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Vertrauensvollste Menschenliebe zu atmen schien, fühlte sie sich dazu nicht im stände. Stockend und zaghaft erst, bann aber mit frei­mütiger Offenheit erzählte sie ihr alles, von ihrem Besuch in der Redaktion desMorning Telegraph", an bis zu dein Augenblick ihres Eintritts in dies' Zimmer. Sie war darauf gefaßt, das gütige Wohlwollen auf Miß Garnetts Gesicht in einen Ausdruck der Entrüstung verwaiidelt zu sehen, aber die niildc Freundlichkeit wich nicht aus den« Zügen der Kranken.

Ich daiike Jhnerr für Ihre Aufrichtigkeit, mein liebes Kind," sagte sie, als Margarat geendet,denn e3 wäre mir vielleicht in der Tat sehr schmerzlich gewesen, wem« ich erst aus einen« indiskreten Zeitungsartikel hätte erfahren müssen, daß ich mich in Ihnen getäuscht hatte. Aber da Sie mit nun so vertrauensvoll Ihre kleine Sünde gebeichtet habe««, «nächten Sie mit da nicht auch schon ctlunS mehr von Ihren« Leben erzählen? Darauf, daß ich feinen schlechten Gebrauch davon machen iverde, können Sie sich verlassen."

Und freudigen Herzens, mit einem Gefühl unsäglicher Er­leichterung und innigster Dankbarkeit, leistete Margaret dieser Auf­forderung Folge. Gab es doch auch in ihrer Vergangenheit und in ihre«« Verhältnissen nichts, das sie hätte verbergen oder verschleiern müssen. Ihrer Armut und ihrer Verlassenheit hatte sie sich noch nie geschämt und den klaren guten Augen dieses alten Fräuleins gegenüber kam ihr nicht einen Augenblick die Empfindung, daß Miß Garnett sie im Verdacht haben könnte, lediglich auf ihr Mit­leid zu spekulieren.

Ms sie nichts mehr zu berichten hatte, reichte die Kranke ihr noch einmal die Hand.

Ich freue mich von ganzem Herzen des Zufalls, der Sie in mein Hans geführt hat, Miß Barrhmore! Wenn es auf mich und auf meine Wünsche ankommt, soll es Ihnen von heute an eine neue Heimat werden. Als Sie kamen, war Ihne«« die Be­werbung um die Stellung einer Gesellschafterin nur ein Borwand. Wenn ich Sie nun aber herzlich bäte, diese Stellung wirklich anzunehmen, würden Sie mit dann eine abschlägige Antwort geben?"

An Margarets Wimpern glänzten zivei große Träne».

Oh, Miß Garnett, wie soll ich Ihnen »ach Gebühr für soviel Güte danken!"

Da ist von einer besonderen Güte gar keine Rede, mein Kind! Ich bin vielleicht sogar nie in meinem Leben selbsüchtiger gewesen, als da ich Ihnen diesen Vorschlag mache. Werm ich nicht lebhaftes Gefallen an Ihnen fände und mit nicht viel erfreuliche Stunden von Ihrer Gesellschaft verspräche, würde ich gewiß nicht den Wunsch hegen. Sie immer um mich zu sehen. Und Sie sollen auch heute noch gar keine bindende Berpflichtrmg eingehen. Wem« Sie finden, daß die übernommene Aufgabe Ihren Erwartungen nicht entspricht, soll es Ihnen jederzeit freistehen, sich einen anderen Wirkungskreis zu suchen."

Margaret antwortete ihr nicht durch! irgendwelche überschweng­lichen Versicherungen, in der Stille ihres'Herzens aber legte sie sich -das feierliche Gelöbnis ab, fortan auf nichts anderes bedacht zu sein als darauf, sich der Güte »nd des Vertrauens dieser edlen Fran würdig zu erweisen.

