Ausgabe 
6.3.1907
 
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großes Gehalt, wünscht sich mit! reicher Dame zu titt» : heiraten. Vermittler, Anonyme verbeten.

lieber bat Geschmack läßt sich nicht streiten, und gewiß ist auch schott durch das Heiratsbureau manche Ehe zustandegekoin- nten, die nicht unglücklicher verliefen als andere Ehen, zu betten der Grundstein int Konzert- oder Ballsaal oder auf der Strandpro- ntenade gelegt wurde. Bedenklicher sieht es dagegen aus, wenn immer wieder titelsnchtigen AdelSnarren die Möglichkeit vorge- spicgelt wird, ihnen durch Adoption zit dem, Ziel ihrer heißesten Wünsche zu verhelfen. Da konnte man z. B. lesen:

Adels-Adoption.

Adliger Herr, Offizier a. D., uralter Adel, ist bereit, reichen Herrn oder Dame, die ihren Namen ändern möchten, zu adoptieren.

Hier hört das reelle Geschäft eigentlich aus. Dettn der adlige. Herr, der seinen Namen auf solche Weise verändern möchte, müßte doch sehr naiv sein, um nicht zu wissen, das; der Adel durch Adoption garnicht mitübertragett wird. Das bürgerliche Gesetzbuch bestimmt im § 1758 lediglich, daß das angenommene Kind den. Familiennamen des Annehmers erhält. Seilt Adels- Prädikat erhalt es aber nicht. Adoptiert ein Herr von Müller einen Herrn Karl Schulze, so darf sich Herr Schulze fortab Karl Müller, aber nicht Karl von Müller neunen, der Landesherr müßte ihm demt den Adel noch ausdrücklich verleihen, und es braucht iticht erst gesagt zu werden, daß dies niemals geschieht, wenn die Adoption nichts anderes als eilt nicht eben sonderlich sauberer Geldhandel auf dem Adelsmarkte war.

VermrschSeI.

* E i n neues Aspir in pr äpara t. Den Aerzten steht eine große Anzahl von Salizylpräparaten zur Verfügung, sodaß man stets mit einer gewissen Skepsis rechnen muß, »venu ein neues derartiges Präparat zur Einführung augebvteu wird. Die Absicht, die bei der Herstellung von bewährten Präparaten, die in irgend einer Beziehung modifiziert sind, verfolgt wird, ist die, gewisse unangenehme Nebenwirkungen abzuschaffeu, mit welchen iittm fast bei jedem Präparate zu rechnen hat. So bietet z. B. das Aspirin, eüt Essigsäureester der Salizylsäure, der gewöhnlichen Salizyl­säure gegenüber den Vorteil, die Schleimhaut des Magens fast gar nicht zu reizen und infolgedessen den Appetit nicht zu beein­trächtigen. Da aber auch das Aspirin von. solchen Kranken, die an einer allzu starken Säurebildung im Magen leiden, nicht vertragen wird, so muß es durchaus berechtigt erscheinen, das jüngste Salizylpräparat, bet dem die Essigsäure durch Methyleuzitronen- säure ersetzt ist, und das den Namen Novsaspirin erhalten hat, an einer größeren Anzahl von Kranken auf seinen Wert hin zu prüfen, wie dies Dr. Guido Liebmann im städtischen Krankett­hause in Triest getan hat. In der Wiener klinischen Wochenschrift teilt er mit, daß er über 50 Fälle von rheumatischen Erkrankungen mit dem. Novaspirin behandelt und sehr gute Erfolge erzielt habe. Magenbeschwerden wurden durch dies neue Präparat nie hervorgerufen und erwies es sich als vollwertiger Ersatz für Aspirin bei Kranken, die dies Mittel nicht vertragen konnten. Bei neuralgischen Erkrankungen schien die Behandlung mit Nov- aspiritt den üblichen Medikamenten gegenüber keinen besonderen Vorteil zu bieten, dagegen leistete seine Anwendung bei Influenza vorzügliche Dienste. Liebmann beobachtete bei dieser meist unter­schätzten Infektionskrankheit in kürzester Zeit, oft schon nach 24 Stunden, eine heilende Wirkung. Da das Novaspirin durchaus' ungefährlich ist, kann es gleich von Anfang an in größeren Tosen verabfolgt werden.

* Die:heira tslustigste Stadt ist nach einer Zu­sammenstellung der Charlottenburger Statistik im Reiche Altona. Dort kamen auf 1600 Einwohner im Jahre 1904 22,75 Heiratende. Es folgen Mannheim mit 22,16, Frankfurt a. M. mit 22,06. Nur diese drei Städte haben eine höhere Heiratsziffer als Berlin mit 21,71. Alle übrigen Großstädte bleiben in dieser Beziehung hinter der Reichshauptstadt zurück. Die niedrigste Heiratsziffcr hatte Posen mit 14,83. Die meisten Geburten wies in de.mselben Jahr Gelsenkirchen mit 54 auf 1000 Einwohner auf. Die Zahl ist am geringsten in Schöneberg mit 24,49, dem sich Berlin mit 25,95 unmittelbar anschließt. Die meisten unehelichen Kinder hat Nürnberg mit 6,75 auf 1000 Einwohner, die wenigsten Barmen mit 1,17. Die gesundeste Stadt war Schöneberg mit 1,41 . Sterbefällen auf 1000 Einwohner und aufs Jahr, die ungesundeste Breslau mit 24,49.

