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hieß, die Preußen hätten die Schlesioig-Hvlstemer NN Sttch g«- lasien, und letztere feien Won den Dänen geschlagen tvorden. Neber den Zusammenhang dieser Ereignisse waren wir uns natürlich nicht klar. Wir hatten nur Sinn für die Tatsache: Unsere deutschen Brüder in Schleswig-Holstein sind von den Dänen unterdrückt.
Daß die jungen Leute in Gießen republikanisch gesinnt waren, wußten wir Jungen sehr wohl und es lag in der Lust, daß in Frankfurt die Republik ausgerufen werdeir solle. Ernes Abends tut September zog an unserem Hause eine Menge Leute vorüber, es hieß, sie zögen nach Frankfurt. Der andere Tag war de« 18. September 1848. Schon am darauffolgenden Tag wurde gesagt, in Frankfurt seien der Fürst Lichnvwski und General Auerswald ermordet, es seien Barrikaden auf der Zen errichtet, diese aber von dort hessischen Truppen erftiirmt worden, wobei es viele Tote gegeben habe. . .
Die Ermordung der Mitglieder des Parlaments be,cha,tlgte ganz besonders meine jugendliche Phantasie. Es wurden grausige Einzelheiten erzählt. Die Bilder der Ermordeten itnirbeit verbreitet. Insbesondere das charakteristische Gesicht des Fürsten Lichnowski hat sich mir so tief eingeprägt, als ob ich den Mann persönlich gekannt hätte. Mit der Person des Ermordeten wurde • später eine Tochter des Gymnasiallehrers Gambs in Büdingen in Verbindung gebracht. Es war dies ein wunderschönes Mädchen mit einem Gesicht wie Milch und Blut. Fürst Lichnowski hatte sich in ein Haus geflüchtet. In diesem soll sich damals das Mädchen befunden und den Versuch gemacht haben, den anstürmenden Voll'shaufen von dem Eindringen abzuhalten. Vergeblich^ Der mordgierige Pöbel zerrte den dem Tode Geweihten auf die Straße und hat ihn dort in schauderhafter Weise mißhandelt und tot- geschlagen. ,
Ich habe nie gehört, daß die irdische Gerechtigkeit dre Miffe- täter zur Verantwortung gezogen habe. Dagegen ist mir von eure« alten interessanten 87jährigen Frau von selteiter geistiger Frische, zur Zeit, da ich das Gegenwärtige niederschreibe, bestätigt worden, -daß Fräulein Gambs im der Tat die Ermordung des Fürsten Lichnowski in Frankfurt mit ansehetl mußte tmd,daß sie dafür als Geliebte des Fürsten verschrieen wurde. Die altje Dame, Frau Dr. Knispel, wohnte im Jahre 1848 mit ihrer Mutter in Büdingen und war mit Fräulein Gambs sehr bekannt. Diese hat später längere Zeit mit ihrem Manne, einem Privatgelehrten Treudt, in Gießen gewohnt.
Der 18. September hatte zur Folge, daß aus der Kuppel des Domturms, welche damals noch die ursprüngliche abgestumpfte Gestalt hatte, eine große Laterne aufgerichtet wurde, „die Reichs- laterne", wie sie im Munde des Volkes hieß. Sie sollte zum Schutze des Parlaments dazu dienen, im Falle der Not den auswärts kantonierenden Reichstruppen Zeichen zu geben, daß. man ihrer Hülfe bedürfe. So hieß es wenigstens. Für den 18. September war es sehr gut, daß man die Darmstädter Trvchpen so nahe hatte. Man hctttA dort Wmt deut beabsichtigten Aufruhr Kenntms erhalten und die Truppen,, Infanterie und Artillerie, kamen 'zeitig genug, um neben preußischen aus Mainz herbetgie!- rufenen Truppen dabei mitzuwirken, den Aufstand in der Geburt zu ersticken. Es ist eigentümlich, daß der Mitwirkung unserer' hessischen Truppen in den späteren Schriften kaum Erwähnung geschieht, aber unser Freund D. befand sich damals unter den stürmenden Truppen. Nach seiner Mitteilung hat der Tag schwerere Opfer auf beiden Seiten geDstet, als damals bekannt geworden. Am lebhaftesten tobte der Kampf an der Constabler Wache. Es war dort eine stark -verteidigte Barrikade errichtet und die dort befindliche LöwenapothÄe, die jetzt durch einen Neubau ersetzt ist, hat noch lange die Spuren der Kanonenkugeln und Kartätschen getragen, die dem Kampfe ein Ende machten.