Sie hatten eben besprochen, daß Margaret noch heute aus ihrem bescheidenen Pensionat in das Garnettschr Haus übersiedeln solle,, als eine Dienerin eintrat und den Besuch des Herrn Dr. .Chilton meldete. Das junge Mädchen wollte sich zurüöziehen, Äber Miß Garnett winkte ihr zu bleiben. Und der erste Blick des eintretenden Arztes fiel uns ihre schlanke, dunkle Gestalt. Er jvar sichtlich überrascht von der Erscheimmg des ihm unbekannten jungen Mädchens, das vielleicht noch nie hübscher ausgesehen hatte als mit dem feinen Rot einer freudigen Erregung auf beit zarten Wangen und dem beglückten Leuchten in den braunen Augen. Halb unwillkürlich machte er ihr eine tiefe, ritterliche Verbeugung. Utib während sie in leichter Verwirrung beit Kopf zum Gegengrnße Neigte, gewahrte Margaret, daß dieser Arzt, dessen Jugend sie in .Erstaunen setzte, ein ungewöhnlich schöner und stattlicher Mann war, ein kraftvoll und ebenmäßig gewachsener Recke mit einem bestechenden dunkelbärtige!« Charakterkopf und lebhaften schwarzen Augen voir jenem heißen Glanz, der weiblichen Herzen so leicht gefährlich wird.

Sie zog sich bescheiden in den Hintergrund des Zimmers zu- Tüd; Miß Garnett aber beeilte sich, die Vorstellung zu bewirken.

Erlauben Sie mir. Miß Barrymore, Sie mir Doktor Laurenec Chillon bekannt zu machen, dem ausgezeichneten Arzt, dem ich nun schon zum drittenmal pne Erhaltung meines armen Lebens zu danken habe. Ich hoffe, daß Sie gute Freunde feilt werden, dem« der Doktor gehört zir meinem Hanse, wie Sie hoffentlich jortan dazu gehören werden."

.Chilton hatte sich abermals gegen das junge Mädchen verneigt,

und diesmal fühlte sich Margaret fast peinlich! berührt vor« der Glut seines ans ihrem Antlitz ruhenden Blickes. Er war offenbar «roch nich-t ganz darüber imKlaren, für was er sie anzusehen habe, aber er stellte keine indiskrete Frage, sondern wandte vorerst seine ganze Aufmerksamkeit der Patientin ^u, nach deren Besindei« er sich in zarter und beinahe liebevoller Weise erkundigte. Mit gutem Humor, dem Humor eines von eigenem Leid nur wenig angefoch­tenen goldenen Herzens, gab ihm Miß Garnett Antwort auf seine Fragen. Er schien mit ihrem Zustande nicht unzusrieden, aber es war doch wie ein Schatten von Sorge auf feinem ausdrucksvollen Gesicht.

So hätten wir den böfeu Feind also glücklich noch einmal aus dem Felde geschlagen", sagte er.Aber ich denke, daß ivir nun doch sehr ernstlich darauf bedacht fein müssen, ihm keine Gelegenheit z» einer neuen Attacke zu geben. Ich würde es für das beste halten, meine verehrte Miß Garnett, wenn Sie diesen« abscheu­lichen Newyork für eine Weile beit Rücken kehrten und eine aus­giebige Erholungsreise nach Kalifornien oder nach Europa unter­nähmen."

Haben Sie es fo eilig, mich los zu werden, lieber Doktor?" fragte die alte Dame lächelnd.

Ganz und gar nicht", verficherte er.Ich gebe mich viel­mehr der Hoffnung hin, daß Sie mich mimehme» werden."

Wie eine richtige Fürstin, die mit ihren« Leibarzt reist", scherzte sie.Und Ihre Newyorker Praxis, Doktor Chilton?"

.Er machte eine geringschätzige Bewegung mit den Schultern. (Sortierung folgt.)