* N a chtigallenf ü ratle. Das Fastnachtsheft desKunst- wart", dem wir die volle Verantwortung für diese Mitteilung überlassen müssen, schreibt foigenoe erfreuliche Kunde: Es ist mit Befriedigung vermerkt worden, daß durch de» Verschönerungsverein Drahtheim in den städtischen Anlagen eine Anzahl künst­licher Nachtigallen in den Baumwipfeln angebracht »vorden ist, welche sich dank dem vorzüglichen und einfachen Patent­mechanismus von Stuß u. Co. von den Parkwächtern bequem handhaben lassen. Bei der allgemeinen Verminderung der Singvögel, und da Nachtigallen, die poetischsten unserer gefiederten Sänger, in Drahtheiin ausgestorben sind, erschien diese Maßnahme sehr dankenswert. Immerhin nimmt es Wunder, »varnm der Verein

die künstliche» Nachtigallen nur im" Frühling schlagen läßt, statt der Bevölkerung auch in der kalten Jahreszeit diesen Genuß zu ge­statten, Stuß u. Co. haben auf unsere Anfrage erwidert, daß ihre Apparate «auch bei Frost taoellos funktionieren, ein technisches Hindernis also nicht besteht, die Freude an der Nachtigall in Weitere Schichten zu tragen und den Vorteil zu benutzen, den die künstliche Nachtigall vor der natürlichen voraus hat. Wie wir hören, hält die obengenannte Firma auch andere Nachtigallenmarken auf Lager, wie Salon-Nachtigallen, Aeols-Nachtigaccen für Privatgärten, Phi- loiuelinen, d. h. zart intonierte Nachtigallen für Nerveii-Sana- torieu usw. _____________

LLLerLrrrsehes.

- - Kulturg eschicht e. Werden und Vergehen im Völlbr- leben. Von A. v. S ch w e i g e r-Lerch en f el d. Mit 614 Ab­bildungen im Text und 41 Tafeln. In 40 Lieferungen; zum Preise von ä 50 Pfg. (A. Hartlebens Verlag in Wien.) Mit den zuletzt zur Ausgabe gelangten fünf Liesermigen (3640) ist das Werk zum Abschluß gelangt. Zwec Bände mit zusammen 1263 Textseiten und 614 Abbildungen (darunter 41. separate Tafeln) liegen vor. Die letzten fünf Lieferungen behandeln in ansprechen­der Weise und gestützt auf die neuesten Quellen die alten Kultur­völker Amerikas, woran ein Abschnitt von besonders aktuellem Interesse anschließt: Die pazifische Welt Tibet, China, Japan, Hinterindien und die malayischc Inselwelt. In einem Schluß­kapitel klingt das Werk mehr resümierend als ausblickend aus. Die Kulturgeschichte der sogenanntenneueren Zeit" ist also in dem Werke nicht vertreten. Da es auf völkerkundlichen Elementen ausgebaut ist (schon der Nebenritel: Werden, und Vergehen im Völkerleben deutet dies an), hat der Verfasser mit Recht von der Behandlung jener Jahrhunderte abgesehen, wo die Grundlagen für die Universalkultur geschaffen waren, es sich also nur mehr um Ausgestaltung derselben, nicht aber um einen prinzipiellen Wandel innerhalb ganzer Kulturepochen handelt. Der ostasiatische Abschnitt ist mit besonderem Geschick abgefaßt und der dargelegte Parallelismus zwischen Europa und Japan im Mittelalter ge­radezu verblüffend. Das Scklußkapitel enthält viele geistreich: Pointen. Die Illustrierung ist reichhaltig und tadellos. Die meisten Abbildungen sind bisher unbekannt gewesen. Es ist zu wünschen, daß das gediegene Werk die ihm znkommende Anerken­nung finden möge.

Musik fürs Haus.

Musik f ü r A l l e. Die im Verlage von Ullstein u. Co., Berlin, erschienene Ballnummer bietet eine reiche Fülle musikalisch wertvoller Tanzweisen. Eingeleitet wird das Heft durch den Tata-Toto-Walzer von Bands, der mit seinen bald sinnlich schmachtenden, bald flotten und kecken Melodien alle Schönheiten eines echten Walzers in sich vereinigt. Die sich an­schließende Kremsersche Polka Drolerie repräsentiert in ihrer frischen Natürlichkeit aufs vorteilhafteste dieWiener Note". Einen Pas de Quadre, wie er besonders in England beliebt ist, aber auch in Deutschland als Rheinländer gern getanzt wird, bietet der bekannte Tanzkomponist W. Aletter mit seinen Bclles of London. Zu dem neuerdings so sehr in Aufnahme gekommenen Menuettwalzer hat Theo Raden eine Musik geschrieben, die all die vornehme Anmut und Grazie der Rokokozeit trefflich wieder- gibt. Die folgende MazurkaSchön Japan" von Ganne, dem Schöpfer der beliebtenLa Zarine", zeigt die vielgerühmten Vorzüge dieses originellsten aller lebenden französischen Tanz­komponisten. Eine Quadrille darf in einem Tanzheft nicht fehlen, daß aber eine reizende und wenig bekannte Oper Bizets den Stoss dazu gegeben hat, dürfte die Leser besonders erfreuen. Mit dem flotten Marsch von Bogumil Zepler Bivc la Bohöme findet das reichhaltige Heft seinen Abschluß.

Tanfchrätsel.

Tie Anfangsbuchstaben untenstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß mau ebensoviete neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben den Titel eines Schiller'jchen Dramas ergeben:

Bach, Enkel, Base, Feder, Obst, Bad, Jahn, Hase, Wand. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kreuzrütsels in voriger Nummer: 8 8 8 c c e h h h

Schelling Schleifen 8 c hl i e b en i f b nee g n n

Redaktion: Ernst Hetz. Rotationsdruck und Verlag der V r ü h l'scheu llnwerstläts-Bueh» und 6lembnicteret, R> Lange, Ttetze»