor.
Auch Anemon' und Primel
Stehn leuchtend auf dem Plan;
Wohl hatte König Salomo Solch Prachtgewand nicht an!
Und mit des Frühlings Kindern
Im grünenden Revier Erwachet in dem Busen Sorgloses Leben mir.
Hell jubelt eine Stimme, Frohlockt aus tiefster Brust: „Tie grauen Sorgen schrecket Quellklare Lenzeslnst."
Gießen. G e o r g S t r a u b.
Bilderrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Charade in voriger Nummert Wal, 7, Zerbst — zer, Walzer.
Redaktion: Ernst Heb. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea UnwersttäkS-Buch- und Sieindruckerei. R. Lange, Vieh«»