In den Herbstferien 1849 reiste ich wieder nach Rimbach, diesmal bis Frankfurt zu Fuße, um die Kvsteu der Fahrt mit der „Blamage" zu sparen. iDamals kam ich zu der Friedberger Gasse herein und sah mir die aus den Erzählungen bekannte Löwenapotheke aus die gebliebenen Beweise des stattgehabten Kampfes' an. Diese« war uns Jungen nach den in Berlin und sonst vvraus'gegaugenen Kämpfen und dem Hecherputsch nichts überraschendes'. Wenn ich daran denke, daß ich damals noch nicht 14 Jahre alt War, so erscheint ieg mir auffallend, daß alle diese Dinge mich und die anderen Jungen so. sehr interessierten. Allein in jenen Tagen wurden auch die Schuljungen zu Pvlitikerit. So erfuhren wir auch und diskutierten die Kämpfe izi Oesterreich und standen dem Berzweiflungskampf der Ungarn natürlich sympathischer gegenüber, als 'dem Fürsten Windischgrätz. Der praguiatische Zusammenhang aller dieser blutigen Ereignisse blieb uns Jungen natürlich noch verborgen, aber das verstanden wir doch, daß es sich um den! Kamps des Volkes gegen die Machthaber handelte, und daß es «in Kampf für die Freiheit gegen die Unterdrückung war.
Als Haupkereignis blieb der tragische Tod Robert Blum's nach der Erstürmung Wiens in unserer Erinnerung hasten, der je nach der Stellung der Beurteilenden sehr verschieden aufgefaßt wurde. Wir Jungen waren geneigt, ihn mit der Volksmeinung als Märtyrer für die Sache der Freiheit zu bewundern. Wir ivußten, daß er Parlamentsmitglied war, allerdings Republikaner, und das !var in meinen Augen, als Sohn meines Vaters, ein Makel. Aber Robert Blum war doch von dm« Parlament nach Men geschickt worden, um der Stadt Wien
gegen die Angreifer zu helfen, und der Name oes Fürsten Mndischgrätz wurde auch Won den Dunkelmännern nur mit nichtsweniger als Bewunderung und Achtung genannt.
Der Tod Blums wirkte mehr als vieles Andere für die Sache der Freiheit, selbst aus uns Kinder, dies um so mehr, als in Gießen eine solenne Trauerfeier auf seinen Tod veranstaltet wurde. Ein großer Fackelzug geleitete die Bürgergarde nach dem „Lärchenwäldchen", welches zwischen der Grünberger und Sicher Chaussee, da, wo jetzt die Kaseriie steht, am beginnenden Abhang nach der Stadr zu in schmalem Streifen hin zog.
Bor diesem Wäldchen stellte sich die Bürgergarde in zwei Gliedern lauf. Eine Linde wurde gepflanzt. Dann hielt Dr. K-, mein späterer Lehrer in der Sekunda und Prima, die Trauerrede. Mit seiner sonoren Stimme begann er feierlich: „Rabenschwarz ziehen die Fittiche der Nacht." Diese Worte sind inne unverlöschlich iins Gedächtnis eingeprägt, und der übrige Test seiner Rede schien mir der Sache zu entsprechen. Der Redner würde seinem heiligen Zorn über die „Ermordung" Blums noch weit freieren Lauf gelassen haben, wenn ihm die später festgestellte Tatsache bekannt gewesen wäre, daß Robert Blum nur in tfolge der Beschleunigung der Exekution seitens des Fürsten Windisch grätzden Tod fand.
Die Feierlichkeit der Handlung wurde leider dadurch etwas oe- einträchtigt, daß der Redner bei der Ramengabe für den gepflanzten Baum die Worte sprach: „Diese Linde soll fortan Blu ms- eiche heißen." c . , . ,. ~ .
Rach der Rede gab die Bürgergarde eine dreimalige Salv: ab, von der ich mich erinnere, daß sie einen sehr militärtschen Eindruck machte. Es kam kein Schuß nachgetrottet.
