Ausgabe 
6.3.1907
 
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Stämme Mieder, tmb der Kamps mn beit Nibelungenhort, nm ben Götter wie Menschen miteinander ringen, ist tttpisch für die Seelenverfassung des Urgermanentums und enthält die ganze Tragik des germanischen Völkerschick- sals, d«s sich an der Goldgier und Abenteuerlust der Stämme «fiifite, die um den klingenden Lohn der südlichen alten Kultur- völker ihre heimatlichen Sitze verließen, und in deren Dienst- därkeit und an ihren Giften elend zugrunde gingen. Wie tu der hellenischen u-nd indischen Mythe das gestohlene Feuer die den Göttern wbgelanschte Kirnst des Feueranzündens so gereicht in der germanischen Mythe das gestohlene Gold dem Menschen zum Verderbet,, und er muß dafür büßen und geht zugrunde als ein andererPrometheus" undPramantha", der vor- der Gottheit aus Kreuz geheftet wird.

Hast du an Stein und Felsen dann genüg. Gleich werden dich Metalle reizen, ' Nach denen Kunst, Gewalt und Trug

, Mit unverwandter Mühe geizen.

So Goethe. Kunst, Gewalt und Trug: das fitti» die drei Gewaltigen, welche mit dem Metall unter das Menschengeschlecht einzogen tmb sein weiteres Schicksal bestimmten. Dies-s geriet damit in den Bann einer überwältigenden Macht, aus den es noch bis ans den heutigen Tag nicht wieder frei geworden' ist; denn auch die heutige Menschheit steht mich in der Metallz-rit, und zwar am Ende der Eisenzeit, und sie,steht damit noch in den Flegeljahren", die einsetzten, als der steinzeitliche Urmensch die Kunde und Kenntnis des Metalls erlangte, als aus dem Stein- Uopfer ein Schmied und Schivertschwinger wurde.Als der Mensch zuerst die Holzkeule statt der Roßen. Faust zum Schlage schwang" sagt Hörncshat er gleichsam neuen Stoss ui die alte Form gegossen. Dasselbe geschah, als er, am Ende Les Stockes statt des geschnitzten Knorrens den zugeschlagenen und polierten Steinhammer wirken ließ, tmb wieder nichts anderes vollzog sich, mls der Steinhammer oder «steinkeil durch die me- tallcne Axt ersetzt wurde." Air aber meinen, daß sich doch nochectwas anderes dabei vollzogen hat, und derneue Wein für den alten Schlaucht auch noch einen anderen Vorzug hatte, als nur den, wie derselbe Hürnes sagt, das; erseine Rückwirkung auch aus die Form Wie", indem er gestattete, dieselbe klarer, be­stimmter, zweckmäßiger heranszuarbeiteu.Der Stein ist noch ein plumper Geselle" sagt dieser Forscher in der Folge sehr treffendman hat ihm hin und wieder absonderliche Formen abgerungen, gleichsam den bäurischen Knecht in Lakaienlivree ge­hüllt. Erst das Metall ist der glänzende, gewandte Diener der Menschheit, der geschmeidige Stofs, welcher, die alte Form bald so graziös znsammeuzieht, bald so geschmeidig ausdehnt, daß die Typen der Vergangenheit als Arväterhausrat allmählich in die Rmnpelkanwier wandern müssen." Das Metall sagen wir dagegen war laber zugleich der Mephisto, der den urmeitto» sichen Faust über die Erde hintrieb, der ihn von Begierde zu Ge­nuß taumeln und ihm im Genuß vor Begierde verschmachten ließ: es war der Dämon, der altes Höchste, tote das Tiefste und Verworfenste in der Menschenbrust zur Auslösung brachte; ,und wenn Rousseau recht haben sollte, daß es einst einen paradiesischen Urzustand gegeben, von dem auch alle menschlichen Nrsagen zu berichten wissen, so kann es nur das Steinzeitalter gewesen feilt, und die Vertreibung ans dem Paradiese, vor dem der Erzengel mit flammendenSchwert" steht, war der Uebergang in die ruchlose, gott- tmb menschenschänderische Metall zeit, die das rigeut- liche Kulturleben mit allen seinen Früchten wie mit seinem ganzen Menschenelend gezeitigt hat.