Die ältere Bronzezeit, der Knlimsiegeszug der Hirmenschheit.*

Die Bronze hielt ihren Einzug in Alte uropa nicht mit Trompeten- und Paukenschall wie eine moderne Erfindung, die mit den Wirkungen des Dampfes oder der Elektrizität arbeitet; nicht durch eine Triumphpforte kam sie herein, sondern nach und nach; als aber einmal ihr Bortrab eingerückt wat, konnte ihren Siegeszug nichts mehr hemmen." H ö r n e s.

Das biogenetische Grundgesetz, welches Häckel ausgestellt Hat, daß die Ontogenese, das einzelne, individuetl-e Werden,, nun eine Wiederholung der Phylogenese, der Stammesentwicklung, ist, gilt nicht nur in physiologischer, sondern auch in kultureller! und geistiger Hinsicht, i Die Stufen des Kindesaltcrs spiegeln! uns die Kulturentwick'lung der Menschheit wieder. Der Embryo kouuut als Honto akalus, als sprachloser. Urmensch zur Welt und beginnt seine erste Lebensbetätigung, nachdem er stehen und aufrecht gehen gelernt hat, als Mensch der Sleiuzeit. Das erfte Spielmatertal des Kindes ist Erde, Sand und Stein. Es backt und baut damit unermüdlich, und betätigt so seinen ntsprünglicheit Form- und Gestaltungstrieb. Der Stein wird ihm zum Hammer und Wurfgeschoß, der Stock zu Lanze und Pfeil. Das sich selbst überlassene gesunde Kind, dessen Formtrieb man nicht durch künst­liche Spielsachen lahmgelegt har, bringt sich alles Material, das ihm zu Händen kommt, in eben der primitiven Weise zurecht/ !vie sein urzeitlicher Vorfahr getan. Es geht dann aus dem Stemzeitalter in die Metallzeit über, indem es seinen ersten kleinen Säbel" erhält und mit Hammer und Meißel nmzugeheit lernt. Wenn der Knabe zum erstenmal seine kleine Masse schwingt, erivachen Triebe und Instinkte in ihm, die zuvor «wch ge­schlummert, erwacht der Tateildraug und die Abenteuerlust. Er rottet sich mit Genossen zusammen und streift übet das Feld, in die Weite, aus den« väterlichen Hans und Garten heraus- Die Brust dehnt sich, und das gesamte Lebensgefuhl ivirb ge­steigert. Er beginnt sich zu fühle» und seinen Krusten zu ver­trauen. So geht er in die Ritterzeit unb die der Flegeljahre über, die er erst wieder zu überwinden pflegt, wenn er zu vollbewußter Männlichkeit hetanzureifcn beginnt.

Beim ersten Erscheinen des Metalls erging es dem Urmenschen, wie heute noch dem Kinde und dem naiven Menschen es ergeht. Man beobachte nur, wie dessen Ang en leuchten, und welche Freude beide verraten beim Anblick einer blanken Münze oder eines, blitzenden und schneideitdeit Gegenstandes, dann wird man die Lockung tvitb Verführung begreifen, die das Metall auf die naive Steinzeitmenschheit ausgeübt, und welche ungeheure Leiden­schaftlichkeit ;u u b* Gier es in ihr entfacht haben muß. Diese Wirkung spiegelt sich besonders in den Ursagen der germanischen

* Diese Ausführungen entnehmen wir mit Erlaubnis der Verlagshandlung Strecker & Schröder in Stuttgart dem bei ihr erschienenen BucheDer Mensch der ttrjeit" von Heinrich Dries- mans. Mit seinen Textabbildungen, farbigen Tafeln und seinem bei dem reichen Inhalt niedrigen Preis ist dieses Werk ein Unikum. Allseitig findet Driesman's wertvolles Buch, das durch ein ausführliches Namen- und Sachregister ein selbstäudigesNachr schlagewerk bildet und ein Volksbuch im wahre» ©inne des Wortes darstellt, Interesse, Beifall und Absatz, D. Red.