Mit einem Choral, den die Musik spielte, fchloß die Feie«, die einen tiefen Eindruck auf mich machte. Ich konnte nicht di« hämischien Reden begreifen, die damals über Robert Blum im Schwange waren. Das Wort: „Er ist für die Freiheit gestoroen , ist bei mir hasten geblieben, obgleich ich cs erst später vollkommen begreifen konnte. Mein Vater war entschiedener politischer Gegner Blums. Mer auch er war entrüstet über den „Bruch desVolrerrecats , als welchen er die Erschießung Blums betrachtete, und er hat nch bei der Feier trotz seiner Gegnerschaft beteiligt. Allerdings in wie er auch seine Pflicht als Sergeant der Bürgergarde erfüllen
Ich setze noch eine interessante Mitteilung bezüglich Bimns hierher, die mir im vorigen Sommer von einem sehr altert Herrn und Mitkurgast in Bad Salzhausen zu Teil wurde. Dieser letztere war zur Zeit, als das Parlament in Frankfurt tagte, dort Kandidat der Theologie und Hauslehrer, und em fleißiger Besucher der Paulskirche. Es war kurz vor der Abreise Blums nach Wien. Blum sagte in einer Rede: „M au sagt, man müsse aus dem Boden des Rechtsstaats bleiben. Aber der Rechtsstreit ist em« dünne Eisdecke, unter welcher der Strom der Revolution damn- braust." Ihm erwiderte der Abgeordnete von Vincke: „Der Abgeordnete von Leipzig möge sich hüten, datz die Eisdecke Nicht unter ihm bricht, und er von dem Strom der Revolnnonl verschlungen wird." — ,, x
(Fortsetzung folgt.)
Etwas über Fische mrd ihre Vereitmrg.
Nachdruck verboten.
Es ist wohl allgemein bekannt, daß man an den Kiemen nn8 Augen der Fische sehen kann, wie lange sie bereits tot waren. Je röter die Kiemen und je klarer die Augen, desto frischer smd die Fische. Befindet sich indessen schon Schleim auf den Kremen oder sind sie weißlich und haben die Augen schon ein trübes, verschleiertes Aussehen, so tut man besser, die Fische nicht zu nehmen, weil sie zu lange tot sind. Fische müssen, ob gekocht oder gebraten, stets sehr gar sein, da sie sonst gesundheitsschädlich werden kön-ien, während sie, gar und gut zubereitet, sehr zu empfehlen sind. Hat man die Fische geschlachtet und ausgeweidet, so falze man sie etwas ein. Fische, die „blau" gekocht werden sollen, iverben äußerlich nicht mit Salz besprengt; kurz bevor man sie kocht, übergießt man sie mit heißem Wasser, dem man zur Hälfte Essig zusetzte. Fische dürfen nur langsam kochen und sollen sehr heiß zu Tisch kommen. Alle Schüsseln muffen heiß
er Fisch muß frisch sein. Will man den Fisch noch nicht gleich verwenden, so lege man ihn in den Keller ans sauberen Stein- oder Zementsußboden. Er darf noch nicht ausgeweidet werden und muß mit der warmen Hand möglichst wenig in Berührung kommen. Bei Zungen, Flundern, Goldbntt ic. ist es zu emvfehlen, den Schwanz abzuschneiden, sobald mau den Fisch gekauft hat, und ihn dann in den Keller zu legen — daS Fleisch wird besser, weil das Blut nicht na.ch dem L-chwanzenda hinzieht. Hat man lebende Fische im Wasser stehen, um ste noch länger zu halten, so achte man darauf, daß sie nicht flau werden oder gar im Wasser sterben, das würde ihrem guten Geschmack sehr schaden. Der Fisch darf nicht im Wasser sterbcm Sobald die Fische nicht flott schwimmen mit dem Rücken nach oben (wenn sie etwas auf der Seite liegen, ist es schon zu spät), nehme inan sie heraus, lege sie trocken, und verwende sie möglichst bald. Die zubereiteten Fische sollen möglichst kurze Zeit beim Reinigen im Wasser liegen. , _
Verschickte und zu verschickende Filche. Stt-