Die verschiedenen Menschenrassen und Völker haben den Ueber- gang vom Steinzeitalter zur Metallzeit nicht gleichmäßig ge- nracht, und viele andere haben ihn überhaupt nicht gefunden. Die gesamten Südseeinsulaner stehen noch heute in der Steinzeit, da ihre vulkanischen und Kornlleninseln ihnen keine Metalle darbieten. Andererseits sind die Indianer Amerikas und die Neger Afrikas auf selbständigem Wege zur Metallbenutzung gelangt, ebenso die asiatisch-europäische Völkergruppe. Dagegen fanden die Indianer nacht die Kunst, das Metall in Feuer zu bearbeiten; sie wußten es nur roh zu hämmern, verstanden aber doch bereits, Schmuckstücke und Ringe, aus diese Weise herzustellen. Es handelt sich dabei nur um das Kupfer, das außerdem zu Aexten, Meißeln, Grabsticheln, Dolch-, Pfeil- und Lanzenspitzen verarbeitet wurde. Anders wiederum die Negerstämme Afrikas, die unmittelbar vom Stein zum Eisen übergingen, da sie das Kupfer kaum kannten. Nur die Bergdamaras verstehen daraus ohne Feuer, allein mittelst Steinen, Ketten, Ringe und Armbänder zu fertigen. Viele der übrigen Rcgerstämme gelaugten selbständig zu der Kunst, das Eisen zu schmieden, und haben damit die Bronzezeit übersprungen. Aber Nieser Uebergang war nur unvollständig und hat nicht die Folgen gezeitigt, die den europäischen und asiatischen Völkern in einem höheren Kulturleben daraus erwuchsen. So verfer­tigen die Kvngoneger treffliche, mit Kupfereinlagen kunstvoll ver­zierte eiserne Schlachtbeile, die von den Arabern sehr gesucht und in den Handel gebracht werden. Schon bei diesen Stämmen z. B. den Lomaini, ist der Dorfschmied eine geheimnisvolle, mystisch verehrte PerfSnliäMt und zeigt etwas vom Charakter der gött­lichen ü>nd h. wischen Schmiedemeister in den arabischen Mythen, wie besonders Wieland in der germanischen. Derschmied «mde daher überall M Mrft-rM Md .WneWiM aWcsehM;

man suchte ihn zu feste in, weil man ihn brauchte, aber mar» fürchtete ihn als einen Priester und Zauberer, der mit übernatürli­chen Mächten in Verbindung stmid, mit Geistern, die in der räucher- süllten Schmiede hausten. In ganz Nordafrika leben die Schmiede in Kasten, die allerdings mißachtet und von der übrigen Be­völkerung getrennt sind, was daran; schließen läßt, daß sie aus einer Urbevölkerung stammen, die später von anderen Stämmen überzogen und verdrängt worden; und daß die Eindringlinge die Schmiedekünst noch nicht gekannt haben, denn sonst würden sie gerade diese Klasse nicht übriggelassen haben.

