1307

a>

g

SKT

W

S

ffl

Junkeu unter der Asche-

Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg).

Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt.

(Fortsetzung.)

Schlug die Hoffnung, welche sie auf den Kammerherrn setzte, fehl, dann blieb ihr in der Tat nichts anderes übrig, als Frau Rad ach zu werden, nicht einmal von Radach. Aber Velt- lingen zeigte sich bisher ihren Wünschen sehr geneigt.

Tas betonte er jetzt auch wieder.

Es würde ihm eine besondere Freude sein, das zu ver- Vntteln, wenn er auch nicht begreife, warum seine hochverehrte Freundin solchen Wert darauf lege."

Mit ihrem bezauberndsten Äugenaufschlag hatte Fredine ihm vielsagend entgegnet:

Wenn das arme Herz doch nicht sprechen darf, lieber Baron . . da muß man eben den Verstand walten lassen. Oder glauben Sie, daß ich noch einmal das große Los gewinne? Mein Schneiderwünscht es' sehnlich st!"

Veltlingen sah sie an.

Pardon, Gräfin, er wünschte es."

Blitzschnell senkte sie die Lider, damit er nicht das trium­phierende Aufleuchten ihrer Augen sah. Sie tat, als ob sie seine letzte Aeußerung nicht verstanden.

Ich kann also auf die Erfüllung meines Wunsches rechnen?" fragte sie mit anscheinender Ruhe.

Auf die Erfüllung aller Ihrer Wünsche," entgegnete er feurig, und nach einer Pause setzte er sinnend hinzu:wpnn ich nur Ihre Vorliebe für den Lichtrat begreifen könnte."

Fredine sah argwöhnisch nach der Tür. Raschelte es nicht eben hinter dem Vorhang? Sie horchte noch einen Augenblick, ehe sie mit leisem Lachen meinte,desto mehr verstehe ich seine Vorliebe für mich zu würdigen."

Sie wurde plötzlich ganz ernst.

Lassen wir doch einmal die Maske fallen, lieber Baron. Lediglich in Freundschaften zu schwelgen, hat auf die Tauer doch nur dann Sinn, wenn die pekuniären Verhältnisse da­nach sind. Ich liebe cs nun einmal, in der Equipage zu fahren und ein großes Haus zu machen. . . und Radach kann mir das bieten. . ."

Veltlingen lachte.

Sie sind von einer köstlichen Offenheit, Gräfin. Also den ürmen Radach gedenken Sie als Portemonnaie zu heiraten? Was soll dann aus unserer Freundschaft werden?"

Sie sah ihn mit fpöttisch zusammengekniffenen Augen an. Werden?"

p Und dann sprang sie plötzlich empor.

Hörten Sie nichts? Eben klappte doch die Tür!"

Bewahre," behauptete Veltlingen mit anscheinender Ruhe, über es war ihm doch ungemütlich zu Sinn. Tas fehlte grade, daß jemand gehorcht hätte. Er stand auf und schob die Portieren zurück. Es war niemand zu sehen, nur lag die Tür lose an- tzelehnt.

Der Kümmerherr zog sie zu. Er sah unruhig und erregt aus. Der fatale Gedanke, belauscht zu sein, drängte sich ihm immer wieder auf.

Er war froh, als die Uhr endlich fünf schlug. Fredine sah ihn erstaunt an, als er Miene machte, so ungewöhnlich früh zu gehen. Ihr Erstaunen verwandelte sich jedoch in heftigen Schrecken bei seiner Behauptung, ausdrücklich nur auf ein Stündchen eingeladen zu sein.

Unruhig ging sie, als Veltlingen fort war, im Zimmer um­her. Wenn Radach doch nur erst da wäre. Tie Uhr zeigte schon ein Viertel auf sechs. Er kam doch sonst stets vorder angegebenen Seit; aber es wurde sechs und er kam noch immer nicht. In ihrer Besorgnis schrieb sie ihm endlich einige Zeilen.

Förmlich erleichtert icrtmcte sie auf, als sie die Antwort in Händen hatte. Also ein Versehen seines Dieners! Gleichzeitig entschuldigte Radach sein Mchtkommen für die nächsten Tage. Ter Gräfin wpr das ganz recht. Vielleicht konnte sie ihm dann schon die erhoffte Botschaft bringen. . .

Es war -cttoa eine Woche später, als sich Veltlingen zur Mittagszeit in vollster Gala bei Fredine melden ließ. Ein Blick in sein strahlendes Gesicht verriet ihr sofort den Grund seines Kommens. Sie beglückwünschte ihn auf das herzlichste. Auf­geregt und ein wenig verlegen küßte Veltlingen ihr die Hand.

Ich habe Sorge," meinte er auf ihren fragenden Blick, baß ich eine Fehlbitte tue, wenn ich, ankuüpfend an Ihre Aeußerung vom Spazierenfahren, meinen bescheidenen Dank durch die Jucker auszudrückcn wage, die Sie in Veltlingen bewun­derten, Gräfin."

Fredine überlegte sekundenlang. Tann hob sie mit gut ge­spielter Trauer den Blick. Ihre Stimme klang weich und eigen­tümlich verschleiert, ols sie leise erwiderte:

Lieber Freund, das geht wirklich nicht. Ganz abgesehen von den erheblichen 'Unterhaltungskosten, ohne die es nun ein­mal bei eigner Equipage nicht abgeht, was sollen die Leute denken?"

Er zuckte ungeduldig die Achseln.

Erstens ist das gleichgültig, Gräfin, und zweitens werden Sie einem so treuen Freunde doch nicht wegen der Leute diese Bitte abschlagen. Kutscher, Stall und Fourage ist bereits auf ein Jahr gemietet. Und was dann wird ist wohl Sache des braven Radach, dem Sie übrigens schon heute mitteilen können, was er morgen doch aus dem Kabinett erfährt, die allerhöchste Bewilligung seines Gesuches."

Bester Baron," murmelte Fredine mit einer anscheinend vor Bewegung halb erstickten Stimme,wie soll ich Ihnen für all Ihre Güte danken?" (Sie hatte offenbar vergessen, daß Velt­lingen einen erheblichen Anteil imt seinem Erfolg ihrer Ge­schicklichkeit zuschieben mußte.)

Er bog fein welkes Gesicht ganz nahe zu ihr hin.

Mir?"

Sie wandte schweigend den Kopf zur Seite, ein lockendes Lächeln um die schwellenden Lippen.

Er sah sie leidenschaftlich an, herrische Bitte in den flackern­den Augen.