Aehnliche Verhältnisse bcstanken in Palästina zur Zeit des Einzugs der Israeliten anS der Arabischen Wüste. Diese hatten, keine Schmiede und mußten ihre Werkzeuge danach bei den schmiede- knndigen Kanaanitern bearbeiten lassen. So waren noch zur Zeit Sanis dieser König nnd sein Sohn Jsbeseth in einer schlacht die einzigen Männer, welche Schwerter besaßen. Wie die alten Israeliten aber mit ihren Steinwaffeu doch die metailbewaMeten Kanaaniter besiegten, so sollen auch die Vorfahren der Chinesen nach deren Neberlieferung mit Steinwaffen das heutige Reich der Mitte den metallkundigen Alttibetanern abgerungen haben. Zwei Jahrtausende vor dieser Zeitrechnung wurden so die Chinesen schon mit dem Metall bekannt und lernten Gold, Silber, Kupfers zu Schmucksachen verarbeiten. Unter der Dynastie Tscheu (1123 bis 247 v. Chr.) wurde die Bronzemischnng erfunden, aus der dann alles, Waffen, Wertzeuge uns Schmuck hergestellt, wurden, so daß dieser Zeitraum das rechte Bronzealter der Chinesen darstelu. Erst im 3. Jahrh. v. Chr. kam das Eisen auf, und um Christ» Ge­burt hatte es oie Bronz-e verdrängt. Ueverall behauptete sich so die Bronze zäh gegenüber dein nützlicheren und zweckmäßigeren Eisen,«a ls der gefälligere, lockendere und leichter zu bearbeitend«! Stoff. Die lange Vorherrschaft der Bronze ist besonders charatz. teristisch für die europäisch-asiatische Bölkrgruppe und erstreckt sich von China bis zum Atlantischen Ozean, einschließlich Aegypten. Libyen nnd Mauretanien. Man sucht den Ausgangsvunit für das Metallzeitalter dieser ganzen Bölkcrgrupp- in dem erzreichen Ge-, biet zwischen Ural nnd Altai und glaubt in dem turamschen Bergstamm der Akkader, der lange vor der Blüte der chaldcnscheN Kultur Ms Hochasien zu der dunkelfarbigen Urbevölkerung des Euphratlandes herabgestiegen sein soll, den Stamm gefunden zu haben, der zuerst die Kunde der Metallbereitung ertvaro und ui diese Nrkukturlandschaft der westsasiatisch-europärscheit Völker- grupoe gebracht hat. Die Aegyptcr arbeiteten in ihren Kupfer-! ütiu'eu auf dem Sinai noch mit Steintoerkzeiigen. In der Gdgenü zwischen Armenien und Kaukasus saßen in alter.Zell schmrede- tündige Stämme, wie Tibarencr (Tubal), deren Meister Tubalkam m der Bibel als der Begründer der Metallkunst erscheint. Zinn- gruben finden imr ans deut Pardpamisirs Irans;

Avelsmaekt.

Wlige Titel und Namen scheinen sich, so schreibt män unk aus Berlin, allmählich geradezu zu einer Ware herauszubilden, um die aus dem Markte gefeilscht und gehandelt wird. Und zwar auf dem Heiratsmarkte. Die herabgekommenen Kavaliere, die mit Hülse des letzten, was ihiien blieb, ihrer Adelskrone, ihrs gescheiterte Existenz wieder auszurichten versuchen, schämen sich garnicht mehr, sie öffentlich als Kansobjelt anzubieten. Die so- geiiannteSiamcnsheirat", von der wir in diesen letzten Jahren in der Berliner Gesellschaft eine Reihe geradezu skandalöser Fälle erlebtm, hat sich gewissermaßen zu einem festen Institute aus­gebildet. Davon kann imion sich täglich aus dem Anzeigenteil großer Blätter überzeugen. Es heißt da z. B. :

Baron

und adliger Herr wünschen Abschluß von Ramens- heirat. Strengste Diskretion.

Wer auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der gewerbs'-. mäßigen Vermittlung zu einer Frau und- zu Geld zu gelangen sucht/ ist in Deutschland immer noch, begehrter, wenn er das Wörtchens von" ouf seine Visitenkarte setzten kann, als der schlicht bürger­lich Geborene, verfehlt daher auch nie, in seinen Offerten zu be­tonen, dich eradlig",von altem Adel",von ältesteiü Adel" ist. Zwei Proben mtS einem Berliner Blatte:

Adliger

Subalternbeamter, Witwer, lach., 42 F 1 Kind (13 Jahre), wünscht sich mit älterem Fräulein od. Witwe, ohne Anhang, Alter bis 40 Jahre,, Ver­mögen mindestens 20000 Mk., zu verheiraten. Diskretion Ehreiisache. , .

Für meinen Freund, 27 Jahre alt Kavallerie, ofsizier der Reserve, von ältestem Adel, _ hochvor- nehmer edler 'Charakter, tadellose Er,chemung, nicht unbemittelt, suche eine liebevolle Ehe- genosfin Vermögen 300 000600000 Mk. er­wünscht, soll zum Teil zum Ankauf einer Herr­schaft verivandt werden.

Die Adelslucht gewisser deutscher Kreise wird sogar auch tm Auslände zum Zwecke der Heiratsspekulation ansgeniitzt. Darauf läßt wenigstens folgende Anzeige schließeii:

Römischer Adliger

Dr. jur., dreißigjährig, hoher römischer Magistrats-

, beaMer, WMehiiister Gefellfchaft .verkehreuhd<